Vorsatzschale zur Schalldämmung

16.02.2015 Heiko



Hallo liebe Community,

ich stehe momentan vor einem Problem, dass ich noch zu lösen suche. Dabei handelt es sich um eine Giebelwand zum Nachbarhaus, die nur aus einer 12'er Wand besteht - sprich man hört eigentlich jedes Wort vom Nachbarn.

Viele Hauseigentümer in der Nachbarschaft haben bereits versucht mit einer klassischen Vorsatzschale aus doppeltem Rigips Abhilfe zu schaffen. Mich würde aber interessieren, ob es dafür noch eine effektivere Lösung gibt.

Die Wand ist insgesamt 7,50m breit und 4,15m hoch. Der Treppenausschnitt am unteren Rand ist 2,60m breit und soll für die zukünftige Treppe natürlich nicht allzu schmal werden. Die Balken links und rechts, sowie der in der oberen Mitte setehen ca. 4cm hervor.

Gibt es Materialien oder bauliche Möglichkeiten, die mir da weiterhelfen können?

Vorab vielen Dank für jede Anregung!



Nachträglicher Schallschutz



Die GKB-Vorsatzschale, wie Sie sie beschrieben haben, ist eine gute Möglichkeit, relativ unaufwendig und recht platzsparend die Schalldämmeigenschaften der gemeinsamen Giebelwand zu verbessern.

Im Grunde hilft hier nur Masse = eine möglichst schwere Vormauerung, die Sie aber aus Platzgründen oder aus Gründen der Statik (Abfangung) nicht ausführen können. Die GKB-Vorsatzschale ist hier in guter Kompromiss, sofern Sie nach Herstellerangaben gebaut wird.

Die 11,5er-Wand hat ein bewertetes Schalldämmmaß von vielleicht 47 dB, wenn es lediglich HBl-Bimssteine sind, dann auch weniger. Für eine gemeinsame Gebäudetrennwand ist aber mindestens eine 24er-Wand vorgeschrieben. Um auf das geforderte Mindest-Schalldämmmaß von 62 dB zu kommen, muss die Vorsatzschale ein Schallschutzverbesserungsmaß (SSVM) von 15 dB erbringen. Die dafür passende Lösung z.B. die Knauf Schachtwand W628, Typ B, hat bei einem SSVM von 17 dB einen konstruktiven Aufbau von 14cm. Diese 14cm müssen Sie einhalten, wenn der Schallschutz den erforderlichen Wert liefern soll. Kompromisse und Nachlässigkeiten in der Ausführung sind hierbei nicht möglich.

Ein zusätzliches Problem sind hier auch die flankierenden Bauteile, die eine Schallweiterleitung begünstigen. Das können hier z.B. durchlaufende Pfetten oder die gemeinsame Fachwerkonstruktion in der Giebelwand sein, die den Schall auf Bauteile in Ihrem Bereich übertragen.

Zudem müssen Sie darauf achten, die Vorsatzschale von den anderen Bauteilen zu entkoppeln und mit Abstand zur Giebelwand zu stellen. Sie muss auch vor der Dachschrägenbekleidung errichtet werden. Diese soll gegen die Akustikwand stossen, nicht umgekehrt.

Grundsätzlich sind nachträgliche Schallschutzverbesserungen schwierig und selten so effektiv wie gewünscht. Wenn Sie sichergehen wollen, dann beauftragen Sie ein Ingenieurbüro, das auf diesem Gebiet arbeitet, mit der Detailplanung. Solche Punkte konstruktiv aus dem Bauch heraus oder nach der Methode "Versuch & Irrtum" lösen zu wollen, empfiehlt sich aus Kostengründen nicht.



Schalldämmung



Hier einige Alternativen:

http://www.doser-dhd.de/holz-daemmsysteme/schalldaemmwand/

http://unger-diffutherm.de/udiclimate/

Auch hier gilt: Im System bleiben, das was Will Pickartz geschrieben hat beachten.



Schalldämmeigenschaften der Giebelwand



Vielen Dank für die interessanten Ausführungen.

Die GKB-Vorsatzschale scheint tatsächlich die einfachste Möglichkeit für einen gewissen Schallschutz zu sein, allerdings sind die Ergebnisse in der Nachbarschaft offenbar nicht so zufriedenstellend. Das Ständerwerk müsste ja freistehend vor die eigentliche Wand gestellt werden, was durch die vorstehenden Balken schon sehr viel Platzverlust bedeutet.

Allerdings würde mich dennoch der Aufbau eines Ständerwerks bei einer Höhe von 4,15m interessieren, da die meisten Profile max. 3,00m lang sind.

Die Idee der DHD-Schalldämmwand gefällt mir schon sehr gut, da wir die geraden Flächen tatsächlich mit Lehm Verputzen wollen. Sind die Komponenten dafür allgemein erhältlich oder muss man sich da an den Hersteller wenden.

Mit dem Unger-System habe ich mich bereits beschäftigt, weil mir die Verdübelung in der Wand bereits als größte Schwachstelle für eine wirksame Schalldämmung genannt wurde und Unger dafür offenbar ein eigenes Dübel-System entwickelt hat. Allerdings ist der Kostenrahmen weitab von unseren Vorstellungen, weshalb wir noch nicht weiter in die Richtung gedacht haben.



Schalldämmung der Dachgeschoßwand



Du könntest auch eine senkrechte Lattung vor die Wand setzen,evt als Kreuzlattung, die Berührungspunkte z.B. mit Gummigranulatstücken unterlegen, darauf eine tragfähige Verkleidung( OSB- Platten, Bretter etc) schrauben und den Hohlraum mit trockenem - mögl. geglühtem- Sand verfüllen.
Statik ggf überprüfen, Sand wiegt etwa 1800kg/m3, hat aber auch u.A.aufgrund des Gewichtes eine sehr gute dämpfende Wirkung.
Wir haben früher Schallschutztüren so gebaut.

