Hallo erstmal!

28.09.2014



Hallo an alle! Ich bin neu im Forum, verfolge jedoch Eure Beiträge und Diskussionen mit hohem Interesse. Möchte auch sagen, dass das Niveau sehr hoch ist und Fragen ernst genommen und auch beantwortet werden - ist nicht überall so.

Seit drei Jahren sind wir Besitzer eines ehemaligen Bauernhauses in Österreich im Waldviertel. Erbaut ca. 1850, Außenwände aus Stein, Bausubstanz ok.

Und gleich eine aktuelle Frage, auf die ich bislang keine Antwort gefunden habe:

Ich möchte die Decke im ehem. Stall wärmedämmen.
Es handelt sich um eine Gewölbedecke bzw. preußische Kappendecke bestehend aus Ziegel, am Rand Stahlträger, Weite ca. 1,5m, Kappenhöhe ca 15cm, Zustand ok, wird seit ewigen Zeiten als Dachboden genutzt. Nachdem die darunterliegenden Räume seit heuer beheizt werden möchte ich die Decke darüber gerne wärmedämmen.

Ich habe die Kappen freigelegt, es waren Holzbretter darauf, auf Polsterhölzern aufgenagelt, darunter uralte Schüttung, würde sagen Stallmist von vor 100 Jahren. Die Ziegel sind gut erhalten, Fugen musste ich an manchen Stellen schließen, belastbar ist die ganze Fläche (ca. 70m²), also zum Drübergehen reichts, größere Erschütterungen wie z.B. durch Maschinen würde ich mich nicht trauen.

Ich möchte den Dachboden weiterhin als Abstellraum nützen, also kein Ausbau oder höhere Belastungen. Als Dämmung würde ich gerne natürliche Stoffe nehmen, Kunststoffe scheiden für mich aus, bei mineralischen Stoffen bin auch ein wenig skeptisch.

nun meine konkreten Fragen:
- soll ich einen Holzrahmen bauen und mit Schüttung dämmen?
- wo sollte der Holzrahmen aufliegen? Am tiefsten Punkt über den Stahlträgern?
- ist eine schwimmende Verlegung möglich? (an der Rieseldichte arbeite ich gerade)
- ich würde gerne Holzbretter auflegen, vielleicht auf Dachlatten geschraubt

Vielleicht hat jemand von Euch den Weg schon hinter sich und kann mir ein paar Tipps geben.

Ich freue mich auf Eure Antworten

lieben Gruß aus dem Waldviertel!



Zum



Bestand der Kappendecke gehört eine Schüttung aus schwerem Material bis OK Kappe, meist wurde Magerbeton oder Schlackenbeton eingesetzt. Auf der daraus resultierenden relativ ebenen Fläche kann dann ein Holzfussboden aufgebaut werden. Lagerhölzer auf Mörtelsäckchen waagerecht verlegt, darauf Dielen, oder schlichter, Rauhspund. Der Zwischenraum kann für Wärmedämmung genutzt werden.
MfG
dasMaurer



vielen Dank



vielen Dank für Ihre Antwort



In



Österreich war und ist die Schüttung auf "Platzldecken" (so der gängige Name) meistens lehmiger Sand (das, was auch als Mörtel und Putz verwendet wurde) aus Abbrüchen, gemischt mit Ziegelbruch und was sonst gerade so da war. Man hat immer wieder den Eindruck, dass die da ganze Häuser minus Holzteile durch die Mühle gedreht haben und dann noch ihren ganzen Müll in die Schüttung entsorgt - alte Schuhe, verschlissener Blaumann, Straßenbahnfahrscheine, zerbrochenes Geschirr, abgenagte Maiskolben und Schweineknochen, hunderte abgebrannte Zündhölzer,...
Beton findet sich jedenfalls in meiner bisherigen Erfahrung nie, nur schwere lose Schüttung. Die wird auch bei Umbauten meistens nicht entfernt, sondern nur abgegraben bis die Aufbauhöhe stimmt und dann betoniert.

Wie massiv sind die Kappen? Ich kenne über Ställen oft viertelsteinige Kappen, also aus liegenden Ziegeln, die sind nicht sonderlich tragfähig.



die



Ziegel sind stehend eingemauert, d.h. Höhe = Ziegelbreite. Etwa 3/4 der Gesamtfläche war bereits freigelegt, im letzten 1/4 liegt Holz, darunter Stallmist. Der Boden ist ganz gut begehbar, aber weiter belasten möchte ich ihn nicht, eher entlasten und dämmen, weil darunter seit heuer geheizt wird.



