Architekt will Vertrag kündigen

19.01.2013



Eigentlich ist diese Frage fast peinlich: Bin ich noch zu retten? Vor ca. 8 Monaten habe ich einen Architekten beauftragt mit der Sanierung des Untergeschosses meines neu erstandenen Fachwerkhauses.Es gab ein Gespräch, ich äußerste meine Vorstellungen:Umfang der Sanierungsmaßnahmen und die Bedingungen umweltfreundliche Materialien zu verwenden, wobei ich ausdrücklich Gipskarton, Silikon und Klemmfilz ausschloss, finanzieller Rahmen. Der Architekt sicherte mir zu, eine Planung zu machen, Angebote einzuholen, Kostenaufstellungen zu geben und seine Honorarforderungen mitzuteilen.Nach den ersten Arbeiten (wo er sich erst einen Überblick verschaffen wollte über die "Überraschungen", die so eine Sanierung im Fachwerkhaus bieten) wollte er mir dann auch sagen, wie lange die Arbeiten dauern und wann wir einziehen könnten. Kein Witz: Plötzlich standen die Handwerker im Haus, um Wände einzureißen, ohne, dass ich den Plan des A., der völlig anders als besprochen war, genehmigt hatte. Der A.setzte mich vor Ort unter Druck und ich stimmte dem Vorhaben (kein Kostenvoranschlag, nicht Schriftliches, usw.)zu. Der Plan wurde vor Ort über den Haufen geworfen, vor Ort neue Ideen spontan umgesetzt, ohne aus fachlicher Sicht Alternativen zu prüfen. Das war mein erster großer Fehler, ich hätte wohl da bereits alles stoppen müssen. Aber der A. erklärte mir,dass ,wenn wir jetzt nicht sofort anfangen und ich dem ihm nicht vertrauen würde , dann könne der angestrebte Einzugstermin nicht eingehalten werden. Ich bat erneut um schriftliche Einzelheiten, Kostenvoranschläge, Zeitlichen Rahmenangaben. Immer vertröstete mich der A. damit, dass man wegen der "Überraschungen" das jetzt noch nicht sagen kann, ich bekäme schon noch alles. Jetzt müsse ich erst mal Vertrauen in ihn haben. Ergebnis: Keine schriftliche Vereinbarung (Vertrag über Leistungen des A.) bis jetzt, keine Kostenvoranschläge, keine Alternativangebote, keine Zeitangaben. Teilweise wusste ich nicht einmal, welcher Handwerker wann kommt und was er da wie verbaut. Da mein Mann und ich oft vor Ort waren, konnten wir im Gespräch die schlimmsten Sachen verhindern, was dem A. nicht passte. Nachdem die "Überraschungen" (marode Holzbalken u.ä.) vorbei waren, bestanden wir erneut auf Kostenvoranschläge und einer Aufstellung der Kosten des A. Fehlanzeige. Dann stoppten wir das Ganze. Endlich kam der erst KV von einem Handwerker, wir machten weiter. Dann kam wieder nichts mehr. Der A. verschleppt nun das Ganze bis zum heutigen Tag mit der Begründung, wir hätten den Bau gestoppt und damit seinen ganzen "Plan" durcheinander gebracht. Jetzt kämen die Handwerker nicht mehr wegen Terminschwierigkeiten. Als wir nun wieder auf unsere Forderungen pochten, mit dem Hinweis, wir müssten endlich unseren Umzugstermin planen (ursprünglich Sept. 12, zeigte sich der A. völlig verärgert und drohte mir, "den Vertrag zu kündigen und seine Arbeit sofort zu beenden, weil die Vertrauensbasis zerstört sei, er sähe sich nicht mehr in der Lage und diesen Bedingungen mit uns zusammenzuarbeiten, wenn er nicht freie Hand hätte und statdessen sich ständig um unseelige Kostenvoranschläge bemühen müsste". Ich sagte ihm, ich wäre auch dafür das Ganze zu beenden. Natürlich ist er sofort von seinem Vorhaben abgerückt, sieht aber weiterhin keinen Korrekturbedarf seines Verhaltens.Ich würde gerne meinerseits die Zusammenarbeit jetzt beenden, auch wenn sich damit wahrscheinlich (oder auch nicht) das Bauvorhaben weiter hinauszieht (wir warten seit Juli auf den Einbau der Heizung). Welche Honorarforderung kann der A. denn überhaupt ohne schriftliche und auch mündlich wenig konkrete Vereinbarungen stellen? Mir liegt nur (per E-Mail) ein ziemlich vager Grundriss des Untergeschosses vor mit ca. Maßangaben, die nicht den realen Maßen entsprechen. Danach wurde alles nur mündlich besprochen. Muss ich das Honorar im Fall einer Kündigung auch für die vage besprochenen noch zu leistenden Ausführungen bezahlen-wie gesagt, ich kenne weder die Handwerker, noch gibt es Angebote, noch einen zeitlichen Ablaufplan. Bitte keine hämischen und schadenfrohen Antworten-ich weiß selbst, dass meine grenzenlose Geduld und das Vertrauen in das Gute im Menschen in diesem Fall an Dämlichkeit nicht zu überbieten ist. Aber wie komme ich da schnellsten und kostengünstig raus?



