und wieder einmal Innendämmung

13.04.2015 Jean



Halli Hallo in die Runde,

ich stehe gerade vor dem "Problem" Innendämmung.

Meine Idee ist, auf der Innenseite ca.2-3 Lagen Schilfmatten aufzubringen. Darauf würde ich OSB-Platten verschrauben und von der Innenseite mit Flüssigkunststoff versiegeln und dann auf gewohnte Art und Weise mit Mineralwolle dämmen.

Die Schilfmatten sollen lt. meinem Laienverständnis dafür sorgen, dass das Mauerwerk mit Lehmputz innen, atmen kann. (Von außen darf, gem. Denkmalschutz, kein Putz aufgetragen werden.)

Die OSB-Platten sollen eventuelle Feuchtigkeitsansammlungen aufnehmen und nach außen wieder abgeben. Die Innenseite soll hingegen keine Feuchtigkeit aufnehmen können... deshalb Flüssigkunststoff.

Vielleicht könnte mir hier jemand pro & contra aufzeigen.

Ganz lieben Dank im Voraus ;)



Innendämmung



Da haben Sie eine völlig neue Art des Dämmens erfunden!
Ich glaube allerdings nicht das man Ihrem neuen System große Bewunderung zollen und das dieser Materialmix funktionieren wird.
Spaß beiseite:
Es reicht nicht aus sich nur auf sein Gefühl zu verlassen wenn man das Fahrrad neu erfinden will.
Innendämmung ist eine technisch anspruchvoll und physikalisch nicht einfach. Die Entwicklung der verschiedenen Materialien hat Jahre gedauert, ebenso deren richtige Anwendung und Verarbeitung herauszufinden. Man sollte sich besser auf diese Erfahrungen und Kenntnisse stützen.
Es gibt mittlerweile eine Reihe von Systemen die erprobt sind und ein breites Spektrum von Anwendungsfällen abdecken.
Schon aus diesem Grund, der Anwendungsspezifik, kann man Ihre Idee gar nicht bewerten da Sie nichts geschrieben haben für welchen Zweck und für welche Bedingungen die Dämmung geeignet sein soll. Eine Fachwerkwand zu dämmen ist etwas anderes als eine massive Bruchsteinwand oder eine Feuchte Kellerwand aus Stampfbeton.



Innendämmung



Hallo Herr Böttcher,

eigentlich handelt es sich nicht um eine Neuerfindung, aber Sie haben recht... ich vergaß den Anwendungsbereich.

Es handelt sich um den Wohnbereich mit 60 qm und hier habe ich bereits teilweise Holzverkleidung im Innenbereich aus der Gründerzeit. Die Außenwand selbst besteht aus Ton-Ziegeln und wurde von innen mit ca.5 cm Lehm verputzt.

Lt. Architekt soll hier einfach 14 cm Mineralwolle rauf, um den gewissen Wärmedämmwert zu erreichen.

Das Mauerwerk selbst ist teilweise marode und teilweise mit Zementmörtel "repariert". Die Gefache möchte ich alle einzeln öffnen und mit dem Original Fischgrät-Muster wieder herstellen.

Meine Denkweise ist nun, dass wenn ich an der Rückseite die Strohmatten (also Innenseite) anlege, kann ich das Mauerwerk mit Lehm auffüllen und mit den Ziegeln das Fischgrätmuster setzen. Dabei fällt Feuchtigkeit an, die sich nicht halten soll und ich gehe davon aus, dass die Strohmatten dafür sorgen, dass die Luftzirkulation evtl. optimal für das Fachwerk ist. Da aber diese Form keine ausreichende Dämmung ist, muss ich nach Innen noch eine zusätzliche Dämmung anbringen.

Die OSB-Patten stellen hier quasi den Übergang her. Deswegen die Außenseite unbehandelt und die Innenseite Feuchtigkeitsgeschützt. Das selbe Prinzip wurde hier beim Bau 1860 bereits verwendet vom Fußboden bis zu den Fenstern, nur das ich (von Innen gesehen) noch die Schilfmatten nach dem Holz verwenden möchte.

