Vollwärmeschutz bei Sandstein-Mauerwerk

22.08.2010



Hallo,
wir möchten ein ca. 100 Jahre altes Bauernhaus renovieren. Wir haben uns auch überlegt, evtl. auch gleich einen Vollwärmeschutz zur Dämmung draufzumachen. Allerdings hat mir jetzt ein Bekannter erzählt, dass das bei alten Sandsteinmauern gar nicht so einfach ist und dass sich evtl. die Mauern mit der Zeit "zersetzen" (bröckeln...), wenn das Mauerwerk nicht mehr richtig atmen kann. Ist das so? Sollte man besser auf die Dämmung verzichten? Gibt es Alternativen?



Ein Vollwärmeschutz



ist immer ein gravierender Eingriff in die bauphysikalischen Eigenschaften eines Bauwerks. Da sollte immer auch der Rest des Gebäudes betrachtet werden, um eine gleichmässige Verbesserung zu erreichen. Ein dämmtechnischer Overkill einzelner Bauteile wird unweigerlich an anderer Stelle zu vermehrtem Kondenswasseranfall führen und unter Umständen zu gravierenden Schäden.
MfG
dasMaurer



Sanierungen ist kein Laienspiel



Hallo

"Sanierungen und andere Arbeiten an Häusern sollten wohl überlegt, gut und professionell geplant und fachmännisch ausgeführt werden.
Kein Gestöpsel a la Internet sondern ein Konzept ist da von Nöten.

Dafür ein Zitat aus einem alten Fachbuch:

Die Ursachen, die bei einem Bau zu Mängeln und zu Schäden [ … ] führen können, sind sehr vielseitig.
Sie lassen sich in 3 Hauptgruppen einordnen.
Planungsfehler
Gütemängel der verwendeten Baustoffe, fehlerhafte Verarbeitung
mechanische, chemische oder biologische Einflüsse auf konstruktiv und stofflich einwandfreie Bauteile

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum zu glauben, dass Planungsfehler ausschließlich in den Verantwortungsbereich des Architekten gehören. Es können auch schuldig oder mitschuldig sein:
der Bauherr
die Sonderfachleute (Ingenieure für Statik, Sanitär, Elektrik, Lüftung, Akustik, …
der ausführende Unternehmer
(Baubehörde, unausgereifte Verordnungen und Gesetze)

Ohne genaue Kenntnis der Baustoffe, ihrer Eigenschaften und Eigenheiten kann kein Bau technisch und wirtschaftlich einwandfrei errichtet werden. Mangelhafte Kenntnis kann zu Verlusten an Geld, Baustoffen und Arbeitsaufwand führen. Zu geringe Anforderungen an die Baustoffe, ihre falsche Anwendung ohne Berücksichtigung der Konstruktion und der äußeren Einflüsse sind Ursache von vorzeitigem Verschleiß, Mängeln und Schäden; übertriebene Anforderungen führen zu Vergeudung von Material und Arbeit.

Bauherr
Der Bauherr begeht große Fehler, wenn er
der Planung und der Bauausführung zu wenig Zeit lässt
mit der Planung keine geeigneten Fachkräfte beauftragt
am falschen Platz sparen will
ohne genügende Planung zu Bauen beginnt
während des Bauens ändern lässt oder sich in das Baugeschehen unzweckmässig einmischt"

Max Hartmann: Taschenbuch - Hochbauschäden und -fehler - Stuttgart, 1964

Es ist ja ganz verführerisch im Internet ALLES zu finden - aber das sind nichts mehr als Puzzle Teile von verschiedenen Puzzeln die oft nicht zusammen passen.

Also Vorsicht!

FK



Da kann ich mich...



..."DasMaurer" nur anschließen.
Wie dick ist das Mauerwerk?
100 Jahre hat das Mauerwerk wohl funktioniert und nur durch
die "ModeEnEV" wird oder muss mal schnell gedämmt werden!
Warum?
Was soll das bringen?
Heizkosteneinsparungen erreichen Sie nur durch die richtige Strahlungsheizungsform!
Hoffentlich gibt es auch "Bekannte", die Ihnen mit "Tipps" richtig helfen!



Wer sagt,



dass ein Vollwärmeschutz zwingend notwendig erfforderlich ist???

Ich schliesse mich Herrn Kurz an und kann nur den Rat geben, machen Sie eine sorgfältige Planung, ansonsten besteht die Gefahr, dass Ihr Vorhaben zumFass ohne Boden wird.

Grüsse Thomas





Diese Warnungen solltest du dir zu Herzen nehmen. Mit Fehlern in der Bauphysik kannst dir die Bude ruinieren - und so etwas wie ein Vollwärmeschutz verändert das Taupunktverhalten von deinen Wänden. Du kannst also Wasserausfall bekommen, wo die Feuchtigkeit bislang problemlos verdunstete.

Eine kleine Anregung dennoch: Es gibt durchaus diffusionsoffene Möglichkeiten der Aussendämmung, die deine Sandsteinwände vielleicht gut vertragen. Etwa mit Schilf und Kalkputz (findest du bestimmt in diesem Forum einiges, benützen manche sogar um feuchtigkeitsempfindliche Holzständerhäuser zu dämmen. Dabei werden 5 cm dicke Schilfmatten (evtl auch doppelt) auf die Wände gedübelt, das Ganze wird dann mit reinem Luftkalkmörtel verputzt (jetzt sehr vereinfacht geschildert). Mach dich mal schlau und sprich mit jemandem in deiner Gegend, der so etwas anbietet - vielleicht wäre das eine Lösung.