Wände, Fußbodenheizung, Stampflehmhaus

07.12.2014 Sascha



Hallo,

meine Frau und ich möchten für unseren Sohn und uns beide ein Einfamilienhaus bauen. Wir planen ein Fachwerkhaus mit Stampflehmwänden. Das Fachwerk soll nicht sichtbar sein. sondern quasi in der Wand verschwinden (es geht uns beim Fachwerk nicht um die Optik). Mir ist wichtig, dass das Raumklima angenehm ist und möglichst natürliche und nicht-gesundheitsschädliche Baustoffe verwendet werden. Dann gibt es ja auch noch die strengen Auflagen, was den Energiebedarf angeht - diese machen ja auch Sinn, denn Energie sollte nicht verschwendet werden (der Natur und dem Geldbeutel zuliebe) aber eine Zwangslüftung wollen wir nicht und auch nicht in einer Thermoskanne leben :-).
Mir wären daher Wände aus reinem Stampflehm (mit Blähglasanteil zur besseren Dämmung) am liebsten - ohne irgendwelche Folien. Die Wände können auch gern 36cm oder 40cm dick sein, das würde uns nicht stören.
Ist das so realisierbar, besonders in Anbetracht von Kondensationspunkt etc.? Die Wände - und das Haus - sollen ja schließlich lange Bestand haben und nicht durch Wasser zerstört werden. Außen dachte ich an Kalkputz. Hier möchte ich erwähnen, dass das Haus am Ortsrand geplant ist und schon ziemlichem Wind ausgesetzt wäre (dementsprechend auch Regen).
Macht hier Fussboden- oder Wandheizung Sinn? Nach ein paar gelesenen Beiträgen denke ich wohl eher die Fußbodenheizung...

Ich hoffe hier die Antwort auf die Frage zu bekommen, ob das Vorhaben so wie beschrieben überhaupt durchführbar bzw. sinnvoll ist.

Viele Grüße,

Sascha



Stampflehmhaus



Hallo Sascha
Klingt interessant, dein Hausprojekt.
Hast du schon mal über Strohballenbau nachgedacht?
Da hast du es mit der Dämmung leichter und benötigst nicht die Tonnen an Lehm und benötigst keine Zusatzstoffe.
Du kannst ja auch eine Stampflehmwand innen machen und die mit einem Grundofen kombinieren als Wärmeabgabefläche.

Fußbodenheizung hat für mich den Nachteil, daß sie mit Zement- oder Anhydridestrich verbunden sind und harten Belägen.
Holzdielen finde ich da techn. viel einfacher und auch schöner und auch ohne Heizung fußwarm.
Viel Erfolg
Andreas Teich



Enev ?



Leichtlehm hat einen WLG von ca. 0.11 W/mK (Quelle: Liaver), da braucht es eine etwa 50 cm dicke Wand um einen anständigen Dämmwert zu erreichen.

Zwischen dem Fachwerk und dem arbeitsintensiven Stampflehm dürften die Kosten - zumindest ohne erhebliche Eigenleistung - prohibitiv werden.

Lehm ist ein umweltfreundlicher Baustoff, bei Blähglas in derartigen Mengen hätte ich aber Bedenken (graue Energie).

Wenn es mit einem Minimum an Chemie und ohne Folien gehen soll - warum nicht eine monolithische Ziegelwand ? Gebrannter Lehm...



Fachwerk Neubau



Hallo Zusammen

Ich melde mich hiermit zurück. Aktueller Stand der Dinge: Wir werden unser Fachwerkhaus wieder aufbauen (für nicht informierte: Unser Haus ist am 21.06.2014 vollständig abgebrannt).

Ich kann Euch leider keine Antwort auf Eure Frage geben, aber an unseren Überlegungen teilhaben lassen:

Ich prüfe gerade den sogenannten Hanfbeton bestehend aus Hanfschäben als Dämmung und Kalk als Bindemittel.

Nach Aussage unseres Architekten würden die Wände 40 cm dick.

Wie sich dieses Material im Bezug auf Schlagregen verhält ist mir auch noch unklar. Ich bin aber ebenfalls am überlegen, ob ich die Schlagregenseite mit einer Fassadenbegrünung schützen kann.

Da es in unserer Umgebung (Frankreichseite) niemanden gibt, der sich mit Wandheizung auskennt, muss ich mich auch noch damit auseinandersetzen, wie eine Wandheizung auf dem "Hanfkalk" befestigt werden kann, Erfahrungen etc.....Dabei hoffe ich auf Hilfe auf deutscher oder schweizerischer Seite. Lehmputz auf Innenwänden (Haftung Kalk - Lehm nicht optimal!) und so sind auch hier noch viele Fragen zu klären.

Ich wünsche Allen einen guten Start in die neue Woche
Nicole



Neubau



Wie soll denn Ihr zukünftiges Lüftungskonzept aussehen?



@ Sascha



"Bauen für Generationen" muß nicht unbedingt bedeuten, ewig und drei Tage mit maximalem finanziellen Aufwand und zweifelhaftem Erfolg an einem ziemlich außermittigem Projekt zu feilen.

