Unsicher bei Dachdämmung

23.09.2015 TonaldDrump



Hallo, ich bin mir ziemlich unsicher wie ich das Dach meines Hauses dämmen soll. Problem ist die Bitumenbahn unter den Dachziegeln.

Ich habe bereits mit 2 Zimmerern gesprochen und beide haben den Dachraum (ca. 40qm) begutachtet. Sie waren recht sorglos und haben Glaswolle+Dampfsperre empfohlen. Nachdem ich allerdings hier im Forum längere Zeit gelesen habe, erscheint mir das im Bezug auf Schimmel nicht die beste Lösung zu sein.

Eckdaten: Sparren 18cm, Dachflächen (ca. 40°) nach Ost- und Westseite. Ich habe mir Hanf bzw. Holzfasermatten und feuchtevariable Folie überlegt. Besser?

Gerne würde ich auch alternativ (z.B. nach K.F.-Methode) dämmen. Die Frage ist - wie sieht das dann konkret aus? Einfach Bretter an die Holzschalung nageln?

Also, ich hänge da ziemlich in der Luft. Den sog. "Experten" traue ich nicht so ganz, nachdem ich hier längere Zeit gelesen habe...

Könnt Ihr mir da eine Empfehlung geben?



Dach dämmen unter Bitumenbahn



Wie sieht die Alternative Dämmung nach KF aus?
Nur Bretter unters Dach nageln ist kaum als Dämmung zu bezeichnen.

Bei entsprechender Besonnung sind kapillaraktive Dämmstoffe mit feuchtevariabler Dampfbremse möglich, sofern einige Randbedingungen eingehalten werden.

Möglichst den genauen Dachaufbau, Sparrenmaße, lichten Abstand, Bedachungsmaterial, gewünschte Oberfläche innen etc angeben-
dann läßt sich das besser berechnen
Und Bilder von außen und innen einstellen

Andreas Teich



So sieht es da jetzt aus...



Hallo, nett dass ich so schnell Hilfe bekomme! Danke.

Das Dach hat einen First Nord/Süd, dh. die Flächen schauen Richtung Osten bzw. Westen und sind nicht verschattet. Das wär zusammen mit der Neigung (42°) ja schon mal nicht so schlecht, oder? Bedachung Heidelberger Dachstein (Eternit), Oberfläche innen soll Gipskarton (oder ähnliches) werden.

Die Bitumenbahn ist lt. Meßschieber 1 - 1,1 mm stark und leicht sandig (Foto eines Fetzerls anbei). Die Sparren liegen ca. 70cm auseinander und sind 18cm tief. Die Bodenfläche ist ca. 35qm, die Dachinnenfläche innen ist je Dachhälfte ca. 22,5qm = 45qm für's ganze Dach.

An einem Ende kommt eine Wendeltreppe rauf und ich möchte noch eine Umluftanlage in den Fußboden einbauen um in die Zimmer drunter frische Luft fächeln zu lassen (Frau hat Probleme mit irgendwelchen Pollen im Frühjahr)...

weitere Bilder (wußte nicht wie man hier mehr als eines reinsetzen kann...)
Kehlbalken/Fußpfette
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/42/2658142/400_6362373631313232.jpg
Dachfläche innen mit Fenster
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/42/2658142/400_6238303738356139.jpg
First innen
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/42/2658142/400_3936333966303032.jpg
Dachpappe Fetzen
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/42/2658142/400_3130613261306261.jpg



nicht verschattet...



... das heisst der Hitzeschutz im Sommer ist hier so wichtig wie die Wärmedämmung im Winter. Da sind Glaswolle und Gipskarton nicht das wahre.

Bei K.F. habe ich bis jetzt keine konkreten, realistischen Vorschläge gesehen wie man ein Dach dämmen soll. Reine Zeitverschwendung.

