Wände, Platten, Farbe, Wand, Material

20.07.2009



Hallo zusammen,

wir haben nunmehr alle Baumärkte der Stadt abgeklappert habe ohne dass man uns weiterhelfen konnte. Im Maler-Newsforum sah es leider ähnlich aus.

Es handelt sich um folgendes: In unserem Schlafzimmer wurden vor 5 Jahren nach einem Wasserschaden sog. zwei sog. "Kalzitwände" (?) eingezogen - in besagten Baumärkten hat man hiervon noch nicht gehört.

Jedenfalls scheint es sich um sehr weiches und leicht abreibendes Material zu handeln: Es ist als ob man Kreide anfasst - entsprechend weiß sind dann auch die Hände + Kleider. Ich finde das Zeug ist eine ziemliche Sauerei..

Leider hat man uns nicht gesagt, dass wir diese komischen "Kalzitwände" nicht wie "normale" Wände handhaben, also tapezieren oder - wie geschehen - mit Dispersionsfarbe Streichen dürfen. Die Farbe hielt von Anfang nicht besonders gut (reibt sehr leicht ab) und die Wand sieht jetzt nach 5 Jahren entsprechend unschön aus.

Hat jemand von Euch vielleicht Erfahrung mit diesem Wandtypus gemacht und kann uns sagen, wie wir nun am besten vorgehen?

Per Hand runterkratzen? Ich glaube das würde Wochen dauern und wäre sicherlich auch gesundheitlich nicht so unbedenklich. Im Malerform sagte jemand, dass er die Farbe besser nicht runterkratzen würde, da bei mineralischen Wänden die Gefahr einer "Silikose" bestünde.

Wäre für jede Hilfe überaus dankbar,

Beste Grüße Ludewig





Frag doch mal bei der Firma, die diese "Kalzitwände eingebaut hat, nach um was für Material es sich handelt !
Wie soll man Ratschläge zu Anstrichen geben, wenn nicht mal der Untergrund bekannt ist ?
Und das bei mineralischen Wänden die Gefahr einer "Silikose" besteht ist völliger Schwachsinn ! Soll man jetzt Steinhäuser mit Zementputzen und Kalkputzen meiden ? :-)





Hallo Meister Lingl,

Besten Dank für die wertvollen Hinweise!

Tatsächlich haben wir uns schon darum bemüht herauszufinden, um welches Material und Hersteller es sich handelt, leider
war uns dies aber nicht mehr möglich. So ist der Handwerksmeister, der sie einbaute, leider zwischenzeitlich verstorben (nicht an Silikose!).

Wir hatten sogar schon einen Maler bestellt, der aber wohl keine Erfahrung mit mineralischen Wänden hatte.

Zum Material kann ich eben nur sagen, dass es weiss, geruchloas, sehr weich und leicht abreibbar ist. Wenn man es anfasst hat man weisse Finger - wie ich es als Lehrer aus der Schule kenne..

Zunächst einmal geht es mir darum, wie ich diese hässliche Dispersionsfarbe da runterbekomme.

In jedem Fall Herzlichen Dank,
Ludwig





PS:

Die Silikose-Gefahr bezog sich übrigens nicht auf as Bewohnen von Räumen mit mineralischen (es könnte seiner Ansicht nach wohl Calciumsilikat sein), aber den Umstand, dass ich jetzt die Dispersionsfarbschicht abtragen muss - was in jedem Falle eine sehr staubige Angelegenheit zu werden droht.. :-(

Beste Grüße Ludwig





Ich hab leider keine Erfahrung mit Kalziumsilikatplatten.Denke aber, dass mit einem Dispersionsanstrich die Eigenschaft der Platten, Feuchte zu puffern, stark eingeschränkt wurde. Vielleicht kann eindiffundierte Feuchte nur schwer wieder abgegeben werden und zerstört die Platte unter dem Anstrich. Daher vielleicht das mehlige Erscheinungsbild.Versuch die Dispersion durch naß machen und abkratzen abzubekommen.Dann die mehlige Schicht abwaschen und durch einen geeigneten Hydrogrund festigen.Anschließend einen Silikatanstrich aufbringen. Besser wär wahrscheinlich ein geeigneter Putz, und da drauf ein Silikat-oder Kalkanstrich, da die Platten nach der Reinigung eventuell fürchterlich aussehen.
Aber wie geschrieben, hab bis jetzt keine Erfahrung mit den Platten sammeln können. Vielleicht kann noch jemand was zum Thema sagen ?





