Bodenklinker (Ziegel) verlegen

17.07.2008



In unserem erzgebirgischen Bergarbeiterhaus hatten wir vor 3 Jahren alte Dielen im Erdgeschoss verlegt, zwischen deren Fugen uns vor ein paar Wochen kleine, wohlriechende Pilze entgegenwuchsen. Durch einen falschen Fußbodenaufbau, den ich hier nicht naeher beschreiben moechte *schaem* haben wir einen sich schon im Haus befindlichen echten Hausschwamm zu neuem Leben erweckt :-( Das ganze wird nun unter Gutachteraufsicht von einer Fachfirma saniert und nun muessen wir uns ueberlegen, was fuer ein Fußboden in Zukunft verlegt werden soll. Von Holz im Erdgeschoss wurde uns dringend abgeraten, das das Gebäude nur als Ferienhaus genutzt wird und eine gewisse Feuchtigkeit durch Kondeswasser kaum zu vermeiden ist.

Was ich ganz schoen finde ist ein Boden aus alten Ziegeln. Hat jemand einen solchen Fußboden schon einmal verlegt und kann mir Tipps zum Aufbau geben? Zur Zeit sind wir wieder bei der Erdschicht im Haus, es kann also ganz neu aufgebaut werden. Welches Material verwendet man am besten fuer die Fugen?

Dankbar waere ich auch fuer Tipps fuer gute und guenstige Bezugsquellen im Raum Dresden / Erzgebirge. Vielleicht hat ja auch jemand im naeheren Umkreis alte Ziegel abzugeben.

Vielen dank fuer alle Tipps im vorraus!
Gruesse, Jule



Klinkerboden verlegen



ganz einfach: Erde glätten und verdichten (alles tote Holz usw. entfernen); Schicht aus Sand oder feinem Kies aufbringen, und z.B. mit einem Betonrohr walzen, darauf die Steine in Kalkmörtelbett Verlegen und mit Kalkmörtel ausfugen.



Möglichkeiten derer viele



Hier ist doch auch sicherlich zu klären, welche Investitionssumme veranschlagt ist, aus der dann die Lösungen gefunden werden müssen.
Aufbauten sind viele denkbar und auch möglich, hängen sie aber auch vom Nutzungskonzept ab.
Wärmedämmaufbau auf Schaumglasschotter, Kalkestrich mit Ziegelbelegung, usw. usw.
Um was für eine Räumlichkeit handelt es sich dabei?

Da Sie ja Dresdnerin sind, könnte ich Ihnen einen hervorragenden Fachmann für Lösungsfindungen empfehlen.
Architekt Andreas Weise (0351-8990900 oder 01743-3588866).

Viel Glück und
Grüße nach Dresden
Udo Mühle



Jens,



dein Tip ist, sorry, purer Käse. Sand oder feiner Kies ist nicht 'mal hinreichend kapillarbrechend. Darauf dann noch Ziegel, die ja auch Wasser ziehen können und werden.

Die einen raten zu Schotterpackung, Schaumglasschotter etc. Ich vermute, daß dieser Aufbau bei zuwenig Lüftung vielleicht doch nicht die beste Wahl ist. Ich empfehle hier eher Schotterpackung, Trennlage, Bodenplatte, darauf Abdichtung als Schweißbahn, an der Wand hochgezogen. Darauf könnt Ihr dann Ziegel in Sand legen, oder Lagerhölzer mit Dämmung dazwischen und Dielen, das funktioniert genau so gut. Kondenswasser wird sich eher im Fensterlaibungsbereich bilden oder in Raumecken, dort ist es zumeist kälter.

Gerade, wenn Ihr das Haus nur zuweilen nutzt, wird Euch in der Heizperiode der kalte Ziegelbelag stören. Holz hingegen hat sehr schnell eine warme Oberfläche. Ölt es mit einem Hartöl, dann kann es weiter Wasserdampf aufnehmen und abgeben.

Grüße

Thomas



Vielen Dank



Für Eure Tipps. Ich sehe schon, es ist nicht ganz so einfach, wie ich gehofft hatte. Deshalb schreibe ich noch mal ein paar Details zu den speziellen Bedingungen und dem Kostenrahmen.

