Verfärbungen und Ausblühungen an frischem Kalkputz und Kalkanstrich



Verfärbungen und Ausblühungen an frischem Kalkputz und Kalkanstrich

Hallo zusammen,
in meiner Ziegelscheune aus den 1830'er Jahren habe ich letzten Herbst einen ehemaligen Schweinestall entkernt (gemauerte Schweinebuchten und Ziegel-Altfussboden raus, alten [Kalk-?]Putz bis aufs nackte Mauerwerk abgeschlagen - Deckenputz wurde allerdings nur ausgebessert). Der Raum hat Ende des Jahres einen neuen Innenputz erhalten (Sumpfkalk aus selbstabgelöschtem Weißfeinkalk CL90 und ungewaschener Sand 0-2 im Verhältnis 1:4, in einer Schicht 0,5-1 cm dick aufgezogen), anschließend wurde zweimal mit unverdünntem Sumpfkalk gestrichen. Der Putz ist fest, allerdings deckt der Kalkanstrich extrem schlecht ab, es kommen Flecken durch die Wand und vereinzelt gibt es auch Ausblühungen. Vor zwei Wochen habe ich an allen Wänden quadratische Testflächen weitere zwei Mal mit Sumpfkalk überstrichen, die allgemeine Deckung ist dadurch viel besser, aber immer noch nicht zufriedenstellend und teilweise kommen die alten Flecken weiter durch.

Was fällt Euch zu möglichen Ursachen ein?

Meine Überlegungen bis hierher - vielleicht könnt Ihr das kurz einschätzen, ob wahrscheinlich oder nicht:

1. Durch die Vornutzung als Schweinestall sind die Steine sich mit Salzen belastet. Dagegen als Ursache spricht aber, dass Flecke und Ausblühungen bis unter die Decke auftreten, nicht nur im bodennahen Bereich. Oder ziehen Salze so weit die Wand hoch?

2. Bis vor zwei Jahren endete das Fallrohr der Regenrinne direkt an den Gebäudeecken (zwei Ecken des Raums sind damit betroffen), der lehmige Untergrund ist, das haben Grabungen aus anderen Anlässen ergeben, weiterhin sehr feucht. Dagegen als Ursache spricht allerdings, dass die Flecken und Ausblühungen komplett über den Raum verteilt sind und z.B. auch an der Innenwand zum Nachbarraum auftreten, nicht nur an den Außenwänden oder nur an den Hausecken.

3. Mein Verdacht: Wir hatten testweise im Winter verputzt, bei Außentemperaturen unter 5 Grad. Zuvor hatten wir den Raum natürlich mehrere Tage mittels E-Heizer, später auch Gasheizer aufgeheizt, die Raumtemperaturen zu Beginn der Arbeiten bis etwa zwei Wochen nach Fertigstellung wurden von uns stetig zwischen 10 Grad und 25 Grad gehalten. Ich war der Meinung, dass wir auch die Innenseite der Ziegelwand jedenfalls bis auf über 5 Grad erwärmt hätten, aber vielleicht war das falsch gehofft. Sieht das nach einem erfrorenen Kalk aus?

4. Weitere Ideen?

Und danach dann natürlich die entscheidende Frage: Wie jetzt weiter?

Danke, ich bin gespannt auf Eure Tips.
Beste Grüße aus dem Havelland

Marco



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Das ganze Vorbringen ist die Litanei vom salzbelasteten Mauerwerk. Die aus ehemaliger Belastung durch Fäkalsalzesalze, sich ergebende hygroskoppische Feuchte, verursacht die "Flecken".

Die Feuchtigkeit mindert die Deckfähigkeit des Kalkanstriches, da dieser aus einer Differenz vom Brechungsindex resultiert. Der von Wasser und Kalk liegen nahe beieinander, so das sich bei Anwesenheit von Feuchtigkeit die Kalkschicht durchscheinend bleibt. Auch die (gelb/bräunlichen) Verfärbungen resultieren aus der Salzreaktion.

Was du angelegt hast ist ein "Opferputz". Dieser muss letztlich irgendwann wieder entfernt werden.

Vorerst würde ich mich darauf beschränken die Salze die idealerer Weise auf der Oberfläche ausblühen, regelmäßig abzukehren und damit die Salzfracht zu mindern.



Hallo Mario,



danke soweit erstmal, folgendes würde mich jetzt noch interessieren - falls es da Faustregeln gibt:

1. Nach welcher Zeit sollte man den Putz (jeweils) erneuern?
2. Wie oft muss man das machen, bis das Salz soweit raus ist, dass nichts mehr ausblüht/durchscheint?