Im Innenbereich muss ich dann ein komplett neues Ständerwerk setzen und möchte hier die Dämmung, die dann wieder irgendwelchen Normen entspricht, einsetzen.

Ich kann versichern, das ich mir schon mehrfach den Kopf zerbrochen und mich belesen habe, wie ich es am besten machen kann, um auch allen gerecht zu werden. Fast täglich muss ich mir anhören, ich soll ein Streicholz ranhalten oder einen Traktor dagegen fahren lassen. Dazu will Mister Denkmalschutz auch noch seine Auflagen erfüllt haben, aber konstruktive Vorschläge zum Erhalt von echtem Handwerk sind einfach Mangelware. Da zucken Behörden und sogenannte Fachleute nur mit den Schultern.



Innendämmung von Fachwerk



Verstehe ich richtig, Fachwerk mit aussen nicht verputzten Ziegelausfachungen ? Innen Lehmputz ? Wie gut ist der Zustand des Lehmputz ? Der muss allfällige Schlagregenbelastung von aussen abpuffern, das Mauerwerk selbst ist nicht dicht.

Das OSB mit Flüssigkunststoff vergessen Sie lieber gleich... Damit haben Sie eine Dampfsperre auf der kalten Seite, also gerade am falschen Ort. Wenigstens ist damit der Komposthaufen gut abgedichtet (aber mit dem Traktor ranfahren ist schneller und billiger).

Mit dem Dämmwert sollte man bei einer Innendämmung nicht übertreiben. Die EnEv hat für Fachwerk Erleichterungen. Selbst die Zielwerte der Verordnung würde ich nur als einen frommen Wunsch betrachten. Der bestehende - geschützte ? - Innenausbau aus Holz und der Platzverlust durch die Innendämmung wird unter Umständen enge Grenzen setzen.

Einige erwägenswerte Lösungsansätze:

- Dämmputz aus Hanf-Lehm oder ähnlich. Nur minimaler Dämmwert, könnte aber die Wohnlichkeit verbessern.

- Holzweichfaser in Lehm gesetzt, mit Lehm verputzt.

- Udi In-Reco (Kombination aus flexibler und festerer Holzweichfaser, gut für unebene Oberflächen)

- Zellulose im Nassverfahren (CSO) zwischen einem Kreuzrost, mit Dampfbremse und Gipsfaserplatte. Kommt sehr gut mit unebenen Oberflächen zurecht, aber innen hat es nicht besonders Charakter.

Allen Lösungen gemeinsam ist eine kapillare Leitfähigkeit für Feuchtigkeit.

Auf jeden Fall mit den Herstellern der Dämmstoffe und einem unabhängigem Fachmann mit Fachwerkerfahrung abklären. In Ihren Architekten mit seinem Vorschlag von 14 cm Mineralwolle hätte ich erst mal wenig Vertrauen.



Ein "System"...



mit Flüssigkunststoff und OBS wurde 1860 garantiert nicht verwendet, und es stellt einen kostenintensiven Abrissversuch dar.

Bitte bescvhreiben Sie doch 'mal vollständig den originalen Wandaufbau (alle Materialien und Schichtstärken).

Grüße

Thomas





Hallo yogumon, hallo Thomas,

Die Wand ist von außen nach innen wie folgt aufgebaut:

Gefache haben eine durchschnittliche Größe von ca. 1qm
diese sind im original mit Fischgrätmuster durch Tonziegel ausgefüllt.Verfugt wurde ursprünglich mit Kalk-Sand-Gemisch. Reparaturen wurden mit Zementmörtel gemacht.

Ziegelsteine haben eine Breite von 13 cm.

Danach folgt eine Stroh-Lehmschicht mit einer Stärke von 5- 8 cm. Bis auf ein paar kleinere feuchte Stellen durch defekte Regenrinnen ist der Zustand des Lehmputzes bestens. Zumal hier augenscheinlich auch mit zwei Schichten Lehm gearbeitet wurde.

