Nageldichtband II




Meine Kollegen und ich haben an einem alten Dach die Sparren mit seitlichen Bohlen ausgeglichen, Sparren ersetzt, diffusionsoffene Unterdachbahn verlegt, diese mit Nageldichtband und Konterlatten befestigt. Da das Dach etwas kompliziert ist, das Wetter öfters dazwischenfunkte und der Dachklempner nicht gleich da war, hat dieses Unterdach in den letzten 1,5 Monaten einige schwere Regengüsse abgekriegt.
Es ist nicht zu verdrängen: An den Sparren läuft die Soße runter. Ich habe das noch nie erlebt!!!Eben auch nicht in den Zeiten als es noch keine Nageldichtbänder gab.
Mir ist völlig unklar, was wir falsch gemacht haben. Morgen werde ich versuchen einen Zuständigen der Herstellerfirma zu kriegen.
Hatte unter den auf Fachwerk.de vertretenen Bauherren und Fachleuten schon mal jemand diesbezüglich Probleme? Wie wurden die gelöst?
Ralph Schneidewind



Nochmal Antworte iche....



so ein Problem hatten wir auch schon, betraff aber die Unterdeckbahn, der/die Herstellerfirma waren ganz zugänglich, bis Sie erfahren haben wie lange eine Freibewitterung der Unterdeckbahn stattgefunden hat.
Ergebniss: Hersteller hat sich nichts angenommen, da wir die Freibewitterungszeit ( steht irgendwo in Verlegehinweisen) überschritten haben und die falsche Unterdeckbahn-Klasse verwendet hatten.
Also haben wir alles wieder runtergenommen und ein zweitesmal zugespannt.........

Mit Grüßen
Danilo



Moin,



endlich mal einer, der das Problem anspricht. Wir Handwerker sollten das öfter tun.

Wir hatten den Fall nun auch schon des Öfteren.
Auch ich habe den Eindruck, daß diese Nagelbänder ihren Zweck kaum erfüllen.

Man hat ja grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

- Die Nagelbänder, die einem Moosgummi ähneln (auf Rollen)
- Die Klebevariante mit Kartusche

Wir haben inzwischen alles durchprobiert und sind mit keiner der beiden Versionen wirklich zufrieden.
Daß eine Unterspannbahn bei längeranhaltendem Regen irgendwann mal das Wasser durchläßt, ist ja nun nicht neu...das hatten wir schon vor den Nagelbändern. Dieses Problem ist mit den Nagelbändern auch nicht zu lösen.

Grundsätzliches Problem scheint mir die Holzfeuchte der Latten zu sein. Wenn die noch eine zu hohe Restfeuchte haben
(z.B. durch eine kürzlich erfolgte Imprägnierung), sorgt das natürliche Schwinden dafür, daß zwischen Unterspannbahn und Konterlattung eine Fuge entsteht. Deshalb haben wir auf technisch getrocknete Konterlatten umgestellt, die inzwischen auch ohne Imprägnierung zulässig sind (angeblich werden den Latten durchs Trocknen die entsprechenden Duftstoffe entzogen, die Schädlinge anziehen). Aber auch hier hatten wir erst kürzlich ein Durchfeuchtungsproblem (Dauerregen seit knapp ner Woche).

Bei den Unterspannbahnen haben wir inzwischen fünf verschiedene Produkte durch (alle im mittel- bis hochpreisigen Bereich), keine konnte bisher einem mehrtägigen Dauerregen permanent standhalten.

Ich bin gespannt, was bei Deinem Anruf rauskommt. Vermutlich gar nix, wie auch schon bei uns.

Ich halte Nagelbänder für ein typisches Beispiel dafür, daß man zusätzliche Maßnahmen einführt, die dem Bauherren Mehrkosten, dem Bauausführenden zusätzliche Arbeit, dafür aber der Industrie zusätzliche Umsätze beschert.