Falls die Antwort darauf lautet "das kommt darauf an" - nämlich wieviel Salz in der Wand ist - würde mich das nicht sehr überraschen. Andererseits hoffe ich doch, dass es da irgendwelche allgemeingültigen Erfahrungswerte gibt. Weil ja möglicherweise, wenn die Schweine gegen die Wand pullern, die Wand schon nach zehn Jahren komplett mit Salz gesättigt ist, und der Zustand der Wand dann derselbe bleibt, egal ob noch vierzig oder noch neunzig Jahre Urin dazukommen...?

Ich bin gespannt.

Danke, und beste Grüße
Marco



Verfärbungen und Ausblühungen an frischem Kalkputz



Die Nutzung als Schweinestall und die rötliche Färbung der Ausblühungen lassen mich zwei Dinge vermuten:
Die Wand ist naß bis oben hin. Daher die Ausblühungen
Die Färbung kommt durch Salpeter und der schlägt immer wieder durch. Wenn Du die Nässe raus haben willst, nur über eine Horizontalsperre. Dann wird wahrscheinlich die Nässe zurückgehen. Das kannst Du ja mit einem Feuchtigkeitsmesser messen. Wenn die Wand durchgängig 0,8 % Restfeuchte oder geringer hat, kann sie als trocken bezeichnet werden. Ich schätze, daß sie jetzt bei 3-4 % mindestens liegt.
Den Salpeter bekommst Du nicht mehr raus. Wenn die Wand trocken ist empfehle ich einen Anstrich mit Nikotinsperre ggf. 2x. Das Problem dürftest Du damit im Griff haben. Aber es dauert.

Martin





Es ist nicht ganz einfach hier was zu empfehlen. Insbesondere wird man die angestrebte Nutzung erwägen mussen um so auch den Aufwand in vernünftigen Verhältnissen zu halten.

So wie es hier erstmal aussieht ist hier noch Feuchtigkeit mit im Spiel. Diese resultiert wohl aber auch aus der äußerlich zuströmenden sommerlich erwärmten Luft deren Wassergehalt sich an den deutlich kühleren Massivbauteilen innen niederschlägt.

Der Kalkputz wird schon bei der Erstellung bedingt durch niedrige Temperatur, längere Zeit feucht gestanden haben und so schon "ausreichend" Salze aufgenommen haben.

Nun haben wir Probleme durch hygroskopische Salze die vermögen vermehrt Luftfeuchte binden, dadurch wird der Kalkanstich "dunkel" und "durchscheinend".

Wir haben färbende Salze die in Putz und Anstrich eindiffundiert sind und gelb / bräunliche "Wasserflecken" verursachen.

Dann haben wir Salze die an der Oberfläche ausblühen und abgefegt werden können und solche die an der Grenzschicht zwischen Mauerwerk und Putz kristallisieren und so durch Volumensprengung den Putz mürben und ablösen.

Solange Restfeuchtigkeit mit im Spiel ist wird das Salz immer in Lösung und "mobil" sein und entsprechende Probleme verursachen.

Es gibt jetzt mehrere Strategien.

Man führt so gut es geht "Salzminderungsmaßnahmen" durch, lässt die Wand gut trocknen erstellt einen neuen Putz und Anstrich.

Dazu bieten sich besagte "Opferputze" bzw. "Kompressenputze" an. Beispielsweise kann feiner feuchter Sand wie Putz aufgeworfen und feuchtgehalten werden. Innerhalb weniger Tage werden so Salze in den Sand einwandern, dieser wird dann abgenommen und entsorgt, ggf. wiederholt. Wichtig auch immer die Fugen auszukratzen, hier sammelt sich das meiste Salz.

Oder etwas rationeller gegenüber den "Sanierputzarbeiten" man dichtet die Wand einfach ab. Hierzu nimmt man eine feuchtigkeitssperrende Noppenbahn mit Putzträgergewebe, die als Dörken Delta-PT gehandelt wird.

Die wird angedübelt und verputzt. Diese Maßnahme wird von Herrn Bromm hier in der Community empfohlen, er hat das schon oft geplant und umgesetzt.



Vielen Dank,



das sind interessante Tips. Die Feuchtigkeit der Wand werde ich mal messen, da kann ich gleich das Messgerät ausprobieren, das meine Frau neulich aus dem Lidl (oder so) mitgebracht hat.