Schau Dir doch 'mal, wenn Du magst, dieses System genauer an: www.nur-holz.com

Gebaut wird mit leim- und metallfrei zusammengefügten Schichtholzplatten und damit mit dem einzig tragenden Dämmstoff, dem Holz. Das System ist sehr gut eingeführt und für das, was es dauerhaft bietet, preiswert: architektonisch frei gestaltbar (also auch verputzbar), der gesamte Rohbau steht in ca. einer Woche, keine Baufeuchte, im Innenausbau nicht nur sehr selberbauerfreundlich (auch mit Lehmgestaltungen kombinierbar), sondern auch schon im Rohbauzustand bewohnbar (Innenwandflächen können in Sichtqualität montiert werden). Das verwandte Schichtholz dämmt etwas doppelt so gut wie massives Nadelholz, der eingeschlossenen Luftschichten wegen. Hinzu kommt die enorme wärmespeicherfähigkeit des Holzes und die träge Wärmeleitung. Neben Wandplatten sind auch solche für Decke und Dach lieferbar. Ein Lüftungskonzept brauchen Sie üblicherweise auch nicht, das Holz klimatisiert bestens.

Letztlich, auch für uninformierte Zeitgenossen: Eine Fußbodenheizung ist nicht zwingend mit Zement- oder Anhydritestrich verbunden. Bei dem von mir bevorzugten System:

www.ripal.de

schraube ich über eine Niedertemperatur-FBH eine massive Diele auf Lagerhölzer. Und tatsächlich, es funktioniert. Das Sytem gibt's mittlerweile seit 1990, systembedingte Schäden sind mir nicht bekannt.

Das Strohballenhaus können Sie später bauen, als Spielhäuschen für die Kinder im Garten :-)

Für detailliertere Fragen bei Interesse gern hier, oder direkt an mich.

Grüße

Thomas



Und hier...



sagt ein Bild zum Aufbau der Platte mehr als ein längerer Sermon. Mein Freund, der Feuer(lösch)drache, hat bei einem Holzhaus im übrigen wenig zu bestellen. Die Platten haben eine sehr gute Feuerfestigkeit, sind selbstverständlich zertifiziert.

Grüße

Thomas



Neubau



Also die eierlegende Wollmilchsau... fehlt eigentlich nur noch die Pelletsheizung und die Solaranlage sowie „barrierefrei“ so im groben Entwurf, dann ist der Wunschzettel aber ganz schön voll.

Zunächst muss ich Dich enttäuschen, ohne einen Planer/Architekten wird es nicht gehen, die Fülle an Informationen und Kenntnissen, die benötigt wird, kannst Du Dir nicht via Forum/Foren verinnerlichen, einige Ansatzpunkte sind ja schon genannt worden: EnEv und Lüftungskonzept nach DIN 1946-6... und das sind noch keinesfalls die wirklich wichtigen...

Ansonsten gilt: „Gehen“ tut eigentlich alles, ist aber neben der Sinnfrage auch eine Kostenfrage... und manchmal kommen die Wünsche auch in Konflikt mit Vorgaben und Behörden. Meist ist es nervschonender die Wünsche anzupassen als die Vorgaben und Behörden.



Danke



für die schnellen und zahlreichen Antworten.

@ Andreas: davon habe ich auch schon gehört, aber so richtig "schmeckt" mir das nicht. danke aber für den Tip.

@ Georg Böttcher: ganz ehrlich: ab und zu mal Stoßlüften, wie früher. Keine Lüftungsanlage die gewartet werden muss und bei welcher ich Filter tauschen oder reinigen muss. Einfach nur ordentlich lüften, auch wenn da Energie verloren geht.

@ Thomas: An dem Punkt waren wir auch schon: Massivholzwand. Finde ich eigentlich absolut super das System. Was mich aber doch wieder davon abgebracht hat ist die Frage, was in einigen Jahren (10, 20, ...) ist. Holz arbeitet ja, und da ist doch ganz schön Spannung auf den Buchenholzschrauben (oder Metallschrauben) - wer garantiert denn, dass die Holzschrauben nicht irgendwann brechen oder die Schichtbretter an sich nicht irgendwann ihr Dasein als Schicht aufgeben? Das ist für mich echt die große Frage bei Massivholzhäusern.

Als Heizsystem denke ich an eine Eisspeicherheizung mit Solarthermie auf dem Dach (ja ich weiß, das kostet mehr als andere Systeme und ist auch noch nicht final beschlossen). Pellets oder fossile Brennstoffe wollen wir möglichst vermeiden - ein Kamin darf aber gerne sein (evtl. auch erstmal mit eingeplant und später gebaut). Auch Geothermie überzeugt mich nicht.

Die Kosten sind erstmal nicht das Wichtigste - nicht falsch verstehen, das Geld sitzt bei uns nicht locker - aber ich möchte erst einmal wissen, ob unsere Vorstellungen bauphysikalisch umsetzbar sind (also kein Kondenswasser in den - ungedämmten - Lehmwänden, ...) Wenn es dann zu teuer werden sollte, dann müssen wir eben umplanen oder kleiner bauen. Wenn ich nur so günstig wie möglich bauen wollte, hätte ich mcih in diesem Forum gar nicht gemeldet sondern mein Fertighaus wohl schon auf dem Grundstück stehen :-)

Und bei einem Architekten waren wir bereits zum ersten Gespräch - der hat auch schon Erfahrung mit Lehm, aber er scheint seine ganz eigenen Vorstellungen zu haben und die sind mit unseren nicht so ohne weiteres vereinbar (er ist Wintergartenfan - ich abspolut nicht, er würede die Fassade teilweise mit Glas verkleiden inkl. Möglichkeit der Hinterlüftung etc.). Wir denken an ein Haus im Stadtvilla-Stil (mit Walmdach)

Gibt es denn Beispiele neuer Häuser mit Holzunterkonstruktion (Fachwerk, Holzständer) und massiven Lehmwänden ohne Folien und weitere Isolierungen mit denen die Häuslebauer zufrieden sind?