Danach folgt als letztes vom Fußboden bis zum "Fenster-Aufsetzbalken" eine Holzverkleidung mit einer Stärke von ca. 2cm. Diese wurde gestrichen/lackiert (wahrscheinlich nicht im Jahre 1860 *lol*).Dieses Holz ist weder verschimmelt noch marode.

Gesamte Wandstärke 18-22 cm.


Da dieser Aufbau m. E. optimal für das Mauerwerk war, wollte ich dieses Prinzip gerne aufnehmen und mit den OSB-Platten fortsetzen.

Die sogenannte "Normdämmung" sollte dann zusätzlich "platziert werden.
Innen werden komplett neue Balken gestellt. Da allein das Wohnzimmer derzeit eine Größe von 60 qm hat, könnte ich theoretisch auch die Balken mit einem Abstand von evtl. 30cm zur Außenwand stellen.

Prinzipiell geht es mir bei den OSB-Platten und Strohmatten darum, das Mauerwerk atmungsaktiv zu halten. Vielleicht wäre der Flüssigkunststoff auch durch Öl ersetzbar. Da aber die Verfugung verlockend für Wespen und Hornissen ist, hatte ich die Hoffnung, das der Kunststoff eine Barriere für Insekten darstellen würde. Denn wenn beide Dämmungen stehen, dürfte es schwer werden, Nester wieder zu entfernen und die Schadstellen zu reparieren. Ich denke nicht, das ich den Nesterbau generell verhindern kann, ohne Außenputz.

Auch werde ich evtl. Wassereinfall nicht unbedingt abwenden können. Sobald ich also saugfähige Materialien direkt auf der Außenwand anbringe, die die Nässe schwer wieder abgeben und evtl. zusammenfallen, habe ich wohl eher die perfekte Schimmelfalle, die nicht sichtbar ist. Deswegen auch die Strohmatten in 2-3 Lagen, damit der Lehmputz die Feuchtigkeit abgeben kann. Durch die Hohlräume in den Schilfhalmen kann die Feuchtigkeit m. E. gleichmäßig abtrocknen.

Hier in der Umgebung einen kompetenten Fachmann zu finden, erweist sich wohl eher als schwierig. Die 14 cm Mineralwolle wurde beim Denkmalschutz eingereicht und wohl auch genehmigt... da hält sich mein Vertrauen in Grenzen :(



Nun,



falls das wirklich eine ziegelsichtige Ausfachung ist und bleiben soll, ist die akribische Fugensanierung mit einen Kalkmörtel nicht zu umgehen.

Danach sehe ich 2 bewährte Weiterbaumöglichkeiten: In jedem Falle entfernen der Holzverkleidung, dann

1. Auftrag von Lehmgrundputz lotrecht auf die ggf. noch vorzubereitenden Wände, in den nassen Putz ansetzen von Holzweichfaserplatten oder Heraklitplatten, und zusätzliche Befestigung dieser mit Tellerdübeln. Montageleisten einbeziehen, wenn eine (empfehlenswerte) Wandheizung kommen soll, Zuputzen mit Lehmputz

2. Wärmedämmlehm von Haacke-Cellco

http://www.haacke-cellco.info/daemmstoffe/waermedaemmlehm.html

hinter einer Schalung einstampfen.

Von Ständerkonstruktionen, Hohlräumen, Sperrschichten rate ich völlig ab, Ihre Gedanken dazu kann ich nicht nachvollziehen und praktisch ist Ihre Kunstharzversiegelungsidee ohne Beispiel.

Grüße

Thomas



Innendämmung



Hallo Jean
Von der Theorie her ist's ja teilweise nicht so völlig verkehrt.

Das Wichtigste wäre, zuerst die Gefache zu reparieren,
Zementmörtel durch Kalkmörtel zu ersetzen mit allenfalls geringer Zementzugabe.
Bei Reparatur nach den Innenarbeiten würde sicher teilweise die Putzschicht zerstört werden.

