Versottung + Geruch am vermauerten Schornstein in Altbauwohnung

01.02.2022 VictorG

Versottung + Geruch am vermauerten Schornstein in Altbauwohnung

Hallo zusammen,

Ich bin gerade beschäftigt mit der Renovierung meiner Altbauwohnung in einem Mehrfamilienhaus in Berlin und habe letztens eine böse Überraschung entdeckt.

Nachdem wir der Putz in der Küche rausgenommen haben, haben wir festgelegt, dass der alte, vermauerte Schornstein deutliche Versottung ausweist. Die Backsteine sind anteilig braun geworden und ein heftiger Ruß Geruch lass sich in ganzen Raum riechen. In der Mitte sind Steine löse geworden und da haben wir einen Loch zur Schornstein öffnen können (Bilder anbei). Der Schornsteinfeger ist gekommen und sagte, es kann an der Stelle nichts mehr gemacht werden, weil der Schornstein nicht mehr unter Nutzung steht und der Abzug schon zugeschlossen wurde.

Jetzt meine Frage: Wie kann ich diesen Geruch beseitigen? Nach ein bisschen Recherche online habe ich zwei mögliche Lösungen gefunden: Dichtschlämme und/oder Dampfbremse vor dem neuen Putz.

Würde das helfen? Habt ihr irgend Erfahrung mit der Sache? Alles was ich online finden kann spricht von noch Aktiven Schornsteinen, meiner ist aber seit langem nicht mehr benutzt.

Danke euch im Voraus :)
Viktor.





So tragisch sieht es gar nicht aus. In den Schornsteinwandungen lagern sich Schwefelverbindungen ab die einen penetranten Geruch verursachen.

Der Geruch wird im wesentlichen aus der Öffnung bzw. den unzureichend verschlossenen Öffnungen dringen. Da der Schonstein mehrere Räumlichkeiten in der Vertikalen verbindet reichen schon kleine Luftdruckunterschiede die dazu führen das unablässig Luft aus dem Schornstein in die Küche zieht. Die Öffnung sollte wie gehabt wieder feuerfest mit Ziegeln und Mörtel verschlossen werden unzureichender Fugenverschluss ist mit Mörtel zu verschließen.

Allerdings sieht es nicht so aus das Ruß- und Teer tief ins Mauerwerk eingedrungen ist. Solche Versottungen entstehen zumeist im oberen Abschnitt des Schornsteins wo Wasserdampf aus den Verbrennungsgasen an der Wandung kondensiert, diese durchfeuchtet und so dazu beiträgt das teerhaltige Verbindungen in die Mauersteine einsickern und diese gar durchdringen. Was sich zumeist durch gelb-bräunliche Verfärbungen auch an der Putzoberfläche bemerkbar macht.

So schlimm ist es hier augenscheinlich nicht.

Im Zweifel hilft ein Sperrgrund, da gibt es mannigfaltige Produkte in jedem Baustoffhandel.

Dieser dichtet das Mauerwerk ab, so das bei neuerlichem Putzauftrag, das Anmachwasser keine Verunreinigung aus dem belasteten Mauerwerk lösen und so neuerlich an die Oberfläche diffundieren lässt.

Das Produkt würde ich nach der Stärke der Belastung und passend zum beabsichtigten Putzaufbau wählen.

Wenn es ganz billig und biologisch sein soll, kann man auch (frische) Rinderkacke verwenden diese wird mit Löschkalk vermischt und mit Wasser streichfähig eingestellt (so genanter Kuhkalk). Hiernach wird damit mehrmals mit Zwischentrocknung das Mauerwerk satt eingestrichen. Nach der Trocknung erfolgt der Putzauftrag.



A: noch einen Bild


A: noch einen Bild

Hey Mario, vielen Dank für deine Antwort! Vielleicht sieht man nicht so gut in dem Bild aber die Versottung ist schon relativ tief in dem Stein eingedrungen, an einen paar Stellen sind schon diese braune Flecken zu sehen (anbei photo von einem Backstein).

Den Geruch kommt aber nicht nur von den offenen Loch sondern wirklich von allen Steinen in der Wand. Beim verschließen der Loch kann man den Geruch doch deutlich riechen. Die Wohnung befindet sich am oberen Stockwerk des Gebäudes, deswegen wäre es möglich, dass eine Versottung durch die Wand tatsächlich drang.

Würde in diesem Fall einen Sperrgrund auch helfen? Oder ist noch eine andere Unterputz zu betrachten?





Das mit dem Geruch wird sich nach dem Verputzen wieder geben. Ich habe mal eine Räucherkammer saniert, da hat es auch so penetrant gerochen, war dann alles weg.

Klar das die Innenseite stark mit Ruß und Teer überzogen ist und die Substanzen mit geringer Geruchsschwelle auch an der Außenseite wahrnehmbar sind.

Wie gesagt final lässt sich so was durch Auftrag einer Dichtschlämme (2K Elastoschlämme) beseitigen. Da egalisierst du mit Mörtel die "Dichtungsebene" und trägst das zweilagig auf. Durch die "Wasserdichtigkeit" ist es unmöglich das färbende und geruchsintensive Salze in den neuen Verputz eindringen.
Diese Dichtschlämme ist aber recht preisintensiv, so das ich mich aus der Entfernung etwas schwer tue die Angemessenheit zu bewerten.

Da ja der Schornsteinzug nicht mehr in Betreib ist und es auch dauerhaft kein Problem mit Feuchtigkeit zu geben scheint, geht es ja nur darum zu vermeiden, das bei neuerlichem Putzauftrag, durch temporäre Baufeuchtigkeit Verunreinigungen im Mauerquerschnitt gelöst, mobilisiert und an die Oberfläche befördert werden.



Geruchsübertragung verhindern



Entweder wie von Mario beschrieben vorgehen-
alternativ dickere PE- oder Alufolie auf der Wand befestigen und dann zB mit Fermacell-Platten auf Unterkonstruktion verkleiden.
Loch natürlich vorher verschließen.
Schornsteinzug kann ggf für Kabel/Rohre verwendet werden



Sperrgrund



Als Alternative zu Marios und Andreas Vorschläge gibt es auch noch Sperrgrund (nicht verwechseln mit Tiefgrund). Der Sperrgrund wird i. d. R. 2 mal gestrichen, mit Zwischentrocknung des ersten Anstrichs, dann kann man einfach drüber verputzen. Sicherheitshalber sollte man die fleckigen Stellen etwas größer streichen, damit nicht im Laufe der Zeit neue Flecken gleich neben der abgesperrten Fläche auftauchen.

Gruß,
KH