Also heute war ich noch in einem weiteren Baumarkt - Kalzitwand? Führen wir nicht, nie gehört.. Zur Frage, ob Dispersionsfarbe denn nun diffusionsoffen oder nicht sei, bekam ich zwei sich diametral widersprechende Antworten. "Mineralstaub" solle man aber tunlichst vermeiden, meinte ein dritter hingezogener "Fachmann".

Herr Lingl: Die Kalzit-Wand war schon unmittelbar nach dem Einbau, als sie noch nicht mit Dispersionsfarbe gestrichen war, "mehlig".

Könnte ich die Farbe mit einem Winkelschleifer oder einer Fräse abtragen oder wäre die Wand hierfür nicht viel zu weich und die Staubbelastung nicht noch höher?

wäre sehr dankbar für jeden Hinweis! :-)



Innendämmung



Können Sie die Fugen zwischen den Platten erkennen?

Viele Grüße





Hallo,

also wenn ich es richtig verstehe handelt es sich um Außenwände, oder?

Aus Ihren Schilderungen kann ich folgende Schlüsse ziehn:

1. Beim der Verarbeitung der Platten wurde die, gemäß Herstellervorgaben, notwendige Grundierung nicht aufgebracht. Daher lässt sich das Abkreiden erklären.

2. Die Platten wurden nur punktuell verklebt. Dadurch Tauwasserbildung und vollständige Durchfeuchtung. Nach oberflächlicher Abtrocknung fangen die Platten dadurch ebenfalls an abzukreiden. Dies gilt insbesondere wenn der dahinter liegende Gipsputz nicht entfernt wurde.

3. Wenn bei der Oberflächenspachtelung gipshaltige Produkte verwendet wurden, kommt es nach der Abtrocknung ebenfalls zu Abkreidung.

4. Es wurde keine Haftgrundierung vor dem Farbanstrich aufgebracht. Führt zur Nichthaftung des Anstriches und Abkreidungen.

Es gibt noch etliche weitere Verarbeitungsfehler die letztendlich zu Ihrem derzeitigen Problem führen.
Da man im Nachhinein ohne den genauen Sachverhalt keine möglichen Lösungen anbieten kann, sollte zuerst eine genaue Untersuchung hinsichtlich der Verarbeitung erfolgen.
D.h. an einem Stelle, mind. 20x20 cm, die Wand öffnen um zu sehen wie das Material verarbeitet wurde und der Untergrund aussieht.
Besteht der Untergrund aus Gips wurden die Platten nur punktuell verklebt. Sollte das der Fall sein, ist die einzige Sanierungsmöglichkeit "Kompletter Rückbau".

Sollte sich bei der Untersuchung etwas anderes herausstellen, würde ich Ihnen vorschlagen, dass Ergebnis mit Bild nochmals ins Forum einzustellen.


Grüße
Dieter Neff





Hallo Herr Neff,

herzlichen Dank für Ihre detaillierten und hilfreichen Hinweise!

Allerdings weiß ich nun nicht, inwieweit diese für mich verwertbar sind, als es sich um die *Innenwände* unseres Schlafzimmers handelt.

Mit freundlichen Grüßen,





PS:

Also "gekreidet" haben die Wände unmittelbar nach dem Einbau, wir hielten dies für normal. Falls dies hilft: meine bessere Hälfte teilt mir soeben mit, dass der Verputz der zwei anderen Wände (keine Kalzitwände, sondern normaler Beton) auch oberflächlich abkreidet. War mir noch nie aufgefallen. Ich nehme an, dass der schlampige Maler hier einfach denselben Pinsel weiterbenutzt hat..