Wenn die Schlagregensicherheit hergestellt ist wäre die günstigste Variante nach der Reparatur des Lehminnenputzes,
Holzständer zu befestigen,
darauf evt. noch eine feuchtevariable Dampfbremse und
darauf entweder Lehmplatten, uU alternativ Gipsfaserplatten und
diese mit einem dünnen Kalkfeinputz- oder Lehmputz zu versehen.
Darauf einen Anstrich mit diffusionsoffener Farbe ohne organische Bestandteile.
Dämmstärke und Aufbau nach Berechnung vornehmen.

Oder wie schon bemerkt wurde Holzfaserplatten mit Wandheizung vollflächig mit Lehm an die vorhandene Wand ansetzen.

Luftbewegung findet innerhalb deiner Schilfmatte nicht statt und wenn doch könnte dies eher Schäden durch Kondensatausfall hervorrufen, falls feuchte, warme Innenluft mit kalter Außenluft zusammentrifft.

Der Sinn von sorptionsfähigen diffusionsfähigen Innenraumverkleidungen ist es, Feuchtigkeitsspitzen abzupuffern und diese Feuchtigkeit langsam wieder an die umgebende Raumluft abzugeben.
Du solltest natürlich dafür sorgen, daß keine übermäßige Feuchtigkeit entstehen kann bzw diese durch Lüftung wieder abgeführt wird.

Deine vorgesehene Kunststoffbeschichtung würde durch Fugen oder Undichtigkeiten eingedrungene Feuchtigkeit kaum noch entweichen lassen und außerdem schnell zu einer hohen Raumluftfeuchtigkeit führen.

Andreas Teich



Herr Teich,



das Schaffen von nicht kontrollierbaren Hohlräumen ist keine gute Empfehlung, das geht schon aus "fachmännischer" Hand gern 'mal schief.

Grüße

Thomas



Zellulosedämmung nicht vergessen



danke für den Hinweis.
Hohlräume bei Außenwänden sollten immer vermieden werden.

Der Hohlraum zwischen den Holzständern sollte in diesem Fall natürlich auch wieder mit Zellulose o.Ä. zur Dämmung vollständig ausgefüllt werden- (hab ich vergessen aufzuschreiben)

Der Dämmstoff soll diffusionsoffen und kapillaraktiv sein um evt konzentrierte Feuchteansammlungen großflächiger zu verteilen und so besser zu verdunsten.
Damit das möglich ist muß er ohne Luftschichten eingebracht werden

Andreas Teich



Hallo Thomas



ich muss nochmal betonen, ich bin Laie.

Von sogenannten Fachleuten wurde mir das Ständerwerk empfohlen und ich solle mit Folie arbeiten. Es kam auch die Aussage, ich solle einfach Betonwände hochziehen, dies würde auch funktionieren.

Dass das Ständerwerk kommt, steht außer Frage. Ich hätte es nur in meinem Fall genutzt, um die Vorschriften der Wärmedämmung zu befolgen und somit beides kombiniert.


Mir ist nicht verständlich, warum ich den Holzbeschlag entfernen muss, der mit dem Lehm verbunden und nicht marode ist.

Hohlräume im Innenbereich wurden, lt. anderen Beiträgen, als Kabelkanäle und Belüftungssysteme genutzt. Da ist mir nicht erklärlich, warum ich diese vermeiden soll. Auch wurden Fachwerkhäuser mit Strohmatten isoliert und mit Lehm verputzt.

Wenn es an den, von mir vorgeschlagenen Materialien liegt, könnte man diese auch theoretisch durch andere ersetzen. Aber warum ich auf das Grundprinzip des Aufbaues verzichten soll, ist für mich unverständlich. Jedes System hat seine Vor- und Nachteile deshalb suche ich hier Erfahrungswerte.

Für mich wäre es doch eher von Nachteil, wenn ich die Wärmedämmung aus Lehm / Holzweichfaserplatten direkt auf die Außenwand aufbringe, da ich m. E. bei Feuchtigkeit keine wirkliche Wärmedämmung mehr habe. Ich darf nicht außer Acht lassen, das ich keinen Außenputz habe. Allein im Wohnzimmer gibt es 7 Holzfenster mit jeweils 1m Breite. Da das Holz arbeitet, werden auch hier immer irgendwelche Fugen im Außenbereich entstehen, in die Wasser eindringen kann und wo man die Trocknung m. E. unterstützen sollte. Oder sehe ich das falsch?