Mario,
im Winter haben wir auch noch Glasschaumschotter als kapillarbrechende, wärmedämmende Tragschicht in den Raum eingebracht, da sollte demnächst ein Estrich drauf und dann Fliesen. Im Moment (auf den Glassschaumschotter) kann ich kein Gerüst stellen, aber sobald der Estrich drin ist, könnte ich das Gerüst aufbauen, den Putz vom letzten Winter runterholen und neu verputzen. Ich frage mich nur: Bin ich dann damit durch? Ist einmal Opferputz - normalerweise - ausreichend? Oder wie oft muss man das erfahrungsgemäß wiederholen?

Martin,
die rötliche Verfärbung sieht nur auf den Fotos so aus. War mir gar nicht aufgefallen, aber jetzt wo Du es schreibst - tatsächlich, da gibt es einen Rotstich. In Wirklichkeit sind die Verfärbungen aber alle gelblich-bräunlich. Denkst Du trotzdem noch an Salpeter, oder fällt das ohne die Rotfärbung in sich zusammen?

Danke, wenn Ihr hierzu noch was sagen könnt.

Beste Grüße
Marco





Bei den Schadsalzen im Mauerwerk werden meist die Chloride, Sulfate, Nitrite (NO2) und Nitrate (NO3) betrachtet.

Qualitativ lassen die sich recht gut mit Teststäbchen bestimmen, dass ist aber für den Heimanwender auch noch recht teuer.

Wir haben es hier mit Fäkalsalzen zu tun und vorwiegend sicher die gut wasserlöslichen Nitrate aus Urin und Kot, die mit Kalium verbunden sind.

Der umgangssprachliche Begriff Salpeter kommt daher das Nitrat das Salz der Salpetersäure ist.

Der erst kürzlich verstorbene Georg Böttcher hatte mal hier sein "Taschenlabor" vorgestellt.

Er schabt mit dem Taschenmesser etwas Salz ab, auf Zigarettenpapier und Zündet es dann an. Wenn es zu einer rasanten Beförderung der Verbrennung (NO3) kommt dann ist es "Salpeter".

Solche Versuche sind natürlich nur für Erwachsene gedacht.

In der Tat wurde früher aus die Salze vom Mauerwerk und Boden der Viehställe aufgelöst, geläutert und das Sud eingedampft. Mit dem Nitrat und Holzkohlepulver und Schwefel hat man Schwarzpulver hergestellt.

Da hat die militärische Sprengleistung noch ihren Ausgang im Schweinestall gehabt. Dank der Herren Haber und Bosch nutzt man seit 1910 den Stickstoff der Luft für die Nitratproduktion, mit viel Energie.

Wie sollen den die Räumlichkeiten genutzt werden. Ist eine Heizung geplant.

Die Feuchtemessung mit so einem Widerstansmessgerät ist natürlich bei viel Salz in der Wand auch nicht genau und kann mehr zu Vergleichszweck genutzt werden.

Der genaue Wassergehalt kann nur mit Probenahme herausgefunden werden. Da entnimmt man einen Bohrkern und wiegt diesen und trocknet den dann in einen kleinen "Backofen" (Darrmethode) durch den Gewichtsverlust kommt man auf den Wassergehalt.

Was die Haltbarkeit neuerlicher Kalkputzbeschichtungen anbelangt bin ich etwas ratlos. Ich habe da nicht so viel Erfahrung. Habe zwar schon Feuchte Keller verputzt, aber so 100 prozentig ist das alles nicht.

Das kommt wie gesagt alles auf deine Nutzungsabsichten an.

Jedenfalls werden aber auch alte Ställe umgenutzt und auch in Kalktechnik saniert, so das es Lösungen geben muss.

Ich weiss das der Dr. Norbert Höpfner feuchte- und salzbelastete Ställe mit Erfolg verputzt und dafür natürlich hydraulische Kalkbindemittel benutzt und diese ähnlich den "Sanierputzen" mit Leichtzuschlägen (Perlite, Isoself) versetzt, diese sind halt nur nicht (wie Sanierputze) wasserabweisend eingestellt.

Der hat hier die Kalkregeln verfasst und war mal hier in der Community aktiv. Er gibt auch Schulungen für solche Sanierungslösungen, wollte ich mal immer Besuchen. Zur Zeit ist er glaube ich noch in Israel und restauriert dort 100 Jahre alte Bauhaussiedlungen. Vielleicht bekommt man dort Kontakt. Der hat auch mit Hessler zusammen den "HP 9SL" entwickelt.

