strenge Auflagen wirken abschreckend

26.09.2004



Liebe Forums-Leser,

wir waren kurz davor (und sind immer noch nicht abgeneigt), ein unter Denkmalschutz stehendes kleines Herrenhaus (Bj. 1912) zu erwerben, dessen Bausubstanz sehr gut ist. Mit den Auflagen der Dach-, Fassaden- und Fensterart haben wir keine Probleme, es sind eher die kleinen, für uns aber wichtigen "Feinheiten": so wollen wir die Böden, Treppen und Türen gern erhalten, aber nach dem Entfernen der abgenutzten Farben im Holzton belassen, natürlich mit schonender Versiegelung. Des Weiteren müssen zwei nicht-tragende Wände weichen, um ein Bad und eine Küche für unsere fünfköpfige Familie einzurichten, wo vorher schmale Räume waren. Da das Treppenhaus sehr kalt ist, müsste ein Windfang integriert werden sowie ein einfacher, defekter Fliesenbelag abgetragen und eine Fußbodenheizung eingebaut werden. Ein weiteres Detail unseres "Forderungskataloges" ist der Ausbau von fünf Standard-Kachelöfen, die viel Platz in Anspruch nehmen.
Bis zu dieser letzten Anfrage konnte ich mein Anliegen beim Denkmalschutzbeauftragten nicht vorbringen, da von ihm bereits verwehrt wurde, die Türen, Treppe und Böden in Naturfarbe zu belassen - worauf wir sehr viel Wert legen. Wir fragen uns nun, warum man da so kleinlich ist und einem alten, charmanten Haus nicht die Chance gibt, vor dem Verfall bewahrt zu werden (das Objekt steht bald drei Jahre leer). Ist das Vorgehen generell so streng, oder liegt das am Beauftragten?
Wie gesagt, wir haben es noch nicht ganz "abgeschrieben", da uns das Haus mit seiner Schlichtheit ganz gut gefällt und hoffen nun auf ein paar Hinweise, wie man dem Beauftragten gegenüber argumentieren könnte. Wir haben bereits signalisiert, den derzeitigen Zustand sowie die unterste Farbschicht auf den Hölzern gut zu dokumentieren und wurden mit der Frage abgefertigt "ob wir wohl solche sind, die auf den Holzlook stehen und was wir gegen ein bisschen Farbe hätten". Wir möchten aber nun mal keine weißen Türen und dunkelbraun lackierte Böden, auch wenn es Ihnen vielleicht kleinlich vorkommt - wir würden uns jeden Tag darüber ärgern.

Vielen Dank im Voraus für ein paar Hinweise,

Christiane



Denkmalpflege



Guten Tag,

sicher kann ich Ihnen keinen verläßlichen Tip geben, wie man mit Denkmalpflegern richtig umgeht oder ihre Auflagen umgeht. Vielleicht aber ist es mir möglich, bei Ihnen um ein wenig Verständnis für deren Aufgaben zu werben.

Daß nicht jeder Denkmalpfleger ein geborener Öffentlichkeitsarbeiter ist, weiß ich aus meiner täglichen Praxis. Sicher ist es ihm nicht gelungen, sein Anliegen, und das ist eins der Baugeschichte und ihrer Bewahrung, näherzubringen.
Wenn Häuser unter Schutz gestellt werden sind damit auch zeittypische Besonderheiten geschützt, wie in Ihrem Fall z.B. der Kontrast dunkler Fußböden mit weißen Türen. Würde jetzt jede Generation damit machen, was sie will, würde einmal eine fröhliche Wohngemeinschaftslackierung im poppigen 70er Jahre-look und das andere mal etwas "rustikales" daraus, kommt auf Alter und Vorlieben der Bewohner an. Das solche Spannweiten individualisierender und letztlich ahistorischer Materialbehandlung nicht akzeptabel sind, leuchtet sicher ein. Fällt es da so schwer, mit dem persönlichen Geschmack etwas hinter den Belangen der Denkmalpflege zurückzustehen ? Der Gegenwert des Verzichts wäre ein authentisches Gebäude, ein Denkmal eben.

mit besten Grüßen



Für den der damit leben muß



Moin moin,

ich kann Christiane nur beipflichten, auch wenn es offensichtlich hier nicht wirklich p.c. ist, zu dieser Meinung zu stehen.

Für uns ist gerade nach mehreren Monaten Vorarbeit der Kauf eines Hofes aus demselben Grund endgültig gestorben. Man kauft sich ein Haus doch zuvorderst, um darin zu leben und sich wohlzufühlen. Auch wenn es hier eine Reihe Leute hat, die besonders auf den Erhalt denkmalgeschützter Bauten wert legen, so habe ich bei meiner nun schon 1.5 Jahre währenden Suche nach einem geeigneten älteren Haus ganz handfest zu sehen bekommen, daß es der Mehrheit der Käufer eben darum nicht geht. Viele dürften, wie auch wir, in gewissem Maß willig sein, aber spätestens bei der Innengestaltung streiken die meisten. Die Anzahl an eigentlich netten alten Häusern, die aufgrund übermäßiger Anforderungen des Denkmalschutzes leerstehen und verfallen, ist enorm. Ebenso die Zahl der reichlich verzweifelten Verkäufer/Erbengemeinschaften, die feststellen, daß in unseren Zeiten weder die mit dem Denkmalschutz einhergehenden Zusatzkosten, noch die Quasi-Enteignung des potentiellen Käufers zu vermitteln sind.

