Alte Handschrift im Balken versteckt

18.04.2002



habe beim Renovieren unseres Fachwerkhauses(ca 1700) in einem Spalt eines Deckenbalkens eine alte Handschrift entdeckt,offensichtlich eine Widmung oder eine Art Segensspruch für das Haus ,leider ohne Datum oder Unterschrift.Weiß jemand, ob es üblich war, durch den Zimmermann, Pfarrer oder sonstwen solche Sprüche beim Hausbau zu verstecken? In unserer Gegend (Raum Limburg) war es ansonsten üblich, über dem Türsturz einen Spruch und das Baujahr anzugeben, bei unserem Haus ist dieser Balken leider der "Modernisierung" zum Opfer gefallen.



Interessant



Hallo Frau Junghans,

auch mir sind andere Formen des "Haussegen" bekannt. Jedoch gibt/gab es dafür (hoffe ich doch)keine Norm. Ich könnte mir vorstellen, daß der Schreiber diesen Platz für günstig hielt oder, aufgrund irgendwelcher Umstände dieser Ort zugänglich war und er deshalb dort das Schriftstück plazierte. Wir haben bei unserem Anbau das Fundament gewählt. Eine Milupadose mit Salz, Reis, Münzen, der aktuellen Tageszeitung, Sorgenpüppchen, usw. gefüllt und versenkt.



Segenswünsche



Hallo Frau Junghans,
wir haben bei unserer Haussanierung des Hauses der verstorbenen Großmutter (Baujahr des Hauses ca. 1880) auch zwei Segenssprüche in Briefform im Dachgebälk gefunden (Haus bzw. Feuersegen)... allerdings fein säuberlich auf Papier geschrieben und eingewickelt in Leinen und hervorragend formuliert.
Ich weiß, dass diese Arbeit bestimmte Personen im Ort übernommen haben, die entweder im Dienst der Pfarrer oder
Bürgermeister tätig und "professionelle" Schreiber waren, denn zu dieser Zeit war es ja noch nicht üblich, dass jeder eine Schule besuchen konnte. Wir haben die "Segenssprüche" übrigens alle wieder mit eingebaut und versteckt... für die Nachkommen. Die Segenssprüche ob in Briefform oder direkt in das Balkenwerk vom Zimmermeister verewigt sind alle sehr ähnlich und und letztlich ist das Ritual des Richtfestes heute nichts anderes.
Gruße Sabine B.