Kann neues Dach für Stampflehmbau zu schwer werden?




Guten Abend zusammen,
ich habe gerade ein altes Siedlerhaus erworben und brauche nun dringend und schnell Rat, da scheinbar alles anders kommt als gedacht....
Äußerlich wie innen sah das Haus zunächst ganz gepflegt und - für alte - soweit in Schuss zu sein. So wurde im Laufe der Jahre immer mal wieder was modernieisert (Elektrik, Gas-Therme, Fenster, neue Sickergrube, Dachziegel "gereinigt und frisch gestrichen", Fassade verputzt...) Auch roch es bei den 2 Besichtigungen drinnen nicht (obwohl vorher nicht gelüftet wurde...)
Es war innen halt nur alles verbaut, sprich: vier Tage lang habe ich alle Raumwände und Decken von Styroportapeten befreit...
Und nun sieht man Folgendes: Die Wände haben alle - auch die Innenwände ca. einen Meter Feuchtigkeit gezogen (Felsteinsockel ohne Sperre). Unter den 3 Linoleumböden verbarg sich ein Betonboden, den man anscheinend einfach nur auf die Dielen draufgeschüttet hat... Und die Dielen sind nun weggegammelt, zumindest denke ich, dass das breiige "Etwas" unter den 4 cm Beton die alten Dielen sind... Und die in den Neunziger neu gemachte Elektrik hat man mit Fliesenkleber verputzt, die neuen Fenster großzügig mit mit (Kalk)Zement o.ä. Der Fliesenkleber wurde dann auch noch bei allen Löchern im Putz als Schnellfüllung genutzt!!!
Auch offenbarte der freie Blick im Wohnbereich eine ca. knapp 50cm dicke Lehmstampfwand (inkl. des Putzes außen), wobei am Sockel zunächst 5 gebrannte Ziegel mit Lehm gemauert sind, bevor die Stampfwand anfängt. Die Innenwände und die Wände im Stallteil sind entweder zwei Ziegel (z.B. die Außenwände) bzw. ein Ziegel stark...
Ob die 50cm Außenwände - von außen betrachtet - auch erst noch 5 Ziegellagen verfügt oder sogar bis zur Deckenhöhe komplett gemauert sind, kann ich wegen des Außenputzes nicht sagen.... Soweit zum Aufbau,
Nun meine drei Fragen:
1. Wir wollten das DG weiter ausbauen/modernisieren und Nach erster Berechnung der Statik hat mein Onkel - der mir netter Weise die Statik macht - die Rückmeldung gegeben, dass die Mittelpfetten mit 13/15 völlig unterdimensioniert sind (ja, man kann sehen, wie sich diese nach innen durchbiegen)... Eigentlich wollten wir das Dach erst in 10 bis 15 Jahren machen, weil es eigentlich noch dicht war. Jetzt wollen wir natürlich erst mal das Dach neu zu machen, was gleichzeitig den den Vorteil mit sich bringt, dann gleich eine vernünftige Unterspannbahn auf den Sparren zu haben für eine Zwischensparrendämmung. Mein Onkel geht in seinen PLanungen davon aus, die Mittelpfetten mit 14/28 zu dimensionieren, die Sparren (bisher 10/12 oder Rundhölzer ca. 12/13 Durchmesser auf bis zu einen MEterAbstand) auf zukünftig 8/18 mit einem Abstand von 67 cm (soll ja gleich ausreichend Platz sein für eine 18er Dämmung). Neben den Mittelpfetten müssen dann auch die die Pfosten und die Kehlbalken für den Spitzboden mit größeren Maßen ausgewechselt werden...
Jetzt endlich meine Frage bzw. meine richtig große Sorge: Kann der neue Dachstuhl zwar für ein Ziegelhaus statisch okay sein, aber für ein Stampflehmhaus zu schwer? Im EG habe ich beim Lehmputz-wegschlagen z.B. schon 4 cm Riss über die gesamte Höhe der Wand entdeckt. Auch sind die Außenwände bei genauerer Betachtung nicht wirklich gerade...
Frage 2: feuchte Innen- und Außenlehmwände im EG. Mein Plan ist nun, nach dem neuen Dach das DG schnell bewohnbar zu machen und die Zimmer im EG erst im nächsten Sommer neu mit Lehm zu Verputzen (außer Küche und Bad). Habe mal gehört, dass man zu dieser Jahreszeit keinen Lehm mehr Verarbeiten soll (haben totalen Zeidruck, wir müssen bis Ende des Jahres aus dem jetzigen Haus raus sein....). Außerdem will ich mal sehen, wie sich Feutigkeit durch stetiges Heizen+Lüften sowie kein-Styropor-mehr entwickelt... Was denkt Ihr/deneken Sie?
Frage 3: Eigentlich wollte ich im EG zwischen zukünftigem Ess- und Wohnzimmer einen Durchbruch machen. Ein Bekannter meinte, dass bei Lehmwänden konventionelle Stahlträger nicht einbetonierbar seien bzw. natürlich macht mir das jede Baufirma auf Wunsch, es sei aber bei einem Lehmbau absolut nicht sinnig. Ich solle lieber einen kleineren Durchbruch max. 2 Meter vornehmen und einen getrockneten und ausreichend dicken Holzbalken mit je 50 cm Auflage gleich unter die Deckenbalken in Lehm einsetzen. Was sagt Ihr/sagen Sie dazu?
fragt und grüßt
Thomas
P.S. Gerne stelle ich auch meine "Jugend forscht-Zeichnugnen" von der Dachkonstruktion und Balkenlage sowie Fotos von den Wänden ein...