VG, Sascha



noch mehr Möglichkeiten



Massivbau - Haus ohne Heizung

http://www.detail.de/architektur/themen/haus-ohne-heizung-buerogebaeude-von-baumschlager-eberle-in-lustenau-022701.html

Massivbau aus Ziegeln ohne zusätzliche Dämmung (76 cm Wände, innen tragende Steine, aussen hoch dämmende). Bürohaus, bei einem EFH hat man wahrscheinlich nicht genug interne Verluste.

Holzbau

Bei den Aussenwänden und (weniger praktisch) beim Dach geht es statt mit Dampfbremsfolie auch mit OSB Platten. Beispiel -> http://holzhausderzukunft.info/ , http://holzhausderzukunft.info/wp-content/uploads/2012/02/Coviss-5.12.13.pdf . Die Autoren tendieren zu "Ein-Ofen-Häusern" - wenn die Verluste niedrig genug sind, und der Grundriss nicht zu zugeknöpft ist, kann man das ganze Haus mit einem Holzofen heizen.

Was soll an den Folien so schlimm sein ? Würde ich mit einer Goretex-Jacke vergleichen. Die Dämmstoffe - Zellulose, Holzfaserdämmung usw. sind alle mit Brandhemmern durchsetzt, mehr Chemie. Ausgasen wird das Zeug aber nicht. Bei uns roch die eingeblasene Zellulose weniger als der Untersparrenfilz aus Glaswolle (danke Isov*).

Auch bei einem Holzbau sollte es etwas thermische Masse geben, z.B. massiver Boden im Erdgeschoss, oder innere Trennwände aus Lehm usw.

Aufwendige Technik wie Eisspeicher, Wärmepumpe usw. kann man sich wohl sparen, gerade wenn sich die Umgebung Thüringer WALD nennt.



Neubau



Grundsätzlich bin ich kein Freund von mehrschichtigen, aus mehreren Materialien zusammengesetzten Wandkonstruktionen; ich halte es auch lieber mit monolithischen, einschaligen, mehr oder weniger homogenen Wandaufbauten. Wärmedämmung, Wärmespeicherkapazität, Tragfähigkeit, Schall- und Brandschutz, Kapillarität und Diffusionsfähigkeit sindaber im Idealfall nicht in einem Baustoff vereint, man muß also immer Kompromisse eingehen. Für mich (als Maurer) sind diese Kompromisse Fertigteile aus Liapor- Haufwerksbeton oder aus Porenbeton sowie massive Wandkonstruktionen aus hochdämmenden Ziegeln, für Thomas Massivholz.
Lehm ist zwar machbar für mich aber nicht die erste Wahl als Außenwand. Den kann man besser im Innenbereich als Putz oder Massespeicher (Stapelwände) einsetzen. Die Idee Ihres Architekten mit der Solarheizung über einen Wintergarten ist vom Ansatz her nicht schlecht und geht in die Richtung. Statt eines Wintergartens kann es z.B. auch ein Treppenhaus sein.
Als Hausbewohner mag ich auch keine sensorgesteuerte, computerisierte Wohnmaschine die selber entscheidet wann und wieviel gelüftet wird. Das mache ich doch lieber selber. Nur sollte man daran denken das falsche Lüftung und Lehm in dieser Kombination zu verheerenden Bauschäden führen kann.
Als Vermieter sieht das mit der Selbstlüftung schon etwas anders aus, da sollte man sich nicht nur auf Einsicht und Mitarbeit der Mieter verlassen.



eventuell auch interessant



könnte das hier sein:
naturi-holzbau.de



Das ist...



...nicht so kompliziert:

"@ Thomas: An dem Punkt waren wir auch schon: Massivholzwand. Finde ich eigentlich absolut super das System. Was mich aber doch wieder davon abgebracht hat ist die Frage, was in einigen Jahren (10, 20, ...) ist. Holz arbeitet ja, und da ist doch ganz schön Spannung auf den Buchenholzschrauben (oder Metallschrauben) - wer garantiert denn, dass die Holzschrauben nicht irgendwann brechen oder die Schichtbretter an sich nicht irgendwann ihr Dasein als Schicht aufgeben? Das ist für mich echt die große Frage bei Massivholzhäusern"

Das garantiert neben dem Hersteller auch die Überlegung zum Material. Das Holz wird mit der richtigen Feuchte verbaut. Solange der konstruktive Holzschutz stimmt (und davon ist auszugehen, wenn's ein Holzhausspezialist baut), gibt es gar keine Quellerscheinungen, die über das Einbaumaß hinausgehen. Damit auch keine Spannungen. Anders herum: Sollte in besonders trockener Zeit das Holz unter Einbaufeuchte trocknen, trocknet jedes Brett für sich allein, da die Bretter weder flächig noch seitlich miteinander verleimt sind. Die HOLZ100 oder NUR-HOLZ Platte ist äußers formstabil.

Ein Extrembeispiel hat Erwin Thoma in "Für lange Zeit" beschrieben. Dort ist ein Hotelneubau in den Alpen in der Bauphase wetterbedingt regelrecht abgesoffen, und es hat keine Formveränderungen / gesprengten Holzdübel gegeben. Nur Wasserflecken... Das erklärt sich damit, daß die Haltekraft des Dübels bei Auffeuchtung durch Quellung wächst.

Die angedachte Komposition aus Lehm und Holz birgt da Risiken ganz anderer Qualität und Quantität.

