Und wieder die Innendämmung im Fachwerk

10.07.2014



Ja, leider schon wieder. Vielleicht habe nur nicht den richtigen Beitrag gefunden, aber ich bin halt so ein Skeptiker.
Fachwerk hat Unterzüge und Deckenbalken und genau da habe ich ein Problem mit. Egal welche Dämmung, ich kann mir nicht vorstellen, dass diese tragenden Teile genau an den Stellen, wo sie zwangsläufig die Innendämmung nach aussen durchbrechen - und das an statisch wichtigen Stellen - durch ihre Längsrisse und andere Stellen den Taupunkt und damit die Verrottung an genau den statisch wichtigen Stellen, herausfordern.
Wie kann man solche, die Innendämmung durchbrechende, Stellen so ertüchtigen, dass Ihnen derTaupunkt egal ist. Mir ist kein Dämmsystem bekannt, dass dieses Manko beseitigt.
Ich stemhe gerade wieder vor so einer Entscheidung und weiss nicht so richtig, was ich machen soll. Egal ob ständerwand oder Lehm. Dese Stellen so zu ertüchtigen,dass mir derTaupunkt an diesen Köpfen egal wäre, kann ich mir nicht vorstellen.
Aber vielleicht könnt Ihr mich beruhigen und ich wäre Euch unendlich dankbar !!!



Taupunkt



Unterzüge im Fachwerk?
Am besten Sie stellen ein paar Fotos ein, außen und innen. Bei Sichtfachwerk sind solche Durchdringungen der Außenwände immer schon vorhanden gewesen. Wenn man es mit der Innendämmung nicht übertreibt und solche Stellen luftdicht ausführt dürfte das kein Problem darstellen.
Deckenbalken liegen üblicherweise in der Decke und nicht frei darunter; Unterzüge sollten selten sein, jedenfalls im Stockwerksbau.



Taupunkt an Deckenbalken



Längsrisse an Deckenbalken sind ein Schwachpunkt der anfällig für Taupunkt ist. Den möglichen Schaden kann man aber durch die Auswahl der richtigen Mittel ausschließen.
Der direkte Kontakt des Deckenbalken mit einem Leichtlehm sorgt dafür dass die auftretende Feuchtigkeit vom Lehm aus dem Holz gezogen wird.
Lehm hat eine geringere Ausgleichsfeuchte als Holz und schützt somit solche Stellen vor Schaden. Die Feuchtigkeit wird im Lehmputz wegtransportiert, gepuffert oder wieder an die Raumluft abgegeben.
Sie sollten natürlich darauf achten alle durchgehenden Fugen auch zu füllen, damit ein Luftzug, der ja unnötig viel Feuchtigkeit transportieren würde. Das Füllen dieser Fügen mache ich mit Leichtlehm.
Sollte eine Innendämmung geplant sein bei der die Luftdichtung mit irgendwelchen Klebebändern hergestellt werden soll ist der Schwachpunkt vorprogrammiert. Kein Klebeband hält dauerhaft und sicher an einem alten Deckenbalken und schließt hier luftdicht ab. Für diesen Fall verwende ich Hanfvlies welches mit einem Lehm / Roggenleim Gemisch verklebt wird. dieses Vlies ist enorm flexibel, passt sich allen Rissen an und ist Putzträger für einen folgenden Lehmputz. Sollte es an dieser Stelle dann trotz allem zu einer undichtigkeit durch nachträglich eingebrachte Nägel kommen, quillt der Lehm durch die dann anfallende Feuchte wieder auf und das Loch ist erneut verschlossen.



Natürlich durchbricht



der Unterzug und auch Deckenbalken die Innendämmung und bildet die Wärmebrücke. Auch Zwischenwänden, alte Deckenfüllungen bilden solche.
Wichtig ist es in diesen Details einen möglichst winddichten Anschluss herzustellen und Baustoffe mit hohem Trocknungspotential einzusetzen.
Auch Strahlungswärme die hohe Oberflächentemperaturen auf den Umschließungsflächen erzeugt sorgt für hohes Trocknungspotential.
Das "Problem", so zeigt die Praxis ist bei der richtigen Ausführung und bei der richtigen Baustoffauswahl beherrschbar.
Kritischer ist für mich eine mögliche Schlagregenbelastung. Hier können die anstehenden Wassermengen deutlich höher sein als beim Taupunkt. Hier weiße eh keiner genau wo dieser liegt.

Grüße aus Koblenz



Schlagregen



Ich stimme Gerd Meurer zu. Eine Wandheizung sorgt nicht nur für ein gesundes Raumklima, sie schützt auch das Bauwerk an sich.
Die Gefahr von Schlagregen kann man von außen durch Kontrolle und Pflege der Wand in Grenzen halten. Man sollte die dem Wetter ausgesetzten Wände mindestens vor dem Herbst auf Risse und Fugen kontrollieren und diese ggf. Fachgerecht verschließen.
Der Unterschied zwischen einer guten geschlossenen Fachwerkwand und einer Wand mit einer Fuge ist enorm. Je weiter unten die Fuge ist desto höher ist hier der Eintrag von Schlagregen.