Wie schon erwähnt, ist Feuchtigkeit ein Thema, weswegen sich der Pilz ja auch wieder ausbreiten konnte. Das Haus ist ein Bruchsteinhaus, das tw. in den Boden hineingebaut ist, die Räume sind von den Bedingungen im Grunde mit Kellerräumen vergleichbar. Es handelt sich um Stube, Flur und einen kleinen Wirtschaftraum. Alle Räume sind recht klein, niedrig und nicht unterkellert. Das Haus wird unregelmässig beheizt mit einem Kachelofen, der in mehrere Räume abstrahlt. Die Gegend ist insgesamt feucht, am Haus geht ein Bach vorbei und in einem kl. Gewölbekeller haben wir einen kl. Hausbrunnen, kurz: es ist wohl illusorisch das ganze ernsthaft trocken legen zu wollen.

Unser bisheriger Fussbodenaufbau, den ein Bekannter gemacht, kann man wohl zusammenfassen unter dem Motto: gut gemeint ist nicht gut gemacht. Er beinhaltete unter anderem eine starke Teichfolie, eine Schüttung aus Hanfspan sowie Styroporplatten, insgesamt eine fatale Kombination und es ist wirklich schade und die schönen Dielen, die oben drauf lagen.

Was den Kostenrahmen angeht, ist es ein sehr einfaches Bergarbeiterhaus und wir moechten alles so schlicht wie moeglich halten. Aus bisherigen Erfahrungen scheint es mir auch, dass wenn man sich weitgehend auf historische Materialien und Vorgehensweisen beschränkt, man damit wohl besser fährt und weniger Probleme hat, so sind wir z.B. mit Sumpkalk an den Wänden und Standölfarbe auf den Fenstern ganz froh.

Was die Verwendung von Holz angeht möchte ich es auch in der Stube unbedingt (entgegen dem Rat des Gutachters) noch einmal versuchen, weil ich es, wie Thomas schon schrieb, viel wärmer und gemuetlicher finde, zumindest tw. soll hier Holz zum Einsatz kommen. Den Flur und den dritten EG-Raum wollen wir aber sicherheitshalber mit Steinen machen. Aber auch hier moechten wir nun sicherstellen, dass die Loesung diesmal etwas etwas laenger waehrt .....

Viele Gruesse, Jule Demel





Meine Idee vom einfachen Aufbau mit gewalztem Sand oder Kies und Ziegeln darauf in Kalkmörtel stammt genau so aus dem Buch "Der praktische Maurer" von 1906; man hat damals Böden in Kellern usw. so gebaut. Aufgrund der Stichworte: Erdgeschoss, feucht, Ziegelboden, Ferienhaus, einfach halten ... habe ich das mal so vorgeschlagen, und der letzte Text von Jule lässt mir mein Vorschlag nach wie vor als nicht allzu abwegig erscheinen.

Thomas, es ist mir schon klar, warum Du diesen Aufbau zu primitiv findest und einen Holzboden vorschlägst. Ich würde allerdings bei einem solchen nicht dauernd bewohnten Bau annehmen, dass es im Sommer im Erdgeschoss immer zu Kondenswasserproblemen kommen wird. Dass die Leute den Boden nicht direkt in den Sumpf oder in drückendes Wasser verlegen, habe ich vorausgesetzt.
Als fusswarmes und halbwegs feuchteresistentes Naturmaterial für Böden kommt mir Kork in den Sinn.



Bodenklinker



Lieber jens,
in Kellern wollte man um die Jahrhundertwende eine möglichst hohe Verdunstungsleistung des Fußbodens, um die Räume feucht und damit kühl zu halten.
Deshalb sollte man das nicht unbedingt in einem Ferienhaus nachbauen. Statt - kühl und feucht- lieber die Variante
- trocken und warm-.

Viele Grüße



Nix gegen alte Baubücher...



...ich sammle selber alles aus der Tischler-Ecke. Man muß aber auch kritisch schauen, was aus den Tips geworden ist. Auch 1906 gab es andere und bessere Aufbauten, und viele Böden wie von Dir beschrieben und 1906 gebaut, werden das Jahr 1950 nicht erlebt haben. Die Böden geben ständig vollflächig Feuchte in den Raum ab.

