Vorhangfassade - Hinterlüftung

09.10.2017 Holm Braeuer



Kaum jemand hier stellt in Frage, dass bei einer Vorhangfassade aus Holz (z.B. Boden-Deckel-Schalung) eine korrekt angebrachte Hinterlüftung UNBEDINGT zu einem fachgerechten Aufbau gehört. (Ich habe nach Suchen nichts anderes gefunden.)

Ich habe nun einen Artikel gefunden, in dem ein Langzeitversucht dazu an der "Berner Fachhochschule – Architektur, Holz und Bau" durchgeführt wurde. Wenn man den Ergebnissen glauben will, dann ist eine Hinterlüftung nur unter extremen Bedingungen (Wald steht in einem bewaldeten Tal, das Holz ist großflächig und gestrichen) vonnöten. Sonst sei keine Hinterlüftung notwendig. (Sprich: Das Trocknungsverhalten ist mit und ohne Hinterlüftung weitgehend identisch.)

Hier der Link: http://www.forum-holzbau.ch/pdf/hbt10_Hauswirth.pdf

Hat hier vielleicht schon mal jemand eine Fassade in Boden-Deckel-Schalung ohne Hinterlüftung angebracht und dabei negative Erfahrungen gemacht? Oder ist der Punkt "Hinterlüftung" tatsächlich überbewertet?

Ich würde mich über eure Meinungen freuen. Danke im Voraus!



Mind the gap



Eine Frage wäre was hinter der Fassade kommt...

Interessanter Artikel (Englisch):

https://buildingscience.com/documents/insights/bsi-038-mind-the-gap-eh

Der Autor findet 3/4" (ca. 19 mm) auf jeden Fall ausreichend.



Holzfassaden-Hinterlüftung



Das Deckbrett der Boden-Deckelschalung hat ohnehin eine senkrechte, durchgehende Hinterlüftung-
die Grundbretter nur über die beiden Schmalseiten bzw die Rückseite mit Luftschicht.

Wenn nicht wegen unsauberer Montage oder schlechter Holzauswahl viel Wasser mit dem Schlagregen durchdringt sehe ich kein Problem-
besonders wenn keine diffusionshemmende Beschichtung erfolgt.

Unnötige Kreuzlattung erfordert mehr Platz, mehr Material und mehr Arbeitsaufwand.
Die Luftschicht (ohne Belüftung) ist sinnvoll.

Bei Rhombusbrett-Verschalungen mit senkrechter Traglattung ist die Hinterlüftung ohnehin kein Problem, auch aufgrund der zahlreichen horizontalen Fugen.

Andreas Teich



Mind the problem



The article describes the moisture problem with respect to typical am. houses built as lightweight-constructions cladded with OSB and/or XPS sheathings. I assume that almost everybody here is aware of the problems with these materials and constructions ...

I don't quite get how this exactly relates to the question of whether or not we need ventilation for curtain-wall facings.



Ob der Pilz...



... einen schweren Fachwerkbalken oder eine leichte OSB Platte angreift, ist ihm egal.

Es gibt Alternativen zum Platz fressenden Kreuzrost, z.B. haben wir bei uns Doppelstegplatten aus Kunststoff in Streifen geschnitten und als luftdurchlässigen Abstandshalter verwendet.



So sehe ich das inzwischen eigentlich auch



Herr Teich, zumal die Brettchen ja eh überwiegend nach außen und nicht nach innen abtrocknen, wenn sie von außen feucht werden. Ich habe das hier eigentlich nur eingestellt, weil sich das ja fast schon wie ein Tabubruch anhört, wenn man die Meinung vertritt, dass eine Hinterlüftung (in den meisten Fällen) nicht notwendig ist.

Falls jetzt niemand heftig widerspricht, hake ich das Thema zunächst als stark überbewertet ab. Da kann ich mir einiges sparen.



Ob der Pilz ...



Stimmt, aber ich hatte ja nicht vor, OSB Platten ans Haus zu schrauben, oder Styropor dran zu kleben. Klar käme dann Wasser durch die kleinen Spalten und Ritze rein und nur sehr schwer wieder raus. Bei solchen Konstruktionen würde ich mir auch ernsthaft Sorgen machen ...



