Trockenlegen bei Feldsteinfundament

20.08.2014 frauenhain3



Hallo! Ich hätte eine Frage zur fachgerechten Trockenlegung unseres 1935 erbauten Hauses.Ich möchte unser Wohnhaus trockenlegen, welches zu einem Viertel unterkellert ist. Im Keller sieht man am Nordgiebel Algen, es herrscht ein muffiger Geruch und Salzablagerungen sind zu sehen. Der Putz blättert ab. Der Boden ist aus gestampfter Erde, jedoch steht nie Wasser im Keller. Im 1. OG sind die Wände vor allem an den Hausecken schimmlig und ganz leichter Modergeruch ist spürbar. Nun habe ich begonnen von außen im nicht unterkellerten Bereich aufzuschachten (Erdboden endet am Mauerwerk direkt) Das Haus ist aus ca. 50 cm Bruchstein gebaut und beim ausgraben bemerkte ich, dass das Fundament aus Feldsteinen besteht, welche 70 cm tief liegen. Darunter ist Kies. Unser Boden ist sandig (Nach ca. 50 cm kommt Kies statt Mutterboden. Gelüftet wird regelmäßig und der Keller nur im Winter mit schon neuen Plastefenstern. Eine waagerechte Absperrung ist wohl vorhanden und sieht noch gut aus. Ein Gutachter sagte es wäre schwierig bei Bruchstein. Von innen dämmen unmöglich und von außen schwierig. Würde mich freuen wenn mit jemand helfen kann!



Feuchte



Das klingt nach Kondensat und undichtem Sockel.
Hören Sie erst einmal mit dem Schachten auf.
Dann stellen Sie ein paar Fotos von den beschriebenen Stellen ein.
Warum sollte eine Innendämmung unmöglich sein?



Trockenlegen bei Feldsteinfundament



Der Gutachter kam wegen Erbangelegenheiten also ich weiß nicht ob er sich über dieses Problem überhaupt genau auskennt. Jetzt folgen Bilder. Alle Bilder sind in meinem Profil gespeichert.



Feuchte



Mit den Fotos kann man eine Menge anfangen.
Nordseite außen:
Hier ist anscheinend lange Zeit das Wasser von der Dachentwässerung am Haus herunter gelaufen, eine Einbindung in eine Grundleitung gibt es immer noch nicht. Wenn die veralgten Bereiche im Keller darunter zu der Ecke bzw. der Wand gehören haben Sie eine Ursache.
Dann fehlt auf allen Bildern der Fassade ein ordentlicher Sockelputz, sowohl oberhalb, also im Spritzwasserbereich als auch unterhalb der Geländeoberfläche (jeweils ca. 30 cm). Hier gelangt flüssiges Wasser an und in die Wand.
Die Kellerwände weisen nur da Feuchteschäden auf wo Oberflächenwasser von außen an die Wand in Mengen gelangte, also Fallrohre, defekte Dachrinnen, Spritzwasser, zuströmendes Wasser infolge falschem Gefälle (vermute ich mal). Sonst wird die Wand nur durch Erdfeuchte beansprucht, zu sehen an den bestimmt nicht fachgerecht eingedichteten Rohrdurchführungen. Dazu kommen noch die üblichen Verdächtigen wie Sommerkondensation, Winterkondensation (bei Kellerzugang vom Haus aus) und hygrische Feuchte.
Weitere Schwachpunkte: Kellerfenster mit Brüstung zu ebener Erde, hier kann Schmelzwasser und Regen in die Wand eindringen bzw. Wasser in den keller laufen. Zu sehen an äußeren Laufspuren und Veralgung unterhalb des Kellerfensters innen.
Eine weitere Schwachstelle ist die Aufstandsfuge der Kellerwände auf dem Boden bzw. dem Fundament, diese Fuge ist soweit auf den Fotos sichtbar feucht. Wasser scheint aber nicht direkt eizuströmen, wenn dann in geringen Mengen. Der Boden ist erdfeucht. Da wo ein bisschen mit Beton herumgeflickt wurde ist der Boden leidlich trocken, wenn man mal von kapillaren Feuchtesäumen an Arbeitsfugen absieht.
Fazit.
Dachentwässerung in Ordnung bringen,
mehrlagigen mineralischen Sockelputz anbringen,
Lichtschacht ans Kellerfenster,
einfachen Betonfußboden bzw. Estrich als Fußboden einbauen und
billigen PVC- Belag lose auflegen.
Wände säubern, Putz mit einfachem Kalkputz PI CSI ausbessern, mit Weißkalkhydrat streichen.
Falls die Wände partiell mit Salz belastst sein sollten ist es möglich das in ein paar Jahren diese Stellen wieder von der Wand fliegen, na und? Das ist in ein paar Stunden mit ein paar Euro Materialeinsatz wieder repariert.
Kellertür zum Erdgeschoss luftdicht nachrüsten oder austauschen.
Zum nicht unterkellerten Teil:

