Und wieder ein feuchter Keller...

02.03.2016 PePsn



Hallo,
wie schon so viele andere vor mir habe auch ich einen feuchten Keller. Dazu kurz folgende Eckdaten:

BJ: ca. 1850- 1900
Bauart: Ziegel / Gewölbekeller
Vertikalabdichtung: ohne
Horizontalsperre: unter EG Fußboden
Wandstärke: ca. 54cm
Grundfläche: ca. 105 m²
Oberfläche: Teilweise Pinselputz, Kalkanstrich und zum größten Teil offener Vollziegel mit sehr sandigen Fugen. Der Pinselputz fällt mittlerweile ab und die Ziegel sehen zum Teil auch schon Krümelig aus.



Vor kurzem hatte ich einen Termin mit einem Spezialisten für Trockenlegungen, welcher sein Messgerät anhielt und bei Messwerten zwischen 120 und 155 bei ungeklärter Skalierung standfest erklärte: "Der Keller ist nass".

Leider gefiel mir seine Kosteneinschätzung für die Injektion einer Paraphinölgelösten Kunststoffmischung als Horizontalsperre (ca. 210€/m umlaufend in Innen- wie Außenwänden) nicht wirklich.

Nun zu den Fragen:
1. Was kann ich tun um den Keller als Lagerort nutzbar zu machen ohne ihn mit erwähnter Horizontalsperre zu vergolden?

2. Reicht abkehren und neu Ausfugen? (Wenn ja, womit?)

3. Funktioniert der so oft erwähnte Kalkmilchanstrich hier auch?

4. Wenn alles nichts hilft: Kann ich eine Horizontalsperre auch selbst mit anderen Metoden einbringen (Bitte um Beachtung der Wandstärke!) ?



Immer das gleiche ...



Hört sich nach einem bekannten deutschen Franchise-Unternehmen an, dass immer oben bei den Suchmaschinen und den gelben Seiten ist.

Wenn die angegebenen Werte Digits sind, würde ich zunächst nicht nervös werden. Die treffen wir doch jeden Tag an.

Als zweite Meinung würde ich einen weiteren, kleineres Unternehmen für Feuchtesanierung in der Umgebung suchen (Franchisefrei und unternehmergeführt, am besten einen der auch als Sachverständiger arbeitet). Des Weiteren halte ich bei der Wandstärke nichts von Paraffin.

Außerdem stelle ich mal in Zweifel, das die Feuchtesanierung um den Keller als Lagerraum zu nutzen überhaupt notwendig ist.
Als Lagerraum für Bücher und Zeitschriften ist das so sicher nicht geeignet. Aber für ein Metallregal mit dem üblichen "Schrott" (Sorry der Ausdrucksweise) den man nicht wegwerfen will sind auch solche Keller meist ohne Feuchtesanierung geeignet.



Kellerabdichtung



ist das angebotene Mittel zufällig
Porofin
oder
Piko- Hydrophob?





... die Werte sind häufig anzutreffen. In der Regel wird die Oberfläche gemessen. Wenn ich jemanden der Mauerwerksinjektionen verkauft frage ob mein Keller Feucht ist, wird die Antwort irgendwie erwartbar sein.

Bevor irgendetwas angefasst wird, sollte erst einmal geklärt werden, weshalb der Keller feucht ist. Da kann es verschiedene Ursachen geben, Hausgemachte, menschgemachte, umgebungsgemachte. Das kann eine im Keller betriebene Waschmaschine sein, ein undichtes Standrohr / Tonrohr im Boden durch das Regenwasser versickert oder auch der benachbarte Bach der durch den Keller fließen will. So etwas kann man nur vor Ort überprüfen, aus der Ferne geht da nichts, wie schon Herr Struve schrieb.
Erst wenn die Ursache festgestellt ist, kann man erörtern ob diese abstellbar ist (z.B. Waschmaschine) oder eben nicht (z.B. der Bach der durch den Keller fließt)

Schauen Sie mal bei Ihren Nachbarn rein wie es dort aussieht. Gibt es ähnliche Probleme oder ist alles in Butter? Wenn alles in Butter: sind es vielleicht doch die Standrohre ...... wer weiß.

