Verputzen von Rigips-Wandflächen nach Ablösung alter Tapeten




Hallo liebes Fachwerk-Forum,

mit meinem ersten Beitrag (oder meiner ersten Frage) möchte ich unser erstes eigenes Haus kurz vorstellen:

- Fachwerk-Haus ca. 1750 im Harz
- in den 90er Jahren innen wie außen saniert, Fachwerk instandbesetzt, teilweise ersetztes Ständerwerk
- Gefache & Fassade erneuert
- Dach neu eingedeckt, keine Dämmung im Spitzboden

Alles in Allem ein optisch vernünftig gepflegtes Fachwerkhaus (auf den Erste Blick). Meine Frage dreht sich um die anstehende Anpassung der Innenräume an unseren "Geschmack".

Laut einer Darstellung des Vor- Vorbesitzers wurden die Wände mit einer Innendämmung mit Mineralwolle, Hinterlüftung und Rigipsplatten verkleidet. Darauf wurde dann ganz normal Rauhfaser tapeziert/gestrichen.

Ich weis, dass das nicht die feine englische Art für ein solches Fachwerkhaus ist, aber ein kompletter "Rückbau" auf Lehm oder andere, atmungsaktive natürliche Faserplatten als Wandverkleidung kommt momentan budgettechnisch nicht in Frage.

Ich dachte an ein Ablösen der alten Tapeten (wirklich teilw. echt unterirdische Optik, ohne Rücksicht auf die Balken gestrichen etc.) und Verputz in Weiss.

Davon erhoffe ich mir vorrangig ein sauberes Ergebnis im Anschluss an das alte Sichtfachwerk an den Decken und Wänden. Daneben schätze ich die Optik von Putzen im Innenraum auf größeren Flächen.

Nun meine Fragen:
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1) Lohnt in unserem Fall überhaupt die Verarbeitung diffusionsoffener "fachwerkfreundlicher" Putze, wie die von Kreidezeit oder ist durch die Gipskartonplatten sowieso der Standard so niedrig gesetzt und ich kann mit günstigeren Putzen arbeiten (z.B: irgendein Maschinenputz) ?

2) Jeder Hersteller (Kreidezeit, Haga, Auro,…) macht andere Angaben zur Verarbeitung von Kalkputzen auf Rigips und deren Vorbereitung - hat jemand Erfahrung mit genau dieser Anwendung und könnte mir eine Systemempfehlung geben ( Vorverhandlung mit xx, Verputzen mit yy, Streichen mit zz)?

3) Mal in die Zukunft gedacht: Ich bin ein Freund von natürlichen Baustoffen und der Art und Weise, wie hier im Forum manchen an das Thema Innendämmung herangehen. Ich hätte schon gern, dass das gesamte Haus In Zukunft weg von den Rigipsplatten und der Mineralwolle hin zu den "Ursprüngen" kommt. Wäre es prinzipiell möglich, Raum für Raum (z.B. ersteinmal im Obergeschoss) rückzudatieren? Oder leidet dadurch das ganze Bauwerk noch mehr, da ein Raum auf bestimmte Zeit nun anders gedämmt wäre als der daneben?

Vielen Dank für eure Ratschläge und Empfehlungen an einen jungen, unerschrockenen Fachwerkbesitzer!



Fachwerk-Innensanierung



Gipskarton würde ich nur streichen und nicht noch Geld und Mühe in deren Verputz investieren wenn ohnehin später besser alles erneuert wird.

Diffusionsoffenheit ist hier kein Vorteil, da vermehrt Wasserdampf in die Wandkonstruktion eindringen und ggf auf der Fachwerkwand kondensieren kann.

Wenn keine Komplettsanierung durchgeführt werden kann ist eine fortlaufende Sanierung möglich.
Mögliche Innendämmungsmaßnahmen wurden hier schon vorgestellt.

Andreas Teich



Verwendung einer gefüllten (Kalk-)Farbe zur Egalisierung?



Hallo Herr Teich,

vielen Dank für Ihre Antwort!

