Trocknungsdauer feuchter Ziegelstein


Trocknungsdauer feuchter Ziegelstein

Hallo zusammen,

in einem Haus um 1900 bin ich aktuell dabei den Souterrain aufzuhübschen.
Das Haus steht auf einem Lehmboden mit Streifenfundamenten, gemauert mit rotem Ziegelstein.

Wie auf dem Foto zu erkennen, habe ich oberhalb der Sauberkeitsschicht in der ersten Fugenreihe eine Horizontaltsperre nachträglich eingezogen. (Bitumenbahn mit Alu-Schicht, von Knauf Katja Sprint)

Gemacht habe ich dies, da teilweise 3-4 Ziegelreihen feucht sind. Siehe auch Fotos, dunklere Bereich unterhalb der roten Linie.

Der Kalk-Wandputz ohne Zementanteil ist nun schon etwa 18 Monate alt und die Horizontalsprerre habe ich vor etwa 8 Monaten eingezogen.

Die Feuchtigkeit (messbar mit einfachem Feuchtigkeitsmessgerät) hat sich an den betroffenen stellen seit Monaten allerdings nicht merklich verbessert und ich frage mich woran das liegt.

Habe bereits punktuell versucht mit einer Infrarot Lampe den Stein leicht warm zu halten, um das Austrocknen zu beschleunigen. Ohne nachhaltigen Erfolg.

Daher nun meine Frage, hat jemand Erfahrungswerte wie lang es dauern kann, bis ein massiver Ziegel von um 1900 wieder trocknet? Ist es möglich, dass dies Monate, gar Jahre dauern kann?

Grüße aus Bremen!



Raumnutzung



ist das eine Außenwand ? zur Straße oder in Dein Grundstück? Weißt Du wie der Raum früher, also bauzeitlich und später genutzt wurde.



Trocknungsdauer feuchter Ziegelstein



moin,

es handelt sich um einen innen liegende Wand. Also von beiden Seiten zugänglich.

Souterrain bei Reihenhäusern in Bremen bedeutet klassischerweise zur Straßenseite "halb tiefer Keller". Also bei der Außenwand etwa 1,5 Meter erdberührt und 1 Meter Oberhalb Straßenniveau. Zur Gartenseite ist das Souterrain ebenerdig.

Frühere Nutzung daher teils Keller, teils Wohnraum.

Erbaut mit klassischem Streifenfundament auf Lehmboden. Die unteren Steinreihen schon damals mit sehr strammen Zementputz gemauert. Damit sollte sicherlich eine Art Horizontaltsperre erzielt werden, was auch in einigen Teilen des Souterrains gut funktioniert. Nach etwa 3-4 Steinreihen oberhalb des Fundaments wurde dann mit Kalkmörtel gemauert bzw. mit deutlich weniger Zementanteil.

Die Steinreihe, die man auf dem Foto sehen kann ist 1 Stein breit (12cm). Da habe ich Abschnittsweise mit großer Flex die untere Fuge raus genommen, die Katja Sprint Bitumenbahn eingelegt und neu verfugt.

Auch nach etlichen Monaten geht die Feuchtigkeit allerdings nicht merkbar zurück. Ich finde, man sieht das auch an der neuen Mörtelfuge, die größtenteils hellgrau (trocken) aussieht, allerdings an der Oberkante zum Stein immer noch dunkelgrau ist (feuchter).

Aktuell ist das Souterrain unbeheizt, aber grundsätzlich trocken, nicht muffig.

Wie gesagt, lediglich an ein paar Stellen habe ich an den unteren Steinreihen Probleme, auch an den feuchten Flecken im Wandputz zu erkennen.



Die Angaben des Meßgerätes



sagen erstmal nur aus, dass die Bereiche mit dem niedrigeren Wert ein anderes elektrisches Leitverhalten haben als die Bereiche mit dem höheren Wert. Welches Meßgerät hast du verwendet ? Das bedeutet nicht, dass diese Bereiche naß sind. Die Farbunterschiede können verschiedene Ursachen haben, es kann z.b. eine teilweise Belastung mit Salzen vorliegen. Eine 12-er Ziegelwand, zumal unter Zuführung von Wärme und abgesperrtem Feuchtenachschub sollte nach 2 Monaten die Ausgleichsfeuchte erreicht haben. Welche Luftfeuchte und welche Temperatur habt ihr in dem Raum?
Nur interessehalber: wie kommt der Strom in die Wanddosen, über einen Kalklichtleiter? :)



Trocknungsdauer feuchter Ziegelstein



Kalklichtleiter wäre eine gute Idee ;-)
Man sieht es schlecht auf dem Bild, aber von den vorbereitenden Steckdosen gehen Leerrohre unter Putz nach unten ab. Stromkabel sollen dann unter dem Fußboden entlang laufen. Angedacht ist eine massive Eichendiele auf Lattung. Dämmung ist noch unentschieden.

Hier gibt es noch ein paar Foto zu den Problemstellen: https://photos.app.goo.gl/pBVdS9anCPq2JFfR9

Auch wenn das Messgerät nicht sonderlich genau ist, gehe ich davon aus, dass die gemessenen Stellen tendenziell feuchter sind. Einige Stellen, die ich so "prüfen" konnte habe ich auch tatsächlich trocken bekommen. Optisch veränderte sich der Putz auch hier von eher dunkelgrau hin zu hellgrau und das Messgerät zeigte eine deutlich geringere Leitfähigkeit an.

In Anlehnung an deinen Kommentar (Trocknungsdauer bei Wärme und abgesperrtem Feuchtenachschub) etwa 2 Monate, muss ich wohl davon ausgehen, dass der Feuchtenachschub wohl eher nicht abgesperrt ist.

