verputztes Fachwerk

20.10.2014 haidala



Hallo Zusammen,
weiss jemand warum Fachwerk verputzt worden ist?
Gab es z.B. Brandschutzbestimmungen oder ähnliches?
War es eine Mode?

Würde mich freuen hierüber mehr zu erfahren.

Genauso würde mich interessieren ob Zierfachwerk und Sichtfachwerk identisch sind oder ob hier Regionen und ihre Vorlieben oder Prägungen eine Rolle spielen.

Dank Euch schon mal.

Gruss von der Fachwerkstrasse Oberschwaben.



Putz auf Fachwerk



Hallo Haidala,

Auch wenn Oberschwaben nicht so meine Region ist, kann ich etwas dazu sagen.
Ein Gebäude zu errichten war auch immer eine Frage von dem nötigen Kleingeld. Regionsbedingt sogar eine Privilegsfrage. So war in vielen regionen Deutschlands im Mittelalter, aber auch anderswo, das bauen mit Steinen priviligiertes Bauen und oft dem Adel, dem Klerus und später anderen einflussreichen Personen wie dem erstarkendem Bürgertum (Kaufleuten etc., errichten von Rathäusern und anderen bedeutenden Gebäuden) vorbehalten.
Um ein Massivbau nachzuahmen wurden z.T. Fachwerkfassaden z.B. im Barrock überputzt. Ich kenne hier z.B. im Bamberg ganze Straßenzüge, in denen aufwendige Renaissance-Fassaden überputzt worden sind, um den Anschein eines Massivbaus zu erwecken. Letztlich ist das sicherlich auch als Modeerscheinung zu bewerten, aber oft so zu betrachten, als das ein Massivbau als Statussymbol höher bewertet wird als eine Fachwerkfassade. So sieht man oft auch, dass nur die Schaufassaden verputzt sind.
Sichtfachwerk bezeichnet eine holzsichtige Fachwerkfassade. Zierfachwerk ist ebenfalls ein Sichtfachwerk, setzt sich aber durch Ornamentik, wie geschweiften Kopfbändern oder Andreaskreuzen, Füllhölzern, Fächerrosetten, beschnitzte Torständer etc. etc. ab.



Putz auf Fachwerk



Die Sinnhaftigkeit einer winddichten Ebene wurde schon rasch erkannt. Üblicherweise war beim Fachwerk der Verputz dann innen, einfach weil man da später besser ran kam, so beim Tünchen oder Ausbessern, also ohne Leiter oder Gerüst.
Draußen wurde dann halt "geschmückt", je nachdem, was man sich leisten konnte oder wollte.
In stark bewitterten Gegenden haben sich dann Außenputze und Fassadenverkleidungen etabliert.



Landgraf Friedrich II



hat in Kassel ganze Straßenzüge Verputzen lassen, damit das Stadtbild seinen Vorstellungen entsprach. Aber neben den Modeströmungen gab es auch Zeiten, wo das Verputzen aus Brandschutzgründen angeordnet wurde.

Das Bild zeigt eine ehemalige Schmuckfassade, die - wie von Emzet beschrieben - zur "Massivwand" umgestaltet wurde.