Holen Sie sich Rat von jemanden der sich fachlich auskennt und nicht von baukulturellen Seiteneinsteigern. Guter Rat ist nicht teuer in Anbetracht etwaiger, durch falsche Instandsetzung entstandener Fehler. Vielleicht finden Sie jemanden hier im Forum der solche Schäden in Ihrer Nähe begutachtet.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer

Wie auch immer: An die absandenden Fugen müssen Sie auf alle Fälle ran, in der Regel mit einfachem Mauermörtel. Muss man aber gesehen haben. Wenn oben die Horizontalsperre funktioniert wüsste ich nicht weshalb eine Weitere hergestellt werden sollte – da fehlt mir der "sachlogische Zusammenhang" .



Kellerfeuchtigkeit



Bei der geplanten Nutzung als Abstellraum sind derart teure Verfahren mit höchst zweifelhaftem Erfolg ziemlich sinnlos.

Eine Horizontalsperre würde ohnehin nur in Verbindung mit einer einwandfreien vertikalen Abdichtung sinnvoll sein.

Der die Ursachenfeststellung vornimmt sollte nicht von evt durchzuführenden Maßnahmen profitieren- auch wenn die Analyse etwas kostet.
Widerstandsmeßgeräte geben nur äußerst ungenaue Hinweise und können keine Ursachen feststellen.

Also keine Personalunion von Sachverständigem und Abdichtungsunternehmen.

Kalkanstrich dient ausschließlich optischen Zwecken- nicht zur Entfeuchtung.

Woraus besteht der Fußboden? Ggf hier eine Abdichtung aufbringen sowie Zementestrich.

Feuchteeintrag durch undichte Installationen und ggf Spritzwasser/Oberflächenwasser vermeiden- Fallrohre und Dachentwässerung überprüfen.

Es gibt Innenabdichtungssysteme, zB Fa Remmers.

Fugen gut 2 cm tief auskratzen und zB mit Kalkzementputz, hydraulischem Kalkmörtel oä verfugen.

Am besten Luftfeuchtigkeit und Luft- und Wand-Temperatur messen, um Kondensation festzustellen.Diese muß vermieden werden-
also keinen Luftzutritt warmer Raumluft und/ oder Außenluft an kühle Kellerwand- und Deckenflächen ermöglichen.

Es gibt unterschiedliche feuchtegesteuerte Lüftungsgeräte für die Belüftung solcher Räume, die die Entfeuchtung fördern. Infos dazu kann ich mailen.

Falls Fensterlüftung nicht möglich ist wird das die bei weitem günstigste Möglichkeit zur Feuchtigkeitsreduzierung sein mit minimalen Stromverbräuchen.

Andreas Teich



Vielen Dank für die schnellen Antworten, Ihr seid echt auf Zack



Nun zuerst zu dem Vertreter des Gurkenwassers: Er ist Geschäftsführer eines kleineren Unternehmens der mir (zwar etwas verkaufen wollte, aber immerhin) einen kostenfreien Termin nach 18 Uhr gegeben hat um sich das Objekt anzusehen.
Aus diesem Termin nehme ich Folgendes mit:
Mein Keller ist feucht, und zwar gleichermaßen an Innen- und Außenwänden sowie der Kellerdecke. Gleichwohl ich die Skala des Messgeräts nicht zu interpretieren im Stande bin, ist die Erkenntnis der Gleichverteilung nicht wertlos.
Die Dachentwässerung wurde vor ein paar Jahren nach einem Schaden in Stand gesetzt. In den Bereichen wo Grünflache Angrenzt wurde in diesem Zuge eine Vertikalsperre angebracht und der Rest ist mit Pflaster belegt. Soweit die Aussagen meines Nachbarn, dem Vorbesitzer und guten Freund meiner Familie.

Die Fußbodenfläche besteht aus Ziegeln und darunter findet sich Erde. Das einzige was ich bisher als feuchtequelle finden konnte ist eine Sickergrube im Heizraum die wohl einen Ausdehnungsbehälter ersetzen soll. An dieser Stelle ist Abhilfe in Arbeit.

Jedoch kann ich mir nicht vorstellen dass dieser Fleck einen 105 m² Keller befeuchtet.

Diese Argumente lassen mich darauf schließen dass es sich schlicht um aufsteigende Erdfeuchte handelt.