Da findet sich zusammen mit einer "Temperierung" der Grundmauern ggf. eine empfehlenswerte, ausreichend erprobte und günstige Sanierungslösung.

https://www.baubiologie.de/downloads/kalkputzregeln.pdf



Verfärbungen und Ausblühungen



Lieber Marco,

so wie Du das geschildert hast, ist mein Eindruck aus der Entfernung durchaus überlegenswert, genau wie der der anderen Fachwerker. Welche Ursache bei Dir zutrifft, mußt Du selbst herausfinden. Es gibt nicht nur eine Möglichkeit.
Wenn die Salze nicht durch aufsteigende Feuchtigkeit transportiert würden, gäbe es keine Ausblühungen. Es ist nicht auszuschließen, daß in einem Schweinestall von 1830 kein Sapeter in den Wänden ist, aber für mich schwer vorstellbar.

Gruß Martin



Danke für die Geduld...



Ich war zwischenzeitlich mit anderen Vorhaben beschäftigt, konnte jetzt aber Eure diversen Hinweise aufarbeiten. Folgender Sachstand:

1. Ich habe am Wochenende einen Steinbrocken aus der Wand gebrochen (bzw. kam der mir beim Putzabschlagen schon entgegen) und den direkt mit 159 gr gewogen. Nach zwei Stunden im Backofen 141 gr, heute (Montagfrüh) nach anderthalb Tagen auf meinem Schreibtisch wieder 145 gr. Je nachdem, welchen Wert man hier ansetzt, Wassergehalt der Wand also 14 gr auf 159 gr gleich 8,8%, oder 18 gr auf 159 gr gleich 11,3%.

2. Taschenlabor: Ich habe wie beschrieben Salz auf ein Stück Küchenrolle gekratzt (Zigarettenpapier habe ich als Nichtraucher leider nicht im Haus); das Feuer ist sauber um das Salzhäufchen herumgebrannt. Auch das Papier unter dem Salz hat nicht gebrannt, obwohl ich es in der Hand gehalten habe und von unten Luft herankam. Am Salz selber keine Reaktion auf das Feuer. Auf dem weißen Papier als Hintergrund war aber deutlich ein ganz leichter Rosastich des Salzes zu sehen. Nachdem Salpeter nun wohl ausscheidet: Was kann das sein? Die Entnahmestelle lag etwa anderthalb Meter über dem Boden. An der Stelle nochmal der Hinweis, dass es nur sehr wenig sichtbar ausblühendes Salz gibt, immer nur punktuell an einzelnen Stellen. Die Wasserflecken sind aber flächendeckend vorhanden.

3. Der Raum wird nicht beheizt werden, er soll als Hobbyraum dienen.

4. Ich habe mir zwei Probeflächen angelegt; auf einer habe ich nur den Kalkanstrich abgekratzt, auf der zweiten den kompletten Putz bis in die Fugen hinein ausgeräumt. Anschließend die Kratzfläche dünn mit neuem Kalkputz überzogen (nur soviel um die Kratzspuren zu glätten) und die andere Stelle komplett wieder mit neuem Putz bedeckt. Ich werde beide Stellen noch kalken, dann abwarten und in ein paar Wochen noch einmal berichten. Ich verspreche mir von dem Versuch Erkenntnisse hinsichtlich meiner Frage weiter oben, ob vielleicht einmal Opferputz schon ausreichen könnte, oder wie oft man das wiederholen muss, bis das Salz raus ist.

5. An einer bodennahen Stelle habe ich einen kleinen Heizlüfter vor die Wand gestellt und zwei Tage lang durchlaufen lassen, weil ich mal schauen wollte, was ein punktuelles, wenigstens oberflächiges Abtrocknen mit dem durchscheinenden Kalkanstrich macht. Heute die Ernüchterung: keinerlei Unterschied.

Gleich kommen noch einige Bilder. Kommentare sind herzlich willkommen!

Viele Grüße
Marco



Punktrocknung 1


Punktrocknung 1

Vorher



Punkttrocknung 2


Punkttrocknung 2

Versuchsaufbau



Punkttrocknung 3


Punkttrocknung 3

Nachher



Neuer Putz 1


Neuer Putz 1

Übersicht



Neuer Putz 2


Neuer Putz 2

Detail, hier noch mit den Flecken - bin gespannt, ob die durch den neuen Putz wieder genauso hochkommen werden.



Neuer Putz 3


Neuer Putz 3

Hier wurde nur der Kalkanstrich abgekratzt



Neuer Putz 4


Neuer Putz 4

Übersicht mit abgekratzter und jetzt komplett von Altputz befreiter Versuchsfläche



Neuer Putz 5


Neuer Putz 5

Nach dem dünn Überziehen (oben) bzw. neu Verputzen (unten).