Aufbau / Instandsetzung der Innenwände.

31.05.2011



Hallo,

ich habe gestern mit unserem Architekten im Haus gestanden und über einige Innenwände mit Ständerwerk diskutiert. Aktuell ist der Putz komplett runter. Es hat sich gezeigt, dass die Wände teilweise recht lose im Ständerwerk stehen und eigentlich nur noch durch den vormals schon fast sandigen Putz gehalten wurden. Die Wände sind auch nur einen Stein stark!

Der Architekt hat nun vorgeschlagen hier eine Verlattung mit Platten aufzubringen und die Wände statisch zur Scheibe auszubilden. Ganz glücklich bin ich damit allerdings nicht. Insbesondere, da ich so in den Räumen Platz für die Unterkonstruktion verliere und die Wände weiterhin lose stehen bleiben und nur verschalt werden.

Meine Überlegung war nun, auf den Wänden ein Drahtgeflecht zu spannen und die Wände im Anschluss neu mit Kalkputz zu verputzen. Der Architekt war sich allerdings nicht sicher, ob dies für die Stabilität ausreicht.

Bei den Ständerwerk handelt es sich teilweise um runde Hölzer. Hier könnte man die Übergänge zwischen Holz und Mauerwerk ansonsten auch noch mit einem aushärtenden Baustoff auffüllen und zusätzlich stabilisieren. Bin mir allerdings nicht sicher, ob Beton/Mörtel auf Holz so gut kommt. Ist in den 60ern im Haus teilweise allerdings schon gemacht worden, Schäden am Holz kann ich keine feststellen. Nägel im Holz für die kraftschlüssige Verbindung und anschließend Betonmörtel. Diese Wände stehen auch noch wie eine Eins! ;) Ursprünglich war dort ein Stroh/Lehmgemisch drin, das zerbröselte allerdings vor unseren Augen.

Hat jemand Ideen oder alternative Vorschläge für unsere Innenwände?
Ein Bild anbei, inkl. meiner Drahtüberlegung.



Moin,



geht es dir um die statische Verbesserung einer tragenden Wand?

Habt ihr Setzungen festgestellt?

Gruss, Boris





Tragend ist nur bei zwei Wänden das Ständerwerk, die Ausmauerung dient nur der Füllung. Hier ist allerdings der Mörtel teilweise nur noch ausreichend und damit die Ausmauerung teilweise instabil. Setzungen konten wir keine feststellen. Das Ständerwerk ist soweit i.O.!

Ursprünglich waren die Übergänge (Holz / Mauerwerk) mit Nägeln versehen und mit Lehm/Stroh verschmiert gewesen. Das ist allerdings weitestgehend zerbröselt und hat wohl ebenfalls zur Stabilisierung des Aufbaus beigetragen. Daher auch die Idee, mit Mörtel diesen Aufbau nachzustellen und anschließend Drahtgefelcht und Putz darüber zu machen. Insgesamt wäre uns Putz jedenfalls lieber wie ein Trockenvorbau.

Insgesamt ja, es geht auch um eine statische Ertüchtigung. Die betroffenen Wände sollen uns eben nicht irgendwann entgegen kommen. Allerdings auch um Wohnklima. Ich bin kein Freund von Trockenvorbau aus Latten und Gipsfaser (?). Da ist mir ein Kalkputz deutlich lieber.





Hallo,

einfach zwischen Gefachausmauerung und Ständer Hartholzkeile, am besten von beiden Seiten, einschlagen. Dann die Anschlussfugen mit Lehm oder Kalkmörtel verschließen und gut.

Grüße
Oliver Struve



Innenwand??



Hallo,

Für mich sieht das aus wie eine Treppenhauswand, vielleicht ist es sogar eine Woihnungstrennwand.

Wenn das so ist, sollte man ernsthaft;-)) über Schall-und Wärmedämmung nachdenken.

viele Grüße





Es handelt sich um ein Einfamilienhaus. Der Hausflur ist beheizt, Schalldämmung daher auch nur sekundär und ausschließlich im Bereich der Holzbalkendecken.

Nach der Sanierung theoretisch sogar KFW 100 bei 1870er Baujahr. Soviel zur Wärmedämmung! ;)

Das mit den Hartholzkeilen und Kalkmörtel klingt sehr gut. Also quasi im Ansatz was ich auch angedacht hatte. Danke.



Hallo,



Holz und Stein haben verschieden Dehnungen. Lehm ist gut, bedingt aber Fachkenntnis oder teuren Baustoff. Kalkquazsandmischung ist einfacher, um die Gefache zu stabilisieren.
Vollflächiges Hasengitter, auf den Holz festgenagelt und die Übergänge zusammengedrahtet (8 cm Überlappung) genügen für eine stabile Oberfläche. Besser ist Ziegelrappitz und ein zweischichtiger Putzträgeraufbau (3 - 4 cm). Stabilisiert besser und vereinfacht es Bilder aufzuhängen.
Um Risse durch die Ecken zu vermeiden, kann man eine V Fuge ins Feuchte Material ziehen und diese mit Maleracryl später füllen.
Gruß Walter



Moin,



je nachdem was ihr noch an grösseren Umbauten vorhabt, kann es sich lohnen mit dem Verfestigen/Verputzen solange zu warten, bis sich das Fachwerk in dem neuen Zustand "gesetzt" hat.

