Terracottafliesen (Fussboden) verfugen

19.06.2011



hallo aus Suedportugal!
Wir haben Terrakotta Fliesen im Moertelbett (Kalkhydratbasis)im Innenraum verlegt. wir wollen nun Zementfrei u am besten mit Kalkhydrat verfugen. Welches Mischungsverhaeltnis? Welche Sandqualitaet? Sollte auch staubfest werden!
Sonnige Gruesse u Vielen Dank!!



Gleiches Problem



Hallo,
ich hab genau das gleiche vor, da ich das Säubern der Platten von zementhaltigen Fugresten für Sklavenarbeit halte. Leider kam bis jetzt noch keine Antwort. Wie seid vorgegangen? Habt ihr anderweitig das richtige Mischungsverhältnis bzw. Korngröße gefunden?
Gruß vom Landei



Terracotta



Wie breit sind die Fugen, wie dick die Platten?

Viele Grüße



Terracotta



Fugenbreite 10-15mm, Plattendicke 10-12mm. Ich hab noch Weißkalkhydrat und feinen QuarzSand (bis 0,4mm), wenn ich das aufbrauchen könnte wärs prima...

Gruß Hamich



Cotto verfugen



Zum verfugen ist Weißkalkhydrat nicht die beste Wahl da zu weich und zu saugfähig.
Fertige Verfugmörtel für Terracotta sind besser da härter und weniger durchlässig.
Wenn Sie mit Kalkmörtel arbeiten wollen dann ist das Verfahren genauso wie bei Fliesen üblich:
Fugen mit dünnflüssigem bis weichplastischem Mörtel auffüllen, mit dem Gummiwischer abziehen und nach dem Antrocknen der Cottoberfläche bzw. dem Ansteifen des Fugenmörtels mit dem Schwamm nachwischen.
Nach dem endgültigen Abtrocknen der Cottooberfläche dann sauberwischen. Bei unglasiertem, stark saugfähigem Fliesenmaterial den Bindemittelschleier trocken abputzen.

Viele Grüße



Terracotta



Ich hab die Platten in einem Raum mit PCI Flexkleber und dem entsprechenden PCI Fugenmörtel verlegt. Das funktioniert natürlich, das Problem ist die Reinigung der unglasierten, sehr rauen Platten. Mit verdünnter Salzsäure und Wurzelbürste eine unbefriedigende, zeitraubende Schweinearbeit. Deshalb die Frage nach einer alternativen Verfugung für den nächsten Raum. Die Platten liesen sich bei einer Probeverfugung mit Kalkmörtel deutlich leichter säubern. Aber sie haben natürlich recht Herr Böttcher: der Mörtel ist weicher. Die Frage ist ob das auf Dauer hebt.

Gruß Hamich



Verfugung



Das mit dem Mörtel ist kein Problem, wenn Sie die richtige Technik und den richtigen Mörtel verwenden. Auf keinen Fall Flexkleber zum Verfugen nehmen!
Jeder Fliesenleger kriegt sowas problemlos hin, kann sein das Sie da etwas falsch gemacht haben.
Nur wenn Sie Cottoplatten mit extrem rauher Oberfläche ausgewählt haben kann so etwas passieren. In diesem Fall gehört der Zementschleier mit zur Patina solcher Beläge.
Allerdings eignen sich solche Oberflächen nicht im normalen Wohnbereich. Ich kenne so etwas aus der Toscana, auf dem Foto der Boden des Schlafzimmers in einer Ferienwohnung,
passend zum Gesamtstil der Wohnung.
Übrigens wurden für solche Böden in der Toscana immer schon hydraulische Mörtel zum Verlegen und Verfugen eingesetzt.

Viele Grüße



Die Fliesenoberfläche…



… vor dem Verfugen imprägnieren (Öl oder Wachs) verhindert bzw. vermindert ein Einsauen mit Fugenmörtel bzw. wirkt dem Zementschleider entgegen.

Mir persönlich gefällt die neumodische Verlegung mit breiten Fugen übrigens ganz und gar nicht. Ich kenne es aus unserer Region, aber auch in Frankreich, dass z.B. in alten Bauernküchen die Tonfliesen mehr oder weniger fugenlos auf Stoß verlegt wurden und zur Fugenfüllung einfach feiner Sand (oder ein Sand-Mörtel-Gemisch?) trocken drüber gefegt wurde, der dann in die schmalen Spalte rieselte, bis diese geschlossen waren.

Das mag nicht den Hygienevorstellungen moderner Wohnräume ("staubfest") entsprechen, ist dafür aber authentisch und historisch bewährt.