Hallo Rosetta,



welche Form hatte der Vertrag mit dem Architekten,
schriftlich oder mündlich?
Wurde dem A. eine Vollmacht erteilt?
Auf welcher Basis, VOB oder BGB, wurde der Vertrag abgeschlossen?

Viele Grüße



Anwalt



Hallo rosetta,

da wäre mein erster Gang zu einem Anwalt....
Der kann Dir sicherlich weiterhelfen - evtl kannst Du den Spieß ja sogar rumdrehen und Schadensersatz vom Architekt einfordern? Aber wie gesagt, eine Sache für den Anwalt, meiner Meinung nach.... zumindest mal für ein Beratungsgespräch

Viel Erfolg
Andreas



Anwalt oder nicht



Hallo

abrechnen kann der A nur wenn er seine Arbeit geleistet hat, die ausgemacht wurde …

Schwierig wenn's nur mündlich ist …

Manchmal reden A's an den Bauherrn vorbei (und umgekehrt)… obs dann gleich ein RA sein muss ist Ansichtssache … evtl einen Mediator einschalten …

Auf jeden Fall ist das Vertrauen futsch und das ist die Basis einer guten Zusammenarbeit …

Richtige Klarheit wirklich herzustellen ist immer ein bisschen schwierig … weil oft der fachliche Durchblick fehlt und man immer eine "gleiche Ebene" voraussetzt …

Wenn der Vertrag nach HOAI geschlossen ist … und auch nur mündlich erst mal Ra zur Beratung hinzuziehen …
Evtl auch die Architektenkammer kontaktieren …

bei Bedarf …

Florian Kurz



Wasweißich-Vertrag



Danke für die Antworten. Ich habe keinen richtigen Vertrag. Schriftlich liegt nichts vor, mündlich gab es nur ein Gespräch, der Architekt hat auf die Frage nach der Höhe des Honorars für welche Leistungen immer nur geantwortet, dass ich das schon noch gesagt bekäme, jetzt muss erstmal festgestellt werden, was zu tun ist und welche unvorhersehbaren Überraschungen auf uns zukommen. Ich habe aber trotz dauernder Nachfrage nie etwas Schriftliches oder konkrete Aussagen erhalten. Bitte nicht falsch verstehen: Es handelt sich nicht um eine Gefälligkeitsleistung von einem befreundeten Architekten, wir kannten den Architekten vorher nicht. Ich denke nicht, dass ich einen Anwalt brauche, möchte aber auch nichts falsch machen. Aber ich will endlich mal fertig werden und einziehen können, notfalls auch ohne Architekten.