Eine minimale Schwachstelle sehe ich z.B. darin, dass ich die Sperrbahn (Katja Sprint) nur abschnittsweise Verlegen konnte. Es gibt also einige Nahtstellen, die teilweise nicht sonderlich überlappen.

Die Raumtemperatur (unbeheizt) schwankt zwischen Sommer und Winter etwa zwischen 20° und 10°. Feuchte habe ich nie gemessen, aber es fühlt sich nicht wie Keller an. Die Sauberkeitsschicht (7cm) auf Erdreich ist mittlerweile 2 Jahre alt und Staubtrocken...

Nun stockt der ganz Bau seit Wochen und Monaten, da ich an einigen Stellen diese feuchten Flecken nicht in den Griff bekomme...



Sauberkeitsschicht



wenn die Sauberkeitsschicht ohne Feuchtesperre liegt halte ich aufsteigende Feuchte für ausgeschlossen. Ich vermute eher punktuelle Salzbelastung, dies führt dazu, dass das Mauerwerk Luftfeuchte aufnimmt, und dies bei bestimmten Salzen bereits ab 50 % rF. Welchen Putz hast Du verwendet? Sind die Mauerfugen vor dem Verputzen 1-2 cm tief ausgekratzt worden oder gab es Auffälligkeiten an den Ziegeln, leichte Ausblühungen z.B. ?



ich



hätte auch auf Salz und kondensat getippt.
grad weil unbeheizt und quasi keller.
den feuchten bereich vielleicht als Opferputz ansehen und neu verputzen.
dabei dann die fugen wie pope sagt auskratzen.
gibt kalkputze mit großem porenvolumen, die mehr salzfracht aufnehmen können.



Rohre?



Manchmal wurden sogar Abwasser und Regenrohre unter dem Boden geführt.
Da habe ich schon die tollsten Sachen erlebt. Falls dort ein Rohr liegt, könnte partiell der Boden systematisch durch ein altes undichtes Tonrohr eingenässt werden. Mach doch mal einen Plan von innen und außen, wie die Haus/Dachentwässerung geführt wurde.
Sogar in Häusern aus den 80ern habe ich erlebt, wie die Kunststoff Bodenrohre ohne Dichtungen im Boden verlegt wurden (weil es leichter geht). Den Ärger hat man Jahre später damit. Natürlich nach Ende der Garantiezeit.
Wenn der Boden nun auf ist, würde ich da ganz besonders hinschauen.



Trocknungsdauer feuchter Ziegelstein



besten Dank für die Anregungen!

- die Sauberkeitsschicht liegt auf einfacher Folie
- Mauerfugen hatten wir nicht ausgekratzt, nur mit kräftigen Besen gereinigt.
- Putz ist loser gesiebter Putz-Sand entsprechend gemischt mit Otterbein Hydradur NHL 5

- alte Tonrohre sind zum Glück jetzt alle raus. Unter der Sauberkeitsschicht liegen nun ausschließlich KG 2000 Rohre.

- Opferputz und neu verputzen werde ich ggf. mal probieren.

Gibt es ein einfaches Verfahren herauszufinden, ob es Salz und Kondensation oder tatsächlich Feuchtigkeit ist?



Salz und Kondensation



führen zu Feuchtigkeit. aufsteigende Feuchte ist durch die eingebrachte H-Sperre fast auszuschließen. Du könntest die Bohrprobe machen. Mit einem 12-14 mm Steinbohrer stückchenweise Bohren, aller 2 cm den Bohrstaub beguchtachten. Wird er im Verlauf der Bohrung trockener ist es Kondensat bzw. Salzfeuchte. Der NHL 5 ist natürlich ein ziemlich fester hydr. Mörtel und es würde etwas dauern, bis gelöste Salze an die Putzoberfläche gelangen und durch Abtrocknung auskristallisieren.
Falls Du die Fläche neu verputzen willst: Ich habe gute Erfahrungen mit normalem Luftkalkputz gemischt mit Perliten gemacht, ca 2 Teile Perlite auf 1Teil Putzmörtel.
PS: War der Sand gewaschen, den Ihr verwendet habt? Möglicherweise war der auch salzhaltig. Wie soll der Raum denn mal genutzt werden ?



Salzbelastung



"Gibt es ein einfaches Verfahren herauszufinden, ob es Salz und Kondensation oder tatsächlich Feuchtigkeit ist?"

Im einfachsten Fall würde ich mal ein wenig Putz und Steine (z.B. 10 Gramm) in 100 ml destilliertem Wasser ansetzen. Ein Mal von einer vermuteten salzbelasteten Stelle und ein Mal von einer quasi unbelasteten Stelle.
Die Salze dissoziieren im Wasser und erhöhen die Leitfähigkeit, die du einfach mit einem Ohmmeter bestimmen kannst (vielleicht 1 Tag stehen lassen und mehrfach schütteln).
Gleiche Mengen Mineralien, gleiche Mengen Wasser, gleiche Marmeladengläser o.ä. verwenden. Dann mit Ohmmeter in jeweils gleichen Abständen die Elektroden fixieren (z.B. 1 cm, 2 cm etc.).

Eine salzbelastetes Mineral hat eine deutlich größere Leitfähigkeit (geringerer Wiederstand). Der Unterschied sollte mindestens 50% sein. Ansonsten kannst du Feuchtigkeit auch indirekt messen, wenn du z.B. ein Stück Zeitung jeweils an der vermutet feuchten Stelle fixierst und eines an einer vermutet trockenen Stelle.

Nach einer Woche wird sich Feuchtigkeit in den Zeitungen ansammeln, die du einfach mit einer Feinwaage (Briefwaage) bestimmen kannst (gleiche Zeitungsmaterialien, gleiche Papierflächen und gleich montieren).

Hört sich beides etwas abenteuerlich an, funktioniert aber.