Vor- Nachteile PE-Alu-Abdichtungsbahn vs. Schweißbahn

20.07.2015 awe1



Liebe Community,

wenn es hier um Bodenaufbauten ohne bestehende Horizontalsperre und eine notwendige Feuchtigkeitssperre nach DIN 18195 geht, wird meist auf Bitumen-Schweißbahn a la G200 S4 (in Österreich GV 45) und Abdichtungsbahnen a la Knauf Katja Sprint, Börner EriKa, Gefistas PE 3/300 verweisen. Von den Alternativen (mineralische) Dichtschlämme, EPDM und Gussasphalt einmal abgesehen.

Im Regelfall geht es bei den Fragenstellern ja um eine Betonplatte, die abzudichten ist (auch in meinem Fall).

Was sind aus eurer Sicht die faktischen Vor- und Nachteile zwischen den Abdichtungsbahnen und den „klassischen“ Schweißbahnen bei normaler Belastung und der üblichen Anzahl von Durchdringungen und Ecken. Oder anders gefragt: Warum arbeitet ihr persönlich lieber mit „eurer“ Variante?

Würde mich interessieren!





Was mir selbst dazu einfällt:

EPDM

+ Dauerhaft elastisch
+ Dicke Funktionsschicht (ab 1 mm)
+ Geruchsneutral
+ Langzeiterfahrung
+ Baubiologisch unauffällig und theoretisch wiederverwendbar
- Aufwändig(er) und je nach Größe unhandlich zu verarbeiten
- Systemkomponenten eher für Teichbau
- Vergleichsweise Teuer
- Verarbeiter braucht Teich- oder Flachdacherfahrung (ansonsten muss man selbst aktiv werden)

Schweißbahn

+ Günstig
+ Robust
+ Langzeiterfahrung
+ Kennt jeder Bauunternehmer
(/) Relativ aufwändig zu Verarbeiten (Voranstrich, Flämmen, Ecken)
(?) Längerfristige Ausdünstungen in den Innenraum (?)
- Erdöl Produkt
- Versprödet mit der Zeit

Durch die 4 mm Dicke zwar robust, wenn aber z. B. eine Balkenlage 90° darauf kommen eher ein Nachteil. Selbes gilt für den Wandbereich wo die 4 mm ausgeglichen werden wollen.

PE-Alu Abdichtungsbahnen

+ Dauerhaft elastisch
+ Günstig
+ Schnell und einfach zu Verlegen (Systemkomponenten)
+ Geruchsneutral
+ Baubiologisch unauffällig und „nur“ normaler Müll
+ Kann quasi jeder der sorgfältig arbeiten kann dicht verlegen
(/) Mittlerweile relativ lang bewährt
- Dünne Funktionsschicht (eig. nur das Alu) - eben gerade Robust genug um eine Baustelle zu überleben



Abdichtung



Zur DIN 18195:
Im Teil 2 stehen die zugelassenen Materialien für Abdichtungen drin, da braucht man nicht herumzuorakeln.
Zur Auflistung:
Es fehlt ein wichtiges Kriterium, der Preis.
Wo gibt es Untersuchungsergebnisse in der Fachliteratur oder in anderen seriösen Veröffentlichungen zu " Längerfristige Ausdünstungen in den Innenraum" und zu "versprödet mit der Zeit"?





Orakeln? Vergleichen, würde ich sagen bzw. darüber sprechen, ist doch ein „Forum“. Das Thema gibt es hier immer wieder, meist aber am Rande einer Frage zum Thema Bodenaufbau auf Erde. Ich wollte es einmal loslösen.

Preis ist jeweils unter „teuer“, „günstig“ als Vor- (Schweißbahn, Abdichtungsbahn) bzw. Nachteil (EPDM) angeführt.

Eine der Quellen (Lehrbuch der Hochbaukonstruktionen
herausgegeben von Frank Conrad,Erich Cziesielski) zum Thema Versprödung/Oxidation: https://books.google.at/books?id=zXN9PhhDGOQC&lpg=PA692&ots=MYCzIAhU5Q&dq=bitumen%20oxidation%20verspr%C3%B6dung&hl=de&pg=PA692#v=onepage&q=bitumen%20oxidation%20verspr%C3%B6dung&f=false

Die Ausdünstungen habe ich bewusst in Fragezeichen gesetzt, weil das immer wieder thematisiert wird, aber da die PAK eben erst bei 100° freigesetzt werden, spielen die unter Normalbedingungen keine Rolle... Den Bewohnern kann das also egal sein, nur was ist mit dem armen Tropf, der mir das Zeug an den Boden/die Wände pappt...

Relativieren muss man sagen: Lückenlos nachgewiesen sind Schäden für die Verarbeitenden auch nicht, es gibt nur Vermutungen (Quelle: http://www.ipa.ruhr-uni-bochum.de/pdf/IPA_Journal_01_11_Bitumen.pdf), aber zu den hochsympathischen und gesundheitsfördernden Stoffen scheint Bitumen nicht zu gehören.

Naphthalin gehört z. B. zu den VOCs, die gerne überhöht in Innenräumen gemessen werden, möglicher Ursprung: Bitumen (Quelle: http://www.wissenwiki.de/Fl%C3%BCchtige_organische_Verbindung)

Oft werden die PE-Alu-Abdichtungsbahnen als „Sch(w)eißfolie“ abgetan, aber meist nur mit dem Argument das die Schweißbahn 4 mm dick, solide ist und wir das immer schon so gemacht haben (was wenn etwas jahrelang funktioniert grundsätzlich ein legitimes Argument ist). Deshalb wollte ich mal nachfragen ob es auch echte Fakten gibt, die gegen eine Verwendung von z. B. Abdichtungsbahnen als Alternative sprechen. Die haben gegenüber der althergebrachten Variante nämlich auch oben genannte Vorteile. Zur Dampfsperre macht die Bitumenbahnen nämlich auch erst die Alueinlage, d.h. der Hauptunterschied ist mehr Auftrag und ggf. Schutz durch die höhere Stärke.



Bitumen



Der erste link zur Versprödung von Bitumen lässt sich nicht öffnen. Das ist auch unerheblich, es geht nicht um Dachbeläge die im Laufe von mehreren Jahrzehnten verspröden können. Im Fußbodenaufbau, bei annähernd konstanten Temperaturen, ohne UV- Strahlen und bei Sauerstoffabschluß findet keine Versprödung und keine kalte Oxidation statt.
Unter den VOC- Emissionsquellen die bei Wkipedia aufgelistet sind findet sich keine bituminöse Abdichtung.
Die möglichen Naphtalinquellen die genannt werden sind Altlasten, hergestellt aus Steinkohlenteer und -teerpech die nichts mit modernen Baustoffen zu tun haben.
Sondermüll der zu entsorgen ist sollte er noch anzutreffen sein.