Die Bitumenbahn ist je nach Sorte mehr oder weniger dampfdicht. Das bedeutet dass Feuchtigkeit von innnen nicht nach aussen weiter kann, und statt dessen an der Dachschalung aus Holz auskondensiert. Mit einem kapillar leitfähigem Dämmstoff wie Zellulose oder flexibler Holzfaser hat man Chancen, dass diese Feuchtigkeit wieder zurückverteilt wird. Mit Glaswolle funktioniert das nicht. Der rechnerische Dämmwert von Zellulose oder Holzflex ist nicht so gut wie bei Glaswolle, dafür ist die thermische Masse höher. Eine innere Dampfsperre (nicht DampfBREMSE) würde das Problem theoretisch lösen, verhindert aber Rücktrocknung falls doch irgendwo Wasser oder Raumluft reinkommt. Wasser findet IMMER einen Weg...

Beispielaufbau zum Varianten durchspielen:

https://www.u-wert.net/berechnung/u-wert-rechner/?&d0=1.25&L0=1&mid0=196&d1=4&L1=1655634327&mid1=217&x1=10&d2=4&L2=1655634327&mid2=36&x2=6&d3=4&L3=1655634327&mid3=217&x3=34&d4=0.02&L4=2&mid4=2970&d5=18&L5=1603385292&mid5=551&l5=0.038&name5=isofloc%20LM&x5=70&d6=18&L6=1603385292&mid6=36&x6=11&d7=2&L7=3&mid7=36&d8=0.05&L8=4&mid8=36027&bt=1&T_i=20&RH_i=50&Te=-5&RH_e=80&outside=3&name=Dach

Meine Empfehlung:

Wenn möglich das Dach abdecken, und die Bitumenbahn durch eine diffusionsoffene Unterspannbahn ersetzen. Dann wieder neu eindecken. Dadurch dass man die Schalung lässt, sollten die ganzen Metallarbeiten weiter verwendbar sein.

Dämmung zwischen den Sparren mit Zellulose oder Holzflex.

Variable Dampfbremse.

40x60 Querlattung im richtigen Raster für Gipsfaserplatten. Dazwischen Untersparrenfilz. Hier haben wir Isover Integra UKF 2-032, die Befestigung mit den Metallbügeln ist recht praktisch.

Raumseitiger Abschluss mit Gipsfaserplatte. Gipsfaserplatte hat etwa die doppelte thermische Masse von Gipskarton, was für die Temperaturamplitudendämpfung einen grossen Unterschied macht. Kann man im obigen Beispiel leicht durchrechnen. Wir haben Fermacell-Platten mit TB-Kante verwendet, kann ich empfehlen. Man muss nur bei der Lattung daran denken, am Rand die Kante abzuschneiden, also 45 cm Achsabstand der Lattung für die erste Reihe, danach 50 cm.

Wenn die Bitumenbahn aus Kostengründen nicht ersetzt werden kann, bitte von den Technikern bei den Dämmstofflieferanten beraten lassen.



Die Bitumenbahn wird leider bleiben müssen...



... weil ich das Haus nicht ewig behalten werde (3-5Jahre geplant) - wenn es eine andere vernünftige Variante gibt, werde ich auf den hohen Aufwand des Dach-Neuaufbaus vermeiden.

Die Aufheizung des Dachraums ist jedoch nicht schlimm für mich; an den heissen Sommertagen muß ich den Raum nicht nutzen und durch die großen Dachfenster ist die warme Luft auch schnell wieder draussen. Trotzdem wär mir die Holzfaser-Variante sehr sympathisch. Kann ich damit einfach weitermachen obwohl unten schon die Glaswolle drin ist? Soweit ich runterkomme werde ich die Glaswolle natürlich durch Holzfaser ersetzen.

Das mit Gipsfaser find ich auch gut, denn wenn die Platten etwas schwerer sind, reduzieren Sie auch den Luftschall besser (ab und zu brummt hier in der Nähe mal ein Flugzeug drüber). Gibt es eigentlich auch Zellulose - Matten? Zellulose soll ja wohl eine gute Lösung gegen Schimmel sein, richtig?