Antworten...



ad 1: Muss der Statiker/Onkel hinkriegen...
ad 2: Prima Plan...
ad 3: Je dezenter der Eingriff in das funktioniernde statische System, desto besser

Gruß,
sh



Danke



für die schnellen Antworten. Will nochmal kurz nachhaken.
Wie "stabil" sind diese Stampflehmhäuser denn eigentlich. Sind die genauso stabil wie komplett gemauerte oder doch eher sensible Gebäude? Will ein bißchen mehr Gefühl für das neue Eigenheim bekommen...
fragt
thomas





Hallo,

den Bemerkungen nach sind Sie an ausgesprochen vernünftige Berater/Handwerker geraten.
Sie werden jetzt überrascht sein, wie reparaturbedürftig ein altes Haus ist, aber Ihre Beschreibungen sind eher typisch.
Die Mittelpfetten können verstärkt werden, die Sparren scheinen Sie erneuern zu müssen.
Das neue Dach wird nicht zu schwer. Maßgebend sind ohnehin die Wind- und Schneelasten. Und mit 50er Lehmwänden steht das Haus recht stabil.
Einen Überblick über die wesentlichen Probleme und Eigenschaften von Lehmbau im Vergleich mit Mauerwerksbau gibt dieser Artikel:
http://www.moderner-lehmbau.com/deutsch/editorial/lr_d65.htm

Insbesondere die Aussagen, Lehmwände seien bis zu einer Schlankheit von 1:10 problemlos, und der Sicherheitsbeiwert liege bei 2,0 läßt mich Ihr Haus auf der besonders sicheren Seite vermuten, eben nach alten Handwerksregeln gebaut.

Grüße vom Niederrhein



Vielen Dank



für den Artikel, den ich als Laie aber leider nur schwerlich verstehen kann.... Nur zwei Dinge habe ich verstanden:
1. Es gibt Häuser, die komplett aus Stampflehm und ohne Ziegel stehen und deren Außenwände lediglich mind 38 ca. stark sein müssen, um bis zu zwei Geschosse hoch bauen zu dürfen?
2. Einen Stahl- und Betonträger dürften wir Laut Norm gar nicht für unseren geplanten Durchbruch im EG nutzen?
Korrekt?

Was meinen Sie genau mit--> Schlankheit mit "1:10 problemlos" und "Sicherheitsbeiwert von 2,0"
Die Wände sind mit Putz nur knapp unter 50 cm im Wohnbereich und 40 cm im Stallbereich stark...
ISt das trotzdem noch ausreichend, auch falls keine Ziegel außen liegen und ab 40 cm alles komplett gestampft ist (siehe oben)??? Ich mag das - als Kind aus dem Betomnzeitalter - noch gar nicht richtig glauben...

Und könnten Sie zu Folgendem noch eine Einschätzung geben?
Die Innenwände sind ca. 15 und 30cm stark (1 bzw. 2 gebrannte Ziegel stark und mit Lehm (ausschließlich?!) "verfugt"). Auf diese Mauern will mein Statiker nun die beiden neuen Pfosten für die Mittelpfetten im Haus setzen. An den Giebeln stehen diese auf einem Balken, der wiederum auf der Länge der Giebelmauer liegt. Ein Pfosten soll auf eine 2 Ziegel starke (Übergangswand zw. Stall- und Wohnraum, die zweite auf die ein Ziegel starke Wand (zw. Flur und Wohnzimmer) gestellt werden.
Bisher standen die Pfosten jedoch auf Deckenbalken! im Wohnzimmer mittig auf zwei nebeneinanderliegenden 13/20 Deckenbalken, im Stall auf einem Balken, der auf 3 Deckenbalken aufliegt- allerdings direkt neben der 2-Ziegelmauer...) [ ich hoffe, sie können die Beschreibung verstehen. Deckenbalken liegen im Wohnbereich längst zur Giebelmauer, im Stall quer dazu. Gerne schicke ich eine Skizze).
Mein Onkel meinte, dass bei der Deckenbalken-Variante die Lasten beim Neuaufbau des Dachstuhls zu groß würden und ggf. Balkenverstärkungen nötig wären. Um dies zu vermeiden wären wir mit der Mauerauflagenvariante auf der sichereren Seite .... (vielleicht braucht es bei der 1-Ziegewand noch einen Pfosten bis zum Fundament, das müsse er noch genauer berechnen...)
Was denken Sie? Warum hat man die Mauerauflage nicht schon früher gemacht?

denkt und fragt
Thomas



P.S.



.. Und hat jemand noch eine Idee, wie ich die Risse im Stampflehm verfuge/stopfe. Will nicht wie mein Vorgänger erneut Fliesenkleber verwenden....
Und soll ich mit dem Ausbessern auch bis zum trockenen Sommer warten und bedarf es hier eine schnellen Reparatur?





Hallo,

Schlankheit 1:10 heißt, dass eine 30 cm dicke Mauer 3 m hoch sein darf. Sicherheitsbeiwert 2,0 besagt, dass Bruch statistisch erst beim 2fachen der rechnerischen Höchstspannung erfolgt.
Den Rest muss Ihr Statiker verantwortlich vor Ort klären.
Risse können Sie einfach mit Lehm wieder verspachteln.

Grüße



Vielen Dank!



und beste Grüße aus dem Norden!