Lehmhaus in Ungarn trocken legen

07.09.2007



Hallo, ich habe ein Bauernhaus aus Lehm in Ungarn. Das Haus hat keine Bodenplatte (zu alt), die Wände stehen einfach so auf dem Untergrund. Die Wände sind innen und außen feucht bis in ca 1 M Höhe. Wie bekomme ich das trocken?

Innen liegt Dielenboden, der jetzt auch schon anfängt zu schimmeln. Unter den Dielen wurde ausgeschachtet und Beton ein gegossen. Ob da noch irgendwas zur Isolierung gemacht wurde weiss ich nicht. Das ist im Sommer 2006 gemacht worden. Die Wände sind mit keine-Ahnung-was verputzt und darauf ist Kalkfarbe.

Ich wollte außen eine Drainage ums Haus ziehen, Birken pflanzen und natürlich die Dachrinne reparieren.
Aber was mache ich innen?
Das Haus ist aus Lehmziegeln gebaut. Teilweise sind die Ziegel noch erkennbar, teilweise sieht es einfach nur nach Pampe aus, die zur Wand aufgegossen wurde.

In einem anderen Beitrag habe ich den Vorschlag gelesen, einfach einen Meter um das Haus rum alles zu betonieren. Das ist eine typisch ungarische Lösung, die aber nicht hilft. Die Häuser meiner Nachbarn haben das und sind trotzdem feucht.

Vielen Dank für Eure Hilfe!



Der Beton ..



wird mit die Ursache sein, dass die Feuchte bis 1 m steigt.
dann müsste man wissen, was für ein Putz innen und oder aussen drauf ist!

Ist da in den letzten Jahrzenten saniert worden?

Drainage ist bei so labilen Fundamenten sehr riskant! VOrsicht!

FK





was mir bis jetzt schon an Vorschlägen gemacht wurde:
- Drainage ums Haus
- Luftlöcher in die Wände, damit die Luft zirkulieren kann (wenn ich nicht da bin und Lüften kann)
- Teeranstrich außen (muss dann wohl aber erst trocken sein)
- "Trocken-Wand" in die Wände als Sperrschicht
- unter den Wänden alles ausheben, Teerpappe als Sperrschicht zwischen Wand und Boden
- unter den Dielen noch mit Folie gegen Feuchtigkeit isolieren





Das Haus wurde 2006 "saniert".

Die Wände wurde innen und außen verputzt. Es lagen jede Menge Betonsäcke rum. Aber was die Ungarn da zusammen gerührt haben, weiss ich nicht genau.

Bis zur Sanierung war nur Lehmboden in den Zimmern, in der Küche Fliesen. Ich wollte Dielen haben, darum wurden die Zimmer ausgeschachtet und Beton rein gegossen. Ob mehr (zur Isolierung) gemacht wurde weiss ich nicht. Ob zwischen Beton und Dielen noch was ist weiss ich leider auch nicht (mein Exmann, ein Ungarn, hatte die "Bauleitung" und angeblich alles im Griff....).



Das ist alles ...



immer das Gleiche mit den Vorschlägen.
Die klappen bei Neubauten nicht und nicht bei Altbauten - und erst rech nicht bei so alten und sensiblen Dingern wie Lehmbauten.
Die Wände waren sicher nicht so feucht - bevor der Beton reinkam.
Und richtig trocken waren die auch nicht.
Das hängt mit verschiedenen Sachen zusammen und man braucht ein gutes Fingerspitzengefühl und eine genaue Kenntnis von der Lage des Hauses und den äusseren Gegebenheiten um da richtig was sagen zu können!
Das ist sehr komplex und die Ratschläge hängen meist in der Luft die man aus dem Net bekommt!
Alles was da sperrt, sperrt auch die Austrocknung - das haut alles nicht hin!

Die haben halt alles mit dem praktischen und billigen Zementscheiss gemacht - der muss m.E. so schnell als möglich wieder raus - sonst richtet er noch mehr schäden an - denn eine durchfeuchtete Lehmwand hält nicht so gut wie eine trockene!
VORSICHT! Sonst gehen Ihnene die Wände in die Knie!
und die Dielen raus und den Beton drunter auch!

Der Rat ist zwar nicht populär aber ehrlich!

FK





die Wände waren vorher auch schon etwas feucht. Als ich das Haus gekauft habe, roch es etwas muffelig. Ich habe das aber darauf geschoben, dass das Haus schon fast ein Jahr leer stand, aber die ganze Möbel noch drin waren und vor sich hin gammelten. Es war auch kein Putz an der Wand. Der war schon abgefallen.

