Überlegungen Hauskauf

15.02.2019



Hallo zusammen,

Ich habe hier jetzt das ein oder andere gelesen, da wir überlegen ein bergisches Fachwerkhaus von 1850 zu erwerben. In den 70er Jahren wurde dies noch einmal durch einen massiven Anbau erweitert . Eigentlich passt das Objekt mit Scheune etc. Wie die Faust aufs Auge zu uns und wenn der Rest passt würden wir gern zuschlagen. letzte Woche haben wir das Haus erstmalig eingehend besichtigt. Der Allgemeinzustand wirkt erstmal gut, wenn auch noch einige Dinge fertig gestellt werden müssen. Da mein mann aber Handwerker ist und wir im Freundeskreis fast jegliche art Handwerker haben, sollte dies mit manpower und überschaubarem finanziellen einsatz machbar sein. Die jetzigen Eigentümer haben das Haus vor 10 Jahren gekauft, beide büromenschen und haben vieles von fachfirmen erneuern lassen. Scheinbar haben sie sich finanziell und arbeitsmäßig aber übernommen und überlegen jetzt statt der bald fälligen anschlussfinanzierung zu verkaufen.
Nächste Woche werden wir uns nochmal alles ganz genau mit einem befreundeten Sachverständigen anschauen, um das Risiko böser Überraschungen einzudämmen. Die jetzige Eigentümerin schien bei vielen Fragen ahnungslos oder sagte, sie haben es selber so gekauft. Das Haus ist mit enger Art metallplatten in schieferoptik verkleidet. Insofern kann man das balkenwerk leider nicht sehen. Alle Fenster wurden vor 10 Jahren erneuert, vor 10 Jahren wurden alle räume innen renoviert, die Badezimmer sind ebenfalls in akzeptablen Zustand. Es gibt allerdings einen kleinen Wasserschaden an der küchendecke durch eine undichte stelle am balkon, die aber sofort nach auftreten des wasserflecks vor weiterem wassereintritt geschützt wurde.ist noch offen aber bei überdacht. Das Dach würde in den 70ern neu gemacht und sieht noch gut aus, jedoch wurde vor 8 Jahren ein Teil der Mittelpfette durch einen Fachbetrieb erneuert, da lt. Rechnung der holzunterzug unter den Deckenbalken speicherboden total verfault und durchgezogen war. Hiermit sollte ein abbrechen der Decke verhindert werden.

Elektrik funktioniert wohl einwandfrei, Leitungen aus verschiedenen Epochen, Querschnitt aber lt. Meinen Mann ausreichend und neue sicherungskästen mit fi. Heizung öl von 94.

Preislich werden wir wohl nichts besseres finden was so gut zu uns passt, vorausgesetzt es entpuppt sich nicht als fass ohne Boden...mir macht nur der Dachstuhl etwas Sorgen nachdem der Balken da Faul war und wie es unter der Fassadenverkleidung aussieht.

Ich bin auf eure einschätzung gespannt...



Ich nochmal



Ach ja, es wäre noch zu klären ob noch Bleileitungen verbaut sind. Dies wäre für meinen Mann ein ausschluukriterium, da es nicht das halbe Haus aufreißen will. Hatte dann schon vorgeschlagen nur die Leitung zur Küche und damit quasi zum Trinkwasser zu tauschen oder ist das quatsch?



Kaufberatung Fachwerkhaus



Der Kauf einer Immobilie sollte immer von einer gutachterlichen Kaufberatung begleitet werden. Wenn es ein Fachwerkhaus ist, muss der Gutachter über Kenntnisse dieser Bauart verfügen, um den Erhaltunsgzustand und die Qualität bereits ausgeführter Sanierungsmaßnahmen beurteilen zu können.

Nach Ihrer Beschreibung ist das Objekt vom jetzigen Besitzer nicht konsequent mit einer Fachplanung saniert oder modernisiert worden, sondern eher nach "Bedarf", wenn sich ein Schaden oder ein Mangel in der Nutzung gezeigt hat. Das sollte beim Kauf bedacht werden.

Bei allen selbst ausgeführten Sanierungsmaßnahmen aber auch von solchen, die von Fachfirmen durchgeführt worden sind bleibt zu prüfen, ob sie baukonstruktiv/bauphysikalisch einwandfrei sind und langfristig fachwerkverträglich bleiben. Das bezieht sich vor allem auf alle Innen- und Aussendämmmaßnahmen (Dach, Boden, Wand, Decke) und innere GKB-Vorsatzschalen. Bei Beratungstermine bekomme ich oft überraschende Einblicke.

Zur Kaufberatung gehört auch, für Sie nachzuweisen, das die Immobilie im bau- und eigentumsrechtlichen Sinne lastenfrei mit dem Kauf übergeben wird. Dazu müssen eine Reihe von Dokumenten vor Kauf geprüft werden. Dazu gehört auch der Nachweis, das alle eventuell virgenommenen Umbaumaßnahmen, Dachausbauten, Erweiterungen ud Umnutzungen (Stall/Scheune zu Wohnraum) baugenehmigt bzw. ggf. auch nachträglich baugenehmigungsfähig sind.

Ich würde nach Ihrer Beschreibung das Objekt sehr kritisch und im Detail prüfen lassen, insbesondere die Dachkonstruktion, Bodenkonstruktion über Erdreich oder Teilkeller und die Aussenwände. Die Haustechnik wird ebenfalls gestückelt und nur teilmodernisiert worden sein. Bei Bleileitungen reicht ein vergessener Meter an einer schwer zu erreichenden Stelle, um das Trinkwasser zu belasten (bereits so vorgefunden). Der Nachweis vorab kann nur durch eine Trinkwasseranalyse erbracht werden.

Auf meiner Internetseite finden Sie bei Interesse weitere Informationen zur Kauf- und Bauberatung.

Viel Erfolg !