Inzwischen spannen wir als zusätzliche Maßnahme abends immer nochmal eine wetterfeste Plane über die entsprechenden Dachflächen...die Mehrkosten tragen natürlich wir selbst als Handwerker...es ist einem Bauherren letztendlich nicht zu vermitteln, daß seine neue Unterspannbahn bei Dauerbelastung durch starke Regenfälle nicht mehr richtig dicht ist - auch wenn natürlich klar ist, daß die wasserführende Schicht immer die Dacheindeckung ist und die Unterspannbahn lediglich eine zusätzliche, regensichere Maßnahme, die nur im Schadensfall (Ziegel kaputt, Blech undicht) wasserführend ist.

Die Angaben der Hersteller bzw. der Freibewitterungszeit sind letztendlich wertlos. Diese Durchfeuchtung der diffusionsoffenen Unterspannbahn kann ohne Montage der Dacheindeckung schon zwei Tage nach der Montage erfolgen, ohne das überhaupt eine Freibewitterung stattgefunden hat.

Ärgerlich das...für alle Beteiligten...denn letztendlich denkt der Bauherr immer, daß die Unterspannbahn nichts taugt oder der Handwerker sie nicht ordentlich verlegt hat.

Vielleicht kommen hier noch einige Erfahrungsberichte und möglicherweise hat jemand eine Unterspannbahn gefunden, die dem Regen länger standhält. Bisher haben wir ein Produkt verbaut, das unseren Erwartungen einigermassen enspricht, aber eben nicht zufriedenstellend.

Komisch ist, daß wir bei Unterdeckplatten aus Holzfaserplatten diesbezüglich nie Probleme haben...und da ist ein Nagelband lt. Hersteller ja auch gar nicht zwingend vorgeschrieben.

Gruß Andreas



Danke Andreas!



Ich hatte auch noch nie Probleme mit der Dichtigkeit von Unterdächern. In den letzten Jahren verlegte ich immer Weichfaserplatten.
Seit Langem mal wieder Folie, jetzt diese Witterung, das Bestreben DIN-gerecht zu bauen, und dann diese Leckagen: Ich bin gestern richtig porös geworden.
Es beruhigt mich etwas, dass ich mit diesem Problem nicht der einzige bin. Ich will wirklich keinen Pfusch abliefern.
aber dieser Eindruck kann in dieser Situation entstehen.
Ralph Scheidewind



Hallo Herr Schneidewind,



irgendwie lässt mir Ihr Problem keine Ruhe.
Habe mal dazu ein paar Fragen.
Wie befestigt Ihr die Konterlatten? Mit Schrauben oder Schaubnägeln/ verzinkt?
Habe schon beobachtet, dass das Gewinde der Schrauben bei eindrehen das Moosgummi zusammenzieht, bzw. es sich um das Gewinde aufdreht.
Könnte mir auch vorstellen, dass das Moosgummi in Verbindung mit einer glatten Oberfläche der Unterdeckbahn die kapilarität verstärkt und Wasser förmlich unter die Konterlatte gezogen wird.
Sind die Überdeckungen der Unterdeckbahn verklebt?
Letzte Frage: Laufen die Sparren rechwinklig zur Traufe, oder läuft Wasser direkt vor schräge Konterlatte/Sparren?

Mit Grüßen
Danilo



Danilo



ca. 45° Dachneigung, Die Stöße sind nicht verklebt, Die Sparren rechtwinklig zur Traufe. 30er Konterlatten, Größtenteils genagelt. Im Firstbereich ein Paar Schrauben, weil wir hier Dachböcke anbrachten.
An diesen Stellen verlegten wir Lattung und Konterlatten mit Nageldichtband aber neu, weil ich den gleichen Gedankengang hatte.
Wir haben Kehllatten in Konterlattenebene, die sind mit den Dachlatten verschraubt. 2x30er Dachlatten, 50er Schrauben: Da nimmt die Folie keinen Schaden.
So wie es jetzt aussieht bin ich auch wirklich froh, dass wir das in den Kehlen so gemacht haben.
Ralph Schneidewind