Der jetzt abgelehnte Hof war der insgesamt 17. bei dem ursächlich die untere Denkmalbehörde einen großen Einfluß auf die Entscheidung gegen den Kauf hatte, teils waren wir die 3. oder 4. Kaufinteressenten in Folge, die jeweilig vergrault wurden. Uns entgegen gekommen ist bisher nur ein einziger Sachbearbeiter mit etwas größerem Realitätsbewußtsein, leider scheiterte in diesem Fall der Kauf an einem starken Schwammbefall.

Die Innenraumgestaltung gehört nun mal mit zum Lebensgefühl. Es ist ein Fehler, zu unterschätzen, wie sehr dies auch auf die Gemütsverfassung der Bewohner Einfluß hat. Vergangene Jahrhunderte waren nicht immer von großer Einsicht in Farbpsychologie gekennzeichnet, manches wurde einfach deshalb so gemacht, weil es für damalige Verhältnisse praktisch oder billig war. Daß heutige Bewohner wenig Lust verspüren, sich mit dunklen, zulackierten Holzoberflächen zu arrangieren hat mein absolutes Verständnis. Hinzu kommt, daß das eigene Haus heute einer der letzten Freiräume vieler Menschen ist, die sie noch selbst gestalten können.

Jedesmal "beim Amt vorzusprechen" wenn man einen Ziegel andersherum drehen will, kommt heutigem Selbstverständnis auch nicht entgegen. Mal abgesehen von der Wurstigkeit, mit der so mancher Sachbearbeiter auf Planvorlage durch einen Architekten in jedem Einzelfall besteht. Es ist ja nicht sein Geld.

Ich habe lange in Frankreich gelebt, und dort lebende, aktive und keineswegs totalverschandelte alte Häuser erlebt. Ja, meine Zeit in einem derselben ist verantwortlich dafür, daß ich überhaupt darüber nachdenke, wieder in ein altes Haus ziehen zu wollen. Wie bei uns jedoch, würde dort breites Verfaulen und Verkommen herrschen, wenn den Besitzern genauso häufig das Heft entzogen würde.



Danke für den Hinweis



Wenn ich das alles so lese kauf ich doch lieber kein Gebäude, das unter Denkmalschutz steht. Wie schauts denn in der Tschechei aus bzw. Polen. Hat da jemand Erfahrung?



Wenn ich das alles so lese........



Hallo Gabriela,

keine Angst vor Denkmalspflegern, Bürovorstehern oder Aktenverwaltern.

Jeder Beamte ist auch nur ein Mensch....

Und mit jedem Menschen kann man reden. Natürlich schwimmt man nicht oder nicht gleich mit jedem auf einer Wellenlänge.
Und nicht jeder Mensch ist an jedem Tag gleich gut drauf.
Ich habe die Erfahrung gemacht das man trotzdem immer an sein Ziel kommt.
Allerdings nicht immer sofort und auch nicht immer bei jedem.

Wenn ich tatsächlich mal nicht weiter kam oder komme und auch der 2- und 3. Anlauf kein Erfolg brachte, habe ich mich halt an den nächsten in der Hirachie gewandt. Denn jeder Beamte hat einen Vorgesetzten und jeder Vorgesetzte hat eine vorgesetzte Dienststelle.
Und keine Dienststelle kann es sich heute noch erlauben auf die Öffentlichkeit zu pfeifen.

Soll heißen: Wenn ich nicht weiterkomme, dann muß ich eben weitergehen.

Gruß und viel Erfolg
Helmut

Ps. Gerne können wir auch mal mailen oder telefonieren



Denkmalprobleme



Hallo
Ist das nun eine Sache des Denkmalschutzes oder der Persondn, die sich darin tummeln??
Auf irgendwelchen - ich sage: "optischen" - Kleinigkeiten herumzureiten und den Leuten die Launen zu Verderben??
Andererseits werden - auch von Denkmalschutzämtervertretern Angaben über Bauausführungen gemacht, dass mir der Kamm schwillt!
Aufgrund irgendeiner Publikation werden Angaben über Gefacheausbildungen durchgesetzt, die den denkenden Handwerker und Planer die Schweißperlen auf die Stirne treibt.
Der Bauherr muss dann die Auflagen erfüllen und hat nach einer Zeit von ca.5 - 10 Jahren einen vorprogrammierten Bauschaden!!
Auch das gibt es! Nicht jeder Beamte und auch engagierte Denkmalpfleger kennt sich wirklich aus in der Komplexität der alten Bauten - und das ist nicht der Einzelfall!
Da wird dann lieber auf der "sicheren Seite" - der optischen Gestaltung argumentiert - denn auf dieser Schiene geht es immer am Leichtesten!

Dann gibt es auch Leute in den Behörden und Ämtern, die versuchen Kompromisse zu finden und sind umgänglicher, lernfähig und haben lange Erfahrung im "Fehler machen und ausbügeln"!

Hier sehen wir doch wieder: der eine wird verprellt - und der andere ist begeistert!
Die einen "Hütten" werden evtl. vergammeln - die anderen schauen "gut aus" und machen dem Bauherrn Freude (die hoffentlich lange währt)!

Habe allerdings auch schon "schön sanierte" Denkmäler gesehen, die dann nach einiger Zeit zum wiederholten Male saniert wurden und werden - auf Grund von falschen Angaben und Materialien, die verwendet werden und wurden!

Den Satz hier oben find ich gut:(vom Helmut)
Wenn ich nicht weiterkomme, dann muß ich eben weitergehen
oder: Eine Verhandlung ist "Psychologie"
Wie ich in den Wald reinschreie, ……

weiterhin viel Erfolg allen Suchenden und allen Bauenden!

Florian Kurz