Hinterlüftung



Es ist ohnehin die Frage ob eine mehr oder weniger stehende (sicher sinnvolle) Luftschicht hinter Holzbauteilen oder eine Hinterlüftung, Belüftung, Entlüftung etc gemeint ist.

Eine ca 2 cm betragende Luftschicht würde ich fast immer vorsehen-
bei Schalungen mit offenen Fugen, wie zB Rhombusschalungen, kann diese auch nur ca 10 mm betragen

Bei großflächigen Plattenverkleidungen wie die im Artikel dargestellten Sperrholz- oder OSB-Platten siehts anders aus,
zudem muß der teils sehr unterschiedliche Sd-Wert berücksichtigt werden, wenn es um die Diffusionsfähigkeit des gesamten Wandaufbaues geht.

Bei Neubauten werden die als Innen- oder Außenverkleidung oder bei beidem eingesetzt- von der Holzforschung Austria gab's (nicht sehr erfolgreiche) Versuche, die als Wetterschutzschicht zu untersuchen.
Selbst mit Lackierung oä ist das nicht dauerhaft beständig.

Andreas Teich



Terminologie



Zur Uebersetzung:

sheathing = Versteifung - heute meistens OSB, im allgemeinen an der Aussenseite der Studs / Rahmenhölzer angebracht.

rain screen = hinterlüfteter Luftspalt hinter der Verkleidung

siding = Fassadenverkleidung, z.B. Holz, PVC, Faserzement usw

Es ist also keine Rede davon, die OSB-Platten als äussere Verkleidung zu verwenden.



Terminologie



Ich weiß nicht, was das soll. Natürlich geht es um die Bekleidungen der Stützkonstruktion von Holzständerkonstruktionen. Hat das irgendjemand bezweifelt? Ich wollte nur sagen, dass wir hier über zwei verschiedene Sachen reden. Aber danke für den Nachhilfeunterricht. Schon witzig ...



ernst gemeint



Bitte den Eintrag von Herr Teich genauer lesen, da wurde die Verwendung von OSB etwas missverstanden.

Eine Frage wäre auch, woran Sie die Boden-Deckel-Schalung befestigen wollen. Wenn es nicht an den richtigen Orten Holz in der Wand hat, werden Sie z.B. waagrechte 30 x 50 mm Latten an der Wand brauchen damit man die Schalung anschrauben kann. Einen Kreuzrost kann man sich aber in diesem Fall schenken.

Als Lesestoff zu den handwerklichen Details kann ich "Praxis: Holzfassaden" von Ingo Gabriel empfehlen.



OSB-Platten Verwendung



Ich habe nichts mißverstanden, sondern nur div Möglichkeiten der Verwendung bzw Einschränkung bei OSB-Platten erwähnt.

Leser dieses Forums können diese ja überall befestigen-nicht nur im besagten Fall.

Im Neubau werden die ohnehin innen und/oder außen auf Ständern verwendet.

Andreas Teich



Unterkonstruktion



Hallo Herr/Frau Yogumon (konnte Ihren Namen leider nicht finden),

dann war ich gar nicht angesprochen. Das habe ich missverstanden. Tut mir leid. Danke für den Literaturtipp. (Witzigerweise heißt es auch dort schon auf S. 11 - unter "Bauphysik der Holzfassade" - dass eine Hinterlüftung zwingend notwendig sei.)

Ich habe das hier als Frage eher aus Interesse eingestellt. Ich wollte einfach wissen, wie es darum steht. Scheint ne Art Dogma zu sein ...

Praktischerweise würde ich das an die Unterkonstruktion aus KVH schrauben, die mal die Außendämmung mit Thermohanf oder SteicoFlex halten soll. Dazwischen wäre dann noch eine Winddicht-Folie. Und wenn jetzt niemand meckert oder es schafft mich vom Gegenteil zu überzeugen ... nichts.

Die Theoretiker (die freilich auch sehr viele praktische Projekte betreuen) hier vom Institut für Bauphysik (TU Dresden) waren auch der Meinung, dass eine Hinterlüftung bei kleinteiligen Fassadenverkleidungen nicht nötig sei.

Nun.