Ich bin in der Tat nicht an eine Trockenlegung gebunden (soll keine Bibliothek werden ;)), nur habe ich immer noch keinen Ansatz ob ich nach dem Ausfugen überhaupt eine Wandbeschichtung auftragen kann (wenn ja welche) oder nicht. Für die Belüftung werde ich sorgen indem ich die Gitterfenster offen lasse. Die Messung der Außenwandtemperatur und der Innenlufttemperatur werde ich veranlassen. Ich gehe stark davon aus dass es viel Kondensat gibt, jedenfalls sind alle Scheiben mit Tropfen besetzt. Macht es Sinn die Fenstergläser zu entfernen und durch die Gitter immer kontinuierlich zu belüften? (also Temperaturunabhängig?)

Ausserdem ist mir aufgefallen, dass die Isolation der Heizungsrohre zu wünschen übrig lässt, kann dies zu Kondensation führen?

Würden euch Bilder weiterhelfen?

Ein Wort zuletzt: Eure Arbeit hier schätze ich wirklich sehr, und ich werde euch jedem Empfehlen!

Danke Vorab.



Dauerlüftung



Wenn das Fensterglas entfernt wird, kommt auch Luft in den Keller die einen höheren Feuchtegehalt als die Kellerluft hat (z.B. bei schülwarmen Wetter). Da wärmere Luft mehr Wasser aufnehmen kann, schlägt diese sich dann an den kalten Kellerwänden nieder-genau dies führt auch zu feuchten Wänden.
Wie nass sind denn die Ziegel des Fußbodens? Wie sieht die Hausumgebung aus, gibt es drückendes Wasser ? Grundwasserspiegel? Die Salzbelastung scheint mir auch noch ungeklärt.



Interessanter Beitrag



noch zum Thema Schadensursachen: http://www.hoki.ibp.fraunhofer.de/ibp/publikationen/ibp_mitteilungen/ibp337.pdf



Keller entfeuchten



Wenn die Wände und die Decke gleichmäßig feucht sind deutet dies auf Feuchtigkeit durch Kondensation.

Fenster eben nicht immer offen lassen-
gerade aus dem Grunde hatte ich ja schon die Installation von feuchtegesteuerten Lüftungsgeräten empfohlen.

Alternativ kann auch Fensterlüftung erfolgen, wenn diese nur dann geöffnet werden, wenn es außen kühler ist als innen, zumindest so kühl, dass keine Kondensation möglich ist: Kontrolle durch Meßgeräte und Blick in Ttaupunkttabellen.
Fensterlüftung bei solchen bedingungen ist etwas schwierig durchzuhalten-daher lieber automatisch lüften.

Der Ziegelboden wird auch zu höherer Feuchtigkeit beitragen.

Wenn er optisch gefällt können lose verlegte Ziegel aufgenommen werden, dann Boden einebnen und verdichten, zB Geotextil als Schutz verlegen, darauf eine EPDM-Folie, wieder Geotextil darüberlegen, eine dünne Sandausgleichsschicht ausbreiten und Ziegel wieder hineinlegen.

Alternativ eine ca 6-8 cm dicke Estrichschicht auf den Boden aufbringen.Darunter eine 0,2 mm bis 0,5mm dicke PE-Folie verlegen.Der Boden muß tragfähig und eben sein- sonst ggf den Untergrund unter dem Estrich mit Sand oder Splitt nivellieren.
Darauf können dann Fliesen verlegt werden.

Bei hohem Grundwasserstand muß eine dickere, armierte verankerte Betonplatte hergestellt werden.

Die offene Wassergrube abdecken- die befeuchtet aber nicht den kompletten Keller.

Mangelhafte Dämmung der Heizungsrohre führt eher zu Wärmeverlusten als zur Verschlechterung der Situation.

Erwärmung der Kellerluft und dann Lüften mit kühler Außenluft führt zur Entfeuchtung.

Andreas Teich





Eine permanente Lüftung ist keine gute Idee. wie schon zuvor beschrieben. Vor irgendwelchen Maßnahmen unbedingt versuchen die Ursache herauszufinden!

- War der Keller schon immer feucht, oder nahm dies im Laufe der Jahre zu?
- Gibt es Bereiche die feuchter sind als andere? Ist eine Gebäudeecke feuchter als eine andere?
- Ändert sich dies im Jahresverlauf? Trocknen manche Bereich ab, alle, oder einige nicht?

