Horizontalsperre von außen in Sandsteinsockel unbedingt nötig?

18.10.2007



Hallo,
vor 2 Jahren haben wir ein in 1900 gebautes Fachwerkhaus
gekauft. Vor 4 Monaten bemerkten wir in einem Raum Feuchtigkeit (bis Fensterhöhe) in der Außenwand und haben
sogleich einen Bausachverständigen zu Rate gezogen.
Dieser stellte nach eingehender Prüfung des darunter-
liegenden Kellers fest, dass die Außenwand klitschnass ist
und somit die Feuchtigkeit schon in die Wohnräume hochzieht. Außerdem stellte er fest, dass die Vorbesitzer
im Keller einfach eine 2. Wand vor die Aussenwand gemauert
hatten, sodass die Feuchtigkeit keine andere Möglichkeit
hatte, als nach oben zu steigen. Inzwischen haben wir diese
2. Wand abgerissen und man merkt, dass die Aussenwand langsam abtrocknet. Eine Lösung hat uns der Sachverständige
angeboten, die wie folgt aussieht: wir sollen auf jeden Fall die betroffene Hausseite aufbaggern, Drainage legen, das vorhandene Mauerwerk aus Feldbruchsteinen Abdichten und davor eine Mauer aus Betonschalsteinen setzen lassen.
Diese Arbeiten sind auch schon soweit im Gang, jetzt sagt
uns unser Sachverständige jedoch, dass weiterhin eine
Horizontalsperre in unseren Sandsteinsockel von aussen notwendig wäre, um sicher zu gehen, dass die Feuchtigkeit
nicht weiter aufsteigt. Wir sind nun total verunsichtert,
und wissen nicht, ob dies wirklich notwendig ist. Zumal
wir im Keller ja schon sehen, dass die Wand trocknet und
die Horizontalsperre noch einmal ein sehr kostenintensiver
Faktor für uns wäre.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht und kann uns einen
Rat geben?

Viele Grüße
Silke



Horizontalsperre



Hallo Silke,
das ist aber ein bisschen viel auf einmal, was Euer Sachverständiger da rät. Ich habe den Eindruck, wenn er alle gängigen Methoden vorschlägt, wird schon das richtige dabei sein, er muß es ja nicht bezahlen...

Zu den einzelnen Ratschlägen:

1. Vorsatzmauer im Keller entfernen

Das war gut und richtig, so trocknet die Wand zum Keller hin aus, es kann sich ein Feuchtegleichgewicht zwischen Verdunstung und Wasseraufnahme einstellen. Wichtig ist nur, das sich dieses Gleichgewicht UNTERHHALB der Decke zum EG einstellt.

2. Aufbaggern, Dränung legen, senkrechte Abdichtung einbauen

Ob das erforderlich ist, hängt neben der Verdunstungshöhe von der anstehenden Geländeform und der Bodenart ab, also davon, ob zeitweilig drückendes Wasser ansteht. Eine Dränung macht übrigens nur dann Sinn, wenn sie ums ganze Haus geführt wird.
Eine partielle Dränung wird dann errichtet, um Baugruben usw. vor Hangwässern zu schützen, die nur von einer Seite anströmen. Gibt es denn diese Belastung? Das müßte im Gutachten Eures Sachverständigen stehen bzw. er sollte Euch den Sinn seiner Maßnahmen ausführlich erläutert haben.

Da er das anscheinend nicht hat:
Die Dränung hat nur einen Zweck zu erfüllen, nämlich kurzzeitig anstauendes Wasser drucklos zu halten.
Solche Aufstauungen entstehen, wenn rings um das Haus bindiger, wenig durchlässiger Boden ansteht und bei Regen Oberflächenwasser ans Haus und in die durchlässige Verfüllung der ehemaligen Baugrube läuft. So kann sich Wasser im unteren Bereich an der Wand ansammeln und hydrostatischen Druck aufbauen, bis es langsam versickert. Durch diesen Druck kann Wasser dann in großen Mengen in die Wand eindringen.

Eine senkrechte Abdichtung ist sinnvoll, sie verhindert das Eindringen von Bodenfeuchte ins Kellermauerwerk.
Ob sie erforderlich ist, hängt vom Zustand des Mauerwerks, dem Feuchtigkeitsanfall und der Nutzung des Kellers ab.

3. Betonvorsatz
Das Vorsetzen einer Betonschale ist nicht erforderlich.
Bei sog. "schwarzen Wannen" wurde früher eine Schale davorgesetzt, die die Abdichtung anpressen und vor Beschädigung schützen sollte.
Hier komplett überflüssig, zum Schutz einer senkrechten Abdichtung genügt ein Verfüllschutz aus Vlies und Noppenbahn. Das sichert auch den Abtransport sich anstauenden Wassers (Falls dieser Lastfall ansteht) drucklos in die Dränung.

4. Horizontalsperre

Hier kommt der Hosenträger zum Gürtel.

Grundsätzlich ist eine waagerechte Abdichtung die wichtigste Methode zum Schutz des Erdgeschosses vor aufsteigender Feuchte.
Sie wird unter der Erdgeschoßdecke angeordnet.
Wenn sich die Decke im Spritzwasserbereich der Außenwand (0 - 30 cm über Geländeoberfläche) befindet, wurde früher eine zweite waagerechte Abdichtung oberhalb dieser Spritzwasserzone eingebaut.
Die Frage ist also, wo will Euer Sachverständiger diese waagerechte Abdichtung einbauen?
Sie sollte auf jeden Fall UNTERHALB der Kellerdecke plaziert werden. Die obere Abdichtung kann man sich sparen, wenn der Sockelbereich in der Spritzwasserzone eine senkrechte Abdichtung erhält.
Die Abdichtung allein bzw. am falschen Platz nützt also nicht viel.

