Unebene Sandsteinwand wie/mit was bearbeiten?

22.03.2014 RoBa-Julia



Hallo,
seit 1,5 Jahren bauen/sanieren wir unser Sandsteinhaus. Dazu habe ich nun eine konkrete Frage zu einer Außenwand.
Es ist die Ostwand des ehemaligen Stallteils. Nur auf EG Ebene sind noch Sandsteine vorhanden 1. und 2.OG sind aufgemauert (nach einem Brand vor 30 Jahren) -> s. Foto. Die Sandsteine stehen direkt im Boden, enthalten Salze und ziehen Feuchtigkeit nach oben (wurde analysiert).
Der komplette Giebel wird eine Außendämmung erhalten: hinterlüftete Holzfassade, 10cm Mineralfaser, 33cm Sandsteinwand (oder OGs 30cm Mauerstein). Der Rest des Hauses bleibt Sandstein.

Frage 1:
Eine horizontale Abdichtung mittels Mauersägeverfahren in einer Fuge ist sinnvoll, oder? Eine passende Fuge direkt auf Höhe der Betonbodenplatte wäre vorhanden.

Frage 2:
Die Sandsteinwand ist Innen (Wohn-Esszimmer) extrem uneben, mit vielen tiefen Löchern und Vorwölbungen (s.Fotos). Was können wir hier am besten machen? Eine Innendämmung benötigen wir nicht, da außen gedämmt wird und ist wohl auch nicht sinnvoll da sich der Taupunkt ev. verschiebt? In den Überlegungen sind Vorsatzschale, Ständertrockenwand, mit irgendwas (nur was???) die Löcher füllen und dann Verputzen (mit was?). Wir können uns auch vorstellen die Wand leicht uneben zu lassen - würde zum Haus passen, aber halt nicht so.

Ich würde mich echt über fachlichen Input freuen! Danke!



Sandsteinwand



Ich habe mit der Feststellung über kapillare Feuchte und der daraus geschlußfolgerten Notwendigkeit einer waagerechten Abdichtung so meine Zweifel. Ich glaube auch nicht das die geplante Dämmung des Giebels in der beschriebenen Art die beste Variante ist.
Wenn Sie noch ein paar Fotos vom gesamten Gebäude und vom Giebel außen einstellen kann ich mehr dazu schreiben.



Sandsteinwand



Hier eine Außenansicht des genannten Giebels. Es geht um die ersten 6m, da sich im hinteren Bereich 2 bodentiefe Fenster befinden.

Warums meinen Sie, dass die geplante Dämmung nicht die beste Variante ist? Eine Außendämmung ist doch immer einer Innendämmung vorzuziehen. Die hinterlüftete Fassade mit einer diffusionsoffenen Dämmung sollte doch ein Abtrocknen der Sandsteinwand begünstigen. Und wenn man von unten den "Nachschub" an Feuchtigkeit unterbindet, dann fällt doch nur Feuchtigkeit vom Rauminneren an, oder? Oder meinen Sie wir könnten die Horizontalabdichtung sparen. Aber was sollten wir dann an der Innenseite der Mauer machen? Der Putz würde ja abplatzen und Ausblühungen sind zu erwarten. Und das Problem womit/wie verfüllten wir die Unebenheiten ist noch nicht geklärt.