Leider ist das Haus im Moment noch bewohnt, deshalb kann ich die Beschaffenheit der Gipskartonplatten unter den Tapeten nicht direkt bewerten. Ich will mich für unseren Einzug & Umbau gern so gut wie möglich vorbereiten.
Ich befürchte aber, dass die Fugenverspachtelung nicht immer einwandfrei Plan sein wird.

Wäre deshalb die Verwendung einer körnigen Farbe, z.B. Sumpfkalkfarbe - gefüllt von Kreidezeit möglich, um kleinere Unebenheiten zu egalisieren?

"Streichen" bedeutet dann: Tapeten runter->möglichst Platten von Leim säubern (ohne Wasser=grob anschleifen)->eine Art Tiefengrund->gefüllte Sumpfkalkfarbe

Sobald mir das Haus zur Verfügung steht, werde ich an der Ein oder Anderen Stelle auch mal versuchen, eine Platte abzunehmen um hinter die Verkleidung zu schauen. Dann kann ich mir ein konkretes Bild von der Dämmung und dem (hoffentlich!!!) intakten Fachwerkwand machen.



Gipskarton-Oberflächenbehandlung



Wenn's Unebenheiten bei der Verspachtelung geben sollte wird's einfacher sein, diese abzuschleifen bzw überzuspachteln. Die Papierkaschierung natürlich nicht anschleifen.
Gestrichen werden muß ohnehin.
Wenn später grundlegend saniert wird kann auch normale günstige Mineralfarbe oä verwendet werden- Sumpfkalkfarbe natürlich auch.
Ob's reicht um Unebenheiten auszugleichen läßt sich erst nach Ablösung der Tapeten feststellen.

Oder lieber ganz bleiben lassen, bis zur Sanierung warten und dann gleich richtig machen.
Das wird wohl sinnvoller sein und spart Zeit und Kosten.

Andreas Teich



Vorsatzschale



Ich hoffe diese gering fehlertolerante Konstruktion funktioniert und wird weiter funktionieren; das ist bei einem Nutzerwechsel nicht immer gegeben.
Gipskarton ist Trockenputz, ein fertiger, glatter, ebener Putz in Plattenform. Es ergibt technisch gesehen keinen Sinn auf Putz einen weiteren Putz aufzubringen. Rauhe Putze wurden früher eingesetzt um Unebenheiten im Unterputz zu kaschieren. Solche Unebenheiten bietet Trockenputz nicht; er ist was Oberflächengüte betrifft (richtige Verarbeitung vorausgesetzt), durch handgemachten Putz kaum zu übertreffen.
Wenn Sie ihn beschichten wollen dann vorher Tapete runter und Leim abwaschen. Dabei Vorsicht walten lassen. Wenn der Vorbesitzer die Platten vor dem Tapezieren nicht grundiert hat wird das Abweichen der Tapete und das Abwaschen zum Problem. Die GK- Platten sind mit Papier kaschiert das beim Abwaschen ebenfalls weich wird.
Anschleifen geht schon gar nicht.
Eine nicht plane Fugenverspachtelung lässt sich leicht nacharbeiten.
Als Beschichtung gibt es kunstharzgebundene gefüllte Farben bzw. Streichputze verschiedener Körnung mit denen normaler, geriebener Wandputz imitiert werden kann. Solche Beschichtungen sind nicht reversibel!
Unabhängig von Ihrem gestalterischen Fragen empfehle ich Ihnen über den Ausbau dieser Art Innendämmung nachzudenken.
Dazu sollten Sie vor dem Kauf! vom Verkäufer den Nachweis verlangen das diese Art Dämmung funktioniert, also das Luftdichtigkeit, Dämmwirkung und Diffusionsdichtheit gesichert sind. Das kann man relativ einfach überprüfen indem mit einer Lochkreissäge ein oder zwei Bauteilöffnungen im unteren Bereich vorgenommen werden. Die sind leicht wieder zu schließen. Wenn der Verkäufer sich weigert verlangen Sie von ihm eine schriftliche Zusicherung über die Fehler- bzw. Mängelfreiheit der Innendämmung.





Hallo Herr Böttcher,

da haben Sie Recht, ein Verputzen ist demnach eigentlich sinnfrei. Vor dem einfachen neu Tapezieren hatte ich mich eigentlich nur gescheut, weil ich die "Verwinkeltheit" und nicht gerade tapetenbahnfreundlichen Balkenverlauf gesehen habe.