Gruss, Boris



Innenwände



Hallo,

das sieht doch alles nach einer soliden gemauerten Grundlage aus.
Zunächst wären die Gefache zu befestigen:
mit Hartholzkeilen, durch Kalfatern der Fugen, durch Bandeisen, durch 6 mm Rundstahleinlagen etc..., was sich eben vor Ort so anbietet. Hier kann man keine allgemeingültigen Rezepte finden, sondern muß vor ort eine Lösung finden.

Danach wären die Hölzer abzudecken, z.B. mit geöltem Papier und mit einem Putzträger zu überpannen, mein Vorschlag ist Ziegeldrahtgewebe. Falsch wäre die Befestigung auf dem Holz, weil sich das bewegt und den Putz zerreissen wird.

Dann erfolgt ein Vorspritz, Vorschlag hochhydraulischer Kalk mit 40% Flächendeckung. Mindestens 3 tage stehen lassen.
Anschießend erste Lage Kalkputz, max. 2 cm.
Später zweite Lage Kalkputz.

Dann muß man sehen, wie es aussieht und ob weitere Lagen erforderlich sind.
Die letzte lage ist entweder Feinputz oder frescale Behandlung mit Glätte oder Filzen.

Nach 6 - 10 Wochen werden sich Risse bilden.
Soweit diese über 0,2 mm sind, sollten Sie aufgeschnitten und mit Glasseidengewebe hinterlegt und verspachtelt werden.
Die kleinen kann mn mit Glätte verpachteln oder mit Farbe füllen.
Es lohnt sich schon zu Beginn in die Fugenplanung zu investieren.

Viel erfolg



KEIN Ölpapier



Kann man so machen, bis auf das Ölpapier, das hat da nichts zu suchen.
Durch eine derartige kapillarbrechende Schicht wird unnütz der Feuchteausgleich behindert.

Grüße
Oliver Struve



@Oliver:



Gilt das auch für andere Putze oder nur bei Kalkputz?

Gruss, Boris





Das gilt letztendlich für alle Putze, wobei eigentlich für derartige Fachwerkwände nur Kalk- oder Lehmputze zum Einsatz kommen sollten.

Wenn man mal genauer alten Bestand ansieht, also nicht den von Sanierungsversuchen der 60er Jahre wird man weder mit Dachpappe eingepackte Balkenköpfen, noch mit Folien oder Ölpapieren verkleidete Fachwerkkonstruktionen finden.

Die Methoden gab es erst später, man ging davon aus das man so Feuchteschäden an diesen Bauteilen vermeiden konnte.

Heute weis man mehr über die eigentlichen Ursachen der Schäden (z.B. Kondensation) und weis auch das sich durch einpacken von Holz dessen Verrottungsprozess nur beschleunigt.

Grüße
Oliver Struve



@Oliver:



Und was ist mit dem "arbeiten" bei neuen, ersetzten Balken, wenn ich den Putz direkt auftrage?

Ich dachte bisher, dass das Ölpapier hier auch die Funktion hat die Spannungen im Putz zu vermindern, während der Balken darunter gemütlich vor sich hin schwindet.

Gruss, Boris





Dazu dient der Putzträger der über die Balken bis aufs angrenzende Mauerwerk reichen, und dort auch befestigt werden sollte.
Somit können die Balken hinterm Putzträger ihrer "arbeit" nachgehen.

Grüße
oliver Struve



@Oliver:



Danke für die Erklärung.

Gruss, Boris





Hallo,

das Ölpapier ist dünn und als papier auch ziemlich diffusionsoffen. es verhindert nur, dass dem Putz hier das Anmachwasser zu schnell entzogen wird.
Bei mir bleibts also dabei.

Grüße





Na das iss ja mal ne Logik.

Dann müsste das Ölpapier aber auf die Wandflächen, die nehmen nämlich deutlich mehr und schneller Wasser auf als Holz.

Sie können das ja so machen Herr Beckmann, es bleibt aber trotzdem recht Sinnfrei.

Grüße
Oliver Struve



man



kann als Alternative auch Wellpappe nehmen. Wichtig ist nur, daß Holz und Putz keine formschlüssige Verbindung bekommen durch Risse im Holz, deshalb kann Hasenstallgewebe funtionieren, muß aber nicht. "Stuckanet" bietet meines Wissens so etwas an als fertige Lösung für Balken. Man kann sich aber auch selber helfen.