Ich bin zur Zeit der Auffassung, dass ich die Punkte "Schutz des Mauerwerkes" und "Raumklima" trennen sollte. Wenn ich mit größeren Hohlräumen arbeiten würde, könnte ich damit auch das Raumklima durch die Hohlräume positiv beeinflussen.

Ich lasse mich gern eines Besseren belehren, aber dann muss ich auch wissen warum, denn wenn ich u. a. irgendwelche Richtlinien nicht erfülle, muss ich auch argumentieren, warum ich mich nicht an die Richtlinien halte.

VG Jean



Vorsicht bei übertriebener Innedämmung



Das Fachwerk ist sichtig und schlagregenbeansprucht. Durch eine zu starke Dämmung innenseitig ( egal ob sorptionsfähig und diffusionoffen) wird das Trocknungsverhalten der Fachwerkwand deutlich verschlechtert.
Gemäß WTA-Merkblatt Innendämmung von Fachwerkwänden sollte deshalb die Dämmwirkung beschränkt werden, um langfristige Feuchteschäden zu vermeiden.
Wie eine passende Lösung ausschauen kann, muss unter Berücksichtigung der Nachbarbauteile und vor allem der Anschlußbereiche von Deckenbalken/Unterzügen/Innenwänden überprüft und geplant werden. Eine Universallösung gibt es hierfür nicht - Weniger ist hier oftmals besser für die Dauerhaftigkeit.
Konstruktionen mit nötigen Dampfbremsen würde ich aber unbedingt vermeiden.
Außerdem könnte eine Wandheizung oder vorgesetzte Hypokaustenheizung die Feuchteproblematik der Wand etwas entschärfen.



@ AT



In einen Hohlraum an dieser Stelle Zellulose oder einen anderen (z.B. bei Feuchte) zusammensackenden Stoff zu pusten, ist genauso falsch. Das Vertrauen auf wundersame Folien gleichwohl. Was theoretisch vielleicht funktioniert, altert praktisch. Speziell Überlappungen und Verklebungen würde ich nicht vertrauen.

@ Jean

Lies Dich vielleicht 'mal etwas in die Sache ein. Jede Verständnislosigkeit aufzuhellen, fehlt mir die Zeit.

In Kürze: Das Ständerwerk ist keine gute Lösung, zusätzlich zur schon gegebenen Begründung noch der Hinweis auf die dicken Gesamtwände und den Lichtverlust Deiner ohnehin sicher kleinen Fenster.

Der Holzverschlag, den dort keiner mehr braucht, ist plötzlich kälter und nässer und ein potentielles Biotop.

Die von mir empfohlenen Aufbauten sind erfolgreich im Fachwerk zugange und direkt dafür entwickelt worden. Schau Dir die Homepages von Haacke und Doser u.s.w. (Holzweichfaser) an. Intakte Fugen vorausgesetzt, funktioniert das ganz hervorragend.

Besonders schön wäre die Integration der Wandheizung in den Innenputz.

Grüße

Thomas



historische Verkleidung



Wenn die innere Verkleidung noch in ordentlichem Zustand ist, kann man sie demontieren und nach der Dämmung wieder montieren. Dann bleibt auch noch etwas vom alten Charakter erhalten. Die Anschlüsse der Fenster müssen ergänzt werden, deswegen würde ich auch nicht zu viel Dämmstärke empfehlen.

Die Vorschriften der Enev wurden für Innendämmungen / Fachwerk eher erleichtert, siehe z.B. http://www.enbausa.de/fileadmin/user_upload/Bauen_und_Sanieren/Finanzen_Beratung/EnEV_2014_und_Daemmung.pdf für eine Uebersicht der Aenderungen.