Vielleicht sollte ich diese einfachste, vorläufig auch billigste, Option doch wieder ins Auge fassen?

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Gibt es Jemanden, der mit dem Tapezieren in Fachwerkhäuern auf GK-Platten gute Erfahrungen gemacht hat ohne durch Schnippelei und schiefe Bahnen einen Herzinfarkt erlitten zu haben?
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Natürlich hoffe ich, dass die Wandkonstruktion noch einige Jahre ohne Schaden übersteht und das darunterliegende Fachwerk wenigstens durch die diffusionsoffen mit Lehmziegeln, Kalk-Trassputz und atmungsaktiver Holzfarbe gestaltete Fassade nach aussen hin "leben" kann.

Wie so oft im Leben haben wir den zweiten vor dem ersten Schritt getan, uns in das Haus&Grundstück aus persönlicher Beziehung verliebt und "einfach mal" ein Fachwerkhaus gekauft, welches augenscheinlich gut in Schuss ist.

Je mehr ich mich nun in das Thema Fachwerk einlese, desto klarer wird, dass die Innendämmung wohl ein typisches Kind der 90er ist und möglichst schnell durch eine passende, fachwerkfreundliche Alternative ersetzt werden sollte.



Trockenbau



In meinem Schlafzimmer habe ich zwei Stuhlsäulen und zwei Kopfbänder mit GK bekleidet. Die Fummelei würde ich mir nicht mehr antun. Meine Frau fängt übrigens gerade an das Schlafzimmer neu zu streichen.
Das Tapezieren ist nicht so sehr das Problem wenn es jemand mit Routine macht.
Im Wohnzimmer habe ich ebenfalls zwei Stuhlsäulen und zwei Kopfbänder, die habe ich der Einfachheit halber nicht mit GK bekleidet. Das vereinfacht auch die Tapezierarbeiten.



Innendämmung



Gipskarton weder verputzen noch tapezieren- nur streichen spart am meisten Arbeit und reduziert das Schimmelrisiko gegenüber der Verwendung von zellulosehaltigen Materialien.

Innendämmung ist nicht das Problem- nur wenn diese mit falschen Materialien oder als risikobehaftete Konstruktion ausgeführt wird.
Es gibt zuverlässige, fehlerresistente Innendämmungen, die hier auch schon häufig vorgestellt wurden.

Ohne Innendämmung kann bei Konvektion und zu niedrigen Wandoberflächentemperaturen mit Kondensatausfall und Schimmelbildung das Schadensrisiko viel höher sein als mit Dämmung-
ganz abgesehen von hohen Heizkosten und unangenehmen Wohnverhältnissen.

Andreas Teich



Ich weiß nicht,



wie Ihr handwerkliches Geschick einzuschätzen ist.

Ich an Ihrer Stelle würde, noch vor dem Einzug, die zweifelhafte Innendämmung rausreißen und die hoffentlich gut erhaltenen Wände mit Lehm- oder Kalkputz überarbeiten.
Wenn Sie das rausreißen im laufenden Wohnbetrieb erledigen wollen, werden Sie und Ihre Frau sicher keinen Spaß haben.

Später, wenn das Budget wieder vorhanden ist, läßt sich darauf dann auch eine Innendämmung, aus z.B. Holzfaser, evtl. in Verbindung mit einer Wandheizung, aufbauen.

Viele Grüße
Hanno



Zeit & nicht zuletzt Geld werden ausschlaggebend sein ...



Hallo Hanno,

das würde ich natürlich liebendgern machen, einfach um mein Gewissen zu beruhigen und herauszufinden wie es unter diesen ominösen Platten aussieht...

Was dagegen spricht, ist auf jeden Fall die Zeit: wir bekommen aller Voraussicht nach in der letzten Maiwoche Zugang zum Objekt, unsere derzeitige Wohnung bleibt uns bis zum 15.06. erhalten - Sie sehen, ich suche nach einer "schnellen" Lösung.
(Natürlich weis ich, dass schnelle Lösungen immer Kompromisse sind, die eigentlich eine doppelte Arbeit bedeuten)

Im laufenden Betrieb zurückzusanieren, käme für mich im Anschluss nur "Etagenweise" in Frage:
EG = Küche, Wohnzimmer, Flur
1. OG = Schlafräume, 1 Bad
DG = Schlafräume, 1 Bad: hier mit Sanierung beginnen?
Nur, ist das bauphysikalisch wirklich vertretbar, wenn je Etage unterschiedliche Dämmwerte zusammenwirken?