Bei



halbsteinigen Kappen sind die Baumeister vor 100 Jahren offensichtlich schon von einer belastbaren Decke ausgegangen. Findet man auch unter Wohn- und Gewerberäumen, z.B. in diesem Haus hier in Wien unter allen Küchen und Bädern sowie über dem gesamten Keller.

Die übliche Schüttung war lehmiger Sand aus Abbrüchen, eventuell (Luxus) oben noch feine Hochofenschlacke drauf, Polsterhölzer (5x8er-Staffeln) in diesem Schutt liegend und Holzboden drauf. Typische Sanierung: Schüttung abgraben bis genug Aufbauhöhe ist, PE-Folie auslegen und betonieren. In de Fall würde ich meinen, dass ein paar cm Sauberkeitsschicht und darüber Wärmedämmung genügen.

Die Vorbesitzerin vom Wochenendhaus meiner Oma hat das recht originell gelöst... die hat einfach auf den Schutt loses Stroh in großen Mengen geschüttet, weil der Dachboden vorher eh landwirtschaftlich genützt war. Keine Ahnung wie umwerfend die Dämmwirkung von 15 cm losem Stroh ist... aber der Raum braucht sowieso noch erhebliche Sanierungsmaßnahmen, eine Mauer ist bis oben hin erdberührt (Hanglage) und weder gedämmt noch sinnvoll abgedichtet, dadurch und dank stallbedingter Salzbelastung liegen immer wieder Verputzteile im Bett...



Vielen Dank für die Tipps!



Das Gewölbe ist bereits freigelegt worden, d.h. Ziegelboden. Sollte die Belastung auf die Decke nicht möglichst gering bleiben? Mir ist auch geraten worden Trockenschüttung einzubringen und darin 5x8cm Staffel legen. Derzeit kann man bedenkenlos über die Decke gehen, es stehen auch schon seit Jahrzehnten alle möglichen Gegenstände auf dem Dachboden.

Die Folie würde ich mir gerne sparen, damit sich das Raumklima in den darunterliegenden Räumen nicht ändert.

lg
Martin



Ahm



eine Gewölbedecke soll nach allem was ich mir zusammengelesen habe durchaus zumindest in den Zwickelbereichen belastet werden! Deswegen wird dort heute oft sogar Beton empfohlen. Trockenschüttung und Staffeln... was für eine Schüttung? Wenn sich die nicht wirklich komrpimieren lässt, wird das sehr mühsam bis unmöglich. Das alte Lehmzeug kann man trocken sehr fest stampfen, die Körner verkrallen sich richtig. Mit Liapor oder Vabiflor geht das kaum.

Die Wirkung einer Folie oberhalb der verputzten und gemalten Gewölbedecke überschätzt du glaube ich gewaltig, da diffundiert vorher schon nicht mehr viel.



danke -



guter Tipp! In den Zwickelbereichen betonieren. Bzgl. Schüttung hätte ich an Perlit gedacht. Ich habe schon eine kleinere Fläche damit gemacht, wird schön fest.



Also



ich würde mich mit dem was mir das Lagerhaus unter Perlit verkauft hat nicht trauen, einen schwimmenden Aufbau mit Polsterhölzern zu machen! Das war schon mit aufliegenden Hölzern lästig genug.



was



ist passiert?



Naja



das sind relativ luftige Kugerln, die sich zwar verdichten lassen, aber absolut nicht den Eindruck mechanischer Stabilität erwecken. Auf so eine alte Lehmschüttung kannst du draufsteigen und siehst nachher keinen Schuhabdruck wenn sie ordentlich gestampft ist.

Bei Perlit kann ich mir nicht vorstellen, dass das Endergebnis sich nicht noch erheblich setzt. Eventuell geht das mit anderen Körnungen besser, aber mit dem was wir haben jedenfalls nicht. Ich würde außerdem vermuten, dass sich die Kugerln bei Belastung zerdrücken und alle Hohlräume auffüllen, die kannst du mit den Fingern zerreiben!



danke



für die guten Tipps und wertvollen Hinweise - jetzt weiß ich schon viel mehr. Mal sehn wie und wann ich es angehe
lg
Martin



Bitte



gern!

Übrigens hab ich vor einiger Zeit bei Bekannten aus dem Waldviertel eine warnende Anekdote gehört. Irgendwelche Leute aus der Gegend wollten durch eine Steinmauer Löcher für zwei 15-mm-Heizungsrohre machen. Dabei ist ein Stein locker geworden. Den haben sie herausgenommen. Dann war der nächste Stein locker usw. - bis sie ein Loch im Garagentorformat gehabt haben :-D