Innenhölzer mit Bienenwachs behandeln

06.06.2008



Hallo
Ich möchte an meinem Fachwerkhaus die abgestrahlten Hölzer (innen) mit Bienenwachs behandeln.
Wer hat Erfahrung auf diesem Gebiet? Sollte man das etwas teurere gereinigte Bienenwachs verwenden oder kann man auch das ungereinigte Bienenwachs nehmen?
Danke im voraus für Ihre Informationen.
MfG
T.Schmidt



Gar kein Bienenwachs,



und noch weniger ungereinigtes. Letzteres hat auch noch Zuckerreste, sie reinigen bald wieder.

Bienenwachs aus europäischer Herkunft schmilzt schon bei geringen Temperaturen, bildet Schichten und bindet Schmutz. Gleichzeitig wird die Diffusionsfähigkeit der Holzoberfläche deutlich mehr reduziert, als durch Öl.

Verwenden Sie statt dessen ein gutes Möbelhartöl eines Naturfarbenherstellers, dann haben Sie wesentlich mehr Freude an Ihren Hölzern.

Grüße

Thomas





Herr Schmidt,
hier ist zumindest ein Anteil an Bienenwachs mit drin:
http://www.kreidezeit.de/Frameset/index.htm



Das kommt ganz darauf an.



Falls Sie mit reinem Bienenwachs behandeln wollen, so gebe ich Herrn Böhme recht, dann ist es eher unzweckmäßig. Denn dies würde auch ein Erwärmen der Hölzer erfordern, um zu gewährleisten, daß das Wachs auch in das Holz eindringen kann. Sonst würden Sie wohl nur eine Art Oberflächenversiegelung erhalten.
Ansonsten möchte ich Herrn Böhme allerdings widersprechen und es ist mir recht schleierhaft, warum europäisches Bienenwachs schneller schmelzen soll als beispielsweise australisches. Der Schmelzpunkt für Bienenwachs im Allgemeinen liegt bei ca. 65 Grad Celsius.
Nur wie gesagt, reines Bienenwachs sollte es tatsächlich nicht sein. Verwendbar sind Produkte in denen das Wachs mit z. B. Leinölfirnis gelöst wurde, soll der Anstrich härter sein, gibt man Carnaubawachs hinzu.
Falls Sie den Anstrich selbst herstellen möchten, gebe ich Ihnen gerne ein Rezept.
Ein so gearteter Wachsanstrich führt zwar zu einer Versiegelung der Holzporen, dennoch bleibt die Atmungsfähigkeit voll erhalten und Eindringen von Feuchtigkeit ist trotzdem kaum möglich. Gesundheitlich völlig bedenkenlos, wirkt es zudem antistatisch (verminderte Staubablagerungen) und die Raumluft bleibt gesund. Ferner läßt Bienenwachs die natürlichen Holzstrukturen deutlich hervortreten, erhält den holzeigenen Geruch und verstärkt auch seine Färbung noch.
Somit dürfte Bienenwachs also alles andere als ungeeignet sein!
Gruß
Achim Hecke







Schleierhaft oder nicht:



Bienen denken nicht, sondern handeln. Bienenwachs also aus Gebieten, in denen es deutlich wärmer ist als hier (Brasilien z.B.), schmilzt bei ca. 10 Grad höheren Temperaturen.

"Ein so gearteter Wachsanstrich führt zwar zu einer Versiegelung der Holzporen, dennoch bleibt die Atmungsfähigkeit voll erhalten und Eindringen von Feuchtigkeit ist trotzdem kaum möglich"

Das stimmt nicht. Wachs an sich "atmet" überhaupt nicht. Und wenn die Poren voll sind und eine Schicht Wachs auf dem Holz ist (Wachsmoleküle sind viel größer als Ölmoleküle, verstopfen die Poren und dringen NICHT in die Holzzellen ein), dann ist das Holz auch dicht.

"Eindringen von Feuchtigkeit ist trotzdem kaum möglich"

Wachsoberflächen gelten als nicht wasserfest

"verminderte Staubablagerungen"

in das auch im ungeschmolzenen Zustand weiche Bienenwachs integrieren sich gern Schmutzablagerungen. Bestes Beispiel: Laufstraßen auf gewachsten Böden.