Sie haben die Fundamentflanken des Streifenfundamentes freigelegt. Das schwächt die Tragfähigkeit der Fundamente und gefährdet die Standsicherheit des Hauses. Bauen Sie zur Kompensierung der jetzt fehlenden Mantelreibung einen trapezförmigen Magerbetonkeil an die Fundamentflanke, unten ca, 30 cm breit, oben auf 0 auslaufend. Danach wieder verfüllen.
Umgehend!
Die Feuchteschäden innen stammen vermutlich vom schadhaften Sockel und der Wärmebrücke die sich hier im feuchten, gut wärmeleitenden Mauerwerk gebildet hat. Nach Herstellen des Schlagregenschutzes außen und der Abtrocknung des Mauerwerkes sollte eine Innendämmung verbaut werden. Mit welchen Materialien und wie- das würde jetzt zu weit führen.



Trockenlegen bei Feldsteinfundament



Vielen Dank für die umfangreiche Antwort!
Das bedeutet ein weiteres Aufschachten is gar nicht nötig außer 30 cm für den Sockelputz gar nicht nötig?Macht Teeranstrich und Noppenbahn Sinn und welcher Baustoff ist am Sinnvollsten für den Sockel? Und wie viel cm circa sind im Keller notwendig(Unterbeton)? Wegen Standfestigkeit mache ich mir keine Gedanken, da bis etzt nur 2 Meter ausgeschachtet sind und nur ca. 10 cm bis zu Unterkante Fundament...



Abdichtung



Was den Sockel betrifft:
Am besten Sie lassen das eine Fachfirma machen.
Üblich ist ein mehrlagiger Putz, Unterputz und Oberputz aus Zementputz bzw. frostsicherem Kalkzementputz. Das Mauerwerk im Erdreich muß vorher gründlich gesäubert werden. Eine Option ist dort zusätzlich eine Verkieselungssperre und eine Dichtungsschlämme auf den Unterputz aufzubringen. Der Oberputz dient dann als Anfüllschutz.
Im Keller reichen ca. 5 cm Estrichbeton 0-8, eben zwischen Lehren eingebaut und sauber abgerieben. Gesonderte Kiesschichten müssen nicht eingebracht werden, falls wegen der Höhe ausegraben werden muß den Boden sauber mit der Schaufel abschälen. Die Abdichtung ist der lose PVC- Belag, das billigste was Sie im Sonderangebot und im Resteregal kriegen können. Er wird beim Verlegen etwa 10 cm überlappt.
Alle anderen Lösungen wären aufwändiger und teurer.
Vergessen Sie nicht die Kellerdecke von unten zu dämmen wenn es keinen neuen Fußbodenaufbau geben wird. Dafür kann man spezielle Mineralwolleplatten von unten ankleben.