Falls jemand daneben Erfahrungen mit einer funktionierenden Produktkombi für das tapetenlose Verschönern benutzter Bestands-GK hätte, bin ich weiterhin sehr dankbar!



Nur, ist das bauphysikalisch wirklich vertretbar ?



Tauwasserausfall und seine Folgen, kommen ja überwiegend in den Wintermonaten zum tragen (vorausgesetzt die Lüftung wird nicht vernachlässigt).

Und dann kann man ja auch die Türen der einzelnen Zimmer schließen. ;-)

Viele Grüße
Hanno



Gipskarton weder verputzen noch tapezieren- nur streichen



Das stimmt, Hanno! So gesehen haben wir genug Platz, dass eine "Nebenbei-Baustelle" nicht so sehr ins Gewicht fällt, weil man das 2. Bad und die Anderen Etagen weiterhin nutzen kann. (auch wenn man weis was hinter der verhschlossenen Türe lauert :) )

Zum Thema Gipskarton weder verputzen noch tapezieren- nur streichen: das klingt gut, aber macht sicher am meisten Sinn wenn die Platten gerade frisch eingebaut sind, oder?
Welche Vorbehandlung empfehlen Sie hierbei?

Fall 1 wäre ja, dass der Vor-Vor-Besitzer die GKs bereits vor dem Tapezieren mit Tiefengrund versiegelte, Fall 2 wäre, dass diese so gut wie verschweißt mit dem Untergrund sind.



Wandaufbau-Detail



Hallo liebes Forum,

ich habe den Wandaufbau in einer detailierten Beschreibung bekommen (ohne dass ich natürlich weis wie der Zustand ist). Vielleicht kann man so eine genauere Empfehlung geben:

• Erneuerung der vorhandenen Ausmauerung mit Lehmsteinen
• Aufbringen eines neuen Kalk-Trass-Putzes
• atmungsaktiver Anstrich
• Dämmung durch 50mm Kerndämmplatten in Zinkprofilen bei 8-12cm
• Luftschicht inwändig
• Trockenausbau im gesamten Erdgeschoss
• alle Innenwände mit Rigips-Vorsatz
• Westseite: zusätzlich 3cm Verbundplatte innen
• Nordseite: komplett erneuerte Lehmausmauerung mit Ziegelbehang

Viele Grüße aus dem Harz
Alexander



Fachwerksanierung



Das mit den Außenwänden klingt nicht gut.
Es muss noch nichts passiert sein, aber bei geänderten Nutzungsgewohnheiten kann das zu einer fatalen Kombination mutieren.



Wie gesagt,



ich würde zumindest die zweifelhafte Dämmung, an den Aussenwänden, zurück bauen.
Das schon deshalb, weil ich wissen wollte, wie es in meiner gerade erworbenen Immobilie, darunter aussieht.
Und wenn mir da was schauriges entgegenkommt, würde ich den Verkäufer noch einmal zu einem Gespräch bitten.

Viele Grüße
Hanno



Vierlleicht wird es sie auch überleben!



Man sollte nicht den Bock zum Gärtner machen und hier jeden Fragesteller permanent zerpflücken und derart verunsichern, wenn er nach Oberflächenbeschichtungen fragt.
Komplettsanaierungen machen sicherlich viele gern, aber man sollte doch auch ganz einfach mal die Kirche im Dorf lassen.
Seit Jahren beschichte ich in BV's auch große Flächen von Gipskartonbeplankungen mit zweilagigen Lehmfeinputzen.
Ich bin damit auch nicht ganz glücklich, doch sollen die Leute immer alle Wände herausnehmen und mit Fermacell oder ähnlichem ersetzen?

Wie gesagt, ihre GK-Wände kann man auch dünnlagig mit einem zweilagigen Lehmfeinputz beschichten