Dazu kommt noch der mindergute Lüftungsstatus und Heizungsstatus eines Ferienhauses. Es entsteht wieder ein Paradies für Schimmel und Anobien. Ich war erst vor 2 Tagen in einem Kutscherhäuschen in Dresden, auf trocknen Sand stehend. 10 Jahre ungenutzt und zugeschlossen, trotz der undichten Fenster sind Lagerhölzer, Dielen und Türstöcke im EG hinüber. Brauner Würfelbruch, Hausschwamm derzeit noch nicht auszuschließen.

Grüße

Thomas



Der echte Hausschwamm



Hallo,

ich finde man sollte den Aufbau nur mit zementgebunden Materialien aufbauen und darauf ist dann ein Holzfußboden möglich.

Nur sollte dieser entsprechend der DIN richtig behandelt werden.



Wie genau...



...behandelt man denn einen neuen Holzfußboden nach DIN, insbesondere hinsichtlich Hausschwamm?

Zement alleine ist denn auch noch kein Schwamm-Antagonist. Wenn doch immer alles so einfach wäre.

Grüße

Thomas



Hausschwamm



...Mit Kesseldruck imprägniertem Holz... und dann den gewünschten Aufbau....



@ Peter



In diesem Forum lesen sehr viele Selberbauer und Bauneulinge. Ich vermag zu erahnen, daß Du nicht die Dielung, sondern die Lagerhölzer imprägniert sehen willst - aus Deinem Posting geht das aber nicht hervor.

Mein Glaube an die Kesseldruckimprägnierung ist gering, ich habe schon zu viele Pilze auf imprägnierten Hölzern aller Art gesehen. Fichte und Tanne seien für dieses Verfahren gar nicht geeignet (Tüpfelverschluss), liest man nicht nur bei Wikipedia, Lärche und Douglasie nur bedingt. Es verbleibt somit: Kiefer. Es wird also mit viel Gift ein Holz, dessen Splint für Unterbauten aller Art bei wechselnden Feuchten ungeeignet ist, tabellarisch in eine höhere Resistenzklasse verschoben. Die Eindringtiefen sind zudem gering, an bearbeiteten Flächen und in nach der Imprägnierung entstehenden Rissen ist das Holz ungeschützt.

Der Aufbau wird jetzt in Richtung splintfreier Farbkernhölzer angedacht, in geeigneter Form zusatzlich behandelt, auf Distanzhaltern (aus dem Terrassenbau) ohne direkten Kontakt mit der Abdichtebene.

Grüße

Thomas





Lieber Jule,
da sind wir ja Leidensgenossen, auch ich habe ein altes Bauernhaus ohne Unterkellerung und den Hausschamm durch unsachgemäße Fußbodenlegung bekommen. ( Zuwenig Schotter und Polsterhölzer direkt auf Pfosten, sogar Kontakt mit Erde) Außen wird das Haus jetzt mit einer Entlüftungsdrainage versehen und innen das übliche : Erde auheben, Mauern abschlagen. normalerweise wird dann noch Gift gesprüht, aber da bin ich gerade dabei, mich zu erkundigen. Ich habe eine gute Empfehlung für einen neuen Holzboden: 30 cm Schotter, diverse trennflies (wasserdurchläßige) und wichtig, Pfosten nicht direkt auf Schotter sondern dazwischen 5 cm bitumisierte Perlite und bitumisierte Weichfaserplatte, dann liegen die Pfosten im trockenen. Als Holz keinenfalls Fichte, am besten Eiche, Lärche soll auch schon ganz gut sein und Holz und Pfosten mit Borsalz einstreichen( ist nicht giftig) Ich werde sogar sicherheithalber zwischen Mauer und Holz einen Abstand lassen und mit Perlit füllen und mit Gitter abdecken , überlege ich.
Gut wäre natürlich das Haus im Winter ab und zu zu beheizen.
wünsche Dir weiterhin Freude mit Deinem Haus.