Trockenlegen bei Feldsteinfundament



Hier ist noch ein Bild von der Seite neben dem Giebel, ebenfalls unterkellert. Hier wurde der Putz auch ca. 20 cm unter Bodenkante 2012 erneuert bis 1 Meter über Bodenkante. Ist die Feuchtigkeit auch durch den Abfluss der Dachrinne u suchen, welcher ca. 2 Meter von der Ecke entfernt ist?



feuchte Mauer



Nun, meine hellseherischen Fähigkeiten sind begrenzt. Ob das hygrische Feuchte, ein Loch in der Dachrinne, anderes Steinmaterial unter dem Putz usw. usw. ist kann ich aus der Ferne und mit einem Foto nicht beurteilen. Ich habe Ihnen Anregungen gegeben und Möglichkeiten aufgezeigt etwas zu ändern. Jedes kleine Detail zu klären ist aus der Ferne nicht machbar, so ein Forum hat seine Grenzen.



Keller



Moin frauenhain3,

wie schon solide erkannt und aufgeführt, spielen hier vermutlich mehrere Faktoren eine Rolle. Dabei spielen die Wasserbelastungen aus ungünstiger Wasserführung (Gefälle zum Gebäude, Wasserableitung durch Fallrohre etc.) eine nicht zu unterschätzende Rolle, da alles Wasser was am Mauerwerk versickert, dies auch belastet.
Weiterhin ist mir aufgefallen, dass zum Teil zementöse Putze auf den Wänden innenseitig aufgetragen sind. Diese halten die Mauerfeuchten Hoch und führen zudem zu Anreicherungen von Schadsalzen im Mauerwerk.
Dann ist da noch das Natursteinfundament/die -kellerwand. Am Geländeanschluss sind dort starke Fugenschäden und auch ein hoher Fugenanteil, bedingt durch die Kleinformatigkeit der Natursteine, zu erkennen. Sind diese Fugen außenseitig stark geschädigt, dringt hier natürlich auch Wasser tiefer in den Mauerquerschnitt. Das wäre auch in den erberührten Bereichen zu überprüfen.
So, jetzt mein Vorschlag (step by step):
- Wasserführung am Gebäude optimieren und bewerten ob sich etwas im Keller verändert.
- Salzbelastete Putze und zementöse Putze im Keller abschlagen und schauen ob und wie lange noch Salze aus dem Mauerwerk austreten. Die Salze regelmäßig trocken abfegen und entsorgen.
- Den Keller dabei nach den geltenden Regeln, die auch hier im Forum gelten, kontrolliert Lüften.
- Um den Fußboden auf seinem jetzigen bauphysikalischen Niveau beizubehalten, ohne dass der Bodenbelag feucht ist, kannst du mindestens 15-30cm ausschachten (bitte nicht die Fundamente untergraben), eine gebrochene Kiesschicht, Schaumglasschotter (als kapillar brechende Schicht), Bodentextil und darauf ein in Sand oder kalkgebundenem Splitt (wenn man Angst vor durchrieselndem Sand hat) Ziegelpflaster einbringen.
- Wenn du Ambitionen hast, eindringende Feuchte im Außenmauerwerk zu reduzieren (natürlich nach der Optimierung der Wasserführung am Gebäude und dessen Resultat) kann man A: Die Mauerwerksfugen im erdberührten Bereich überarbeiten und einen zementfreien Putz auftragen oder B: wenns nachhaltig sein soll, eine Tonabdichtung einbringen. Ein einfach einzubringendes Produkt findet man z.B. unter Dernoton.de im Internet.

viel Erfolg
Emzet



Abdichtung



Ich halte einen Teil dieser Ratschläge für falsch und kontraproduktiv.
Zum Zementputz:
"Diese halten die Mauerfeuchten Hoch und führen zudem zu Anreicherungen von Schadsalzen im Mauerwerk."
Das ist unlogisch und falsch. Das heißt Zementputze sind wenig wasserdurchlässig und verhindern Verdunstung- damit bleibt a) die Innenwandfläche trockener, b) die Luftfeuchte im Keller sinkt und c) es blühen weniger Salze aus. Die jetzige Gleichgewichtsfeuchte des Mauerwerkes stört nicht, nur eindringendes Wasser von außen sollte eliminiert werden. Dann sinkt diese Feuchte von selber auf ein niedrigeres Niveau. Putz erneuern mit Kalkputz beschleunigt das etwas, erhöht aber die Gefahr von Salzausblühungen. Viel Aufwand für ein schlechteres Ergebnis.