Mir ist schon klar, daß Euch die Fülle der angebotenen Kenntnisse und Technologien überfordert. Das Thema Holzmassivwand wäre es jedenfalls wert, weiter verfolgt zu werden. Von einem kostspieligen Heizungsmix rate ich im übrigen ab. Der Energiebedarf ist gering, eine simple Brennwerttherme tut's auch.

Grüße

Thomas



Lüftung



@ Thomas
"Ein Lüftungskonzept brauchen Sie üblicherweise auch nicht, das Holz klimatisiert bestens."
Auch ein Holzhaus braucht ein Lüftungskonzept; Fenster gelegentlich öffnen zum Beispiel.



Lehmhaus?



Hallo Sascha

wo genau soll das Haus denn stehen und welche Bauvorschriften gibts in der Gegend ?
Größe ?
Dachneigung ?
Ausrichtung Himmelsrichtung?
Dachmaterial ?
Wieviel qm soll es denn haben ?
Wahrscheinlich für 2 separate Wohneinheiten ?
Ein- oder Zweigeschossig ?
Gibts bevorzugte Aussicht in einer bestimmten Richtung ?
Dämmwert ?
Fassadengestaltung ?

Komplett Ökomaterialien ?
Beste Wärmedämmung ?
Solarnutzung?
Eher Lowtech oder lieber Hightech ?
Passivhaus ?
Eigenbau oder Fremdvergabe ?
Baumaterial:
für Außenwände
Innenwände
Lehm
Stein
Holz
Glas
etc ???

Heizsystem wäre eher das was als letztes entschieden werden könnte-
bei einer sehr guten Dämmung kommt man vielleicht fast ohne aus (siehe link von Yogumon)oder nur mit einem kleinen Holzofen ?

Der würde ja auch gut zu Lehmbau passen und sowohl bei Installation wie auch dauerhaft enorm Kosten sparen.

Grundsätzlich funktioniert Lehm mit Fachwerk, wie jahrhundertealte Fachwerkhäuser zeigen- nur ob der Stampflehm da gut hineinpaßt, zumindest für die Außenwände ?

Bei großen Dachüberständen oder umlaufenden überdachten Terassen/Balkonen kommt ja kaum Wasser an die Wände.

Dann wäre praktisch jedes Baumaterial möglich, ob Massivholz in welcher Form auch,
Lehm, Stroh, Steine
Budget ist natürlich auch wichtig, wobei mit entsprechender Hilfe beim Eigenbau sehr viel gespart werden kann.

Du kannst ja die dort geltenden Vorschriften mitteilen, und was euch wichtig ist beim Bauprojekt.
Dann läßt sich eher etwas dazu beitragen was euch weiterhelfen könnte.

Andreas Teich





@ Herr Teich: auf alle Ihre Fragen habe ich zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Antworten, bzw. lassen sich manche Dinge auf einer Flurkarte besser zeigen, als dass sie sich in Worten beschreiben lassen.
Im Moment bin ich noch bei der Grundsatzfrage: Fachwerk/Holzständerhaus mit massiven Lehmwänden ohne weitere Dämmung möglich - oder doch Massivholzhaus?
Die Dachneigung ist relativ gering - wie bei Häusern vom Stadtvillatyp üblich. Es soll nur für uns 2 und unseren Sohn sein - also keine 2 Einheiten nötig.
Geplant sind 140-160qm als 2-geschossiges Haus mit großen Fenstern Richtung NW und SW (Lagebedingt die schönste Aussicht).
Dämmwert so, dass es zumindest genehmigt wird, gern so gut wie möglich ohne 1m dicke Wände zu haben :-) Passivhaus nicht, da hier ja zwangsgelüftet werden muss.
Fassade diffunsionsoffen verputzt, ich dachte an Kalkputz (egal ob Lehmhaus oder Massivholzhaus).
Möglichst Solarthermie und auch etwas Photovoltaik.
Ansonsten eher Lowtech (also nix mit iPhone-steuerbar etc.), möglichst viel aus Ökomaterialien.
Eigenanteil wird berufsbedingt nicht allzu hoch ausfallen können (ca. 60h-Woche, am WE werde ich aber soviel wie möglich selbst bzw. mit meinem Vater und Bruder zusammen erledigen).
Geplant ist es wie gesagt als Fachwerk/Holzständerhaus mit Lehmwänden - wenn man mich von der Dauerhaltbarkeit der Massivholzwände überzeugen kann aber wohl eher doch ein Massivholzhaus (Esendo, etc.).

Was spricht denn gegen Fachwerk mit Stampflehmwänden?

@Thomas: was sind denn die Risiken der Kombi Lehm und Holz?
Mit einer Brennwerttherme sind wir ja wieder bei fossilen Brennstoffen - die wollen wir so gut es geht meiden.

VG, Sascha



Lehmhaus



Hallo Sascha,
Bei weniger Eigenarbeit könnte es mit Stampflehmbau schwieriger werden- da wird es kaum Leute geben, die das zu akzeptablen Kosten erstellen können.

Bei Stampflehm sind enorme Mengen an Lehm nötig, wobei das Anmischen und die Verdichtung schon eine Herausforderung sind, oder ist geeigneter Lehm bei euch vorhanden ?

Grundsätzlich ist Lehm und Holz eine günstige Kombination, wie Fachwerkhäuser zeigen, da Lehm eine niedrigere Ausgleichsfeuchtigkeit als Holz hat und dadurch zur Trockenhaltung des Holzes beiträgt.