Barbara



@ Barbara



Ich will ja nicht unken, was mit dem von Dir geplanten Aufbau alles passieren könnte. Diesen Aufbau hast Du mit Sicherheit nicht von einem Holzschutzsachverständigen, der wird denn wohl die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

Ich würde unbedingt eine Sperrschicht gegen aufsteigende Feuchte einbauen, also auf dem Schotter wenigstens eine Sauberkeitsschicht aus Magerbeton, darauf eine Bitumenbahn, an der wand bis zur Oberkante Dielung hochgezogen, und darauf der Aufbau mit geeigneter Dämmung.

Grüße

Thomas



Bodenklinker



Hallo Barbara,
was ist eine "Entlüftungsdrainage"?

Viele Grüße



Es gibt auch Laien, die neue Wörter erfinden



Lieber Georg,

da das ein Fachmann ausführt, brauche ich mich gottseidank nicht darum kümmern, aber ich habe das so verstanden, dass oben an der Außenmauer in den Schotter noch irgendein Rohr gelegt wird, dass die Luftzirkulation von der Mauer weg anregt, deswegen habe ich das in meiner Begeisterung sicher ganz unfachfraulich Entlüftungsdrainage genannt, im Unterschied zu einer normalen Drainage. Liebe Grüße

Barbara



Erst wenn man ein Haus zweimal renoviert hat, kennt man sich aus



Lieber Thomas,
in diesem Fall ticken uralte Häuser ganz anders, die brauchen alle andere als eine Sperrschicht, weil die Feuchtigheit rausmuss und sich sonst den Weg über die Mauern sucht. Siehe auch den Bericht von Jule. Auch ich habe diesen Fehler in einem Raum gemacht und muß jetzt am Rand entlang einen Streifen in den Beton schneiden.
Liebe Grüße

Barbara



Hallo Barbara,



gelegentlich hatte ich schon mit älteren Häusern zu tun, glücklichweise haben Sie aber noch nie getickt:-)

" die brauchen alle andere als eine Sperrschicht, weil die Feuchtigheit rausmuss"

Ein Irrtum. Der Wohnrum ist nicht zur Entwässerung der Erdreiches darunter da. Da das Erdreich auch unter Häusern immer eine gewisse Feuchte hat, bei Jule sogar eine sehr gewisse, führt ein falscher Aufbau zu extremen Luftfeuchten im Raum.

"und sich sonst den Weg über die Mauern sucht."

Das würde voraussetzen, daß sich Wasser unter der Sperrschicht konzentriert. In einer normalen Bausituation, wo der Wohnraum (und damit der Estrich über der Sperrschicht) immer ein paar grad wärmer als das Erdreich ist, wüsste ich nicht, wie es dazu kommen sollte. Kondensation könnte es ja nur geben, wenn es oben kälter ist. Und das war, neben einem falschen Aufbau, die Schadensursache im erwähnten Fall.

Grüße

Thomas





Hallo
Schonmal an einen Lehmboden mit Ziegelabdeckung gedacht?
Sieht schön aus und puffert die Feuchtigkeit.
Gruß Amon Keutler www.Lehmhaus-Nordhessen



@ Amon



Lehm ist ein wunderbarer Baustoff, aber hier wäre er völlig fehl am Platze. Einen nassen Boden gibt es auch billiger. Lehm puffert nicht nur Wasser, er bindet es vor allem.

Folgender Aufbau kam zur Ausführung: Schotterpackung, WU-Beton auf Trennlage, Schweißbahn, Lagerhölzer (Douglasie Kernholz) auf Distanzstücken aus 6mm Bautenschutzmatte und Nivellierklötzern, Eichendielung 21mm. Eine Dämmung wurde der komplizierten klimatischen Situation wegen nicht zwischen die Lagerhölzer eingebracht. Sollte sich doch zuweilen etwas Kondensat ablagern, ist der Hohlraum unter der Dielung über die Wandfugen belüftet, die Lagerhölzer haben keinen direkten Kontakt mit dem Boden. Zusätzlich wurde ein wandseitiger Sockel aus WU-Beton gegossen, um durch das Bruchsteinmauerwerk eindringendes Wasser zu verhindern.

Grüße

Thomas