"Um den Fußboden auf seinem jetzigen bauphysikalischen Niveau beizubehalten..."
Das ist gaga. Wozu erst Erdfeuchte in den Raum lassen und dann ablüften.
Über die Wände gibt es immer noch genügend Feuchtenachschub durch Verdunstung. Ich empfinde einen trockenen Kellerboden der sich auch mal wischen lässt benutzerfreundlicher als Ziegelpflaster, dessen Einbau einen erheblichen Aufwand in der beschriebenen Form bedeutet und dessen Fugen immer sanden werden. Die Ausschachterei ist rausgeschmissenes Geld.

"zementfreien Putz auftragen..."
Der hat im erdberührten Bereich nichts zu suchen. Er dichtet nicht, bindet nur langsam ab und ist nicht frostsicher.

"wenns nachhaltig sein soll, eine Tonabdichtung einbringen. Ein einfach einzubringendes Produkt findet man z.B. unter Dernoton.de im Internet. "
Dernoton ist nicht einfach einzubringen, schon gar nicht für Laien. Es erfordert neben Fachkenntnissen im Tiefbau einen erheblichen materiellen und arbeitstechnischen Aufwand. Es schützt (fachgerechten Einbau vorausgesetzt) nur gegen druckloses, flüssiges Wasser, nicht gegen Bodenfeuchte- das ist der Lastfall der hier anliegt. Damit wird sich bestenfalls nichts verschlechtern, was den Feuchtestatus der Kellerwände betrifft.



trockenlegen bei feldsteinfundament



Ok das mit den regenrinnen wird behoben und mit gefälle zur wand? Heißt ich sollte den erdboden am mauerwerk höher schichten und dann niedriger werden von der Mauer weg um das gefälle zu erreichen?



@Papst Böttcher



nur Konkurrenzgerangel

Thema Zementputz:
Hab ich das richtig verstanden, dass du meinst Mauerwerke werden trockener, wenn man innenseitig Zementputze aufträgt? Meinst du von innen oder außen? Innenseitig ist das Fatal, weil die Ausgleichfeuchten im Mauerwerk ansteigen (denn wo soll die Feuchtigkeit denn hin, wenn sie nicht verdunsten kann), sich Schadsalze anreichern und irgendwann den tollen Zementputz abdrücken. Dann hilft nur noch eine aufwendige Mauerwerksentsalzung um überhaupt noch was zu retten. Außenseitig könnte man das ja gerade noch nachvollziehen wenn z.B. E-Modul vom Zementputz mit dem historischen Mauerwerk in einklang zu bringen ist.

Bodenaufbau im Keller:
Ich hab mich zwar zurückgehalten Deine Variante von Beton und billigen PVC-Belag zu kommentieren aber das ist jawohl Bauernschläue der 70er/80er Jahre. Dafür muss man kein Bau Ing. sein. Unter dem Beton reichert sich die Feuchte an und gleicht sich über die Wandfüße aus, wenn sie denn keine H-Sperre besitzen (geh ich mal nicht von aus). Also feuchte Wandfüße und auch Schadsalze. Ganz toll. Ist schon beeindruckend, wie du Maßnahmen verkaufst, die anderswo reihenweise ausgebaut werden.

Zementfreie Putze im Außenbereich nicht frostsicher?
So ein Quatsch, dann müssten ja alle Altbaubestände in sich zusammengefallen sein! Oder vielleicht gabs ja die letzten 1000 Jahre keinen Frost. Ob Kalkmörtel dem Zahn der Zeit standhalten können hängt von deren Qualität ab. Ein gut rezeptierter Kalkmörtel kann nachweislich Bausubstanz erhalten und egal ob Putz oder Mauermörtel etc. (natürlich nicht laienhafte Zusammensetzungen aus irgendwelchem Sand und Weißkalkhydrat), das kann man ja von Zementplörren in Altbaubeständen nicht unbedingt behaupten.