Beispielaufbau mit 80 mm Zellulose:

https://www.u-wert.net/berechnung/u-wert-rechner/?&d0=1.5&L0=445778990&mid0=36&d1=0.02&L1=1538875431&mid1=622&d2=4&L2=3&mid2=551&x2=22&d3=4&L3=3&mid3=36&x3=6&d4=4&L4=3&mid4=551&x4=22&d5=4&L5=685654675&mid5=551&x5=44&d6=4&L6=685654675&mid6=36&x6=6&d7=5&L7=2&mid7=4035&d8=13&L8=2021730990&mid8=137&x8=65&d9=13&L9=2021730990&mid9=36&x9=12&bt=0&T_i=20&RH_i=50&Te=-5&RH_e=80&outside=0&name=Fachwerk%20Lehmputz

Die Zellulose ist in zwei Schichten eingegeben, um den Kreuzrost aus 40x60er Latten besser darzustellen. Die gewählte Lösung sollte von einem Fachmann auch noch in Wufi nachgerechnet werden.

Elektrische Leitungen können in der raumseitigen Ebene geführt werden. Die Durchdringungen der Dampfbremse müssen aber ordentlich abgeklebt werden. Vorgängig sollte man identifizieren wo Heizkörper oder Fussleisten befestigt werden müssen damit man am richtigen Ort solides Holz hat, und nicht etwa einen Elektroschlauch...



Zellulose-Innendämmung



Bei Fachwerkgebäuden wird von etwa 8 cm Dämmstärke mit Zellulose o.vgl. ausgegangen bis zu der ohne weitere Berechnungen eine Innendämmung hergestellt werden kann.
Bei Mauerwerksbauten sind dies etwa 10-12 cm.
Voraussetzung:
Schlagregenschutz muß gewährleistet sein und
aufsteigende Feuchtigkeit muß ausgeschlossen werden.

Eine feuchtevariable Folie ist dabei sinnvoll, um den Feuchteeintrag zu reduzieren-
wobei ich die Stöße immer auf die Unterkonstruktion legen würde.

Die Dämmung soll gegen die Folie zu liegen kommen- also immer berühren.
Bei genügend Platz, wie in deinem Fall, ist eine zusätzliche innere Installationsebene ( auf der warmen Seite! ) günstig, damit die Folie nicht verletzt wird.

Zellulose sackt bei Feuchtigkeit nicht zusammen,
sie kann ja auch unter Wasserzugabe an Wände gespritzt werden
und hält dort ohne Hilfskonstruktionen und wird dann noch verputzt.

Wichtig ist es, die entsprechende Verdichtung zu wählen entsprechend den Verarbeitungsrichtlinien.
Ich würde immer mind. 60 kg/ m3 nehmen- zumindest bei Wänden.

Bei Nässe, die Zellulose doch zum Absacken bringen könnte fällt auch jede Lehmplatte von der Wand und der Bau würde erheblich geschädigt werden- nur bei massiven Wasserschäden möglich.

Es gibt auch Beispiele mit erheblich stärkerer Innedämmung,
diese sollten aber im Einzelfall genau berechnet werden.

Du könntest auch Metall-C-Profile aus dem Trockenbau nehmen,
die zwischen Boden- und Deckenprofil befestigt werden.
Für Zellulosedämung sollten dabei aber mit Vlies einzelne Gefache hergestellt werden.

Andere Dämmstoffe sind auch verwendbar, sie müssen aber kapillaraktiv sein und voll an der Außenwand und der Folie anliegen.

Andreas Teich



Das...



stimmt nicht:

"Zellulose sackt bei Feuchtigkeit nicht zusammen,
sie kann ja auch unter Wasserzugabe an Wände gespritzt werden"

und der Schluß ist auch nicht logisch. Nass angespritzte Zellulose, die trocknet und trocken eingebrachte Zellulose, die feucht wird, haben nicht viel miteinander gemein. Wer's nicht glaubt, gieße 'mal einen Haufen locker ausgeschüttelte Zelluloseflocken.

In den Fingern von Laien ist sowas bauschädigendes Halbwissen, Herr Teich.

Grüße

Thomas



Zellulose im Nassverfahren



https://www.freiburg.de/pb/site/Freiburg/get/367436/artikel_innendaemmung.pdf

http://www.greenbuildingadvisor.com/articles/dept/green-building-blog/insulating-damp-spray-cellulose (ev. Javascript abschalten)

Eine Dichte von 60 kg / m3 bekommt man so nicht hin.