Zustand und Bilder



erst einmal einen Dank für die Antworten. Ich will versuchen, den Zustand kurz zu beschreiben.
Ein Großteil der Fächer wurden früher schon mit Ziegelmauerwerk gefüllt. Wg. starker Setzung haben wir giebelseitig das Fachwerk zum Dach hin bis zu 20cm anheben müssen. Damit sind natürlich die Zapfen alle gekommen.
Nun ist das sicher nicht das eigentlich angesprochene Problem. Statisch ist es soweit gesichert.
Da die Fächer sowieso mit Ziegelmauerwerk ausgemauert waren, war es kein Problem, diese auch wieder zu schließen.
Da es Nordseite ist, haben wir auch nicht mit sehr viel Wassereinwirkung gerechnet. Der letzte Schlagregen hat uns eines Besseren belehrt. Da Holz und Fächer nun noch "roh" sind, kam es an etlichen Stellen zur heftigen Durchfeuchtung.Nun sind wir auch am Überlegen, wie wir Holz und Fächer von Aussen so behandeln, dass Wasser möglichst nicht so tief eindringen kann. Oberfläche von Holz und Putz sind sicher nicht das Problem, aber die Fugen dazwischen sicher. Spontan fällt mir da nur Acryl ein :-( ?
Dann wäre es schön, wenn man in den Wohnbereichen diffusionsoffen arbeiten könnte. Wenn ich das richtig verstanden habe, von innen ganzflächig Lehm und dann HWL-Platten. Und das ganze vollflächig im Verbund.Das wird aber bei mir ganz schön aufwendig. Die Balken der Fächer sind so unterschiedlich, dass ich 10cm und mehr Lehm auf die Innenwände aufbringen müsste, um dan die Platten vollflächig aufbringen zu können. Geht dasüberhaupt und kann man sowas bezahlen???
UNd die Balkenköpfe sollten dann dicht mit Lehm umschlossen sein? Eigentlich müsste man diesen ja im Durchdringungsbereich richtig verpressen, sonst erreicht man sehr dünne Längsrisse nie. Wie macht man sowas? Mit dünner Lehmpampe einstreichen?
Ich wollte auch ein paar Bilder einstellen, aber so richtig scheint das bei mir nicht zu funktionieren.
Ich gehe unter "neues Bild laden" auf durchsuchen, wähle eins aus und nichts passiert.
Aber vielleicht bekomme ich das auch noch hin.
Bis dahin vorerst danke für Eure Hilfe



Fachwerksanierung



Das ist eine teilweise demontierte Bundwand, kein Unterzug. Ob da Deckenbalken lastabtragend draufliegen ist auf dem Foto nicht erkennbar. Der Rähm ist im Bundstiel verzapft und nicht durchgehend. Die Deckenbalken liegen in der Decke nur der Verputz fehlt an einigen Stellen. Sichtfachwerk ist bei Schlagregenbelastung bzw. zu intensiver Bewitterung nicht zulässig; eine Innendämmung verstärkt die Gefahr von Feuchteschäden. Es muß außen bekleidet werden.



klassische Vorgehensweise



Ich glaube jetzt Ihrer Aussage dass alles statisch ertüchtigt ist und dies nicht das Problem ist. Der klassische Lehmaufbau auf einer solchen Wand ist der folgende.

Wenn ein Platttenwerkstoff zur Dämmung eingesetzt werden soll muss eine Fläche hergestellt werden, die Balken müssen mit Reet betackert werden und ebenfalls in diese Fläche eingepackt sein. Wenn es solche dicken Packungen werden kann man alte Ziegelreste, perfekt sind Biberschwanz mit abgeschlagener Nase, in die Lehmschichten einkleben um so schneller auf die Dicke zu kommen.

Alternativ würde ich Ihnen hier zu einem Leichtlehm raten. Dafür bauen Sie eine Holzrahmenkonstruktion vor der Wand auf. Diese Verkleiden Sie mit Sparschalung und Reet. Der Hohlraum wird dann mit einem Leichtlehm verfüllt. Bei dieser Bauweise werden die 10 cm schon mit zur Dämmung genommen was insgesamt weniger Wandstärke geben wird. Die Dicke der Schicht ist auch hier natürlich vom Balken abhängig der am weitesten raussteht.
die genaue Verarbeitung und erforderliche Schichtstärke ist Produktabhängig. Bei Schlagregengefahr würde ich am ehesten einen Leichtlehm auf Mineralischer Basis wählen. Hanf kann auch sehr viel Feuchtigkeit vertragen, ist aber schon ein organischer Baustoff, einen Strohleichtlehm würde ich hier auf keinen Fall verwenden. Bei dem Stopfen des Leichtlehm werden die feinen Risse in den Balken ausreichend mit Lehm ausgekleidet.

Wie schon einmal beschrieben achten Sie darauf dass die Anschlussfugen der Gefache außen an das Holz gut angeputzt sind und das Wasser nicht am Gefach entlang runter auf den Balken und dann rein laufen kann. Für die Verfugung kann man einen Kalkmörtel verwenden. Hier gibt es viele Unterschiede, das sind aber nicht meine Hauptarbeitsbereiche. Da kann jemand anders bestimmt genaueres zu sagen. Auch gibt es einen Lehmfugenfüller auf Leinölbasis zu dem ich aber noch keine Verarbeitungserfahrungen habe.

Ein Wetterschutz in Form von einer vorgehängten Holzfassade ist auf jeden Fall sicher.
Diese Wand zu temperieren bietet auch einen Schutz.



20 cm



eine Fachwerkwand angehoben, zu dem Preis das jetzt alles mit Winkelblechen , Lochplatten und HVV Nägeln gesichert ist und die alten Verbindungen zerstört sind?

In der Bundwand fehlt mindestens ein Ständer.

Grüße Martin