Wärmedämmung unter Schiefer - mit Dampfsperre?




Hallo,
nun lese ich schon einige Tage Kreuz und quer (und auch gezielt) im forum und habe Unmengen Informationen gefunden. Trotzdem bin ich noch immer unsicher bei folgendem Problem:
Situation: Fachwerkhaus Bj. 1902, nie als Sichtfachwerk, sondern ursprünglich verschiefert, seit den 60er Jahren mit Eternit beschlagen. Darunter Brettschalung, dann Fachwerk, ausgemauert mit Bimssteinen ("Schwemmsteinen"). Innen Putz und Tapete. In einigen Räumen fiel der Putz im Bereich der Balken ab, dort mit Bewehrungsgitter drübergeputzt, anschließend Lattung und Gipsfaserplatten drauf, ohne Dampfsperre.
Der Plan: Eternit runter, Schalung kann bleiben, darauf 2x 60er Lattung geschraubt mit Mineralwolle dazwischen, darauf neue Brettschalung, diff.offene Dichtungsbahn und Schiefer. Der Plan ist vom Dachdecker, er soll die Arbeit auch komplett durchführen.
Meine Fragen bei der Sache:
1. Sollte auf die alte Schalung, unter die zukünftige Wärmedämmung, zunächst eine Dampfsperre,damit der Wasserdampf aus den Innenräumen nicht in der Dämmung kondensieren kann?
2. Sollte nicht unter die neue Brettschalung, also über die Wärmedämmung, noch eine Hinterlüftungsebene? Ist z. Zt. nicht vorgesehen...
Ich würde mich freuen, wenn Jemand mit Erfahrung mir helfen könnte. Vielen Dank vorab!



Mineralwolle am Fachwerkbalken???



Hallo, ich bin absolut kein Experte, lese mich aber auch schon einige Jahre schlau. Meiner Meinung nach, werden Sie ein Eindringen von Feuchtigkeit in die Mineralwolle nicht verhindern können. Kommt sie nicht von innen, dann irgendwann von außen. Das Ergebnis wird sein, dass die Mineralwolle durchfeuchtet, nicht mehr dämmt, in sich zusammensackt, sich Wärmebrücken bilden und Sie dann noch mehr Feuchtigekeitsausfall haben. Da das ganze schwer abtrocknen kann, wird die Mineralwolle Ihre Balken schön feucht halten. Und irgendwann werden sie Ihnen weggammeln. Ich würde das so auf gar keinen Fall machen. Allerdings bin ich für Außendämmung nicht der Spezi, was die Alternativen betrifft. Aber vielleicht einfach noch ein bisschen in dieser Rubrik stöbern, da git es bestimmt genug patente Vorschläge. Übrigens bin ich auch bei Hinterlüftungen skeptisch, da gerade imm Sommer sich so wunderbar die Feuchte Luft einen Weg bahnen kann.

Beste Grüße
Andrea



Irgendwie kommt mir die Frage bekannt vor!





Re: Mineralwolle am Fachwerkbalken



Hallo Andrea,
vielen Dank für ihre Antwort. Ich war doch schon ein wenig enttäuscht, dass sich bei ca. 700 Klicks niemand gemeldet hatte...
@Fred Heim: Ich kann mir gut vorstellen, dass Ihnen die Frage bekannt vorkommt, und auch, dass es nervt, immer wieder die gleichen (oder ähnlichen) Antworten zu schreiben. Nun hatte und habe ich auch seither schon viel im Forum gelesen, Informatives, Erbauliches, Ermüdendes, ohne jedoch DIE Antwort zu finden - daher meine Frage. Ein noch so kurzer konstruktiver Hinweis hätte mich weiter gebracht...

Auf die Bedenken von Andrea: Sollte ich statt Mineralwolle besser Holzweichfaserplatten nehmen? In einigen Beiträgen wurde denen der Vorzug gegeben, da sie kapillaraktiv seien. Macht ihnen also eindringende Feuchtigkeit weniger aus?

Die Idee der Dampfsperre direkt auf der alten Wand lehnt mein Dachdecker strikt ab. Ich hätte gedacht, dass sie dort, also unter der neuen Wärmedämmung, ja immer noch auf der warmen Wandseite sitzt...