Zellulosedämmung



Es gibt ja auch einen Unterschied zwischen Feuchtigkeit und Nässe- Innenwände werden nur bei einem Wasserschaden naß- normale oder höhere Luftfeuchtigkeit führt allenfalls zu erhöhter Feuchtigkeit.

Wenn Wasser auf Zellulose geschüttet wird sackt sie natürlich zusammen-
dann hat der Bauherr aber eher ein psychisches Problem als ein feuchtetechnisches-
daher schließe ich solche Fälle hier mal aus.

Und Überschwemmungen sind auch nicht der Normalfall, der von jeder Dämmung schadlos überstanden werden muß.

Ich würde bei der angesprochenen Fachwerkhausinnendämmung Zellulose nicht feucht aufsprühen, um nicht noch zusätzliche Feuchtigkeit einzubringen, die auch wieder verdunsten muß und den Bauprozeß nur verzögern würde..

Außerdem hat man bei dieser Variante keine Möglichkeit, eine Dampfbremse einzubringen.

Die 60 kg waren auf das Einblasen in einen Hohlraum bezogen.
Das war etwas mißverständlich ausgedrückt.

Ansonsten bestätigen die links die bisherigen Aussagen.

Sorptions- und kapillaraktive Dämmstoffe erhöhen die Fehlerfreiheit, Dampfbremsen reduzieren die Feuchtigkeitswerte innerhalb der Dämmstoffe.

Feuchtevariable Dampfbremsen sind in vielen Fällen günstiger als solche mit festem Sd-Wert-
speziell für vollgedämmte Flachdächer, um die es hier aber nicht geht.

Die genannten Aufbauten werden von div Herstellern freigegeben, wobei in besonderen Fällen zur Sicherheit immer noch nach Wufi gerechnet werden kann.

Andreas Teich



Vorsicht mit allgemeinen Empfehlungen



"Bei Fachwerkgebäuden wird von etwa 8 cm Dämmstärke mit Zellulose o.vgl. ausgegangen bis zu der ohne weitere Berechnungen eine Innendämmung hergestellt werden kann.
Bei Mauerwerksbauten sind dies etwa 10-12 cm."

Das stimmt so nicht. Es ist grundsätzlich jeder Einzelfall rechnerisch zu prüfen (Wufi/Cond/etc.). Der historische Bestand ist oft ähnlich, aber bereits kleine Unterschiede der Materialen (v.a. Ausfachung) erforderne eine angepasste Dämmempfehlung.

MIt solchen allgemeinen Empfehlungen werden Häuser teilweise kaputt saniert. Der Anteil an Sanierungen von Fachwerkhäusern, die bereits vor 8-15 Jahren mit schlanker Planung oder in Eigenleistung saniert worden sind, nimmt in unserem Büro erschreckend zu. Hersteller übernehmen in den seltensten Fällen die Gewährleistung für Ihre "Empfehlungen".



Allgemeine Empfehlungen



Grundsätzlich natürlich erstrebenswert wenn jeder Einzelfall genau berechnet und beurteilt werden würde- wird aber leider kaum gemacht.

Bei 8 cm Dämmstärke mit einem sorptionsfähigen, kapillaraktivem korrekt verarbeitetem Dämmstoff kann ich mir kaum einen Fall vorstellen in dem dies zu Schäden führen kann.

Daher ja die Beschränkung auf den ziemlich konservativen Wert von ca 8 cm, da mir eine Faustformel sicherer erscheint als gar keine Angabe, weil ohnehin klar ist, daß nicht immer gerechnet wird.

Die Gefahren liegen eher in zu großen Dämmstärken- wie in diesem Fall angedacht war- mit nicht sorptionsfähigen Dämmstoffen und dann noch kombiniert mit Luftschichten.

Zudem müssen nach Wufi eine Menge Randbedingungen eingegeben werden, die in manchen Fällen gar nicht oder nur mit größerem Aufwand zu ermitteln sind und jedes Mal die Einschaltung von Spezialfirmen erforderlich machen würde.