Sandsteinwand



Schade das Sie sich nicht eher, am besten vor Beginn der Bauarbeiten, gemeldet haben.
So wie das aussieht ist vom Erdgeschoss nicht viel mehr als das Stück Giebelwand übriggeblieben. Das hätte man auch komplett demontieren (bei diesen schönen Quadern kein Problem) und anderweitig sinnvoller verwenden können.
Die schönen Werksteine verschwinden sonst völlig. Da hätte man auch den Rest mit Poroton mauern können. Die Öffnungen für die beiden Türen wären einfach zu mauern gewesen, die Durchbrüche waren sicher nicht billig und führen immer zu Gefügeschwächungen. Eine waagerechte Abdichtung wäre nebenbei mit abgefallen.
Weitere Vorteile: bessere Verzahnung mit den neuen Traufwänden,dadurch Minderung der Rissneigung, einheitliche bauphysikalische Eigenschaften (E- Modul, Quellen/Schwinden, Kapillarität...) der gesamten Umfassungswand.
Diese potentiellen Mängel jetzt wieder geradezubiegen wird schwierig werden.
Zur Bauphysik:
Eine partielle Außendämmung nur des Giebels wird Probleme beim Übergang zur nicht gedämmten Traufwand am Anschluß bringen, außerdem wird hier ein Sprung im Wärmedurchgangswert kaum zu vermeiden sein (Wärmebrücke). Dann reicht der vorhandene Dachüberstand nicht aus. Wenn Außendämmung dann nur aller Umfassungswände, das wiederum geht nur mit einem neuen Dach.
Ich sehe mit einem mineralischen Dämmputzsystem der Umfassungswände eine gangbare Lösung. Die Dicke könnte am Giebel um ein oder zwei Zentimeter erhöht werden. Der weiche Dämmputz als Unterputz wirkt als Entkopplungsschicht gegen Verformungen, der Oberputz sollte durchgängig armiert werden.
Zusätzlich ginge eine Innendämmung mit Weichholzfaser am Giebel im EG, trocken montiert (System Udi-Reko von Unger- Diffutherm). Damit stellen eventuelle Salzausblühungen beim einstellen der Gleichgewichtsfeuchte kein Problem mehr dar.
Eine waagerechte Abdichtung halte ich für nicht unbedingt erforderlich. Diese Quader haben eine geringe Fugenfläche, sind praktisch nicht kapillar und haben einen geringen Porenraum. Der Sockelbereich sollte außen so aufgebaut werden das Spritzwasser nicht in die Fugen gelangen kann.



Sandsteinwand



Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Leider ist mir bei Ihren Ausführungen jetzt nicht klar geworden worauf sich Ihre Putzempfehlungen beziehen: auf die Außenfassade oder die Behandlung der Außenwand von Innen?
Meine Frage bezog sich ja konkret auf die Egalisierung der inneren Seite der Außenwand. Mit welchen Materialien hier am besten gearbeitet werden kann.



Sandsteinwand



"Ich sehe mit einem mineralischen Dämmputzsystem der Umfassungswände eine gangbare Lösung. Die Dicke könnte am Giebel um ein oder zwei Zentimeter erhöht werden. Der weiche Dämmputz als Unterputz wirkt als Entkopplungsschicht gegen Verformungen, der Oberputz sollte durchgängig armiert werden."

Der Absatz begann mit" Eine partielle Außendämmung nur des Giebels..."
und bezieht sich also auf eine Außendämmung der GESAMTEN Umfassungsmauern mit einem MINERALISCHEN DÄMMPUTZSYSTEM".

"Zusätzlich ginge eine Innendämmung mit Weichholzfaser am Giebel im EG, trocken montiert (System Udi-Reko von Unger- Diffutherm). Damit stellen eventuelle Salzausblühungen beim einstellen der Gleichgewichtsfeuchte kein Problem mehr dar."
Hier steht das Wort "Innendämmung" im Zusammenhang mit "Zusätzlich", das müsste also auch eindeutig zu verstehen sein.
Das damit auch die Innenwandfläche neu gestaltet wird ist klar. Genaueres über das System erfahren Sie wenn Sie etwas googeln.



Bauchschmerzen!



Sandsteinkubatur, salzbelastet?
Und darauf dann eine Holzweichfaserplatte als Dämmung empfohlen?
Krämpfe entwickeln sich in meinem Inneren.
Wenn hier etwas in einer guten und vernünftigen Lösung umgesetzt werden sollte, dann empfielt es sich, einen guten und vorallem erfahrenen praktischen Baubiologen sich kommen zu lassen und mit diesem dann die entsprechende Detaillösungen zu erarbeiten.
Bauteilübergänge, Anbindungen, Überstände usw. usw. ergeben sich aus der Situation heraus und sind nicht so einfach nur mal angewendet und angebaut.
Heizungskonzept spielt da genau so mit eine Rolle, wie Ästhetik und Nutzungsanspruch.