Auf die Platten könnten dann noch Holzfaserplatten befestigt werden.

Von Schneider/Bestwood gibt's auch schon vorverputzte für Fassaden oder einfach Lehmputz nehmen.
Die o.g. Konstruktion könnte besser beidseitig hergestellt werden.
Herausstehende Holzteile ggf separat dämmen-
Darauf vollflächig verklebtes Walzblei hat auch eine gut dämpfende Wirkung.
Schallweiterleitung bei durchgehenden Pfetten wird durch die Wanddämmung aber nicht unterbunden.

Bei zweilagiger Gipsplattenverkleidung die äußere Schicht nur sparsam verschrauben , da dies eine deutlich bessere Schalldämmung bewirkt.

Andreas Teich



Sand als Dämmmaterial



Vielen Dank für den Vorschlag - in so eine Richtung habe ich bisher noch gar nicht gedacht. Allerdings tendiere ich momentan eher zur DHD-Lösung.

Ich habe zwar noch keine konkreten Verarbeitungsvorgaben erhalten, aber dass sie nur einseitig erstellt werden kann, scheint bei dem System kein allzu großes Problem darzustellen.

Die Hohlräume mit Sand zu verfüllen erscheint mir dann doch etwas zu exotisch :-)



Sand zur Schalldämmung



hallo Heiko,
Eigentlich nicht sehr exotisch...
Sand ist schon sehr lange als wirksames Schalldämmmaterial bekannt.

Es gibt industrielle Anbieter, die teure Systeme haben, bei denen der Sand in Pappwaben, Folien etc eingearbeitet wird.

Bei der Schalldämmung von Geschoßdecken wird Sand auch schon sehr lange eingesetzt.
Der Vorteil ist dabei das hohe spezifische Gewicht und gleichzeitig die schallschluckende Wirkung, außerdem ggf leicht zu entfernen und wiederzuverwenden.
Es gibt auch noch viel teurere Systeme bei dem kleine Bleiperlen in Folien eingearbeitet werden- dasselbe Prinzip wie bei Sand.

In meinem vermieteten Haus habe ich Holzfaserplatten zur Schalldämmung unter die Decken gesetzt- hat sich auch bewährt, wobei Sand wirkungsvoller gewesen wäre aber so nicht machbar war.

Andreas Teich



wirksames Schalldämmmaterial



Das glaube ich gern, zumal auch die Schüttung in unseren Decken eine Mischung aus Sand und Schlacke gewesen sein muss - die Leute wussten früher schon, gut und günstig zu bauen.

Allerdings erscheint mir die Idee, meine Giebelwand mit Sand zu verfüllen "exotisch" zumal ich die Stabilität des Mauerwerks nicht zu sehr strapazieren möchte und die Abdichtung der Vorsatzschale sicher auch eine besondere Herausvorderung sein wird.

Ich habe mich mal an die Fa. Doser gewendet - mal sehen was die für einen privaten Bauherren tun können.



Wir



hatten riesige Probleme mit dem Nachbarhaus, vermutlich sind zwischen den Häusern nur zwei halbsteinstarke Ziegelmauern (je 15 cm plus Putz). Da konnte man durchaus das Fernsehprogramm der Nachbarn mitverfolgen. Als dann im Nachbarhaus die angrenzende Wohnung renoviert wurde, haben wir in Zusammenarbeit und Kostenteilung mit den Eigentümern eine Vorsatzschale errichten lassen, Gipskarton mit Steinwolle. Beim anschließenden Test hatten wir Musik auf über Zimmerlautstärke laufen, sie war auf der anderen Wandseite nicht zu hören. Dann sind wir auf ohrenbetäubende Lautstärke gegangen und im Nebenzimmer war leise Musik zu hören. Ein Traum!

Im Stockwerk drunter waren wir leider noch nicht so fit, dort hören wir im Arbeitszimmer meiner Freundin jetzt sämtliche Vergnügungen der Nachbarn mit.



Vorsatzschale aus Gipskarton mit Steinwolle



Dankeschön für den Bericht - können Sie. Noch etwas den genauen Aufbau beschreiben?



Der Wandaufbau ...



... ist in meinem Beitrag benannt, z.B.die Knauf Schachtwand W628, Typ B.
Jedes Unternehmen, das GK- oder Gipsfaserplatten herstellt (Rigips, Knauf, Lafarge, Fermacell), hat solche geprüften Standardaufbauten im Programm. Die Planungsunterlagen können Sie auf den jeweiligen Firmenseiten einsehen.



Planungsunterlagen für Standardaufbauten



Danke, die Planungsunterlagen für die Schachtwand W628 Typ B habe ich mir bereits angesehen - wollte aber wissen, ob der Schreiber eine davon abweichende Lösung genutzt hat.



Das



hat bei uns eine Fachfirma auf Auftrag der Hausverwaltung des Nachbarhauses gemacht, insofern hatte ich mit dem genauen Aufbau wenig zu tun. Aus dem Kostenvoranschlag und einem Telefonat mit der Hausverwaltung kann ich mich nur mehr erinnern Metallprofile mit Gummi-Entkopplungselementen montiert, Sonorock-Steinwolldämmung und doppelt mit Gipskarton beplankt. Dürfte ein fertig vorgegebener Aufbau sein nehme ich an, ausgeführt von einem Baumeister aus Klosterneuburg.