Farbgestaltung Fachwerkhaus

22.08.2011



Wir stecken gerade in der Planungs- und Entkernungsphase fest, also habe ich die muße, mal eine etwas allgemeinere Frage zu stellen. Unser Haus ist ein Hallenhaus von ca. 1860 - 1870. Der Giebel ist vom Heuboden aufwärts mit Holz verschalt. Wir grübeln nun über die Farbgestaltung. Zur zeit ist der obere Teil des Giebels grün, der größere untere gelb. an den Fachwerkhäusern hier in der Region sieht man viel grün/weiß, nur weiß, nur grün oder dunkelbraun/dunkel lasiert.

Gibt es irgendwelche Anhaltspunkte, was typisch/gängig war? Wie sieht's mit Fenstern, Deelentor und den Stalltüren aus. Wir haben da vornehmlich grün und innen relativ rot ("Ochsenblut").

Wir würden gerne möglichst im Rahmen der historischen Farbgebung bewegen, eine Anfrage beim örtlichen Heimatverein ist bis jetzt leider unbeantwortet geblieben.



Damit die Frage nicht unbeantwortet bleibt...



Holz kann man mit jeder Farbe Streichen - nur nicht mit Braun...

Ich glaube das hat mal ein bekannter Archtitekt losgelassen.

Und ich denke schon, dass Ihr das streichen solltet, was euch gefällt - so haben es vermutlich die Vorfahren auch gemacht.

Wenn Ihr Euch absolut unsicher seit, dann helfen oft alte Ansichten aus der Gegend. (Heimatmuseum oder nächstes Freilichtmuseum, Postkartensamlung, Bücherei).

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Farbiges Fachwerk



Hallo ChrisP,
vom physikalischen Gesichtspunkt ist es so, dass mittlere Farbtöne besser fürs Holz sind, da dieses dann geringere Temperaturschwankungen zu verkraften hat.
Die Auswahl der Farben unserer Vorfahren hing nicht nur von deren Geschmack ab, sondern z.B. von Rohstoffvorkommen (Stichwort: Farbige Erden in Reichweite für Pigmente) Wirtschaft (im Bergischen Land wurde mit Steinkohleteer als Abfallprodukt der Schwerindustrie gestrichen, an der Küste oft mit Buchenholzteer als Abfallprodukt des Schiffsbaus),
Handelswegen ( Wie Pigmente günstig einzukaufen waren) Politik ( Z.B. war Vorpommern eine schwedische Kolonie und die Schweden vekloppten hier ihre rotbraune Eisenoxidfarbe, ein Abfallprodukt ihrer Stahlindustrie. In Vorpommern wurden die rotbraunen Schwedenanstriche mit dem Aufkommen der industriellen Landwirtschaft oft mit dem Altöl ausm Trecker wieder überstrichen)
Status (Ich reparierte vor Kurzem ein Forsthaus aus der Gründerzeit: Grünes Fachwerk, vom Kaiserlichen Baumeister so festgelegt. Grau galt ( gilt?) als vornehm.)
Wenn Du Dir an Deinem Haus alte Farbreste anschaust: Ältere kreiden ab (Bindemittel vermutlich Leinöl), jüngere, industrielle Anstriche blättern ab. Beim Abbrennen mit dem Föhn: Jüngere geben Blasen, Ältere schmieren.
Ein Buch zum Thema, das mir gefallen hat: Farbiges Fachwerk von Manfred Gerner. Informationen zur traditionellen regionalen Farbgestaltung kannst Du vermutlich auch über die IG Bauernhaus kriegen.
Ansonsten: Wir leben im hier und jetzt. Es kann zu schönen Ergebnissen führen sich am alten zu orientieren, muss aber kein Dogma sein. Ich finde das Alte aber ziemlich spannend.
Gruß aus Nordvorpommern
Ralph



Bauernhausmuseum? Denkmalpfleger?



Hallo Chris,

vielleicht kannst Du weitere Informationen im Bauernhausmuseum in Bielefeld bekommen. Und auch wenn Euer Haus (vermutlich) nicht unter Denkmalschutz steht, können Dir die lokalen Denkmalpfleger vermutlich weiterhelfen. (Ok, es könnte nun der Hinweis kommen, dass man schlafende Hunde besser nicht wecken sollte...)

Uns hat es auch geholfen, verschiedene Farbvarianten mit Rechner und Pinsel auszuprobieren.

Viele Grüße

Dirk