Nun zum Sandsteinsockel:

Unsere Vorgänger hatten das gleiche Problem, nämlich aufsteigende Feuchte vom Keller her.
Der Keller SOLLTE feucht sein, da er als Lager für Lebensmittel im Sommer möglichst kühl sein sollte. Um die Verdunstung zu erhöhen, wurden die Böden nur mit Steinen (Flachschichtpflaster) belegt.
Zur Trennung des feuchten Kellermauerwerkes vom trockenen Erdgeschoß wurde im Spritzwasserbereich Sockelmauerwerk aus Werkstein verwendet, Sandstein war ein häufig verwendetes Gestein dafür.
Also, ein gut gesetztes Mauerwerk aus großen, quaderförmigen Sandsteinblöcken mit engen Fugen IST EINE GUTE WAAGERECHTE ABDICHTUNG!
Die engen, mit Kalk gemauerten Fugen haben nur eine geringe Fläche, nur die paar Stoßfugen könnten kapillar Feuchte transportieren. Aber da ein grober, poröser Mörtel verwandt wurde, gibt es kaum Kapillarität. Und wenn der Socke nicht verputzt wurde, schützte er auch vor Spritzwasser. Das bisschen Wasser lief aus den Fugen schnell wieder heraus bzw. verdunstete.

Also, falls Ihr einen solchen Sockel habt, ist eine waagerechte Abdichtung überflüssig.

Fazit:

Die Mauer im Keller abzubrechen, war richtig.
Man hätte danach warten sollen, wie der Keller und dann die Wand im EG abtrocknet.
Falls der Sockel von der beschriebenen Ausführung ist, hätte ein Freilegen von eventuellem Verputz, das Neuverfugen mit Kalkmörtel und der Einbau einer spritzwasserbrechenden Schicht davor als nächste Maßnahme ausgeführt werden sollen.
Wenn dann keine nennenswerte Verbesserung in der Austrocknung der Wand sichtbar wäre,
hätte man als nächste Maßnahme den Einbau einer waagerechten Abdichtung unterhalb der Decke zum EG ins Auge fassen können.
Was den Keller betrifft:
So wie ich es verstehe, wolltet Ihr ein trockenes Erdgeschoß und keinen trockenen Keller.
Wenn Ihr einen Weinkeller wollt, in dem auch Gemüse und Obst gut lagert, dann braucht Ihr keine senkrechte Abdichtung und damit auch kein Aufschachten.

Ich habe übrigens mehrere solcher Fälle als Gutachter und Baubetreuer gehabt, in denen allein das Freilegen und Aufarbeiten des Sockels zu einer Trocknung des Erdgeschosses führte.

Noch ein Wort zum Schluß:
Es gibt neben Erdfeuchte noch eine Menge anderer Ursachen, die zu nassen Wänden führen können. Ich hoffe, Euer Gutachter hat diese Möglichkeiten auch geprüft und konnte sie so als Ursache ausschließen...

Viele Grüße
Georg Böttcher





Na prima Georg,
null Chance auch nur einen einzigen Einwand nachzuschieben.

((vielleicht könntest du ja mal eine Kleinigkeit vergessen, so das andere auch ne Chance bekommen was Gescheites nachzuschieben))

Klasse Beitrag!



unbesehen …



glaube ich dass die Ursache nicht erkannt wurde und wird und wie wild drauf los gearbeitet wird und die Standarts gemacht werden ohnen den wirklichen Grund der Feuchte in den Wänden zu kennen.
Kostet Geld und hilft auf die Dauer nichts!
Lassen Sie sich von allen eine Gewährleistung geben, dass die Massnahmen auch wirklich helfen!
Wenn die betrioffenen dann zusammenzucken - entscheiden Sie selbst!

Aus meiner Erfahrung werden zementäre und hoch hydraulische Mörtel und Kunststoff"vergütete" Pampen eingesetzt die alles Absperren auch die Abtrocknung der Wände - auch die horizontalen Sperren bringen nicht das was sie kosten!

Am Ende "schaut" alles trocken aus an der Oberfläche - aber im Inneren???
Der Sandstein wird sich vollsaigen und langsam seine Kraft verlieren -aber dann sidn die Bauunternehmer und Berater schon abgerechnet!
Dann geht alles von vorne los!

Alos Obacht - wer "Recht" hat stellt sich meist erst zu spät raus!

FK



supi



super beitrag georg wie schon mein vorschreiber erwähnt hat .
zum verfugen würde ich Luftkalkmörtel PS50 von Solubel nehmen.
bitte beim Verarbeiten beachten das,daß Material bis zum abbinden feucht gehalten wird sonst kann es zu abbindestörungen kommen.
gruß peter



Horizontalsperre im Sandsteinsockel ist nötig



Hallo Silke,


ausgeschachtet ist ja nun schon. Also eine Drainage, wenn die möglich ist funktionierts so am Besten:

http://www.mauertrocken-shop.de/download/Draenage_Drainage.pdf

Was der Beton davor bewirken soll weiss ich nicht, es reicht dann die Wand mit Bitumen zu beschichten. Der Beton müsste ohnehin beschichtet werden gegen Erdfeuchtigkeit. Also gleich die Aussenwand als schwarze Wanne machen nach der Untergrundvorbereitung.

Um eine horizontale Sperre kommen Sie nicht herum, wenn die Feuchtigkeit nicht in den Wohnraum ziehen soll bzw. statische Tragkonstruktionen geschützt werden müssen.

Mit freundlichen Grüssen.

Andrea Cyba