Beim U-Wert Rechner hab ich schon ein paar mal durchgerechnet. Mit der feuchtevariablen Folie heißt es immer "mit Schimmelbildung nicht zu rechnen". Ich weiß halt nicht ob das Ernst zu nehmen ist oder die Praxis dann wieder anders aussieht. Gut ist vielleicht, daß ich keine Nordseite am Hausdach habe? Und daß die flache Sonneneinstrahlung in der Übergangszeit auf das 42° steile Dach eher wieder direkt einstrahlt?


Die "Techniker der Dämmstofflieferanten" kann ich gerne auch fragen; allerdings habe ich da stark die Befürchtung, daß die mir genau Ihren rentablesten Dämmstoff anbieten wollen. Deswegen finde ich dieses Forum so prima, denn es wimmelt hier nicht von Verkäufern und auch nicht von "Profilneurotikern" (wie in einem anderen einschlägigen Forum) .



Build nice, or build twice...



Auch wenn das Haus gelegentlich verkauft wird, würde ich wertige Lösungen wählen.

"Die Aufheizung des Dachraums ist jedoch nicht schlimm für mich" - Globale Erwärmung lässt grüssen, ich würde da keine Kompromisse machen. Der neue Besitzer wird den Raum vielleicht anders nützen wollen.

Was heisst "unten ist schon Glaswolle drin" ? Kniestock, oder was ?

"Gibt es eigentlich auch Zellulose - Matten?" - Es gibt Platten, aber im Dach wird Zellulose normalerweise eingeblasen. Geht viel schneller.

Wenn die Holzschalung feucht wird, kann es dort trotzdem Schimmel oder andere Geziefer geben. "Mit Schimmelbildung ist nicht zu rechnen" basiert auf den raumseitigen Oberflächentemperaturen.

Den Technikern der Lieferanten würde ich durchaus vertrauen, die haben vor allem Interesse daran dass es funktioniert und keine Probleme gibt. Bei Zellulose oder Holzflex gibt es ohnehin nicht so viele Möglichkeiten teurere Versionen zu verkaufen.



Glaswolle ist bis jetzt ...



... in der Dachschräge des 1. OG (bis zum Kehlbalken) - siehe Foto.

Build nice find ich gut. Ich würde aber wohl das Projekt abbrechen, wenn es nur mit Dach abdecken, neue Unterspannbahn und wieder eindecken geht. Wär blöd, weil die Fenster schon drin sind.

Frage nochmal zum U-wert Rechner:

"Mit Schimmelbildung ist nicht zu rechnen" basiert auf den raumseitigen Oberflächentemperaturen ...

Hab ich das richtig verstanden, das heißt letztlich, dass es auf die Temperatur im Dachgeschoß ankommt? Wenn ich also genügend heize, dann schimmelt es nicht? Die Dämmung ist dann innen wärmer und der Taupunkt wandert aus der Bitumenbahn? Richtig so?



Schimmel wächst wenn...



... die lokale relative Luftfeuchtigkeit hoch genug ist. Als kritische Oberflächentemperatur werden meist etwa 12°C angenommen.

Heizung allein reicht nicht wenn drinnen Gewächshausklima ist. Lüftung muss auch zur Nutzung passen.

Bitte daran denken dass es z.B. bei Wärmebrücken wie Sparren, Fensterleibungen usw. örtlich tiefere Temperaturen geben kann. Wenn es Platz hat, würde ich z.B. auf die Sparren um die Fenster noch eine dünne Holzweichfaserplatte bringen, darauf die Dampfbremse und den raumseitigen Abschluss.



Dachdämmung bei oberseitiger Dampfsperre



Hallo
Kondensfeuchte entsteht immer an der Grenzfläche zu kalten Oberflächen, wenn warme Innenluft in Kontakt mit dieser Oberfläche kommt-
in deinem Fall also nicht an der Innenseite der Dachverkleidung sondern an der Unterseite der Bitumenbahn.

Früher wurde versucht, den Zutritt der Innenluft zu diesen Flächen durch Dampfsperren zu verhindern.

