Sanierung bei verfaulten Balken

08.03.2007



Hallo Fachwerkgemeinde,

ich habe vor kurzem ein altes, aber nicht genau datierbares Haus erworben. Das Erdgeschoß ist in Teilen Massiv aufgebaut. Das Obergeschoß Fachwerk mit Strohlehmausfachung.

Im Rahmen von Renovierungsarbeiten bin ich nunmehr im Erdgeschoß auf mehrere bis in etwa einen Meter Höhe komplett verfaulte Balken in (bislang) zwei tragenden Wänden gestoßen. Wie es aussieht, umfasst der Schaden die beiden Wände in ganzer Länge.

Die anderen Fachwerkwände im EG werde ich in den nächsten Tagen zumindest in Teilen freilegen, um den Schadensumfang eingrenzen zu können.

Offenbahr liegt in dem betroffenen Bereich aufsteigende Feuchtigkeit vor.

Heute werde ich den Schaden zunächst mal durch einen Zimmermann beurteilen lassen.

Ich denke, die betroffenen Bereiche müssen zumindest ersetzt und trockengelegt werden. Dabei denke ich darüber nach, die betroffenen Wände durch massives Mauerwerk zu ersetzen. Ein Teil des EG wurde ja auch ursprünglich Massiv (Ziegelwand) ausgeführt bzw. eine Wand des EG wurde offensichtlich nachträglich durch eine massive Wand ersetzt.

Das OG stünde dann auf dem hoffentlich zu erhaltenden hölzernen Ringanker.

Wie sehen die Möglichjeiten aus die Wände im RG zu sanieren, ohne das OG abzutragen?

Gru



Tippfehler



Sorry, aber der Fund geht etwas an die Nerven. Ich bitte die Tippfehler zu entschuldigen.

Gruß

Thomas



Lässt sich vom Rechner aus...



schlecht beurteilen, wenn ein paar Bilder da wären könnte man wenigstens mal eine vage Meinung abgeben.
Grundsätzlich würde ich keine weiteren Wände entkernen, so lange nicht ein fachkundiger Statiker oder ein SV für Holzschutz das Ganze gesehen hat, weil bei maroden Balken tragender Wände durchaus auch die Füllungen Last abbekommen können.
M. E. gehört sowieso eine planender oder überwachender Mensch mit Kenntnissen in Statik und Holzbau an Ihre Baustelle um Ihnen eine Sanierungskonzeption zu entwickeln, damit besser beurteilt werden kann in welcher Reihenfolge die Bauteile wie zu sanieren sind und welche Eigenleistungen Sie erbringen können, bzw. wo Sie besser die Finger von lassen. Außerdem wenn Sie in tragende Bauteile eines Hauses eingreifen benötigen Sie gem. den meisten Landesbauordnungen sowieso eine Baugenehmigung und damit auch einen vorlageberechtigten Statiker.
Grüße aus Leipzig
Martin Malangeri



Ergänzung



Schadensfotos hab ich noch nicht vorliegen, stelle ich aber ggf. hier noch ein.

Die Balken in mindestens drei Wänden sind durch aufsteigende Feuchtigkeit und Holzwurmbefall völlig marode. Die untersten ca. 50 cm der Balken zerbröseln bei Berührung zu einem schwarz-braunen Pulver. Mindestsens fünf Zentimeter tief ist kein Holzrest mehr vorhanden. Die tragende Wirkung der befallenen Wände wird wohl gerade noch durch die Gefache und evtl. kleine Reste der Balken geleistet.

Hausschwamm liegt lt. meinem Zimmermann sicher nicht vor.

Entkernt ist hier noch nichts. Ich habe bislang lediglich alte Fliesen, und den darunter liegenden Kalk- Zementmörtel in kleinen Bereichen abgenommen. Da wird auch nichts entkernt, bevor das OG sachgerecht aufgesprießt ist.

Ein paar Probeschnitte im Verputz anderer Wände haben erbracht, dass wohl auch einige andere Wände im EG in gleicher Weise befallen sind. Das Balkenwerk im OG und die Decken sehen einwandfrei aus.

Der Zimmermann schlägt übrigens vor, das OG aufzusprießen und die Wände durch massives Mauerwerk zu ersetzen. Das vorhandene Ständerwerk sei ohnehin unrettbar verloren.

Wie sie, denke ich, dass ich um einen Statiker nicht herumkommen werde. Es dürfte nur nicht so einfach sein, einen Statiker zu finden, der dieses Haus berechnen kann. Zumindest habe ich bei anderen Fachwerkhäusern die Erfahrung gemacht, dass sie nach statischen Berechnungen eigentlich schon lange nicht mehr stehen dürften.