Das wird aber bei dicken Stampflehmwänden schwierig werden, außer man stellt die Fachwerkbalken innen oder außen vor oder bündig in die Wand.

Und wenn Ihr eine Fachwerkkonstruktion erstellt und mit Grünlingen(ungebrannten Tonsteinen) ausmauert, außen dann eine Dämmung davor ?
Oder wie schon vorgeschlagen doch Strohballenbau (gibts in Amerika schon weit über 100 Jahre und auch Gebäude aus der Zeit)
Ich würde dabei aber auf eine gute Sockelausbildung achten, weite Dachüberstände, Schutz vor Schlagregen.

Dafür käme man problemlos auf Passivhausstandard was die Dämmung betrifft (Lüften kann man natürlich wenn man will), hätte Lehm innen und den Außenputz kann man mit Lehm oder Kalkmörtel machen.
Das statische Gerüst könnte dabei eine Fachwerkkonstruktion sein.
Feuerwiderstandstests etc wurden problemlos bestanden, Schädlinge befallen das bei richtiger Konstruktion auch nicht- es ist also durchaus möglich auch größere Gebäude auf die Weise zu erstellen.
Es gab auch Erdbebentests u.a. einer australischen Universität, die sehr gut bestanden wurden.

Ihr könnt euch die Bücher von Gernot MInke dazu ansehen.

Andreas Teich



Risiken der Kombi Lehm und Holz



Die geringere Ausgleichsfeuchte des Lehms spielt wohl eher eine untergeordnete Rolle.

Bestimmender ist schon, daß der Materialmix immer ein zusätzliches Fehlerpotential mit sich führt gegenüber einer einstofflichen Bauweise. Gerade Fachwerkhäuser sind zwar optisch eine Freude, aber bauphysikalisch und technisch eine echte Herausforderung. Letztlich soll's ja nicht nur nett aussehen, sondern auch winddicht sein und dämmen. Und da werden mit Stampflehm halt nicht nur lange Bauzeiten, sondern auch echt dicke Wände angesagt.

Ein Freund von mir hat 7cm Fichte zwischen sich und Deutschland. Das ist heute baulich nicht mehr genehmigbar. Mit 18cm Nadelholzplatte in einem der beiden oben erwähnten Systeme und moderater Dämmung mit HWPl und Putz, oder auch mit einer 32cm starken Platte +Putzträger +Putz sind Sie im genehmigungsfähigen Bereich, der Rest ist die Kür.

Zur Heizung: Aufgrund geringer abzurufender Heizleistung wäre dann eine Photovoltaik (des guten Gewissens wegen) mit einer elektrischen Heizung möglicherweise eine Option? Eine Wärmepumpe funktioniert auch nicht ohne viel Strom, ist kostenaufwendig. Und ob das Teil durchhält, bis es sich amortisiert hat?

Ein Öfchen als Zusatzheizung finde ich gut.

Die Strohballenhäuser in Amerika... Wohl eher kein Vorbild für den Thüringer Wald.

Grüße

Thomas



Ich



hab gestern mal einen kleinen Preisvergleich Gas - Pellets gerechnet. Rein Kosten pro Kilowattstunde mit Angaben jeweils vom Vertrieb. Resultat: Gas kostet pro kWh 4,6 Cent (teuerster Tarif des Exmonopolisten), Pellets 5,6. In der Realität liegen wir derzeit im Haus bei 8,7(!) Cent und damit über Tagstrom (8,2 Cent, wieder im teuersten Tarif). Das ist bei 6-stelligen Investitionskosten (für ein Altbau-MFH) schon leicht übelkeiterregend, zumal funktionstüchtige Gasetagenheizungen vorhanden waren.



Preise



Ihr Österreicher...
D:
Gas ca. 7-8 Ct.
Pellets ca. 5 Ct.
Strom 25-30 Ct./17-19 Ct. (WP-Tarif)



Diese Zahlen...



...sind doch nicht aussagefähig mangels Vergleichbarkeit.

Bei einem Neubau spielen aber doch vorallem die Investitionskosten mit. Um so geringer der prognostizierte Verbrauch, um so unwahrscheinlicher ist die Rentierlichkeit ökologisch überkorrekter Edelwärmeerzeuger.

Grüße

Thomas



Energie



Das war auch nicht behauptet worden Thomas, ich wollte nur den Wiener kurz in Kenntnis setzen, wie das in D ausschaut.

Klar muss man eine Vollkostenabschätzung machen, ob die Eisspeicherheizung immer und unter allen Umständen funzt sei mal dahingestellt, das tut die Brennwerttherme aber auch nicht.
Ich finde das Projekt zunächst einmal spannend, unabhängig, von meiner persönlichen Meinung dazu.



Stampflehm ade?



Hallo,

also das mit dem Stampflehm rückt so langsam in die Ferne. Es kostet schon ne Menge, das ist uns bewusst. Doch da kommt auch noch der Zeitfaktor dazu - und wenn ich sehe, wie lange die Handwerker gerade bei meinem Bruder benötigen, allein um Ziegelwände mit Lehm zu Verputzen wird mir schelcht bei dem Gedanke quasi ein ganzes Haus aus Lehm zu bauen.

Das mit dem Stroh ist sicher eine gute Sache - aber ich werde damit nicht so recht warm... Daher rückt das Thema Massivholzhaus wieder näher. das ist auch nicht billig, aber es steht ruck zuck und die EnEV ist wohl auch keine Hürde. Wären wir bei der Wahl des Herstellers... Esendo sagt uns zu, hat hier jemand Erfahrungen? Ich werde schauen, ob mich von denen jemand von der Dauerhaltbarkeit überzeugen kann.