Schon oft erinnerten mich die neu und mit breiter Fuge verlegten Cottofliesen in extra rustikaler Optik an die rustikalen Klinker des berühmten Wulff-Hauses in Großburgwedel.

Es kann aber durchaus sein, dass in südlichen Regionen wie eben Portugal, Italien Spanien oder in späteren Bauepochen Tonfliesen etwas breiter verfugt wurden, dann würde ich mich aber auch regional erkundigen wie man es dort traditionell macht und entsprechende Baustoffe wählen.



Cottofliesen



Bloß nicht vorher Ölen oder imprägnieren!
Das Zeug läuft in die Fugen und verhindert den Flankenverbund des Mörtels.
Zu den Fugen:
Je schmaler die Fuge, je exakter muß die Maßhaltigkeit der Platten sein. Auf knirsch legen bedeutet Maßhaltigkeit im 10-el mm Bereich. Das geht nicht mit gebranntem, nur mit geschnittenem Material. Sonst muß man die Plattenkanten einzeln anarbeiten (schleifen) und darf nicht mit durchgehendem Fugenbild arbeiten.

Viele Grüße



Den Tipp ...



... mit der Vorbehandlung bekam ich von:
Cotto-Hof (Hückelhoven) allerdings weiß ich nicht, was genau deren eigenes empfohlenes Imprägnierungsmittel enthält.

Ich schrieb nicht davon, auf Knirsch zu arbeiten und dann zu vermörteln. Die Art des Fliesenverbundes, die ich meine, wird mit Sicherheit nicht mit Abstand=Null arbeiten, sondern einen minimalen Spielraum erlauben, es soll ja auch der Sand da rein rieseln können. Geschnitten sind diese alten Tonfliesen mit Sicherheit nicht, dazu sehen sie viel zu unregelmäßig aus.

Aber egal, das wird der TE in Portugal nicht weiterhelfen.



Cottofliesen



Herr Bisping, wenn Sie doch nur mal Beiträge richtig lesen würden; nicht nur meine sondern auch die Texte anderer.
Ich habe nicht geschrieben mit Knirschverlegung zu arbeiten sondern nur DAS BEI Knirschverlegung die Platten entsprechend genau sein MÜSSTEN- was sie fertigungstechnisch bedingt nicht sind.
Ich zitiere dafür mal Ihren Beitrag:
..."dass z.b. in alten Bauernküchen die Tonfliesen mehr oder weniger fugenlos auf Stoss verlegt..."

Fugenmaterial trocken einfegen und danach einschlämmen macht der Straßenbauer bzw. Pflasterer. Das überschüssige Wasser läuft ab(Pflaster liegt immer! im Gefälle) oder versickert (mineralische, versickerungsoffene Tragschichten).
In einer Wohnung gibt es kein Gefälle im Fußboden und keine versickerungsoffene Tragschicht darunter. Hier wird nicht gepflastert sondern gefliest, nicht eingefegt sondern verfugt und schon gar nicht die Wohnung überschwemmt.



Cottofliesen



Hier noch ein schönes Beispiel einer alten französischen Bauernküche, deren Fußboden eben nicht aus "mehr oder weniger auf Stoß verlegten Tonfliesen" und eingefegtem Sandgemisch, sondern aus Keramikplatten mit hydraulischem Schlackenmörtel in den breiten Fugen besteht.
Zu finden im Elsass im Ecomusee Ungersheim.

Viele Grüße
p.s. Dann denken Sie mal nach Herr Bisping, warum irgendwann einmal ein schlaues Kerlchen auf die Idee gekommen ist im Innenbereich die Fugen zwischen den Fliesen bzw. Platten nicht mit Sand aufzufüllen sondern mit Mörtel. Diese geistige Leistung steht Ihnen noch bevor.



Herr Böttcher,



Sie haben natürlich, wie immer, absolut Recht.

Wenn ich jetzt in meinem Archiv nach Beweisfotos aus alten Häusern am Niederrhein, in Burgundisch-Limburg, Geldrisch-Burgund, dem Münsterland und Emsland bis hinauf nach Friesland krame, sowie in paar Fotos aus französischen Gegenden, z.B. den Charentes un der Vendée beifüge, werden diese leider keine Beweiskraft gegen das Ihrige aus einem Freilichtmuseum voller translozierter und neu aufgebauter Häuser haben.