Ich werde mal ein, zwei Fotos schiessen!





Um die Bilder einstellen zu können, mußt du dich anmelden ! Kostet nichts und ist absolut schmerzlos :-)





Aus meiner Sichtweise können wir die Ursache jetzt doch etwas eingrenzen da es sich um die Innenwände handelt und somit Kondenzfeuchte auszuschließen wäre.

Es bleibt die Vermutung das bei der Ausführung absolut unprofesionell vorgegangen wurde.

Mögliche Sanierung:
Die gesamte Wandfläche mit einem Langhalsschleifer leicht überschleifen. Verbleibende Alt-Anstriche durch intensives reiben, kratzen oder schaben entfernen.
Anschließend z.B. mit dem Produkt "Tiefgrund W" der Firma Remmers die gesamte Fläche im Sprühverfahren tränken.
Prüfung der Untergrundfestigkeit mittels Gitterschnitt.

Gitterschnitt: leichtes einritzen mit Cutter im quadratischen Raster von 5 mm. Anschließend mit Silberband/Steinband den Gitterschnitt abdecken und das Klebeband fest aufreiben. Danach das Klebeband in einem Ruck abziehen. Sind nur geringe Rückstände der Oberfläche auf dem Klebeband, kann man von einer ausreichenden Oberflächenfestigkeit für die weiterführende Sanierung ausgehen.

Vorschlag für die weiterführende Sanierung:
Komplette Fläche mit Kalkglätte spachteln

Oberflächengestaltung:
Hier auf jedenfall eine Dampfdiffusionsoffene Farbe verwenden.
Geeignet wäre eine Sumpfkalkfarbe oder Kalkkaseinfarbe. Nähere Informationen dazu können Sie hier finden:

http://www.kreidezeit.de


Für die anderen Wände (Beton) können Sie mit dem selben System sanieren.


Gutes Gelingen
Dieter Neff





Hallo Herr Neff,

Lieben Dank für die ausführlichen Auskünfte und die Ihnen hierdurch entstandene und hochgeschätzte Mühe!

Kann ich also mit Sicherheit davon ausgehen, dass es absolut nicht normal ist, dass diese Kalzitwände zu mehlig abkreiden?

Es bleibt leider auch noch die Sorge, ob die wegen des beim Abrieb entstehenden Mineral-Staub gesundheitlichen Bedenken berechtigt sind oder sorglos abgetan werden können.

Ansonsten werde ich in jedem Falle die von Ihnen und auch Herrn Lingl gegebenen Tips beherzigen.

Leider scheint mir die Sanierung sehr kompliziert. Wo um Gottes willen bekomme ich denn einen "Langhalsschleifer" her ;-)

Herzliche Grüße Ludwig

PS: Fotos und Registrierung erfolgen in Kürze.





Wegen des Langhalsschleifers einfach mal bei Ebay schaun. Mit etwas Glück bekommt man ihn da ab etwa € 150,00.

Die gesundheitliche Belastung durch den Mineral-Staub hängt immer vom Gesundheitszustand der Bewohner ab (Asthmathiker usw.). Meiner Meinung nach ist er unbedenklicher als der Feinstaub der an einer viel befahrenen Straße entsteht.


Grüße
Dieter Neff





Hallo

Wurde nach dem Einbau der Platten eigentlich ein Flächenspachtel aufgezogen oder habt ihr die direkt gestrichen?

Ich denke auch dass es sich evt. um ähnliche Platten wie Kalziumsilikat handelt. Knauf/Perlite haben eine Innendämmplatte die sich TecTem nennt und auf die deine Beschreibung passen könnte (sehr leicht und porös -reibt sich leicht ab. Das Produkt war früher eigenständig vermarktet bis es von Knauf aufgekauft wurde (wenn ich das richtig in Erinnerung habe) Vielleicht hatte es früher einfach einen anderen Namen?

Gruß

Dorothée