Was das Heizen angeht: hier sind wir experimentierfreudiger. Daher der Plan mit der Eisspeicherheizung. Ein paar Solarpanele u.a. dafür sollen schon aufs Dach, zusätzlich zur Solarthermie für die Eispeicherheizung.

Der qm-Preis für das Haus ist dann sicher nicht allzu gering, wir rechnen mit 2000-2300€ bei einer Fläche von voraussichtlich ca. 150qm.

Thema "Keller": es soll ja keinen Keller geben, aber wir haben von der Möglichkeit gehört, auf eine Bodenplatte zu verzichten und stattdessen mind. 30cm mit dem Fundament aus der Erde zu gehen, darauf dann eine Holzbalkendecke zu stellen (mit z.B. Edelstahlblech oder "Folie" gegen aufsteugende Feuchtigkeit) und das Innere dann auf mind. 1m auszubaggern. IN einem best. Abstand kleine Lüftungslöcher, die man bei Bedarf verschließt (zustopft) und einer Klappe ins haus, um Rohre und Technik dauerhaft zugänglich zu machen (und die Kartoffeln kühl und dunkel zu lagern :-)). Wie sind denn die Meinungen hierzu?

Bzgl. Thüringer Wald: wir leben nicht direkt im Wald, einfach mal Leina, Gemeinde Leinatal googlen, da sieht man das besser.

Danke im Voraus!

VG, Sascha



Zu dieser überaus...



...innovativen oder desaströsen Bodenplattenidee (je nach Ausführung) sollte unbedingt der Holzhaushersteller eingebunden werden, und zwar frühzeitig.

Ein Holzhaus kann man vorab auch gastweise bewohnen. Rolf Rombach hat in Oberharmersbach z.B. ein kleines Hotel aus NUR-HOLZ gebaut. Das überzeugt mehr als theorielastige Dispute, die dem Laien mangels der Möglichkeit, die Argumente richtig zu gewichten, ohnehin nicht den finalen Erkenntnisgewinn liefern.

Grüße

Thomas



Neubau



Warum keinen „richtigen“ Keller? Das ist der beste Ort um Technik sauber unterzubringen, nebenbei jede Menge Stauraum...
Das mit dem Aufständern oder Kriechkeller schmink Dir wieder ab, die Nachteile überwiegen, Vorteile gibt es kaum.
Du hast doch für den Eisspeicher alleine schon den großen Bagger da...
Wenn es Grundwasserprobleme gibt, wird wiederum Geothermie interessanter...

Heizung
Was sinnvoll ist, kann eigentlich erst im Verlauf der konkreten Planung entschieden werden...

So nebenbei:
Die Erstellung eines Lüftungskonzepts ist für einen Neubau vorgeschrieben, was aber noch lange nicht bedeutet, dass man eine Lüftungsanlage einbauen MUSS.
Ähnliches gilt für die EnEV, die nun deutlich mehr darstellt als eine Auflistung von u-Werten für einzelne Bauteile.



Holz-Lehm-Haus



Ohne Keller zu bauen ist ja nicht ungewöhnlich und bei genügendgroßem Grundstück auch kein Problem.
Angesichts der Baukosten und der häufigen technischen Probleme spricht auch einiges gegen Keller.

Es ist aber auch nicht so wesentlich, wie auch die Frage, ob man lieber ein- oder zweigeschossig baut.

Ob es aber sinnvoll ist, einen Meter Luftraum unter dem Gebäude zu haben wäre für mich fraglich, da der Erdboden eher für ausgeglichene Temperaturen sorgt gegenüber der Umgebungstemperatur.

Eine Feuchtigkeitssperre muß ohnehin vorhanden sein, falls nicht größere Tonvorkommen diese Aufgabe übernehmen können.

Grundsätzlich wären genauso Felsen oder Beton als Punktfundamente wie auch Schraubfundamente o.ä. Konstruktionen möglich auf die dann eine Holzkonstruktion befestigt werden könnte.

Als Stützkonstruktion wäre zB eine Holzkonstruktion wie Fachwerk oder Ständerbau denkbar.
Die Zwischenräume mit Lehmsteinen oder Grünlingen ausmauern oder eben auch mit Strohballen, die mittlerweile als Dämmstoff zugelassen sind und auch die F90 Prüfungen beim MPA Braunschweig bestanden haben.

Große Dachüberstände, Vordächer,Terrassen sind günstig , auch das Gebäude 30 -50 cm über das Grundstücksniveau zu heben,wie schon vorgeschlagen.

Erst eine Holzkonstruktion mit Dach zu errichten hätte natürlich auch den Vorteil, dadurch wettergeschützt den weiteren Ausbau vornehmen zu können- gerade bei Lehmarbeiten wichtig.

Ich würde auch eine sehr gute Dämmung mit dadurch sehr geringem Heizbedarf einer übertechnisierten Heizanlage vorziehen, gerade wo Holz aus der Nachbarschaft zu bekommen kein Problem sein dürfte und die regionale Wertschöpfung unterstützt.

Bei so einem Bauprojekt gibt's sicher jede Menge Diskussionsmöglichkeiten und ist ja mal ein anderes Gebiet als sich über feuchte Keller oder verrottete Böden in Bestandsbauten zu ereifern.

Zu Strohballenbau habe ich div links und auch gute Infos aus Nordamerika-die sind dort nicht ganz so durch Bauvorschriften eingeschränkt wie wir hier.