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Noch einmal vielen Dank für die zahlreichen konstruktiven Beiträge!



Noch einmal vielen Dank für die zahlreichen konstruktiven Beiträge!

Insbesondere ist der Artikel von Pope sehr interessant. Leider kann ich zum Salzgehalt keine Aussage machen, da mir nicht bekannt ist wie ich diesen bestimmen kann.
Die Fragen von Herrn Kornmayer kann ich leider nicht beantworten, da ich das Haus erst im September erwarb und den Keller erst seit ein paar Wochen im Focus habe. Ich werde also zunächst weiter beobachten und lüften.
Passend zur Jahreszeit habe ich mit der Belüftung begonnen, da die Außenluft momentan eigentlich immer kühler und m.E. nach auch gefühlt trockener ist.
Kann mir jemand ein gutes Messgerät für Luft- und vielleicht auch Wandfeuchte empfehlen?
Ich gehe mittlerweile auch davon aus, dass es ein Kondenswasserproblem ist, da die Keller der Mieter mit wenig Nutzung (selten geöffnet und praktisch nie belüftet) am schlimmsten aussehen (an dieser Gebäudewand gibt es kein Fallrohr).

Das Angebot mit den Infos zu den feuchtegesteuerten Lüftungsgeräten nehme ich gern und dankbar an. Das passt bestimmt gut zu meiner Überlegung ein BHKW als Herzstück des Gebäudes installieren zu lassen.
Dazu gibt es sicher auch irgendwann mal ein Paar fragen.

Macht es auch ohne Horizontalsperre Sinn den Fußboden zu Betonieren? Oder Kann man nach der Schachtung vielleicht sogar eine von Innen Einbringen?

Gesetz dem Fall, ich bekomme die Kellerfeuchtigkeit mehr oder weniger in den Griff ohne ihn gänzlich trocken zu legen: Gibt es denn eine langlebige Variante die Oberflächen der Kellerwände und Decken so her zu stellen, dass nichts mehr rieselt, krümelt oder bröckelt? Womit kann ich verputzen, bzw. welches Material behält langfristig seine Festigkeit und den Verbund zum Mauerwerk, auch wenn eine gewisse Erdfeuchte von außen oder unten eindringt?
In einem der Keller (meinem eigenen) fällt momentan der Putz von der Decke. Dies würde ich wirklich gern beseitigen und ordentlich erneuern.

Macht es auch ohne Horizontalsperre Sinn den Fußboden zu Betonieren? Man hört immer solche Kommentare, das wäre nicht gut für den Altbau, das Wasser könne nach unten nicht mehr weg… Oder Kann man nach der Schachtung vielleicht sogar eine von Innen Einbringen?

Ich bedanke mich im Voraus für die Antworten!



Keller entfeuchten



Der Keller kann zuerst etwas ausgeschachtet werden, Boden verdichten, PE-Folie 0,2 oder 0,3 mm dick auslegen,
dann 8-10 cm WU-Beton aufbringen und glatt abziehen.

Wenns schöner werden soll können später Fliesen gelegt werden.
Der höchste Grundwasserstand muß sich unter der Betonsohle befinden, damit die Betonplatte nicht aufschwimmen kann.

Eine Betonplatte trägt sicher zur Feuchtigkeitsreduzierung bei.
Arbeiten zu Horizontalsperren können dann immer noch von innen erfolgen- sofern überhaupt sinnvoll und notwendig- eher zweifelhaft.

Falls ein Heizkessel oä dort aufgestellt werden soll ggf entsprechend tief ausschachten- wobei BHKW's nicht hoch sind.

Die Wandfugen ca 1,5-2 cm tief auskratzen, dann mit Kalk-Zement- oder hydraulischem Kalkmörtel verfugen oder verputzen- abhängig vom eventuellem Salzgehalt.
Keinen reinen Zementmörtel verwenden.

Es gibt auch von Fa Remmers u.a. Putzsysteme für solche Keller, die eine Innenabdichtung bewirken sollen- Fachberater kommen kostenlos zur Beurteilung- die wollen aber natürlich etwas verkaufen.