"Ferner läßt Bienenwachs die natürlichen Holzstrukturen deutlich hervortreten und verstärkt auch seine Färbung noch."

Das stimmt nicht. Dieser Effekt kommt von den Lösemitteln und ggf. Öl her, mit denen Wachse oft angemischt werden. Wachse selbst dringen kaum in das Holz ein, können somit auch die Tiefenwirkung und Farbigkeit nicht wesentlich verstärken. Wachsoberflächen ohne Ölanteile (die Lösemittel verfliegen sowieso schnell) werden schnell opak.

"erhält den holzeigenen Geruch"

??? Bienenwachs riecht ganz überwiegend nach Bienenwachs, oder?

Bitte trennt die liebgewordenen Mythen von der Realität. Wachse können (sehr dünn aufgetragen) durchaus eine sauber geschliffene Öloberfläche mit einem feinen Glanz versehen, wenn mann's denn mag. Sie sind wartungsintensiver als reine Öloberflächen.

Grüße

Thomas



Warum der Wunsch nach Bienenwachs?



Hallo Herr Schmidt,

warum haben Sie den Wunsch nach Bienenwachs? Wir haben hier verschiedene Produkte mit Anteilen von Bienenwachs aber auch welche die nur mit Naturöle oder mit Naturöle und -harze gemischt sind.

Gerne kann ich Ihnen weitere Auskünfte über meine Profil-Adresse geben.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Sehr geehrter Herr Schmidt,



Sie haben sich bestimmt aus gutem Grund für Bienenwachs entschieden und es bleibt dabei: Für Ihre Zwecke ist es absolut empfehlenswert aus den bereits dargelegten Gründen.

Wenn Sie die Imprägnierung selber herstellen möchten, dann ist Bienenwachs vom "Imker um die Ecke" verwendbar. Dort können Sie es unter Umständen in Barrenform kaufen. Ich möchte jetzt keinen Roman über die Gewinnung schreiben, aber was verstehen Sie unter gereinigt? Während der Gewinnung z. B. durch den Imker reinigt sich das Wachs praktisch selbst.

Werter Herr Böhme, wenn Sie doch darum bitten, man möge sich von liebgewonnenen Mythen trennen, dann verstehe ich nicht, weshalb Sie selbst welche verbreiten.

Meine derzeit etwa 180.000 Mitarbeiterinnen haben mich gebeten, Ihnen folgendes auszurichten:

Produzent von wirtschaftlich nutzbarem Bienenwachs sind nämlich sie selbst, die Honigbienen (lat. Apis mellifera). Apis mellifera ist in verschiedenen Abstufungen (z. B. A. m. ligustica oder caucasica etc.) auf der ganzen Welt heimisch. Freilich existieren auch Lokalrassen. Das schmelzen des Wachses verhindern Bienen aber generell übrigens nicht durch "schwitzen" eines Temperaturbeständigeren Wachses sondern durch die stockeigene "Klimaanlage", die sie selbst bilden. Die Stocktemperatur wird durchweg auf etwa dreißig Grad gehalten. Das die Bienen z. B. in Brasilien ein Wachs herstellen, welches einen zehn Grad höheren Schmelzpunkt hat als hiesiges, ergibt also überhaupt keinen Sinn.
Bin aber immer lernbereit und Sie werden sicher die Quelle benennen können, aus der diese Information stammt.
Soviel zum Thema "Bienen denken nicht sondern handeln."

Ansonsten verweise ich auf die jahrhundertelange Verwendung von Bienenwachs in allen nur erdenklichen Varianten. Die Ägypter verwendeten es z. B. schon als Bestandteil zur Mumifizierung ihrer Pharaonen, es wurde lange im Schiffbau als Holzschutz angewandt, zur Möbelbehandlung und Restauration sowie auch Ölgemälderestauration wird es heute noch sehr häufig verwendet.

In unserer Familie wird seit über zwanzig Jahren eine Holzkinderwiege herumgereicht, die nur mit Bienenwachs behandelt wurde/wird und sie ist, obwohl sie schon viel mitmachen mußte und bis auf einige mechanisch verursachte Kitschen in tadellosem Zustand.

