Vorsatzschalung an der Innenwand mit Lehmsteinen

27.05.2019 Alexander



Liebe Experten,

an verschiedenen Stellen habe ich von der Variante einer Vorsatzschalung mit Lehmsteinen gelesen, um die Wandstärke des Fachwerks zu erhöhen und so etwas zusätzliche Dämmwirkung zu erzielen.

Nun meine ganz profane Frage: Worauf baue ich denn diese Vorsatzschalung auf, die Steine werden doch sicher nicht auf die Dielung gemauert!?

Ich bedanke mich im Voraus!

Gruß,
Alexander



Frage: ist im EG auch FW?



Bei uns in Sachsen sind Fachwerkhäuser im EG fast immer in Bruchstein gemauert (sehr dicke Wände: 60-80cm ist Standard). In diesem Fall öffnet man die Decken an der Seite und errichtet auf der EG-Wand (die ja nach den 15-20cm FW hier noch rund 40-60 cm in der Breite weitergeht) ein tragfähiges Fundament, um die "Mauer" aus Lehmsteinen darüber zu errichten. Lediglich die Balkenköpfe werden dabei ausgespart, sodass sie durch die Lehmwand ragen, um auf dem Mauerkopf der Bruchsteinwand liegen bleiben zu können. Bei dieser Gelegenheit hat man gut die Möglichkeit, die Balkenköpfe zu inspizieren und ggf auszubessern.

Sollte Euer Haus in Norddeutschland stehen und auch im EG in Fachwerkbauweise errichtet sein, dann bleibt nur die Variante, alles von ganz unten bis ins OG durchzuziehen. Letztlich kommt es aber auf das Gleiche hinaus.



EG in Sandstein



Hallo Frank,

tatsächlich steht unser Häuschen ebenfalls in Sachsen, das EG ist überwiegend in Sandstein gemauert. Und Du hast Recht, da sollte noch etwas Wandstärke für die Vorsatzschale übrig sein. Da hätte ich eigentlich auch selbst drauf kommen können.

Vielen Dank und viele Grüße.



Das ist genau das



Problem mit der Technik, die Lasten müssen nach unten abgetragen werden, auch deshalb haben sich auch andere Techniken durchgesetzt.



Lehmsteine



Warum wollen sie Lehmsteine. Mit der Isolierwirkung ist es nicht weit her und sie müssen mit etwas Material hinterfüllt werden, bzw. mit der vorhandenen Wand verbunden werden um Hohlräume zu vermeiden.

Ich habe mir eine Zeitlang überlegt eine Dämmschale aus Stampflehm (Leichtlehm) einzubringen. Endgültig bin ich aber bei 4 cm Holzfaserdämmplatten gelandet. Die Dämmwirkung ist besser bei geringerem Platzverlust. Da Dämmplatten mit der Wand verdübelt und mit Lehm verklebt werden, stellt sich das Problem mit dem Fundament nicht mehr.

Meine Auffassung nachdem ich mich mit dieser Frage beschäftigt habe.



Variante - Holzfaserdämmplatten



Ich hatte mir in den vergangenen Tagen verschiedene Varianten für eine Verbesserung der Dämmwirkung im Fachwerk angeschaut. Die Holzfaserdämmplatten waren natürlich mit dabei. Prinzipiell war aber mein Eindruck, dass man aus bauphysikalischer Sicht und bei der Verwendung unterschiedlicher Materialien eine Menge falsch machen kann. Auf der anderen Seite findet man immer wieder die Hinweise, möglichst mit gleichen/ ähnlichen Materialien zu arbeiten und einen homogenen Wandaufbau sicherzustellen. Aus diesem Grund lag Variante mit der vorgesetzten Wand mit Lehmziegeln irgendwie nahe.

Gruß.



homogener Aufbau



da hast Du Recht. Ob der Aufbau mit Lehmsteinen sinnvoll ist, hängt auch davon ab, wie die jetzige Oberfläche beschaffen ist, springen die Balken sehr vor die Ausfachung, gibt es viel auszugleichen etc. Und dann wäre da ja noch die Entscheidung, welche Lehmsteine genommen werden sollen mit welcher Dichte und falls Leichtlehmsteine mit welchen Zuschlägen. Übrigens gibt es zur Kapillaraktivität von Holzfaserplatten mittlerweile auch kritische Stimmen, vor allem auf massivem Mauerwerk. ( Udo Mühle hatte da vor geraumer Zeit mal einen Beitrag, wenn ich mich recht erinnere.) Im Verbund mit einer Wandheizung ( was ist da heizungstechnisch überhaupt geplant?) aber wohl ganz gut machbar.



Auffeuchtung



Ich habe in dem Zusammenhang auch gesucht und einen entsprechenden Wandaufbau bei der Fraunhofer Gesellschaft gefunden. Nur handelt es sich dabei um einen nicht verifizierten Versuchsaufbau und die Simulation hat eine entsprechende Auffeuchtung ergeben. Ob diese auch nachweisbar war konnte ich in deren Website leider nicht finden. Dabei war auch der Einfluss für die Auffeuchtung von außen kommend.
https://www.denkmalpflege.fraunhofer.de/
Es werden dazu auch aktuelle Seminare angeboten, aber leider sind die relevanten Dokumente immer noch aus 2014.

Für einen Laien sind die aktuellen Publikationen in Print leider zu teuer und dürften sich an ein Fachpublikum richten.

Ich halte mich an unterschiedliche Empfehlungen aus dem Bereich Denkmalschutz, die aber leider älteren Datums sind und sich auch kaum verifizieren lassen. Ich finde auch keine aktuellen Studien zum Thema Holzweichfaser. Vielleicht ließe sich dieses Thema mal erweitern. Den schlechten Ruf der Innendämmung sehe ich im aktuellen Rechenverfahren, das für kapillaraktive Baustoffe nicht funktioniert. Das wird auch bei Ubakus immer wieder thematisiert.

Bis die Messungen für die Versuche in Benediktbeuern veröffentlicht bzw. ihren Eingang in die Literatur finden, werden wir nicht viel weiter kommen.



Viele Wege führen nach Rom!



Die Variante mit einer Lichtlehmstein-Vorsatzschale ist ein guter Weg.
Die Ablastungen wurden hier ja bereits angesprochen.
Problematisch werden stets die Seiten betrachtet, wo die Dielenböden an den Außenwänden enden und somit da neue Auflagerhölzer mit integriert werden müssen.
Wie gesagt, es gibt mehrere Wege nach Rom und da auch z. B. einen, den man mittels Holzständerkonstruktion und eingeblasener Holzfaser ausführen kann.
Verschiedenste Lösungen haben wir ausgeführt und können dazu sicherlich an ihrem Objekt vor Ort die für sie sympathischste Lösung erarbeiten.
Beratung vor Ort ist eh der beste Weg zur Lösungsfindung.
Wo steht euer Objekt denn in der Sächsischen Schweiz da genau?
Habe demnächst in Thürmsdorf wieder zu tun und in Weissig oberhalb von Rathen ein Objekt mit entsprechender Lehmsteininnenschale mal zum ansehen .
Einfach mal melden,

FG Udo