Die alten Bauernküchen waren ebenerdig und es gab Gefälle, entweder nach draußen oder in die Tenne. Es wurde sogar absichtlich Sand oder Sägemehl ausgestreut und beizeiten mit dem darin aufgenommenen Siff herausgefegt. Sicherlich werden die Leute früher beim Verlegen irgendwelche Abstandhalter oder andere Tricks angewandt haben, um evtl. Brüche durch zu große Spannungen zu vermeiden. Die Fugen wirken jedenfalls so schmal, dass man optisch von "auf Stoß" sprechen kann.

Was bringen da irgendwelche Spitzfindigkeiten oder Rechthabereien?

Wie ich allerdings auch schon schrieb, lääst sich das nicht mehr mit modernen Wohnvorstellungen verbinden, von daher hat eine Mörtelverfugung nach dem Stand der Technik ihre Berechtigung.



Cottoboden



Was haben die "vielleicht wäre oder könnte auch sein wenn auch anders"- Ergüsse Ihrer Fantasie nun mit dem Thema zu tun Herr Bisping?

viele Grüße



Ach Herr Böttcher,....



... lassen Sie es doch einfach gut sein; was bringen Ihnen diese ständigen Kleinkriege mit jedem, der nicht ihrer Ansicht ist oder dessen Nase ihnen nicht passt?

Dem jeweiligen Thema ist das doch genau so wenig dienlich wie meine zugegebenermaßen oft weit ausschweifenden Assoziationsketten.

Auch Menschen, die nicht beruflich in der Baubranche beheimatet sind, gehen wachen Auges durchs Leben. Für Sie kaum zu glauben, aber wahr! :-)



Terracotta



Aber, aber meine Herren...
Tschuldigung das ich mich wieder einmische aber die fundamentalistischen Grabenkämpfe bringen den TE und mich nicht wirklich weiter...Warum denn immer so verbissen?
Bezüglich der Fugenbreite Herr Bisping denke ich auch, das dies Geschmackssache ist. Die Fliesen sind allerdings so ungleichmäßig geformt, daß eine schmale und gleichmäßige Fuge, wie Herr Böttcher schon gesagt hat,praktisch unmöglich ist. Außerdem gebe ich zu bedenken, daß man die Fugenbreite ja womöglich reduzieren kann, die Fugentiefe bleibt allerdings bei mind. 10-12mm, da wirds dann noch schwieriger das Material gut einzubringen.
Der Fehler Herr Böttcher liegt wohl an meiner zu unsauberen Arbeitsweise, das muß ich verbessern. Trotz des Tipps aus dem Forum die Fliesen mit Schmierseife zu Streichen hab ich das Problem des Säuberns einfach unterschätzt.
Zu der Bemerkung "jeder Fliesenleger kriegt sowas hin" muß ich allerdings sagen, daß ein Bekannter vor vielen Jahren Probleme hatte überhaupt einen Fliesenleger zu finden, der Terracotta verlegt. Der, den er dann gefunden hat durfte das Ganze 2x machen, da die fleissigen, osteuropäischen Angestellten die Fliesen beim ersten Mal mit dem Fugenmörtel auf den Boden gebeppt haben... und beim 2. Mal dann teilweise kleine Luftpolster unter den Fliesen gelassen haben, wohl zur besseren Wärmedämmung...
Zusammenfassend wenn ich es richtig verstanden habe: am besten Fertigmörtel verwenden (kein Flexkleber für die Fuge ist logisch), sauber arbeiten, Kalkmörtel nur als 2.Wahl wegen der Haltbarkeit und fehlenden Dichtheit.
Besten Dank an beide für die Infos und schönen Fotos, ins Ecomusee muß ich auch noch unbedingt...
Gruß Hamich



Cottofliesen



Und nach dem Verfugen bitte genau den Zeitpunkt abpassen wenn der Mörtel angesteift ist. Sie können dann entweder mit einem Schwamm und Wasser nachwaschen oder trocken putzen so wie beim Verfugen von Klinkern. Ich nehme dafür immer die leeren Tüten vom Mörtel. Etwas abreißen, zusammenknüllen und dann den angetrockneten Mörtel von der Steinoberfläche abputzen. Falls die Fugenoberfläche dabei ein wenig leidet, hinterher die Stellen mit einem nassen Finger nachglätten.

Viele Grüße
p.s. Vergessen sie nicht nach dem Erhärten der Verfugung die Oberfläche mit einem passenden Steinöl (der Fachhandel berät dazu) einzulassen. Unglasierte Keramikoberflächen und der Verfugmörtel verschmutzen leicht, Fett und Rotwein sind praktisch nicht mehr rauszukriegen.