Boden zu hoch, Tür zu lang




Liebe Forumsteilnehmer,

hätte nie gedacht, mal solche Fragen stellen zu müssen. Aber frau lernt beim Fachwerkbau ja nie aus, was alles blödes passieren kann.

Mein Haus hatte im EG unterschiedliche Fußbodenhöhen. Nachdem es lang her war, dass wir die Böden tiefer gegraben und für die Fußbodenheizung vorbereitet hatten, war mir das auch nicht mehr so präsent. Nun hat der Fußbodenleger die Fußbodenheizung mit Estrich eingegossen und alles schön altengerecht auf eine Ebene gebracht - der Boden schließt, wenn denn das Linoleum drauf sein wird, wunderbar an die alten Dielensteine an.
Aber: Im Wohnzimmer des EG ist das historische Türblatt unterhalb der Fitsche nun 6 Zentimeter zu lang. Diese 6 Zentimeter merkt man auch deutlich am Raumgefühl. Außerdem stellten wir fest, warum die Tür unten schräg abgeschnitten war: Der Türrahmen ist schon länger nicht mehr im Lot, durch den schiefen Schnitt konnte sie überhaupt nur geöffnet werden.
Was nun?
1. Den Estrich samt Fußbodenheizung rausstemmen und neu verlegen? Das würde viel Ärger und vor allem Bauverzug bedeuten.
2. Auf dem Türblatt ein Schwellholz aufschrauben, das eine flexible Dichtung hat. Wie aber sieht das aus? Der Schnitt unten nähert sich schon jetzt gefährlich der Füllung an. Die Symetrie stimmt nicht mehr.
3. Den Türrahmen vorsichtig ausbauen, ins Lot und höher setzen - die Abstände zu den Wänden in Kauf nehmen?
Oder 4.....?

Bitte verschonen Sie mich mit Abhandlungen darüber, dass es so weit gar nicht hätte kommen dürfen. Stimmt, aber da kümmere ich mich parallel drum. Hier suche ich eine machbare Lösung, um dann auch mal fertig zu werden und einziehen zu können.

Danke für alle weiterführenden Antworten
Friederike Sittler



für



wirklich gute Ratschläge seitens der Tischler wäre ein Foto vom Zustand der Tür wohl erst einmal hilfreich.



Fotos



Versuche jetzt mal ein Foto vom Ursprungszustand hochzuladen. Die Dielen hatten sich gewölbt, waren sehr zerfressen und wurden quasi nur noch vom Ochsenblut zusammengehalten. Deutlich erkennbar aber, dass von der Diele aus eine Schwelle gelegt war, das Zimmer etwas tiefer lag.



Und so sieht es jetzt aus



Die Ofennische ist im Zuge der Innengefachsanierung abgerutscht, der Stuck wird aber wieder ergänzt.



Noch eins...



...damit vielleicht die Fitschen besser zu erkennen sind.... und das schief abgeschnittene Türblatt



das



was ich auf dem Foto erkennen kann: Das Türblatt scheint nicht mehr stabil zu sein - die Fugen zwischen Rahmenlängs- und Querstück ist keilig, das könnte das "Hängen" der Tür erklären. kannst Du das mal bitte mit einem Winkel ausmessen.
Ein weiteres Foto von Türblatt/ unteres Türband, in die Türöffnung gestellt ohne einzuhängen - etwa 5 cm Richtung Schhloss versetzt, würde die jetzige Höhe besser erklären.



Türblatt kürzen..



und Futterbretter innen /aussen anbringen
oder Zarge höher setzen , entsprechend vermutlich auch den Sturz(riegel ?), der die Türöffnung nach oben begrenzt .
Gruß aus Minden
Jürgen Kube
FensterEcke Brüggemann + Kube ZiMMEREi
www.fensterecke.de



als



Mauer bin ich zwar kein ausgelernter Tischler, aber unten kannst Du auf alle Fälle nichts mehr abschneider. Da müsste eher eine Leiste augesetzt werden, um dann mittels Zuschnitt eine waagerechte Unterseite herzustellen: Tür oben absägen und nachfräsen, Türbänder umhängen. Für einen Tischler kein Problem.



