Ungefähre Altersbestimmung des Dachstuhls durch konstruktive Merkmale

13.11.2015 Dornröschen



Hallo, wir haben vor zwei Jahren eine alte Kate mit Blechdach von 1903 gekauft. Um das undichte Dach neu decken zu lassen, habe ich nun den Dachstuhl aufgemessen. Es ist ein Kehlbalkendach mit tief gezogenem Krüppelwalm (halber Walm), Grundfläche des Hauses ist 11*16m, es gibt 5 Sparrenpaare mit Abständen von 2-3,50m!!!, die Sparren sind gebeilt, 15/15, bis auf die beiden Sparrenpaare, die den größten Abstand haben, diese sind 18/18. Es gibt kein Firstholz/Richtholz, nur gebeilte Rispen 7/14 über mindestens zwei Felder, First und Kehlbalkenanschlüsse sind gezapft, die Rispen mit Holzdübeln angeschlossen. Die Gratsparren der Walme sind 15/15 und im First ebenfalls gezapft. Im Erdgeschoss des Hauses (von außen sichtbarer Backstein im Reichsformat) finden sich unterhalb der beiden stärkeren Sparrenpaare lehmsteinausgemauerte Fachwerkwände,die wir jedoch noch nicht vollständig freigelegt haben. Abbundmarken habe ich nicht gefunden, allerdings sind auch große Teile der Konstruktion momentan noch mit Spanplatten zugenagelt. Bis wann hat man in Schleswig-Holstein behauene, gebeilte Balken verwendet? Die Konstruktion scheint die Erstkonstruktion zu sein, da ich nirgendwo Hinweise auf einen anderen Verwendungszweck der Balken finden konnte. Freue mich über Informationen, danke :)



Altersbestimmung



Am besten fragst du mit Bildern von deinem Haus und dem Dachstuhl im Freilichtmuseum bei Kiel nach:

Hamburger Landstraße 97
24113 Molfsee
+49(0)431 - 65966-0
zentrale@freilichtmuseum-sh.de

Andreas Teich



Super Tip



Herzlichen Dank für den Hinweis, ich war im Sommer sowohl in Molfsee als auch in Kiekeberg bei Hamburg und habe mir sehr ausgiebig die Häuser angeschaut, aber auf die Idee bin ich nicht gekommen! Werde das aber direkt mal versuchen!



Altersbestimmung



Davon abgesehen könntest du sicher vom Landesdenkmalamt Infos bekommen, evt auch bei der Handwerkskammer nach Zimmereinen fragen, die auf Denkmalschutzarbeiten spezialisiert sind und evt eine entsprechende Zusatzausbildung absolviert haben.
Auch die IGB könnte angesprochen werden.

Andreas Teich



Danke für den Hinweis



Unser Haus steht nicht unter Denkmalschutz, ich denke mal, weil es von außen so um 1900 herum komplett verändert worden ist. Aber ich werde dem trotzdem mal nachgehen! Mittlerweile habe ich bei dem Fachwerk im Erdgeschoss auch Abbundmarken gefunden, Striche und eingeschlagene "Punkte", bei denen das Schlagwerkzeug offensichtlich kantig geschmiedet war. Alle Marken sind geschlagen, es gibt keine Marken mit Bleistift oder Kohle ?, die man, so meine ich mich zu erinnern, ab der Mitte des 19. Jh. Verwendet hat...



Altersbestimmung



Denkmalschutz ist auch nicht notwendig, um solche Infos zu bekommen.
Bundzeichen werden auch heute noch von Zimmerleuten verwendet und wie früher hergestellt, da die viel haltbarer sind als andere Kennzeichnungen- habe ich selbst auch so gemacht.
Das ist nur von der Arbeitsweise des Zimmermanns abhängig.

Wie die Bundzeichen ausgeführt wurden ist dann wieder je nach Region und Zeitepoche unterschiedlich.
Zur Altersbestimmung mag es helfen die zu fotografieren.

Andreas Teich