Luftschicht verschliessen - aber wie?

15.09.2008



Hallo, wir haben ein Haus mit einer sehr schönen Backsteinfassade am Stadtrand von Hamburg (Baujahr so um 1930 herum). Wir beschäftigen uns seit einiger Zeit sehr intensiv mit dem Thema 'Verbesserung der Wärmedämmung', wobei die Isolierung der Fassade aus optischen Gründen ausfällt. Bei einem Gespräch mit einem Wärmeberater haben wir erfahren, das man durchaus auch mit einer 'stehenden' Luftschicht viel erreichen kann - die in unserem Haus vorhandene Luftschicht (zwischen Innen- und Außenmauerwerk) ist allerdings nach oben offen..... Und nun stehen wir vor der Frage, wie die Luftschicht nach oben hin verschlossen werden kann..... Wahrscheinlich muß auch noch der Übergang von der Mauer zum Dach irgendwie isoliert werden, weil bei starkem Wind spürt man im Haus schon einen gewissen Luftzug...... Hat da jemand Ideen und/oder Erfahrungen, wie man so etwas 'baubiologisch' einwandfrei machen kann (wir sind nämlich stolz darauf, das unser Haus bisher keine schadstoffbelasteten Materialien enthält und wollen, das das auch so bleibt)?
Danke im voraus für die Unterstützung,
Willi





Hallo Herr Helms,

bei einer zweischaligen Außenwand dürften Sie auch bei starkem Wind eigentlich keinen Luftzug in Ihrem Haus verspüren. Die Innere Schale sollte winddicht sein. Wo spüren Sie den Luftzug?

Die nach oben offene Luftschicht hat den Sinn evt. auftretende Feuchtigkeit - egal ob von innen oder von außen - mit dem an der Wand entlang streichenden Luftzug abzuführen.

Wenn Sie nun den Spalt oben verschließen wird dieser Abtransport verhindert und die Feuchtigkeit mit all ihren Begleiterscheinungen sammelt sich am Fuße des Spaltes.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer





Hallo

Wie sieht denn der Wandaufbau am Kranzgesimms aus? Da sollte nach innen eigendlich keine offene Stelle sein.
Früher wurde die Fassade im Winter dicht gemacht und im Sommer wurden unten und oben ein paar Steine wieder raus genommen damit das Mauerwerk dahinter abtroknen kann.
Find ich heut noch gut.Is aber halt Aufwand.



Eine stehende Luftschicht



hat keine entscheidende Dämmwirkung:
Wärmeleitfähigkeit ruhende Luftschicht bei 30 mm Stärke = 0,167 W/mK. Je dicker die Luftschicht ist, um so schlechter wird der Wert, da die Luft im Spalt eben nicht ruht sondern sich je breiter die Schicht ist um so stärker bewegt. Zum Vergleich die Wärmeleitfähigkeit eines Dämmstoffes liegt um die 0,04 W/mK, schon ein schlechterer Dämmziegel erreicht einen Wert von 0,12.
Die belüftete Luftschicht verhindert allerdings lang anhaltende Feuchtigkeit, wie oben schon beschrieben.



Luftschichten...



...die nach außen belüftet sind, sorgen nicht nur für Feuchteabfuhr, sondern können auch zur Bildung von Tauwasser führen, nähmlich immer dann, wenn warme Außenluft in kalte Wandkonstruktionen eindringt... Bei derartigen Konstruktionen sollte die Luftschicht weder nach innen noch nach außen belüftet sein sondern möglichst in beide Richtungen luftdicht ausgeführt werden.

Vielleicht kann mann sich aber ein "Abdichten" zumindest nach Außen im herkömmlichen Sinne schenken, indem man den Ströhmungswiderstand der Luftschicht durch das Auffüllen mit einer mineralischen Dämmschüttung (evtl. auch Isofloc) soweit als möglich erhöht. Ob ein Auffüllen möglich ist, hängt von der Luftschichtdicke und den sonstigen Gegebenheiten (Zugänglichkeit, Ausbildung Anker Innen-/Außenwand) ab.

Hierzu gibt es sicher Fachliteratur und Untersuchungsberichte, z.B. beim IRB-Verlag, meine mal einen derartigen Bericht (den Titel & Inhaltsangabe...) gelesen zu haben...

Bezüglich des Tauwasserausfalls aufgrund Dampfdiffusion ist die Konstruktion unproblematisch... Allerdings dient die Zweischaligkeit auch als kapillarbrechende Schicht bei Schlagregenbelastung...

Gruß Frank



Der Fred hat leider recht...



...je breiter der Spalt, dest mehr und leichter die Konvektion und dadurch eine rege Wärmeübertragung von der inneren Schale an die Äußere.
Wenn man den Spalt mit etwas auffüllt, ist die Konvektion zwar nicht merh gegeben, mit der Abtrocknung ist es dann halt Essig.
Ich gehör ja zu denen, die den Wassereintrag in eine eingefüllte Dämmung für überschaubar und entweichbar halten halten, aber die Äußere Schale ist nicht wirklich schlagregendicht. Und dann ist es schlecht, wenn die Innenhaut der äußeren Schale feucht ist.
Also eigentlich beides nicht der Renner.

Gruß Patrick.



Der Frank war schneller...



...mit dem Wassereitrag in die Dämmung meinte ich übrigens eben den von Frank genannten Tauwasseranfall durch Dampfdiffusion. Sieht aber glaub nicht jeder hier so.

Gruß Patrick.



Um Himmels willen



auf keinen fall Isofloc in die Luftschicht blasen. Dieses Material ist für die Anwendung als Kerndämmung weder geeignet noch zugelassen.
Denkbar wäre eine lose Dämmung aus Perlite oder Schaumglas. Auch dann ist aber dafür Sorge zu tragen, das evtl. hinter der äußeren Schale auftretende Nässe nach unten ablaufen und über Öffnungen entweichen kann. Eine solche Maßnahme bedingt aber einiges an Abklärungen vor Ort in bezug auf die Detaillösungen.



Isofloc...



Schon gut... war auch nur für den Fall gedacht, das eine Befeuchtung auszuschließen ist...

Gruß Frank



OK, hab mich halt erschrocken ;-))



eine Befeuchtung kann an dieser Stelle allerdings nie ausgeschlossen werden. Es wird immer zu einem Kondensatanfall hinter der äußeren Schale kommen.

Nichts für ungut! Gruß Fred





Hallo zusammen, da habe ich ja eine kontroverse Diskussion ausgelöst..... Diese deckt sich im übrigen mit den Diskussionen, die wir auch schon geführt haben - Luftschicht offen lassen, Luftschicht schliessen, Perlite o.ä. einblasen etc. pp. .... Zu der Frage nach dem Kranzgesims (von Sven Ruge) möchte ich kurz schreiben, das dort nach unserer Ansicht die Ursache für den skizzierten 'Luftzug' zu suchen ist - offensichtlich ist die Abdichtung nach innen nicht an allen Stellen optimal gegeben (wir haben dort, wo wir ohne weitere bauliche Maßnahmen rangekommen sind, schon Baumwolle reingestopft). Wenn ich also die Beiträge richtig werte, dann ist es am besten, die Luftschicht offen zu lassen (um keine Feuchtigkeitsprobleme zu bekommen) und dann die Abdichtung am Kranzgesims professionell durchführen zu lassen?
Gruß Willi