Das Haus liegt an einem leichten Hang. Nebenan in der Wiese steht in ca. 50m Entfernung Schilf, auch im Hochsommer vertrocknet es nicht. Es ist also sehr feucht dort. Das Grundwasser steht auch sehr hoch. Unser Brunnen hat nach ca 1,5 Metern schon Wasser.

Was für einen Untergrund macht man denn dann unter die Dielen?
Trocknen die Wände dann von alleine?



Trocken ist nicht gleich trocken!



Hallo
Sie schreiben schon über die Umgebung und da liegt einiges zum Nachdenken.
Der Betonboden drückt sozusagen die Feuchte an die Seiten, die dann hinter dem zementären Putz innen und aussen hochsteigt und die Wände feucht hält.
Nix gut!
Was war denn da früher fürn Boden drinnen? Nur Stampflehm?
Das mit den Dielen ist bei den Gegebenheiten nicht so einfach - da müsste rundum immer Luft hin und das ist nicht so einfach zu gewährleisten bzw. hinzubekommen.
diese Häuser waren auch meist bewohnt und es herrschte immer Luftaustausch - jetzt stehts teilweise unbewohnt rum und die Feuchte kommt rein aber nimmer raus - Veränderte Nutzun - bei den Häusern nicht so einfach!
Als Heizung - was gibts da Neues oder altes?

FK



Heizung



war früher im Schlafzimmer ein Kachelofen, der konnte leider nicht erhalten werden, die Risse waren zu groß.
Im Wohnzimmer stand auch ein Ofen, in der Küche ein Herd.

Zur Zeit sind keine Öfen im Haus. Es soll aber wieder eine Ofenheizung rein.



Als Fußboden



war im Wohnzimmer nur gestampfter Lehm.
Im Schlafzimmer war einfach Beton drüber gekleistert. Darunter war vermutlich auch nur Lehm.

Ich habe hier im Forum schon mehrfach gelesen, dass bei so alten Häusern Kies oder Schotter eingeschüttet wurde und die Dielen darauf verlegt wurden.
Ist das ausreichend?



Diese Art von Heizung



ist für so ein Bauwerk m.E. das Beste!

Ich würde die Bodenplatte entfernen und wieder solche Öfen reinbauen, die hohen Strahlungsanteil haben.
Schauen Sie mal bei www.sancal.de rein - evtl. sehen Sie dann strahlungsmässig klarer.
Dann würde ich die Zementputze raus und wegmachen - trockenen lassen und mit Luftkalk verputzen!

Das mit den Luftschluitzen oder Löchern ist nicht schlecht und bei den Brettern mit feuchtem Lehmboden würde ich sehr vorsichtig sein - da traue ich mich nichts zu sagen; wenn alles andere passt - vielleicht ...

Da müssen Heizung, Lüftung, Putz und Bodenmaterialien zusammenpassen dann könnte es klappen aber das ist eine diffizile Geschichte.
Das mit dem Schotter unten ist im Prinzip schon richtig aber bei den Boden und Fundamentbeschaffenheiten kanns auch kritisch werden!

FK



zwecks Lüftung



wollte ich Luftschlitze (mit feinen Gittern versehen gegen Viehzeug) in die Wände bohren. So ähnlich wie man es bei Häusern mit Gasöfen in den Zimmern sieht.

Im Schlafzimmer ist noch ein etwa Tennisball großes Loch in der Wand, das zur Veranda raus geht. Dies Zimmer ist nicht ganz so feucht wie das Wohnzimmer. Auch hat sich hier noch kaum Schimmel gebildet.



Bilder



vom Haus und der "Sanierung" gibt es im Netz unter www.sonjaschneider.com

Die aktuellen Schäden sind allerdings nicht zu sehen....



Schöne Seite!



Wenn ich das so sehe, wirds mir bang!
Zementputz bis ins Dach - da steigt die Feucht bis nauf!

Betonplatte und Fliesen ... die Hochlochziegel sind auch nicht so klasse dafür!

Sie schrieben es schon: Das ist eine typisch ungarische Lösung, die aber nicht hilft obwohls nicht typisch "ungarisch" ist - das wird hierzulande auch so gemacht udn immer mehr abgedichtet und zugekleistert, mit falschen und billigen Mitteln gepfuscht was das Zeug hällt!

Zu guter letzt ist alles "fertig" - fix und fertig!

