"offene" Dachdämmung?

19.01.2012



Hallo,
ich möchte das Dach meines 1909 gebauten Hauses Dämmen. Unter den Dachziegeln (Römerpfanne mit reichlich Lüftersteinen) befindet sich eine nicht diffusionsoffene Unterspannbahn. Diese hat ca. 10 cm Überlappungen, ist aber nicht verklebt. An stürmischen Tagen hat man also eine merkliche Durchlüftung. Ich möchte das Dach gerne mittels Isoflokeinblasverfahren Dämmen. Die Gefahr, die ich sehe, ist die, dass sich an der Unterspannbahn Kondenswasser bildet. Ich stelle hier folgende Arbeitshypothesen:
1)Eine 100% luftdichte Versiegelung an der warmen Raumseite ist in dem alten Dach eigentlich nicht zu erreichen. Es wird also immer etwas Luft von innen in die Dämmung eindringen (der stete Tropfen höhlt den Stein).
2)Das Anbringen einer weiteren Sperre mit Luftabstand zur Unterspannbahn zwecks Hinterlüftung (wie ich es hier schon häufiger gelesen habe) ist sehr aufwändig und birgt u.U. die Gefahr, dass nun diese Sperre zur Kondensationsfläche wird und der Dämmstoff feucht wird.
Die Konsequenz (wenn die Arbeitshypothesen nicht falsifiziert werden) wäre, dass ich die Zellulose gegen die Unterpannbahn blase und auf der warmen Raumseite es "so dicht wie nur irgendwie möglich" mache. In der Folge hätte ich einen Wärmegradient von innen nach aussen. Wenig Luft dringt in die Dämmung ein. Die Luftfeuchte kann ggf. an der Unterspannbahn kondensieren. Da Zellulose eine hohe Kapilarwirkung hat, kann der Dämmstoff Feuchtigkeit puffern (Das ist dann Hypothese 3). Da die Unterspannbahn nicht ganz Winddicht ist, wird die Dämmung durchlüftet und evtl. entstandene Feuchte wird nach aussen abgeführt. Das mindert zwar denn Dämmwert, schützt aber vor der Durchfeuchtung der Dämmung mit den bekannten Schäden (Schimmel, Feuchte in den Sparren etc.).
Hier nun entlich die Frage: Gibt es Denkfehler? Grüße,
Michel



Hallo Yalimo



Wenn Du Cellulosefasern einblasen willst musst Du ein einigermasen luftdichtes Gefache haben, damit beim einblasen Druck entsteht der die Floccen verdichtet,
deswegen brauchst Du sowieso eine nahezu dichte Fläche im Dach.
Ausserdem musst Du dafür sorgen dass Dir die Floccen nicht zwischen die Überlappungn der Unterspannbahn geraten also abkleben.
Ebenso dürfen die Floccen die Unterspannbahn nicht gegen die Latten drücken,da Du sonst keine Hinterlüftung mehr hast.

Grüsse
Albi



Hallo Yalimo,



die Wirkung einer Dämmung beruht im Prinzip auf eine stehende, sich nicht bewegende Luftschicht.
Früher wurde der Fehler gemacht, die Oberseite der Dämmung zu belüften d.h. die Dämmfasern wurden von Luft durchströmt.
Davon ist man mittlerweile abgekommen.
Die Konsequenz daraus:
der Sparrenquerschnitt wird voll gedämmt, außenseitig diffusionsoffen aber winddicht, rauminnenseitig luftdicht (eigentlich dampfdicht) ausgeführt.
Bei Deiner Konstruktion bedeutet das: erst einmal in Erfahrung bringen, ob die Unterspannbahn wirklich nicht diffusionsoffen ist,
dann die Überlappungen mit diffusionsoffenem Klebeband verschließen.
Wärmedämmung - ich bevorzuge Mineralfaser - einbringen, sparreninnenseitig eine feuchtevariable Dampfbremse (wenn die USB nicht diffusionsoffen) anbringen (auf fachgerechte Verklebung mit den Bauteilen achten),
Querlattung und dazwischen eine weitere Wärmedämmung in Plattenform.

Viele Grüße



Grundgedanke



Hallo und Danke für die Antworten. Das mit dem nötigen Druck beim Einblasen ist natürlich ein Gegenargument. Da muss ich drüber Nachdenken. Das die Unterspannbahn gegen das Dach drückt, befürchte ich nicht, da ist reichlich Platz und auch von Hand kann ich die Bahn nur wenig andrücken. Da bleibt auf jeden Fall noch genug Luft zur Hinterlüftung.
Gerhard, du schreibst: "Früher wurde der Fehler gemacht, die Oberseite der Dämmung zu belüften d.h. die Dämmfasern wurden von Luft durchströmt. Davon ist man mittlerweile abgekommen." Das verstehe ich nicht ganz. Warum ist das ein Fehler. Wenn man das früher so gemacht hat, dann gibt es doch Erfahrungswerte, oder? Mir ist nur von neueren Dämmverfahren bekannt, dass sie durchnässen. Sollte eine Durchlüftung nur den Nachteil haben, dass der Dämmwert geringer ist, nehme ich das gerne in Kauf, wenn dafür der Dämmstoff nicht durchnässt. Wenn ich das einmal zu gemacht habe, sehe ich das ja erst, wenn mir mein (dann) morscher Dachstuhl auf den Kopf fällt.
Da die Unterspannbahn nicht diffusionsoffen ist, muss ich ja irgendwie damit arbeiten. Abdecken und neue Folie Verlegen ist für mich keine Option.
Aber ist denn in den Grundgedanken ein Denkfehler? Innen so dicht wie möglich und aussen eine Undichtigkeit in Kauf nehmen als Prävention gegen Durchnässung?
Grüße



Zellulose einblasen ..



..gute Idee . Haben wir nie Mecker mit , muß aber gescheit vorbereitet werden .
1. Wird da oben auch ausgebaut ? Sonst ließe sich eher die Oberste Geschoßdecke dämmen .
2.Eine sehr gute Möglichkeit ,auch für beflissene Selbstbauer gut durchzuführen ist der Ersatz der vorh. Folie durch dünne Weichfaserpaltten , die überlappend zwischen den Sparren eingebaut werden und ein wenig über die Außenwand geführt werden , damit anfallendes Wasser auch nach draußen geleitet wird .
3.Anschließend kann der Innenausbau erfolgen , mit sorgfätig angeschlossener Damppfbremse ggfls. eien feuchteadaptive verwenden und
4. der zugelassene erfahrene Einblasfachbetrieb kommen 8:)
besten Gruß
Jürgen Kube
Brüggemann + Kube



gegen die Unterspannbahn blasen



danke für die Antworten. Die Zellulose lasse ich schon sachverständig einblasen (ich habe hier z.T. sehr emotionale bis aufgebrachte Einträge im Gästebuch bekommen). Meine Kernfrage ist nun: Hat jemand Erfahrungen mit dem Einblasen gegen die Unterspannbahn? Kann das so funktionieren, wenn der Dämmstoff von aussen "belüftet" (die Häckchen, weil die Zellulose ja einen größeren Wiederstand einbringt)wird? Die Firma Isoflock gibt an, dass man das so machen kann. Aber es gibt so vieles, was zugelassen ist und doch nur Ärger mit Folgeschäden mit sich bringt (siehe Fasadendämmung).