Es hat sich aber bei sehr vielen Schadensfällen herausgestellt, dass Dampfsperren fast nie 100%ig hergestellt werden können.

Einmal in die Dämmung eingedrungene Feuchtigkeit kann bei innen- und außenseitiger Dampfsperre nicht mehr entweichen,wodurch Schimmel etc entsteht.

Da Feuchtigkeit die Dämmwirkung weiter herabsetzt feuchten sich solche Bereiche immer weiter auf.

Der an der Grenzfläche zu kalten Oberflächen
entstehende Wasserfilm stellt eine Dampfsperre dar, wodurch die Dampfdiffusion nach außen noch stärker verhindert wird.

Kapillaraktive Dämmstoffe wie Zellulose, Holzfaserplatten etc entspannen die Situation deutlich, da sie zum einen wesentlich höhere Feuchtigkeit vertragen als zB Glas-und Mineralwolle ohne dabei an Dämmwirkung zu verlieren- zum anderen können sie durch Feuchtetransport an die Oberfläche leichter rücktrocknen
Desweiteren verteilen sie die Feuchtigkeit auf größere Bereiche, sodaß lokale Feuchtespitzen verhindert werden.

Ich habe einen möglichen Aufbau durchgerechnet:

https://www.u-wert.net/berechnung/u-wert-rechner/?&d0=1.2&L0=2142274428&mid0=229&d1=6&L1=1374244900&mid1=255&x1=45&d2=6&L2=1374244900&mid2=36&x2=6&d3=0.02&L3=670630518&mid3=2970&d4=18&L4=543501775&mid4=550&x4=70&d5=18&L5=543501775&mid5=36&x5=10&d6=2.4&L6=1&mid6=36&d7=0.52&L7=2&mid7=34374&d8=3&L8=3&mid8=90&bt=1&T_i=20&RH_i=50&Te=-5&RH_e=80&outside=0&name=Dach%20mit%20Bitumenbahn

Bei feuchtevariablen Dampfbremsen kann bei unverschatteten Dachflächen (und unter Beachtung weiterer Bedingungen!) in den wärmeren Monaten eine Rücktrocknung (Umkehrdiffusion) der im Winter entstandenen Kondensfeuchte stattfinden.

In deinem Fall ist das bei der gen. Dämmvariante möglich.

Zellulose und Holzfaserplatten bieten aufgrund hoher Wärmekapazität einen guten Hitzeschutz.

Andreas Teich



Kann man das noch weiter optimieren?



Das klingt ja schon mal sehr gut. Der Aufbau mit der feuchtevariablen Folie scheint ja zu funktionieren. Bei mir sollte noch dazu die Dachausrichtung und Neigung helfen. Wenn man nun allerdings irgendwo in der Folie ein kleines Leck hat oder die Luftfeuchte etwas hoch ist, wird es leider schon noch knapp. Wie könnte ich denn rausfinden, welche Bitumenbahn man bei mir verwendet hat? Die ist nur 1mm dünn - nicht 5,2mm wie diese Bauder-Bahn. Kann es sein, dass meine Bitumenbahn dann einen niedrigeren sd wert hat?

Und könnte man den Aufbau nach Eurer Erfahrung noch etwas weiter optimieren (ohne Dach abdecken)? Womit?


Ich habe mich übrigens mittlerweile auch bei u-wert angemeldet; das ist ja wirklich spitze! Hervorragende Seite.



Sd Wert Dachpappe



Der tatsächliche Sd-Wert der vorhandenen Bitumenbahn kann durchaus auch im Verhältnis zur geringeren Dicke geringer sein, dh etwa 20-25 m betragen- wohl ähnlich wie 333er Dachpappe.

Die Luftfeuchtigkeit sollte sich dauerhaft in üblichen Größenordnungen bewegen.
Luftdichtheit ist ohnehin eine Forderung für schadensfreie Konstruktionen, da durch Konvektion (gegenüber Diffusion)ein Vielfaches an Luftfeuchtigkeit in die Dämmebene befördert wird.

Andreas Teich