Vorsatzschale Vs. Lehmputz

14.02.2021 Andi

Vorsatzschale Vs. Lehmputz

Guten Tag,
Folgende Frage. Eigentlich war unser Plan die Außendwände innenliegend mit Lehm zu Verputzen bzw. zu dämmen. Folgender Wandaufbau:
Lehmunterputz zum ausgleichen, 4cm holzfaserdämmplatte, lehmoberputz.

Nun hatte gestern mein Handwerker den Vorschlag, warum ich nicht eine Vorsatzschale mache, die Zwischenräume mit der holzweichfaderplatte Dämme und dann eine Rigipsplatte (die grüne) davor mache.

Warum ich das überhaupt in Erwägung ziehen würde, weil wir im August nochmal Nachwuchs bekommen und es langsam ziemlich eng in unserer Wohnung wird.

Für mich als Laie, vor allem nachdem, was ich mir bisher an Wissen angeeignet habe oder gelesen habe, werde ich doch dann bestimmt Feuchtigkeit hinter der Rigipswand bekommen oder?

Könnte mir das jemand mal aus baupyhsikalischer Sicht erklären.

PS: die Gefache sind mit Ziegelsteinen ausgemauert und die Außenwand ist vollflächig verputzt.



Dichtigkeit



Ich hatte so eine Vorsatzschale mit Glaswolle dazwischen und bei mir waren nach 40 Jahren keine Schäden zu sehen. Es kann also funktioneren. Vor allem wenn eine Dampfsperre komplett innen abdichtet, sagen jedenfalls die Modelle, dass es keine Auffeuchtung gibt. Die korrekte und dauerhafte Dichtigkeit ist jedoch nur sehr schwer zu realisieren. Wenn die Dämmung mit Holzflex keine Hohlräume lässt und gut verbindet, sollte nach meinem Verständnis auch evtl. Feuchtigkeit abgeleitet und im Jahresverlauf immer wieder trocknen können. Ich habe mich dennoch für Lehmputzausgleich und das Pavadentro System mit den mit Lehm geklebten und verputzen Platten entschieden. Ich hatte aber den Vorteil, dass ich genügend Zeit hatte die Schichten trocknen zu lassen.



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Hallo Andi,

Ihre Frage, bzw. Gegenüberstellung der beiden Möglichkeiten einer Innendämmung ist was meine Überschrift sagt.
Denn es geht dabei nicht nur um den grundsätzlich verschiedenen Aufbau, sondern auch um den Unterschied der raumklimatischen Wirkung und der Fehlertoleranz der beiden Versionen.
Wie schon beschrieben kommt es bei der Trockenbau-Vorsatzschale auf absolut penibles Arbeiten bei der Dampfsperre an. Dies ist im Altbau das größte Problem/Risiko. Die Dampfsperre muss umlaufend 100% dicht sein und dauerhaft bleiben.
Eine Innendämmung aus Lehm und HWF-Platten ist dagegen völlig diffusionsoffen. Kommt also ganz ohne Dampfsperren/-bremsen und sonstige Folien aus.

Gipskartonplatten haben eine relativ harte und sehr glatte Oberfläche. Lehmputz dagegen ist relativ elastisch. Dem entsprechend wird die Raumakustik beeinflusst. Harte und glatte Oberflächen reflektieren Schallwellen viel mehr. D. h., in Räumen mit GK-Wänden ist es lauter und hallt mehr.
Und nicht zuletzt, Lehmputz reguliert die Luftfeuchtigkeit viel besser als GK-Platten, Lehmputz nimmt Gerüche und Schadstoffe aus der Luft auf und lagert sie dauerhaft ein, GK nicht.

So wie ich dem Bild entnehme dass unter die 3 Fenster je ein Heizkörper montiert werden soll, gäbe es bei der Lehmputz-Variante die zusätzliche Option statt 3 (nicht gerade schön anzuschauender) HK eine unsichtbare Wandflächenheizung zu montieren. Was hinter einer Trockenbaubeplankung nur schwerlich zu machen ist.

Im Prinzip ist es als vergleiche man einen Ferrari mit einem Trabi.

Damit sich der (finanzielle) Aufwand auch energetisch lohnt, sollten Sie statt der angedachten 4 cm mind. 6 cm dicke HWF-Platten montieren, oder noch besser, sich von einem versierten Energieberater ausrechnen lassen ob auch eine noch dickere Dämmung schadlos machbar ist.

Wie mein "Vorredner"schon schrieb, eine "konventionelle" Mineralwolle-/GK-Vorsatzschale kann gut durchaus funktionieren, wenn alle Parameter stimmen. Ich habe aber auch schon viele abgerissen und dann inklusive dem Fachwerk sehr aufwändig saniert.
Eine aufgeklebte HWF-/Lehm-Innendämmung funktioniert dagegen immer, wenn die Dämmdicke korrekt berechnet ist. Einfach weil dieses "System" viel fehlertoleranter ist.

Und wie gesagt, hier kann man auch eine Flächenheizung einbauen, was wegen der niedrigeren Vorlauftemperatur wiederum die Heizkosten reduziert.

Gruß,
KHH



Innendämmung auf Fachwerk



Wenn’s schnell gehen muß und Schlagregenbelastung ausgeschlossen werden kann:

Kanthölzer oder Metallprofile zwischen Boden u Wand davorstellen oder Holzlatten auf die Wand schrauben, darauf zB Lehmbauplatten oder Gipsfaserplatten befestigen und Hohlräume mit Zellulose ausblasen.
Die ist diffusionsoffen, kapillar und füllt alle Unebenheiten aus.

Bei möglicher Schlagregenbelastung sollte auch über den Balken zur Feuchtigkeitsaufnahme/-verteilung eine durchgehende Putzschicht aufgetragen und dann die Dämmplatten zur Innendämmung vollflächig angesetzt werden.