Selbst die Fachwelt ist absolut uneins was viele Baukonstruktionen betrifft.
Da kommt dann jeder zu ganz eigenen unterschiedlichen Ergebnissen was noch mehr zur Verwirrung beiträgt.

Dabei erscheinen mir konservative Richtwerte erst einmal sicherer und risikofreier als gar keine anzugeben.

Andreas Teich



Konservativ



Sehr geehrter Herr Teich,

8cm Zellulosedämmung ist keine konservative Angabe. Die Dämmwerte bei einer angenommenen Wärmeleitgruppe 045 für Zellulose im Spitzverfahren liefert Dämmwerte weit jenseits der WTA-Empfehlungen.
Bei einer schlagregenbeanspruchten Nordfassade aus Fachwerk können sie schon in den ersten 10 Jahren mit Schäden in den Anschlußbereichen rechnen.
Das Ganze noch mit einer variablen Dampfbremse feuchtetechnisch von Innen gesund zu rechnen klappt in den meisten Fehlen nicht, weil baupraktisch gerade bei einbindenden Deckenfüllungen, anschließenden Innenwänden und aufliegenden Unterzüge Anschlußproblme an den empfindlichsten/neuralgischen Stellen auftreten.



Zellulosedämmung



allerdings hatte ich vorher schon geschrieben, daß Schlagregensicherheit und Schutz vor aufsteigender Feuchtigkeit gegeben sein muß.

Ich würde die 8 cm auf das übliche Verfahren trocken einblasen mit 0,040
W/mK beziehen.
Ich kann mir in diesem Fall keinen Schadensfall vorstellen

Oder würden ihre Berechnungen etwas anderes ergeben ?
mit welcher Software?
Welche Dämmstärke wäre denn in diesem Fall nach ihrer Berechnung maximal möglich?

Die Berücksichtigung von Dampfbremsen würde ich jetzt nicht als 'gesund rechnen' betrachten.
Ohne diese wäre ein Großteil aller verwendeten Dämmsystemen nicht möglich und korrekte Verarbeitung setze ich natürlich immer voraus.

Es wäre sicher sinnvoll zumindest für bestimmte Fälle mögliche Dämmstoffstärken und die jeweiligen Voraussetzungen anzugeben.
Besser als dass überdimensioniert wird- allerdings wäre es ebenso ungünstig, aufgrund geringer Dämmung jahrzehntelang Umweltschäden und Geldverschwendung zu verursachen und dann weniger freie Mittel für den Erhalt von Bauwerken zu haben.

Vieles an Bausubstanz geht leider auch verloren, weil alleine die Heizkosten das Bewohnen unwirtschaftlich machen.

Andreas Teich



Dauerhaftigkeit + Energiesparen



Hallo Herr Teich,
ich fände es schade, wenn durch übertriebenes, unsachgemäßes Dämmen und daraus resultierenden Schäden historische Bausubstanz unwiderbringlich zerstört wird.
Eine rechnerische Betrachtung eines Regelbauteilaufbaus in der Fläche mit einem Simulationsprogramm, egal ob Wufi/Cond/Dolphin/etc. ist nicht zielführend. Durch das Einbringen einer Dampfbremse kann ich rechnerisch gigantische Innendämmungen realisieren - aber das ist nicht weit genug gedacht.
Die Anschlußbereiche und Randbedingungen, die sie idealisieren (kein Schlagregen/keine Feuchte von unten) oder auf die Sie gar nicht eingehen, geben den Rahmen des Möglichen vor.
Ich empfehle Ihnen die aufmerksame Lektüre der WTA-Merkblätter. Auch das Fraunhofer-Institut hat einiges an Forschungsberichten und Veröffentlichungen z.B. zu einbindenden Deckenbalken bei Innendämmungen zu bieten.
Wir sind hauptsächlich als Tragwerksplaner in der Denkmalpflege tätig und führen auch selbst instationäre Feuchtesimulationsberechnungen durch, lassen uns aber auch gerne bei speziellen Problemstellungen von qualifizierteren Bauphysikern helfen.