Wenn das Türblatt wieder gerade ist...



.... dann habe ich aber noch nicht das Problem gelöst, dass der Rahmen nicht mehr im Lot ist. Da hat sich einfach im Lauf der Jahrzehnte die Wand verändert und meine Vorfahren hatten deshalb das Türblatt unten schief abgeschnitten.
Schneide ich es aber wieder schief ab, dann habe ich angesichts der nun fehlenden Schwelle eine Lücke bei geschlossener Tür. Neige daher dazu, den gesamten Rahmen auszubauen, ins Lot und höher setzen zu lassen.



P.S.



Bin leider 470 Kilometer von meinem Haus entfernt und kann daher zur Zeit kein weiteres Foto erstellen.



würd ich..



..auch so machen , mensch soll sich ja auch höhere Ziele setzen ;-)
Gruß Jürgen Kube



470 km ?



Das ist mal ein großer Garten !
;-)
Jürgen Kube



tja



was rege ich mich über 6 Zentimeter zu viel Bodenhöhe auf, wo ich doch ansonsten die 470 Kilometer ganz lässig bewältige? :-)
Irgendwo muss frau ja ihr Geld verdienen, um es in der Heimat mit vollen Händen auszugeben.



sicher



kann man auch versuchen, das Türfutter neu lot und waagerecht einzubauen einzubauen.
Geht aber nur, wenn der Sturz/Bogen das zulässt. Es kann auch noch ein hölzerner Türstock (vermute ich eher) eingebaut sein - den könnte man nachstemmen. Der Möglichkeiten gibt es mehrere.
Der Nachbau einer baugleichen Tür wäre auch möglich !



Angesichts...



...des historisch hochwertigen Umfeldes würde ich eine draufgeschraubte Bretterei für unpassend halten. Die grundhafte und durchaus mögliche Variante wäre:

-Demontage des Türrahmens. Danach können Sie parallel zu den Arbeiten an der Tür weiterarbeiten.

-Türblatt demontieren, untere Füllung kürzen, unteres Querstück neu herstellen in derselben Breite wie mittleres und oberes Querstück, Tür winklig neu zusammenbauen, unteres Fitschband höhersetzen

oder, wenn der Rahmen höher gesetzt werden kann: schloßseitige Türsenkrechte anschäften und unteres Querstück ergänzen

-Türrahmen an die Tür anpassen, lot- und waagerecht einbauen.

Auch wenn der Estrichbauer vermutlich gepennt hat, diese Arbeiten wären sowieso angefallen. Denn wünsche ich Ihnen, daß Sie einen Tischler mit Faible für historische Bausubstanz finden. Dann muß der Umbau auch nicht zwingend mehr als eine neue Tür kosten. Bin leider ein wenig weit weg vom Schuss...

Also unverzagt an's Werk :-)

Grüße

Thomas



Ich will ihnen hier jetzt nicht zu nahe treten,



aber haben Sie vielleicht einmal daran gedacht die Türe rauszureissen und durch eine neue historische Türe zu ersetzen?
Diverse Firmen die Türen dieser Art verkaufen gibt es auch hier im Forum, wenn ich mich nicht täusche.
Man kann es auch schwieriger machen als es scheint.

Dann haben Sie die Möglichkeit die Türe richtig einzubauen einfach und unkopliziert.

Alles andere erscheint mir Basteln auf zuruf und kostet viel zu viel um ein vernüftiges Resultat zu erzielen.

Grüsse Thomas



Lieber Namensvetter,



Du bist eben kein Tischler :-)

Eine "neue historische Türe" gibt's nicht. Und eine (passende) alte historische Tür in den richtigen Maßen und Profilierungen findet man, trotz großen Angebotes, nur selten. Zargen nahezu nie. Also fettes Geld für den Türenhändler, und dazu ein nicht unbeträchtlicher Aufwand für Zargenneubau und Anpassung des Türblattes, Schlosseinbau, Suche nach passenden Zargenbändern etc. Da kommt selbst ein Neubau billiger.