Herr Böhme, in ihren Schilderungen ist das Holz erst "dicht" und im nächsten Schritt ist Wachs dann aber "nicht wasserfest". Was denn nun?

Fakt ist, das Bienenwachs eine kristallähnliche Struktur aufweist und die Holzporen eben nicht verstopft. Es bildet vielmehr eine Art Membran, die diffusionsoffen und dennoch Feuchterestistent ist. Diesen Effekt kennt man auch bei Kalkseifen als Schutzüberzug.

Wer einmal selbst ein Stück Holz mit Bienenwachs behandelt hat wird sehen, wie sich die Farbe des Holzes verstärkt und die Struktur deutlicher hervortritt. Herr Böhme hat aber Recht, das Wachs dringt in seiner Grundform im Vergleich nicht so tief ein wie Öl, was aber wie in meinem Vorbeitrag geschildert behoben werden kann, wenn die Imprägnierung vor Auftrag erwärmt wird (das Wachs muß lange flüssig bleiben).

Das Bienenwachs ein Schmutzfänger sein soll ist schlicht und ergreifend eine Parole. Herr Böhme hat aber wiederum insoweit Recht, als das die Oberflächen von mit Bienenwachs behandelten Materialien nicht ganz so strapazierfähig und damit also pflegeintensiver weil weicher sind.

Gruß
Achim Hecke



Ein weiterer Grund...



...gegen das Bienenwachs in dieser Anwendung liegt m.E. in der gestrahlten Oberfläche - es dürfte schon recht schwierig werden, das Wachs gleichmäßig dünn aufzutragen.

Wenn ein Imker über Bienen redet, kann man viel erfahren. Mir war aber nicht ganz neu, daß das Bienenwachs von Honigbienen hergestellt wird.

Bezüglich der Schmelzpunktes habe ich diese Information von Wilfried Swolinsky, Anwendungstechniker der Firma Naturhaus, dessen enzyklopädisches Wissen ich zu allen Naturfarbenfragen hoch schätze.

"Herr Böhme, in ihren Schilderungen ist das Holz erst "dicht" und im nächsten Schritt ist Wachs dann aber "nicht wasserfest". Was denn nun?"

Beides. "Dicht" und "Nichtdicht" verhält sich freilich nicht wie schwanger und nichtschwanger. Bei der zu vermutenden Schichtdicke auf gestrahltem Nadelholz tendiert es allerdings zu "Dicht". Wenn wir schon die Antike herbeizerren wollen, Wachs wird seit altersher zum Beispiel zum Verschluß von Gefäßen benutzt. Äußerst wirksam und dauerhaft. Ohne Diffusion.

Wasserflecke z.B.auf nur gewachsten Möbeln sind häufig. Wasser dringt, auch bei Lacken, durch Fehler in der Deckschicht ein. Da das Wasser schlecht wieder herauskommt, löst sich die Schicht partiell vom Holz, es entsteht der klassische Wasserrand.

"Das Bienenwachs ein Schmutzfänger sein soll ist schlicht und ergreifend eine Parole."

Laufstraßen auf gewachsten Böden sind Fakt. Um so weicher das Wachs, um so größer die Schmutzbindung. Und Bienenwachs ist nun mal recht weich. Von einem Schmutzfänger im Sinne von "schmutzanziehend" habe ich nicht geschrieben. Die behauptete antistatische Wirkung hätte ich aber gern belegt. Auch ich lerne gern dazu.

Ich würde nicht so weit gehen zu behaupten, daß Bienenwachs für Oberflächenbehandlung gar nicht taugt. Es ging mir hier darum, Eigenschaften und Beobachtungen aus meiner Berufspraxis darzustellen. Seinen Reim darauf möge sich der Fragesteller selbst machen.

Könnte es sein, daß Sie, Achim, als Imker eine etwas parteiische Sicht der Dinge darlegen?

Grüße

Thomas



Wer schrieb denn: "Gar kein Wachs?"



