Unterschied Kalkin Kalkputz und Weber weber.cal 172 Kalkputz ?

18.03.2021 Diamond_72


Guten Tag,

da ich gerne in meiner Garage mit Kalkputz über putzen möchte, wollte ich euch fragen, was der Unterschied zwischen Kalkin Kalkputz und Weber weber.cal 172 Kalkputz ist?
Sind beide Empfehlenswert?

Die Wände bestehen alle aus Kalkputz, bis auf eine Wand, welche mit Zementputzmörtel verputzt ist.
Kann ich beide zum Überputzen nehmen? Ich möchte ihn auch nutzen, um Unebenheiten bis zu 1,5 cm auszugleichen. Ich würde die Wände vorher vor nässen und keine Grundierung auftragen.

Kann mir vielleicht jemand weiterhelfen?

Danke!



wie man(n)'s nimmt



Kalkputz im eigentlichen Sinn ist Putz NUR mit dem Bindemittel Kalk. Kalk kann hierbei als lufthärtender Kalk (härtet langsam im feuchten Zustand durch das Kohlendioxid der Luft) und als hydraulisch härtender Kalk verwendet werden (härtet relativ schnell durch einen Teil des Anmachwassers). Allerdings mogelt die Baustoffindustrie gerne. Neben dem Kalk werden noch Hydraulefaktoren zugesetzt, also Bindemittel, die ebenfalls mit einem Teil des Anmachwassers reagieren und so schnell Festigkeit bringen. Meist ist das Zement.

Kalkin schreibt selbst von "hochhydraulische Bindemittel" (= Zement) und "Zusätze zur besseren Verarbeitung und Haftung", beim weber.cal 172 ist der Zement in dem als Inhalt deklarierten "Hydraulischen Kalk HL5 nach EN 459" enthalten. Nach den Baustoffnormen darf nämlich hydraulischer Kalk auch Zement enthalten, meines Wissens nach bis zu 5 % (anders nur bei NATÜRLICHEM hydraulischen Kalk NHL).

Beides sind also keine reinen Kalkputze. Wieviel Kalk bzw. Hydraulefaktoren nun wirklich enthalten sind, hüten die Hersteller allerdings als Betriebsgeheimnis.

Wofür das wichtig ist? Für die sog. Atmung der Wand (die Durchlässigkeit von Wasserdampf in die Wand und aus der Wand heraus) - die bei einer Garage allerdings kaum eine Rolle spielen dürfte und die Härte des Putzes. Letztere kann zu einem Problem werden, wenn entgegen der Regel "weicher als der Untergrund" eine zu harte Putzschicht auf einen weicheren Untergrund aufgebracht wird. Klassisch führen z. B. harte Zementputze auf weichem Ziegelmauerwerk zu Rissen und späterem Abplatzen von ganzen Schollen.

Kalkin gibt insoweit an
µ-Wert "= 25, Messwert: 5" und als Festigkeit 1,5 – 5,0 N/mm²

Weber soll bei
µ-Wert = 25 und Festigkeit von = 2,5 N/mm² liegen

(reiner Kalkputz liegt bei µ-Wert von 10)

Jetzt kennen Sie die wesentlichen Unterschiede. Ob es Ihnen hilft?

(Anmerkung: Den Kalkin Putz habe ich selbst schon verarbeitet. Keine Auffälligkeiten - was bei "Sackware" aber üblich ist. Der Putz wurde freilich schon deutlich härter, als ich mir dies für Kalkputz vorgestellt hatte. Danach macht man sich schlau...)



Ohh man



Ohhh man da bekomme ich ja schon wieder einen dicken Kopf. Das Thema ist ja so komplex.
Nun, woher könnte ich denn reinen Kalkputz bekommen? Habe ich das richtig verstanden, dass ein reiner Kalkputz langsamer trocknet und aushärtet? Und dieser keine große Festigkeit bekommt? Ich möchte die Garage als Werkstatt nutzen und es wohnlicher haben. Deswegen wollte ich gerne den Kalkputz überziehen und später mit Kalkfarbe pinseln. Kann man im echten Kalkputz eigentlich auch eine Amierungsgewebe beim Verputzen einbetten?



oh mann



wenn Du jetzt schon Kalkputz an den Wänden hast, weißt Du doch, wie fest der wird, da schlag doch mal mit dem Hammer drauf.
Ansonsten gibts reinen Kalkputz bei Solubel oder Hessler Kalkwerke, auch die Fa. Otterbein. Weißt Du , dass man mit einem Internetzugang auch eine Suchmaschine nutzen kann und dadurch nicht andere für sich suchen lassen muss ?



einfache Lösung



Reiben Sie mal über den Putz. Wenn er kaum absandet (also recht "fest" ist), nehmen Sie einfach eines der in Betracht kommenden Produkte und Streichen es wie vorgesehen mit Kalkfarbe.