Als Meßgerät genügen billige Importgeräte oder die günstigen zB von Trotec,Infrarotthermometer zur Messung der Wandtemperatur gibts ab 10,-€-die Ergebnisse könnten mit anderen Geräten überprüft werden.

Die Wandfeuchtigkeit kann nur grob als Relativwert zu trockenen Bereichen gemessen werden- das genügt aber auch.

Vermutlich wird richtiges, feuchtegesteuertes Lüften erheblich zur Feuchtigkeitsreduzierung betragen
(wegen Lüftungsgerät mail schreiben)- ob dann noch aufwendige Maßnahmen sinnvoll sind sollte danach beurteilt werden.

Andreas Teich



Salzlabor



frag mal beim Denkmalamt nach, die kennen in der Regel solche Labore oder Menschen, die den Salzgehalt bestimmen können. Wo steht denn Dein Objekt, bin immer mal im Leipziger Land unterwegs.



CM Messung???



Das kauft sich aber niemand um die Feuchtigkeit in einem offensichtlich nassen Keller zu beweisen. Zudem war hier nicht die Rede von Estrich.

Die präzisen Geräte von Riedel-de-Haen haben genaue Manometer mit 0,2 % Abweichung-sind aber teuer.
Die günstigeren Geräte haben China-Importmanometer mit größeren Toleranzen und sind immer noch zu teuer für den Privatanwender.

Andreas Teich



Bodenplatte



womit wir dabei sind, das man meiner Meinung nach keinem Laien erzählen sollte, das ein Keller mit einer Betonbodenplatte automatisch trockener wird.
Ich habe genug Beispiele die das Gegenteil hervorgerufen haben.
In meiner Gegend sind Keller mit einem gestampftem Lehmboden oder im Lehm verlegte Ziegel oder Sandsteinplatten oftmals viel besser in der Balance als sinnlos eingebrachte Bodenplatten bei denen die Feuchtigkeit der Wand dann Pfützen auf dem Beton hinterlässt und das Kondensat in Rinnsalen die Gewölbe runter läuft. 2 Jahre später bringen findige "Feuchtesanierer" Horizontalsperren in Bruchsteingewölbekeller ein und schmieren Dichtschlämme (auch von Remmers) drauf die einem nach 3 Jahren wieder entgegen kommen.

Ebenso als Laie bitte die Finger weg vom Ausschachten. Ich bin schon in Keller gekommen, in denen der Bauherr bis unter die Bruchsteine des Gewölbes geschachtet hat und mich erst geholt hat weil er kein Streifenfundament unter den Bruchsteinen gefunden hat. Aber nun konnte man auch mit einer Größe von 1,9m aufrecht darin Party feiern. Die Frage ist nur wie lange noch.

Zurück zum Thema ...

Frage 1. Was kann ich tun um den Keller als Lagerort nutzbar zu machen ohne ihn mit erwähnter Horizontalsperre zu vergolden?
und ...
Frage 2. Reicht abkehren und neu Ausfugen? (Wenn ja, womit?)
Antwort :
Fugen auskratzen, mit Kalk-Zement- oder hydraulischem Kalkmörtel verfugen und dann verputzen.

Frage 3. Funktioniert der so oft erwähnte Kalkmilchanstrich hier auch?
Antwort :
Wenn die Fugen in Ordnung sind, die Feuchtigkeit und der Salzgehalt ein normales Maß nicht überschreitet, ja.

Frage 4. Wenn alles nichts hilft: Kann ich eine Horizontalsperre auch selbst mit anderen Metoden einbringen (Bitte um Beachtung der Wandstärke!) ?
Antwort : Nein

Zusatzfrage : Ausserdem ist mir aufgefallen, dass die Isolation der Heizungsrohre zu wünschen übrig lässt, kann dies zu Kondensation führen?
Antwort : Wohl weniger zur Steigerung der Kondensation aber es handelt sich um ungesteuerte Heizung eines Kellerraumes. Gleichzeitig sollen die Kellerfenster raus genommen werden oder kalte Luft in den Raum geblasen werden. Andere Leute geben unnötiges Geld für überzogene Dämmung aus und hier wird der Ort über den Keller geheizt. Den Schornsteinfeger und seinen fehlenden Hinweis dazu in seinen Berichten sollte man dingfest machen. Abseits von meiner Verbalen Erregung ... Bitte die Heizungsrohre sinnvoll und vollständig isolieren.