Meine 2. Frage zur Hinterlüftung der neuen Schalung für den Schiefer hat sich erledigt; das war offensichtlich ein Missverständnis zwischen Dachdecker und mir. Selbstverständlich käme dort eine Hinterlüftung hin... Ich denke,dass gerade im Sommer dort Feuchte Luft auch wieder abtrocknet, wenn die Sonne auf den Schiefer scheint.
Viele Grüße,

Robert



Wärmedämmung unter Schiefer mit Dampfsperre



Stimmt, Fred,
das hatten wir so ähnlich schon mal. Auch da sollte eine Verschieferung samt Traglattung und Schalung auf eine bereits vorhandene Schalung aufgebracht werden.

Für Robert:
1. Eine Dämmung auf die vorhandene hinterlüftete Schalung aufzubringen ist Nonsens.
2. Die Belastung der alten Verbindungsmittel mit der neuen, schweren Vorhangfassade ist kritisch, da der Abstand von der Wand zu einem Fehlhebel (Drehmoment) in der alten Befestigung führt.
3. Alternativ schlage ich vor:
- Abbbau der alten Verkleidung samt Schalung
- Überprüfung der alten Traglattung und ggf. Nachbesserung
- Einbau einer Dämmung (Holzfaserplatten o.ä.)
- Unterspannbahn als Winddichtung
- Schalung
- Beschieferung

Viele Grüße
Georg Böttcher



Noch mal von mir



Danke Georg, ich war fast sicher, dass hier die gleiche Frage nur wiederholt wurde, hatte aber nicht die Zeit zu suchen.
1. eine Dampfbremse (keine Dampfsperre) direkt von außen auf der alten Wand kann durchaus Sinn machen. Wenn der Dachdecker diese strickt ablehnt, soll er doch bitte einmal ausführen warum!
2. bezgl. des Aufbaus schließe ich mich Georg's Ausführungen an. Er hat aber die Hinterlüftung nicht angegeben, die ich für sehr wichtig halte. Darüber hinaus soll der Dachdecker die diffusionsoffene Unterspannbahn verkleben.

Eine kleine Berechnung der Konstruktion würde sicherstellen, dass die Diffusion funktioniert, würde den Dachdecker bzgl. der Dampfbremse beruhigen und würde garantieren, das die EnEv eingehalten wird.



Danke an Fred und Georg



für eure Antworten.
Die derzeit (seit 1902) vorhandene Schalung ist nicht hinterlüftet, sie ist direkt auf das Fachwerk genagelt. Darauf war ursprünglich Naturschiefer, jetzt Eternit. Der kalte Westerwälder Wind pfeift durch alle Ritzen und wird erst vom Innenputz gestoppt. Es gibt also gar keine Traglattung. Ich denke daher schon, dass die alten Bretter bleiben können; die neue Lattung wird bis in die Balken durchgeschraubt.
Ich freue mich, dass ich mit der Idee von der Dampfbremse nicht ganz so daneben zu liegen scheine. Es gibt ja keine Innendämmung, die vorhandene Wand müsste also warm sein, wenn sie von außen gedämmt wird. Die einzige Dämmwirkung hat das Holz der Balken und die Bimssteine der Ausmauerung der Gefache (11,5er, original 1902, vermute ich).
Die Begründung des Dachdeckers für die Ablehnung der Dampfsperre (inzwischen eher Dampfbremse) war, es müsse alles diffusionsoffen sein, sonst gebe es Feuchteschäden.

Würdet ihr mir auch von Mineralwolle abraten, wie Andrea weiter oben? Wären Holzfaserdämmplatten besser?

Gruß,
Robert



Wärmedämmung unter Schiefer



Wenn nach Deinen Worten zufolge der kalte Westerwälder Wind durch alle Ritzen pfeift, wird er es auch später tun, egal, wieviel und welche Wärmedämmung auf die Schalung aufgebracht wird.
Die Dämmung muß winddicht und diffusionsoffen auf der Wand liegen, um zu wirken!

Viele Grüße
Georg