Sie entscheiden ...



... was gemacht werden soll, denn Sie sind die Baudame/Auftraggeberin.

Grundlage einer Zusammenarbeit ist ein Architektenvertrag und der Bezug zur HOAI, worin die Struktur der Auftragsbearbeitung vorgegeben wird (Leistungsphasen, Kostenrechnungen etc.)

Sie können als Auftraggeberin den Architektenvertrag zu jedem Zeitpunkt kündigen, der Architekt nicht. Wenn es keinen Vertrag gibt,kann der Architekt keine Leistungen in Rechnung stellen. Grundlage für seine Honorarvorderung ist die HOAI, Bezug sind die anrechenbaren Baukosten nach Kostenberechnung. Wenn´s die nicht gibt, fehlt die Grundlage.

Abgesehen davon kann der Architekt keine HAndwerker beauftragen, sondern nur Sie, weil Sie sie bezahlen werden. Oder ist der Architekt Bauträger ...?

Sie sollten die "Zusammenarbeit" mit ihm sofort beenden, einen radikalen Schnitt machen und neu planen. Alle Versuche, sich zu einigen oder doch noch gemeinsam voranzukommen, werden mit großer Wahrscheinlichkeit weiterhin nur unergiebig und belastend sein.



Ich glaub



ich bekomme Augenkrebs. Wieder ein Beitrag ohne Absätze, wenigstens gibts noch Punkt und Komma....


Rosetta


Sie sind Bauherr(frau), Sie entscheiden, Sie genehmigen, Sie heuern, Sie feuern.

Der Architekt macht genau DAS, was SIE machen (im Rahmen der Gesetzmäßigkeiten und Vorschriften)
Der Architekt ist für SIE und IHR Projekt da.

Bau stoppen, Planiúng erstellen, Plan diskutieren, Plan genehmigen...

Nur so und nicht anders wird gebaut, sollte Ihr Architekt das nicht verstehen, soll er seine Schlussrechnung schreiben und Sie suchen sich einen neuen Architekten...

Und über die Rechnung werden Sie sich mit Sicherheit streiten müssen, allerdings, nur Geschriebenes zählt, gesprochene Dinge müssen bewiesen und bezeugt werden... da hat der A... die A...karte...



MfG Andreas



Moin Rosetta,



spätestens jetzt wäre es 'ne gute Idee sich mit einem klardenkenden Wesen mal hinzusetzen und eine Art Gedächtnisprotokoll anzufertigen, wie das denn von eurer Seite her abgelaufen ist, aber bitte mit Datum, Uhrzeit, Zeugen etc., sowie allen von euch unterzeichneten Dokumenten.

Dann solltet ihr allen aktiven Handwerkern schriftlich mitteilen, dass euer A.....itekt nix mehr zu melden hat und sie ausschliesslich mit euch Rücksprache halten sollen.

Mal mit der Kamera rumlaufen und den "Ist"-Zustand dokumentieren ist sicherlich auch kein Fehler....

Dann habt ihr erstmal auf "Reset" gedrückt und euch nach dem Holterdipolter Klarheit verschafft.

Damit könnt ihr dann ggfls. zum Anwalt gehen und der kann euch sagen, ob ihr vor Gericht damit durchkommt. Er kann euch auch sagen wie ihr das Verhältnis von eurer Seite her am besten beendet, ohne der Gegenseite unnötige Asse in den Ärmel zu stopfen.


Viel Glück & gute Nerven,

Boris



Danke für die Unterstützung



an Andreas:

Entschuldigung für die äußere Form!
Bitte bekommen Sie keinen Augenkrebs!
Danke, dass Sie trotzdem geantwortet haben.

An alle:

Werde genauso vorgehen. Dokumentiert mit Fotos habe ich schon alles. Dann werde ich jetzt wohl zum Rechtsanwalt gehen. Die klaren Aussagen haben mir sehr geholfen.