Zusatzfrage : Macht es auch ohne Horizontalsperre Sinn den Fußboden zu Betonieren? Man hört immer solche Kommentare, das wäre nicht gut für den Altbau, das Wasser könne nach unten nicht mehr weg… Oder Kann man nach der Schachtung vielleicht sogar eine von Innen Einbringen?

Antwort : Siehe oben. Bitte von beidem zunächst in DIY die Finger lassen. Bestimme Salzgehalt. Baue eine gesteuerte Lüftung ein. Saniere dann ggf. wie oben beschrieben die Fugen und den Verputz sobald sich eine Balance im Keller eingestellt hat (0,5 bis 1 Jahr warten).
Diese Massnahmen kann jeder halbwegs begabte Selbermacher und reichen in der Regel aus, aus dem Keller einen Lagerort zu machen der einem gesunden Keller gleichkommt.



Wir kommen der Sache spürbar näher…



Die Teststreifen bestell ich mir gleich morgen. Auf den Kauf eines teuren Messgeräts für die Wandfeuchte verzichte ich jedoch vorerst, ich kann mir den Gurkenwasserhändler ja regelmäßig einladen ;)

Besonderer Dank dieses Mal gilt Herrn Mattonet für seine ausführliche Stellungnahme. Ich möchte nicht kleinlich sein, aber diese Fragerunde soll ja eben DAS verhindern, was die Spezialisten an Horrorstorys von den Laien zu berichten haben.
Und wie ich lesen muss, gehen die Meinungen in Sachen Fußbodenaufbau deutlich auseinander, daher werde ich auf mein Bauchgefühl hören, und keinen WU Beton in die Feuchte Grube schütten. Ich persönlich dachte eigentlich auch nicht daran das Gemäuer gänzlich zu untergraben. (ich bin zwar "nur" Elektriker und habe es vor einigen Jahren NICHT geschafft das Bauingeneurstudium abzuschließen, jedoch kann ich mir schon vorstellen, dass da unten kein Beton zu finden sein wird…)
Es war eigentlich so gemeint, dass ich Stück für Stück die Grundmauern unterfahre und eine Horizontalsperre Stein für Stein unterbaue. Auf diese Weise haben es mehrfach Bekannte in kleineren Altbauten erfolgreich betrieben. Das ist zwar ein sehr langwieriger Prozess, aber ich vermutete, dass das Gewölbe nicht bei Bodenkontaktverlust von 2 bis 3 Ziegeln zusammenstürzt.
Seien Sie gewiss, dass alle Anregungen und Hinweise Anwendung finden werden.
Ich werde es zunächst, wie gesagt, mit der Belüftungskontrolle versuchen und sehen ob sich Besserung einstellt.

Wenn dies geschehen ist werde ich ausfugen und Putzen, was mich zu meiner vorerst sicherlich letzten Frage führt:

Was ist nun besser: Kalkzement oder hydraulischer Kalkmörtel zum Verputzen? Ich habe mir zu dem Thema noch weitere Dinge angeschaut. Was mir auch unter die Augen kam war Sumpfkalkputz. Hat der Vorteile? Oder gibt es Dinge (abgesehen vom Preis) die dagegen sprechen? Ich habe überlegt, selbst welchen an zu setzen (...habe ja Zeit…), dann ist der Kostenfaktor zu vernachlässigen.

Zu guter Letzt muss ich für meinen gebeutelten Schornsteinfeger noch eine Lanze brechen. Wenn ich von mangelhafter Rohrisolation schreibe, meine ich nur dass die Schaustoffhüllen nicht mehr unbedingt vollständig und Flächendeckend angebracht sind. Im Großen und Ganzen gibt es nur wenige Stellen an denen die Rohrabwärme ungebremst als Kellerheizung dient, jedoch habe ich auch hier schon einen Kollegen auf der Baustelle um Steinwollschalen und eine Rolle PVC-verkleidung gebeten .

Dieses Forum ist der absolute Knaller! Ich halte es für eine große Leistung der Comunity, ohne gegenleistung seitenfüllende Antwortpakete zu schnüren! Macht weiter so, wenn jeder so hilfsbereit wär, hätte kein Mensch mehr Hunger…



Keller trocken legen



Ist ja schön wenn manche Beiträge helfen.
Zu den Fragen/Äußerungen

Kalkzement- oder hydraulischer Putz sind ziemlich gleichwertig.