Die Krux liegt im Detail .... und das Kind liegt im Brunnen ... es wird schwer es wieder ans Trockene zu bekommen!

FK



gepfuscht



wurde was das Zeug hällt...
Der Putz rieselt außen (wohl zum Glück) schon wieder ab. An der Seite zur Straße kann man mit dem blanken Finger in den Putz bohren und er rieselt runter wie Sand.

Mit dem Gedanken, den Putz innen wie außen wieder abzuklopfen habe ich mich schon abgefunden.

Problem ist nur, dass ich das dieses Jahr nicht mehr schaffe, auch finanziell nicht. Ich hoffe, das Haus steht im nächsten Frühjahr noch und es ist dann nicht schon zu spät um es zu retten.



Nur Mut!



Wenn man schon einen Lichtschein am Horizont sieht!

Versuchen Sie halt so viel als möglich und so schnell als möglich runter zu bekommen!

Dann kanns ja wieder trocknen! Und das ist ja nicht schlecht!

Weiter so!

FK



Ja im schönen Magyar-Lande



Leider kenne ich aus eigenen Besuchen viele derartiger Fälle bzw. konnte diese auch teilweise anschauen.
Die Wortmeldungen von Florian sagen bereits sehr viel aus und wir stehen damit auch mit auf seiner Seite.
Die Interpräsentation Eures Anwesens zeigt ganz deutlich, daß da wirklich wahnsinnig viel falsch gemacht wurde und sich nun bereits rächt.
Die Ungarn sind zwar gute handwerkliche Pfiffikusse, doch die Ergebnisse sind nach einiger zeit auch dann so sichtbar.
Hier hilft jetzt eigentlich nur eine kompetente Bestandsanalyse, die dichten Betonflächen entfernen, die zementhaltigen Putze wieder ab und dann über eventuell Wandheizsysteme und diffusionsoffene Sanierungsmaßnahmen eine grundlegende verbesserung der baulichen Substanz zu erreichen.
In welcher Ecke von Ungarn befindet sich das Objekt?
Wir haben Kontakt in die Puszta und in die Nähe von Dunaújváros.
Nachfolgend ein Bild von einer Reise in diese Gegend, wo ich einmal den Fotoapparat zu dieser Problematik gezückt habe.
Wir stehen Ihnen gern mit Facherfahrung zur Seite.

Grüße und nicht den Mut verlieren

Udo



also:



ich werde am nächsten Wochenende nach Ungarn fahren und innen und außen den Putz abklopfen. Außerdem will ich Luftlöcher in die Wände bohren, damit die Luft zirkulieren kann (im Schlafzimmer ist noch ein Loch in der Decke zum Dachboden und hier sehen die Wände nicht so schlimm aus).
Alles weitere dann im nächsten Frühjahr - ich hoffe das Haus steht dann noch....



Mein größtes Problem ist...



dass ich schon mein ganzes Geld in die bisherigen(Pfusch-)Massnahmen gesteckt habe. Ich kann jetzt also nicht mal schnell den Betonfußboden rausreißen lassen oder eine Heizung einbauen.

Ich bin sehr dankbar für die ganzen Tipps und Hilfsangebote, die ich hier bekommen habe. Alles was sich jetzt ohne großen Geldaufwand in Eigenleistung machen lässt, werde ich sofort in Angriff nehmen. Alles andere muss noch bis zum nächsten Frühjahr warten. Ich hoffe, es ist dann noch nicht zu spät.....

Das Haus steht in der Nähe von Siofok, etwas südlich vom Balaton.



Machen wir'n Fachwerk.de Ausflug!



Wie wär's denn mit einem handwerklichen "Fachwerk.de-Ausflug nach Siofok?
Fahrgemeinschaft, Gesamtbegutachtung, handwerkliches Anpacken und abends ungarisches Flair?
Die sächsische Regionalgruppe ist für viele "Schandtaten" bereit und man kann sicherlich vieles und auch gutes gemeinsam organisieren.
Kannst mich ja auch mal abend`s per Telefon zurückrufen, um vielleicht einige Dinge im Vorfeld zu beschwatzen.