Andreas Teich



Richtig,



in Amerika ist manches anders. Zum Beispiel das Klima. In den trockeneren Teilen des Landes ist das Stroh möglicherweise ein bisschen weniger exotisch als hier.

"Häuser" aus leichtem Bastelkram werden in Amerika auch 'mal schnell weggeweht. Die baulichen Einschränkungen in Deutschland haben auch ihre guten Seiten. Aber das will der Fragesteller wohl gar nicht wissen. Dererlei Buddelkastenspiele sollte man sich eher dann auf den Schirm holen, wenn man schon ein Haus gebaut (und abbezahlt) hat und somit ein Dach über dem Kopf.

Grüße

Thomas



Stampflehmhaus u Alternativen



Vielleicht sollte man sich vor negativen Äußerungen erst kundig machen- das Internet bietet da beste Möglichkeiten.

Mit Vorurteilen kommt man nie zu neuen Ideen und auch bewährte wie Lehmbau wird man kaum schätzen und neutral beurteilen können.

Sascha will ja gerade kein Norm-Haus von der Stange haben- so habe ich das verstanden-
sondern etwas baubiologisch einwandfreies, mit wenig Energiebedarf aus regenerativen Quellen und dann auch noch mit ästhetischem Anspruch.
Sonst wäre der Thread kaum mit Stampflehmhaus geöffnet worden.

Es gibt Strohballenhäuser in fast allen Klimaregionen der Erde, in Nordamerika und Kanada, auch in England, Irland, Österreich, Deutschland etc.(und auch im Osten Deutschlands mehrere)
Brandtechnisch sind sie reinen Holzhäusern weit überlegen und bei Beachtung üblicher bautechnischer Grundsätze auch schadensfrei zu errichten.

Es geht gar nicht darum, Strohballenbau als einzige Möglichkeit darzustellen, aber zumindest ist es eine Möglichkeit unter vielen-

Anregungen bekommt man auf jeden Fall durch die Beschäftigung mit sehr unterschiedlichen, teils auch exotischen und unüblichen Bauweisen und auch Haustechnikmöglichkeiten.

Etwas mehr Offenheit und Toleranz bitte
und nicht immer so negativ

Infos siehe 'Strohballenbau' oder 'Strawbalebuilding'
Bei Interesse einfach melden per mail.

Andreas Teich



@ AT



Billige Behauptung: "Brandtechnisch sind sie reinen Holzhäusern weit überlegen" Da kennen Sie sich nicht aus, mein Bester.

Schon alleine deswegen nicht, weil letztlich sinnvollerweise nicht "Holzhäuser" oder "Strohballenhäuser" miteinander verglichen werden (Wie lange muß man zündeln, bis nur noch ein Häufchen Asche übrig ist? Dazu dann die entsprechenden "Asche - Werte A60, A 90, A120...), sondern Bauteile.

Aus einem Prüfbericht zu einem HOLZ100 Element von 2002 für ein tragendes Element mit Wandanschluß Stärke 36,4cm sei zitiert: " Brandversuch gem. ÖNORM EN 1365-1"..."Da nach der 134. Versuchsminute die statisch tragende Mittellage thermisch nicht beansprucht oder umgesetzt wurde ist davon auszugehen, dass der Probekörper auch das Kriterium der Tragfähigkeit erfüllt".

In Holz 100 und NUR-HOLZ gibt es nicht nur Wand, sondern auch Dach- und Deckenplatten. Somit eine einstoffliche Bauweise mit hoher Stabilität, Elastizität, Wärmedämmung und Wärmespeicherung. Ein Rohbau, in dem man wohnen kan, in rund 7 Tagen erstellt. Und: Da krabbeln auch keine Mäuse drin herum.

Das klingt anders, als wenn ein Strohhüttchen mit Hängen und Würgen zugelassen wird. Hier handelt es sich um Experimentalbauten mit zweifelhafter Haltbarkeit und unbekannten Risiken. Da das Bauen eines Eigenheimes heute das größte finanzielle Risiko darstellt, dem sich der durchschnittliche Mitteleuropäer ausgesetzt sieht, halte ich es für fahrlässig, Strohballenhäuser hier mit etwas ergoogeltem Wind so darzustellen, als ob sie eine bewährte Technologie umsetzen. Letztlich ist der Nachweis, daß irgendwer irgendwo etwas gemacht hat, ziemlich wertlos. In Deutschland bedeutet "Strohballenhaus", daß man ein normales Haus in Ständerbauweise errichtet und dann Stroh davorstellt. Klingt ziemlich überflüssig.

"Offenheit und Toleranz"? Die hat mein kraushaariger Nachbar verdient, keine Hausbauform.

Ein Bauvorhaben sollte realistisch betrachtet werden. Und das darf ich hier (ist ja kein facebook) auch negativ bewerten. Aber gern dürfen Sie Ihre persönlichen umfangreichen Strohballenhausbauerfahrungen hier einfließen lassen, Herr Teich. Oder vielleicht machen Sie einen extra thread dazu? Es war kein Thema hier, an und für sich.

Grüße

Thomas



Stampflehm



Danke immer wieder für die freundlichen Hinweise
...dem läßt sich nichts (mehr)hinzufügen...

wer nicht einfach zu findende Erkenntnisse, Prüfzeugnisse etc zur Kenntnis nehmen will und alles Neue von vornherein ablehnt ohne sich zumindest ansatzweise mit der Materie auseinandersetzen zu wollen kann sich kaum adäquat und vorurteilsfrei dazu äußern.