Kalkputz funktioniert nicht auf feuchten Wänden- die Karbonatisierung wird bei Feuchtigkeit unterbrochen.
Deshalb findet sich in dicken Burgmauern auch nach hunderten von Jahren noch nicht abgebundener Kalk.

Kalkputz kann auch nicht zur Feuchtigkeitsreduzierung beitragen- er nimmt als sorptiver Baustoff Feuchtigkeit auf und gibt sie verzögert wieder ab- je nach raumklimatischen Verhältnissen.

Lehm ist selbst schon eine Abdichtung, der wurde deshalb auch zur Teich- oder Deponieabdichtung verwendet.
Nur hat nicht jeder eine dicke, gestampfte Lehmschicht im Keller.
Was bei dir vorliegt müßtest du überprüfen-Sand wäre aber sehr wasser- und wasserdampfdurchlässig.

Unter das Fundament gräbt hoffentlich ohnehin niemand zur Herstellung einer Betonplatte-diese hilft aber noch gegen Erddruck, der auf die Außenwände einwirkt.

Du kannst eine große PE-Folie auf den Boden legen und die Ränder zB mit Sand beschweren-
dann kannst du nach einigen Tagen erkennen, ob sich darunter Feuchtigkeit zeigt.

Das nicht perfekt gedämmte Heizungsrohr trägt nicht zur Feuchtigkeitserhöhung bei- es würde im Gegenteil bei genügender Heizleistung bewirken, dass die Raum- und Wandtemperatur erhöht und dadurch die Kondensationsneigung geringer wird.

Stück für Stück eine Horizontalsperre einzulegen ist viel zu aufwendig und hätte ohnehin nur Sinn bei gleichzeitig aufgebrachter vertikaler Außenabdichtung.
Berichte doch was deine Nachforschungen ergeben

Andreas Teich



feuchter Keller



es geht hier natürlich nicht um etwas höhere Luftfeuchtigkeit, sondern um dauerfeuchte Kellerwände.
Die abgebildete Folie bezieht sich auf den Karbonatisierungsvorgang bei Kalkputzen, der bei Dauerfeuchtigkeit unterbrochen wird.

Dass Feuchtigkeit benötigt wird ist eh klar- wie so oft macht's die Menge und die Dauer!

Deshalb ist es ja möglich, Kalk unter Wasser zu lagern, da hierdurch die Kabonatisierung unterbrochen wird- im Gegensatz zu Zement und hydraulischem Kalk.

Aus dem Grund wird ja auch hier im Forum kaum jemand bei hoher Dauerfeuchtigkeit im Keller empfehlen, diesen mit Kalkputz zu verputzen.

In der Anwendung, um die es in diesem Fall geht sind hydraulische Kalk- oder Kalk-Zementputze kaum sehr unterschiedlich einzusetzen- es geht nicht um chemische Unterschiede, die hier ohne Bedeutung sind und nur Chemiker interessieren.

Wer Interesse am Thema hat findet vieles unter 'Publikationen' auf der website:
www.institut-erfurth.de

Andreas Teich



Kalkputz bei feuchten Kellern?



genau wie ich geschrieben hatte:
"Kalkputz funktioniert nicht auf feuchten Wänden- die Karbonatisierung wird bei Feuchtigkeit unterbrochen."

Genaues Lesen hilft in vielen Fällen!

deshalb bezog sich die Folie natürlich auch nur auf Kalkputz
-und nicht auf hydraulische Kalke oder andere.

Das hilft so doch keinem weiter-
Seltsamerweise kommt kaum sonst jemand auf solche Fehlinterpretationen.

Jeder der Interesse hat findet bei den angegeben links alle Infos dazu (die meinen Angaben nicht widersprechen)

Andreas Teich



Nur die Ruhe...



Vielen Dank für die kontroverse Debatte, jedoch weiß ich jetzt immer noch nicht worin der Vorteil von Sumpfkalk gegenüber Kalkzement liegt...

Ich hoffe es gibt noch Sachverständige Meinungen dazu.

Danke vorab!