Unsere Lehmdecke stinkt nach Schadstoff

18.01.2022 Svea


Hallo in die Runde!
Wir haben eine ältere Scheune, die von den Vorbesitzern vor Urzeiten zum Wohnhaus umgebaut wurde. In den letzten drei Jahren haben wir einen Teil der Decke und Bodenbeläge rausgerissen, weil es im ganzen Haus unangenehm gerochen hat und wir irgendwann festgestellt hatten, dass es die Spanplatten waren, die unter dem Plastikbodenbelag verbaut waren. Vermutlich Chlornaphtalin, haben unsere Recherchen ergeben. Leider ist der Geruch nicht ganz weggegangen (auch wenn es schon sehr sehr viel besser ist). Jetzt haben wir festgestellt, die Lehmdecke, die unter den Pressspanplatten war stinkt einfach noch. Macht ja auch Sinn, wenn Lehm so hervorragend Schadstoffe aufnehmen kann. Jetzt wollten wir die Lehmdecke aber doch eigentlich sehr gerne drinlassen! Daher die Frage: gibt es einen Trick, wie man den Lehm dazu bewegen kann, die Schadstoffe auf einen Schlag wieder freizugeben?? Dann könnten wir den betreffenden Raum abdichten, Fenster auf und einfach lange lüften...
Wäre wirklich toll, wenn jemand hier eine Idee hätte!
Beste Grüße,
Svea



Ozon



Die Geruchsneutralisierung mit Ozon könnte man probieren. Problem sind die relativ hohen Kosten und es funktioniert nicht immer. Ich habe schon gute Erfahrung gemacht aber habe es auch schon anders gehört. Umfang und Möglichkeiten sollte aber ein entsprechender Anbieter vor Ort klären und anbieten können.

Viel Glück dabei - M.Mattonet, Ingenieurbüro Bergisches Land





Eine Sanierung wird wohl nur durch Ausbau der belasteten und erschöpften Baustoffe erfolgen können.

Der belastende Geruch wird sich eventuell aus einer Dechlorierung von PAKs (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) durch mikrobielle Aktivität, sogenannte Chloranisole ("Fertighausgeruch") ergeben.

Demzufolge wird eine Ozonbehandlung wahrscheinlich auch keine nachhaltige Verbesserung bewirken, da diese nur die Chloranisole beseitigt aber nicht deren Quelle.

Chloranisole ist zwar gesundheitlich irrelevant, allerdings entwertet das euere Immobilie dauerhaft und führt ggf. auch zu sozialen Problemen. Ihr selbst werdet euch an den Geruch durch Desensiblisierung gewöhnen. Besuchern wird aber der "muffige" Geruch deutlich auffallen.



Wie



wurde denn recherchiert ? Raumluftmessung? Laboranalyse? Feststoffuntersuchung?
Sollte also bei den ? stets ein nein stehen solltet ihr das erstmal machen. Wie stinkt eigentlich so ein Schadstoff?
Ja man kann viel machen, aber ohne konkrete Messergebnisse bringt das nix.

Frohes schaffen



Danke, vermutlich muss der Lehm einfach raus...



Vielen Dank für die Antworten! Ich weiß das zu schätzen :)
LIeber M.Mattonet, von der Ozon-Behandlung hatte ich tatsächlich mal gelesen, war mir aber nicht sicher, ob das wirklich etwas für unseren Fall ist. Danke auf jeden Fall!
Lieber Mario, ich freue mich wirklich über Deine Nachricht, weil wir bisher sehr viel über PAKs im (DDR-)Wohnungsbau (mag im Westen nicht anders gewesen sein, da kenn ich mich aber gar nciht aus) gelesen haben und gerade auch die Tatsache, dass Menschen aufgrund des Geruchs gemieden wurden. Unsere Nachbarn sagen, unsere Vorbesitzer haben wirklich immer so gerochen. Wir merken es vor allem, wenn wir mal zwei Tage weg waren! Aber gut zu hören, dass Du es nicht für gesundheitsschädlich hältst. Ist trotzdem doof, und vermutlich kommen wir dann um einen Austausch des belasteten Lehms nicht herum...
Lieber Olaf Bernhardt, Danke auch Ihnen für Ihren Hinweis! Wir haben schon einiges beprobt und eingeschickt hier :) Aber tatsächlich noch keine Luftproben und auch die Pressspanplatten haben wir nicht testen lassen, weil uns klar war, dass die auf keinen Fall in Ordnung sind. Ich fürchte, wie gesagt, der Lehm muss raus...
Beste Grüße in die Runde und vielleicht hat ja doch noch jemand eine ungeahnte Idee, wie man Lehm dazu bringt, in kurzer Zeit, Schadstoffe "auszuspucken"!
Svea



Lehm "entgiften"



Hallo Svea,

belasteten, bzw. "verseuchten" Lehm kann man praktisch nicht "entgiften".
Der Lehm nimmt die Moleküle auf und lagert sie bis ins Innere ein.
D. h., die "Belastung" sitzt nicht nur an der Oberfläche, von wo man ihn z. B. durch Wegkratzen, o. ä. entfernen könnte. Man müsste den Lehm ausbauen, zerkleinern und quasi auswaschen. Was in der Praxis großen Aufwand bedeutet und deswegen unsinnig ist.
Genau wegen diesem Effekt kann im Extremfall der ansonsten natürlichste Baustoff sogar zu Sondermüll werden. Was nicht heißt, dass jeder muffig riechende Lehmbrocken gleich Giftmüll wäre.... ;-)

Gruß,
KH