Gutes Vornässen (nicht klitschnass, lieber mehrfach "ansprühen", z. B. mit einer Gartenspritze) und nicht zu schnelle Abtrocknung (ggf. einen Tag leicht feucht halten) vorausgesetzt, bekommen Sie mit der Sackware einen brauchbaren Putz. Nur eben keinen reinen Kalkputz, sondern einen kalkhaltigen Putz. Die Unterschiede werden Sie bei der von Ihnen beabsichtigten Nutzung wahrscheinlich gar nicht bemerken.

Viel Erfolg!

P. S.: ja, Kalkputz wird "weicher" - das ist eines seiner Vorteile. Er härtet auch langsamer aus (1 mm pro Tag, maximale Schichtdicke pro Auftrag deshalb 10 mm), braucht dazu eine gewisse Feuchtigkeit. Armieren mit Gewebe lässt sich m. E. jeder Putz (im oberen Drittel des Putzauftrags einlegen).



Kalkfeinputz



Ok, Könnte ich auf den oben genannten später einen echten kalkfeinfutz ziehen?



Kalkfeinputz



ja, kannst Du. Wenn Du mir nicht glaubst, kannst Du auch die Verarbeitungshinweise des Kalkfeinputzes Deiner Wahl lesen, dort speziell, welche Untergründe geeignet sind.



Ich glaube euch



Jungs ich glaube euch... alles gut. Ich habe einen reinen Kalkputz zuvor nie verarbeitet und es würde mich wirklich sehr interessieren. Ich würde das gerne mal ausprobieren und in der Werkstatt hätte ich jetzt die Gelegenheit. Nur wenn der wirklich so lange zum trocknen brauch. Muss ich lange warten und kann die Decke im Anschluss nicht abhängen...



na



das üben wir aber nochmal: "hochhydraulische Bindemittel" (= Zement)
Zement ist ein hydraulisches Bindemittel , hoch hydraulisch ist der Kalk wenn er einen hohen Anteil an hydraulischen Bestandteilen hat



Kalkputz



ich habe mir die Videos von Herrn Jansen-Greef angeschaut und meinen Sumpfkalk selbst hergestellt.
Klar einiges muß man beachten, aber wenn man es mal gemacht hat....
Übung macht den Meister.
Handschuhe, Atmenschutz mit Maske (Schutzbrille ist dabei), Belüftung und losgeht es.

Zu Industrieprodukten habe ich den Kanal von www.gerold-engist.de gelesen.
Er nimmt die Industrieprodukte unter die Lupe, analysiert und zeigt auf wer, und was untergesetzt wird.

Bei einer Garage // Werkstatt würde ich den 0815 Kalk verwenden.
Im Wohnraum keine Frage -- ungelöschter Kalk und eine Karre Sand. Fertig

Leider bin ich auch auf die Versprechen der Industrie reingefallen, zu mindestens im Haus.
Bei uns mußten ein paar Wände erneuert werden, da hohl und lose.
Weil ich die Unterschiede nicht kannt, dachte ich Quickmix Kalkputz der ist gut.
Die Verarbeitung war einfach und schnell. Der Umbau hätte auch keinen Verzug gedultet.
Naja, der Putz hält an der Wand und negative Wirkung verspüre ich auch nicht.
Aber das Versprechen Kalkputz (reiner Kalkputz) wird mit den Fertigmischungen nicht erfüllt.

Auch darf der Zeitaspekt nicht vergessen werden.
Den feuchten Keller habe ich mit Sumpfkalk und Sand verputzt.
Da spielte Zeit zum Trocknen keine Rolle. Die Wände sind relativ gut geworden und die Festigkeit genügt.
Jetzt ist man schlauer...

Viel Spass beim YOUTUBE schauen und lesen.

Gruß ENgelbert