Holzhäuser und die verschiedenen System davon sind (auch) eine Möglichkeit aber nicht die einzige.
Wäre ich Holz nicht grundsätzlich zugetan hätte ich einen anderen Beruf erwählt-
aber zum Glück ist Holz nicht der einzige Baustoff-
in der Vielfalt liegen Möglichkeiten.

Die (Bau-)welt kommt nicht weiter durch Perpetuierung von immer schon Bekanntem, weils so praktisch und einfach ist und keine weitere Auseinandersetzung mit der Materie verlangt.

und persönlicher Frust oder Auseinandersetzungen und ständig Negativäußerungen bringen Niemanden weiter in den Fragen um die es hier eigentlich geht:

u.a. Anregungen zum Stampflehmbau und wie ein solches Haus verwirklicht werden könnte.

Andreas Teich



Nix



als Phrasen.



Man



sollte schon auch aufpassen, was man unter Strohballenhaus versteht.

Was mir bei Open House Wien 2014 als "Erstes Wiener Strohballenhaus" verkauft wurde, ist de facto nix anderes als ein Massivhaus, dessen Kehlbalken-Satteldach mit Strohballen statt mit Mineralwolle o.ä. gedämmt wurde... und innen alles mit OSB und Gipskarton beplankt. Komplett unspektakulär.

Übrigens ein Haus bei dem ich davon ausgehe, dass es beim nächsten Nutzerwechsel völlig umgebaut werden wird, da es zu einem absoluten Extrem auf die alles andere als durchschnittlichen Wünsche der derzeitigen Nutzer zugeschnitten ist. Weniger verständnisvoll ausgedrückt: das ist ein typischer Experimentalbau, in dem außer den Erbauern keiner wohnen will. Eng wie eine Hobbit-Höhle (ich dachte immer, Stiegen müssten in Wien mindestens 120 cm Durchgangslichte haben?), verwinkelt, x Ebenen statt drei normalen Geschossen, daher überall Stufen, und dann solche Sachen wie industrielle Stahlgitterstufen aber bitte vor dem Haus Schuhe ausziehen! Schon mal barfuß auf sowas gestanden? Aua!

Das hat aber mit dem Thema nichts zu tun, ist mehr als Anekdote und eventuell Warnung vor zu viel Experimentierfreude gedacht.



Strohballenhaus



Das passiert wenn man irgendwelchen Trends hinterherhechelt um damit vor anderen protzen zu können.
Die Grenze bei Stroh als Baustoff geht von seriösen Versuchen zu neuen Bauweisen bis eben Spinnereien.
Ich halte unabhängig von den schon vorliegenden Ergebnissen Stroh als Baumaterial für keine ernsthafte Alternative. Das was ich an Ergebnissen oder Plänen gesehen habe kann nicht mit klassischen Bauweisen konkurrieren.

Hay is for horses and straw is for houses...
Entstanden ist diese Bauart in den baumlosen plains der USA, als Siedler sich als Weizenfarmer niederließen. Kein Holz, kein Geld, nur Unmengen von Strohballen. Da kam man auf die Idee die Strohballen zu stapeln und so den eisigen Wind abzuhalten. Die Ballen mit Baustahlstäben oder Holzpflöcken miteinander vernagelt, Maschendraht auf diese Wände und dann Zementputz, ein Dach aus Wellblech drauf- das waren Scheunen und Lager, billig und einfach zu bauen.





Zitat aus "baubiologie.at": Das erste und damit älteste Strohballenhaus in Europa stammt aus dem Jahr 1920, es ist das Maison Feulette und wurde 2013 vom französischen Strohballennetzwerk Les Compaillons angekauft. Es ist in Holzständerbauweise errichtet, direkt verputzt und erfreut sich bester Gesundheit.

Davon könnt Ihr Euch auch vor Ort überzeugen.

In der Schweiz ist der bekannteste Architekt Werner Schmid. Er hat schon viele Häuser aus Strohballen (Jumboballen) gebaut. Bei einem habe ich mir verschiedene Bauphasen angesehen.

Es gibt zig Varianten für den Bau eines Strohballenhauses und es gibt heute sogar genormte Strohballen für den Bau.

Ein Strohballenhaus ist aber nicht unbedingt ein Fachwerkhaus!!!

Liebe Grüsse aus dem Sundgau
wo ein Freund von uns gerade ein Strohballenhaus baut

Nicole



Also...



(zumindest in Deutschland immer) ein Bauwerk mit höchst heterogenem Wandaufbau, wo dieselben Probleme wie auch sonst bei Ständerkonstruktionen zu erwarten sind. Und im Eigentlichen baut man ein Haus, und stellt davor oder darauf Stroh.

Das ist nicht wirklich neu und innovativ, es klingt nur so.

Nicht daß ich den irrationalen Wohlfühlfaktor leugne, der zum tragen kommt, wenn jemand unbedingt in was ganz Außermittigem wohnen will und das nun geschafft hat. Dafür muß man aber, da das keine tradierte Technik ist, selber (teilweise) Baufirma, Bauleiter und Architekt spielen. Da die meisten auch noch einem Broterwerb nachgehen müssen und vielleicht auch nicht soviel Zeit haben, das Bauwesen für sich neu zu erfinden also definitiv nix, was in der Breite sinnvoll ist oder gar zu empfehlen wäre.

Ein nachhaltiges und ökologisches Haus mit bestem Wohlfühlklima gibt es preiswerter, sicherer und schneller aus Holz.

Grüße

Thomas