Die von mir beschriebene Variante bedeutet einen wesentlich geringeren Aufwand für den, der's kann, und den Erhalt der originalen Tür. Definitiv keine Bastelei.

Grüße

Thomas



Mein leiber Namensvetter



ich bin vllt kein Tischler da hast Du recht, komme aber dem Schreiner recht nahe :-))
ABER in dieser Hinsicht bin ich nicht ganz unerfahren, denn solche Fälle hatten wir auch schon.
Problematisch wird es, wenn der Bauherr genau die gleiche Türe haben und keinen Abstrich an Estetik machen will.
Aber es gibt ja zum Glück gut sortierte Fachhändler , die alte Orginal Türen samt Türstock anbieten. Was die Türbreite und Türhöhe anbelangt muss man eben suchen und vllt. etwas Geduld aufbringen.
Und ehrlich gesagt, die von Dir angesprochenen Änderungen sind auch nur unter beträchtlichem, auch finaziellem, Aufwand zu bewältigen. Da erscheint es mir sinnvoller eine histerische Türe mit den ähnlichen Maßen zu suchen, auch wenn dies einen zeitlichen Aufwand mit sich bringt. Was die Fragestellerin schlussendlich tun wird liegt in ihrem eigenen Interesse und hier wird Sie sich vermutlich richtig entscheiden. Mir geht es nur darum, einen weiteren Weg aufzuweisen der evtl. etwas weniger graue Haare bringt.
Vllt hat sie ja auch Glück und findet die passende Türe sofort, wer weiss.

Grüsse Thomas



na ja,



Westfalen ist ja nun ein bisschen weit weg und ich kenn's nur von den Bildern, aber mit 2 Tagen Arbeit ist das Ganze vermutlich gegessen, wenn nicht gar zeitlich recht komfortabel ausgestattet. Also irgendwas unter 600 Euri netto. Historische Türen kosten Geld, mit Zarge um so mehr. Vermutlich schnell 'mal mehr als 600 Euri. Der Händler reißt das zwar bloß irgendwo für umme 'raus, hat aber diverse Kosten, muß es lagern und bewerben, und den steifen Blick auf die Gewinnspanne. Dann muß das Teil angepasst und eingebaut werden. Vorallem aber muß man die passende Tür+Rahmen erst 'mal finden. Auf den betreffenden Seiten sind die Teile meist fotografiert, aber nur höchst unsicher bemaßt. Also selber rumfahren...

Nix gegen historische Baumaterialien, aber bei alten Türen und Fenstern hat man bei vorhandener Lochgröße in der Wand und stilistischen Vorgaben schlechte Karten.

Grüße

Thomas



nix neu-alt - meine Türen sind mir heilig



wüsste nicht, warum ich meine alte Tür aufgeben sollte. habe inzwischen die Schmuckblende am Türsturz demontiert und 5 cm Lehmfüllung bis zum Balken gefunden. also genug Spiel, um den Türahmen höher setzen zu können, Der Tischler meines Vertrauens ist bereits beauftragt.

danke fürs Mitdenken. Wollte vor allem wissen, ob ich gedanklich auf dem richtigen Weg war. da die genannten Alternativen in Euren Antworten keine wesentliche Rolle spielten, bin ich beruhigt.

beste grüße
friederike sittler



Ende gut



LIebe Forumsteilnehmer/-innen,

um auch mal Mut zu machen (das brauchte ich zwischendurch auch immer mal wieder), anbei ein Foto wie es nun am Ende aussieht.
Die Tür ist höher und ins Lot gesetzt, der Stuckateur hat gute Arbeit geleistet und meine Mutter sich für Spinell-Blau von Kreidezeit entschieden.

Beste Grüße
Friederike Sittler



Und noch eins



Um die Tür auch noch zu sehen...



Und noch eins



Um die Tür auch noch zu sehen...



das



sieht ja richtig nobel aus ! Glückwunsch zu der gelungenen Arbeit !



Genau...



so: Es gibt nicht nur Probleme, sondern auch Lösungen.

Weiterhin große Erfolge wünscht

Thomas