Lieber Herr Böhme, es liegt mir völlig fern Ihre Referenzen und Erfahrungen in Zweifel zu ziehen. Was die Frage nach dem "parteiisch" angeht, so darf ich ebenso wie Sie den Anspruch anbringen, daß auch meine Erfahrungen beruflicher Natur sind. Zudem habe ich nicht behauptet Herr Schmidt muß zwingend Bienenwachs verwenden. Es wurden lediglich meine Informationen und Erfahrungen weitergegeben. Ferner wurde von mir auch die Qualität eines Öles nicht in Frage gestellt.

Wenn Sie etwas genauer gelesen hätten, wäre Ihnen aufgefallen das ich eingangs eine Mischung des Bienenwachses mit Leinölfirnis und Carnaubawachs, gekoppelt mit einem erwärmten Auftrag empfahl, um eben die von Ihnen angeführte Schichtbildung zu umgehen.

Wenn Sie sich dann das nächste Mal an Herrn Swolinsky wenden, dessen Kompetenzen übrigens ebenfalls unbestritten sein mögen, dann fragen Sie ihn bitte nach "Naturhaus-Hartwachs" und lassen sich die Eigenschaften und Inhaltsstoffe des Produktes einmal erläutern.

Danach dürften sich die Fragen bezüglich Diffusionsfähigkeit, antistatische Wirkung etc. geklärt haben.

Bei der Gelegenheit wäre es nett, wenn Sie gleich auch mal nach der Bienenrasse fragen, die das von Ihnen angeführte, erst bei 75° C schmelzende Wachs produziert und inwieweit es wirtschaftlich genutzt wird. (das war übrigens der Grund meiner Herleitung, wer in der Hauptsache für die Industrie interessantes und vor allem nutzbares Bienenwachs produziert ob nun in Brasilien oder Hierzulande).

Ebenso lege ich Ihnen die Firma Auro Natufarben, creasyst und Kreidezeit ans Herz, aus deren technischen Merkblättern sich genau die von mir beschriebenen Eigenschaften des Bienenwachses entnehmen lassen. Wenn das nicht ausreicht lesen Sie bitte "Klaus Nowottnick" - "Bienenwachs" oder auch "Vinzenz Weber" - "Das Wachsbuch"


Gruß
Achim Hecke



Zur Diffusionsfähigkeit habe...



...ich alles geschrieben; die Bezeichnung "Diffusionsoffenheit" in Produktblättern sagt nichts über deren Grad aus. "Fußballspielen" können auch viel mehr, als es in die Nationalmannschaft schaffen. Und selbst die stolpern zuweilen hilflos übers Feld.

Die antistatischen Eigenschaften des Wachses (wie wohl aller anderen Naturfarbenoberflächen) nehme ich voll Freude zur Kenntnis. Beschäftigt hat mich das bisher noch nicht. Laufstraßen bilden sich trotzdem.

Zu den unterschiedlichen Wachsqualitäten interessiert sie vielleicht dieses: http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/270485.html

Da steht nichts Explizites zu Schmelztemperaturen, wenn ich etwas Nachlesbares dazu finde, stelle ich es später ein.

Grüße

Thomas



Schmelzpunkt



Manchmal geht es etwas schneller. Auch wenn's schon sehr in's Detail geht, hier eine Info von "überm Teich".

"Dear Thomas Böhme,

Hello from California. My research shows that honeybee waxes display very similar melting properties across species. However, species in the "cavity-nesting honeybee" and "dwarf honeybee" groups show slightly higher melting points than the "giant honeybee" species. For example, Apis cerana (the Asiatic cavity-nesting honeybee) wax melts at 67-68 degrees Celcius, Apis florea (a dwarf) wax melts at 66-67 C, while Apis dorsata (the giant honeybee) wax melts at 63-65 C.

As a side note, the waxes of some stingless bees (Meliponini) melt at higher temperatures but produce much less wax than honeybees. For example, Nanotrigona testaecornis wax melts at 79.4 C.

I hope you find this information useful,

-Robert Buchwald

Robert Buchwald
1202 Glen Ave.
Berkeley, CA 94708
303-859-9263 "

Sobald ich spezielle Informationen von einer brasilianischen Biene bekommen kann, stelle ich sie ein.

Grüße

Thomas