Handwerkliche Grüße


Udo



feuchtigkeit raus



ich habe beim mdr in der Sendung Einfach genial ein neu vorgetelltes Material zum Verputzen gesehen, welches die wände austrocknen lässt ich werde es auch versuchen.
Mal nachfragen beim Erfinder Info@thermotech.de





hallo sonja,
wenn sie moechten rufen sie mich mal an,
ich lebe in ungarn seit 10 jahren.
in zalaegerszeg,
vielleicht kann ich ihnen ja behilflich sein.
0036
06304380225
juergen



aktueller Status / und Verkauf



ich bin ja hier schon länger nicht mehr online gewesen....
Am Haus hat sich nicht viel getan. Die Wände, die ich im Herbst frei geklopft habe, sind nicht vollständig, aber schon ganz gut abgetrocknet. Es ist kein neuer Schimmel dazu gekommen und es riecht nicht mehr muffig.
An der rückwand muss jetzt schnell etwas gemacht werden. Hier löst sich der Putz und rieselt fröhlich runter.

Alles in allem ist es für mich zu viel. Ich habe das Haus inzwischen zum Verkauf gestellt. Wer Interesse hat, kann mich gerne kontaktieren: sonja@sonjaschneider.com



Lemhaus in Ungarn trocken legen



Hallo, als Bauingingeur stäuben sich mir schon die Haare bei diesen Antworten!!!!
Habe selbst einmal den (sinnlosen!!!) Versuch gestartet eines der - ach so sehr "gesunden" - Lehmhäuser in Ungarn zu sanieren. Ergebnis: Mit einem Kostenauwand, der über dem Doppelte eines Neubaus liegt, ist das Haus trocken. Allerdings ist lediglich eine einzige Wand v. 2m Breite erh. geblieben.
Mein Rat: Wenn schon "Lehm" gekauft, abreissen! Alles andere ist Pfusch und man ärgert sich f. die nächsten Jahrzehnte.



Wie bekomme ich ein Lehmhaus trocken



Durch Zufall bin ich auf Ihre Frage gestossen - sie ist ja schon vor längerer Zeit gestellt worden.
Wir haben in Ungarn selbst 1 altes Bauernhaus aus Lehm und dieses trocken und von Moddergeruch befreit bekommen. Wie das geht?
In Kurzform: Die traditionelle Bauweise - wie vor 100 Jahren - beibehalten oder wieder herstellen.

Fußboden: nicht isolieren, sondern Holzbalken in den Lehm legen bzw. dort belassen, mehrere Wochen lüften, bis der Lehm trocken ist, dann Holzdielung aufbringen. Wir haben jedoch vorher OSB-Platten auf die Balken gelegt (Nageln) und darauf die Dielenbretter mit Nut und Feder verlegt. Es ist trocken und nicht fußkalt. Man darf auch auf die OSB-Platten Fliesen verlegen. Wer ganz sicher gehen will, sollte in zwei gegenüberliegende Wände Lüftungsöffungen, die durch Gitter vor Tieren geschützt sind, einbringen. Regenrinne sehr wichtig und evtl. einen Drainagegraben an der Nordseite des Hauses ziehen (Tiefe 80 x 60 cm). Nur mit kleingeschlagenem Schutt oder Schotter füllen, leichtes Gefälle. Graben muss im Auslauf länger sein als Haus.)
Wichtig ist, dass der Boden "atmen"kann. Die Ungarn haben in neuerer Zeit Beton gegossen, was bedeutet, dass die aufsteigende Feuchtigkeit, die sich im Erdreich befindet in die Lehmwände steigt, da diese kein Fundament haben und nicht isoliert vom Erdreich sind. Selbst, wenn es wochenlang nicht regnet, befindet sich in der Erde Feuchtigkeit. Das kann man daran erkennen, dass in einem Raum, indem sich Betonplatten befinden, die mit Fugen verbunden sind, die Feuchtigkeit nicht nur in die Wände zieht, sondern auch durch die Fugen quillt.
Bei weiteren Fragen schauen sie doch einfach auf unsere Seite, dort ist alles erklärt. www.ungarn-ferien-wohnung.de
Aniela Niederländer



Nachsatz zu Trockenlegung von Lehmwänden



Hallo Sonja,
hier noch eine Anmerkung:
Die Lüftungsöffnungen müssen unter der Dielung liegen. Wenn der Fußboden unter dem Außenniveau liegt, muss außen am Haus ein kleiner Schacht gebaut werden.
Löcher in die Wände bohren ist nur eine Möglichkeit der Entlüftung so lange man dort nicht wohnt. Wer will schon in einem Wohnzimmer mit ständiger Löcherbelüftung leben?
Für die Entfernung des Betons haben wir einen Bohrhammer genommen.
Wir haben unser Haus ca. 30 km von Siofok entfernt.
Alles Gute Aniela