Noch ein paar Angaben zum Gebäude:

Alter, geschätzt 200 Jahre, kein Denkmal, Teilunterkellert

Außenwände im EG nach Stichprobenhaften Putzschnitten:
Südwand: massiv Ziegel Reichsformat
Südliche Ostwand: massiv Ziegel Reichsformat
Nordliche Ostwand: Fachwerk, Strohlehmausfachung, Faul
Nordwand: Massiv Ziegel Reichsformat
Nördliche Westwand: Fachwerk, Strohlehmausfachungen Faul
Südliche Westwand: Massiv Bimsteinmauerwerk oder Zementsteine (offenkundig nach 1950)

Innenwände: teilweise Fachwerk, Faul, Teilweise massiv Ziegelmauerwerk

OG: Komplett gut erhaltenes Fachwerk mit Strohlehmausfachung (soweit bislang untersucht), Südwestecke könnte kritisch sein, ist aber noch nicht geprüft.

Geschoßdecken:
KG/EG: Stahlträger mit Betonplatten oder Zementverputzen Sauerkrautplatten?
EG/OG: Balkendecke, Balkenstärke ca. 14 cm, Blindboden mit Lehmschüttung, minimal schwingend (lt. Zimmermann unbedenklich) Höhendifferenzen bis zu 10 cm
OG/DG: Balkendecke, teilweise mit Lehmziegeln ausgefacht, größtenteils mit Lehmwickeln Höhendifferenzen bis zu ca.30 cm, (Die Absenkung liegt im südlichen Bereich, ausschließlich über massivem Mauerwerk im EG)

Na ja, insgesamt bin ich im Moment noch dran, den Schadensumfang einzuschätzen und mich über Rettungsmaßnahmen schlau zu machen.


Gruß


Leimbach



Das Erinnerungsvermögen der Bauteile.



Nach meinen unmaßgeblichen Erfahrungen scheint es in manchen Gebäuden sehr intelligente Bauteile zu geben die über ein Erinnerungsvermögen verfügen. Frei nach dem Motto: ich war immer da, ich gehöre da hin. ;-)
Also im Prinzip, habe ich ähnliche Geschichten auch schon durch, mit Wänden im EG austauschen, während oben noch einiges an Lasten drauf steht. Funktioniert im Allgemeinen, aber, wie wir ja übereinstimmen nicht ohne Statiker, auch wenn o. g. Philosophie manchmal gültend erscheint.
Nützlich in solchen Fällen ist immer ein möglichst präzises Aufmaß, mit der Kartierung aller Materialien, Schäden und Verformungen. Ab dem Moment fällt es auch einem Tragwerksplaner leichter Lasten und Risiken genauer einzuschätzen und eine Sanierungskonzeption zu entwickeln. Was Sie im Vorfeld bei der Genauigkeit der Planung an Zeit und Geld mehr reinstecken, macht sich garantiert hinterher bezahlt, bzw. das Vorhaben insgesamt kalkulierbarer.
Ob nun die Wände im EG massiv ersetzt werden müssen, mag ich nicht beurteilen, das hängt von den aufzunehmenden Lasten und auszusteifenden Kräften ab. Sympathischer ist mir allerdings, wenn Bauteile in ihrer Originalität nicht mehr zu erhalten sind, mit gleichen Materialien zu rekonstruieren und den isgesamten Materialmix im Gebäude nicht unnötig zu vervielfachen.
Grüße aus Leipzig
Martin Malangeri



Wiederherstellung in Fachwerk



wäre sicherlich schön, da aber bereits große Teile des EG in Massivbauweise vorliegen erscheint mir dies als der einfachere, und bei aufsteigender Nässe haltbarere Weg. Die Zusatzkosten, in die bestehenden Massivwände nachträglich Kapillarbrechende Schichten einzubauen kann ich im Moment finanziell eher nicht leisten.
Ablüften, und Drainieren der Hoffläche muß da erstmal reichen, also besser kein Fachwerk.

Dafür überlege ich später das gut erhatene aber leider verputzte Fachwerk im OG freizulegen.



Schlauer als der Statiker



Unser Architekt meint, viele Gebäude (inkl. unseres inzwischen abgerissenen Schuppens) stehen nur weil "Fachwerk ist schlauer als der Statiker".
Jedenfalls gibt es kaum Statiker, die Fachwerk richtig berechnen können (und wollen, denn es ist viel schwieriger als Mauerwerk).
Ich vertraue einem erfahrenen Zimmermann, des "aus dem Bauch heraus" entscheided, deutlich eher als den Formeln eines Statikers.

Ein EG neubauen während oben noch ein OG (abgesprießt) draufsteht ist zwar nicht unkompliziert, aber möglich. Dies wurde in unserem Haus in den 50ern auch getan (Fachwerk -> Ziegel) und wir machen es gerade rückgängig (Ziegel -> Fachwerk).

Viel Glück und einen voluminösen Geldbeutel wünscht
Frank