Tiefbaukenntnisse bei Tonabdichtungen?
Die braucht man jawohl auch bzgl. Dichtschlämmen oder meinst du nicht das Ausschachten der Kellerwände?
Der Arbeitsaufwand ist ja wohl als geringer einzuschätzen. Naja vielleicht suppst du ja das ausgeschachtete Mauerwerk nur mit der Dichtschlämme ein ohne Reinigung, Ausbesserung und Verfugung geschädigter Mauerwerksbereiche.

Und nun zu Dir:
Das ist ja recht löblich das du hier zu allem Mist Deinen Senf dazu gibst. An der Form kannst du noch etwas arbeiten. Ich und auch andere hier lassen sich halt nicht gerne beleidigen etc. Zum Thema Kalkmörtel in der Denkmalpflege scheinst du einen kleinen Nachhohlbedarf zu haben und zum Thema Zementmörtel in der Denkmalpflege hast du eindeutig etwas verpasst. Naja wer behauptet die alten Römer hatten schon Zementmörtel oder Muschelkalk wird aus Muschelkalkstein hergestellt sollte sich mal Fragen was denn eigentlich Zement oder Muschelkalk ist.

So, du hast Recht und ich meine Ruhe.



Bodenniveau



Anfüllen sollte ausgeschlossen werden. Wenn es das Gelände hergiebt solltest du es entsprechend abtragen und so das Gefälle vom Gebäude weg herstellen. Wenn das nicht möglich ist solltest du dann beobachten wie sich das Oberflächenwasser (z.B. am besten bei Starkregen) verhält. Läuft das verstärkt zum Gebäude kann man dies oberflächig umleiten, z.B. ganz primitiv einen kleinen Graben ziehen oder einfach eine Gosse Pflastern die das Wasser vom Gebäude weg leitet, einen Wasserschacht (Gulli) am tiefsten Punkt plazieren (natürlich sollte sich kein See am Mauerwerk bilden) etc. Je früher und konsequenter das Wasser abgeleitet wird, umso besser für Deinen Keller.



Antwort EMZET



Erst richtig lesen, dann verstehen.
Vorher noch eins: Wir reden hier über einen Keller, keinen hochwertig genutzten Wohnraum.
Wenn Mauerwerksfeuchte verdunstet kann! Salz auskristallisieren, bei Kellermauerwerk häufig aber nicht zwingend.
Die Frage ist wann und wo das Wasser verdunstet. Bei Kalkputzen (die ich zur Reparatur empfohlen habe) eher auf der Grenzfläche Mauerwerk/Putz. Der Putz fliegt durch den Salzdruck runter, da die vielgepriesene Diffusionsoffenheit das Wasser gasförmig austreten lässt. Salz kristallisiert an der Steinoberfläche aus.
Bei dichterem Zementputz (keiner weiß ob das Zementputz PIII oder Kalkzementputz PII ist)verdunstet weniger, es findet auch kapillarer Transport statt. Es fällt weniger Salz aus, wenn dann eher an der Oberfläche. Das sieht schlimm aus, der Putz bleibt aber in der Regel ganz- siehe jetziger Zustand. Bei Kalkputz wäre schon lange alles runtergeflogen. Weniger Wassernachschub von außen- weniger Kapillartransport- weniger Salz an der Oberfläche. Wenn der Putz also funktioniert kann er dranbleiben. Nur was lose ist runter.

"da hilft nur eine aufwändige Entsalzung..."
Quatsch. Das ist ein Keller und keine Bibliothek. Wenn sich die Wand bzw. der Keller auf ein niedrigeres Feuchteniveau eingestellt hat und kein flüssiges Wasser mehr von außen kommt minimiert sich die Salzausblühung. Kein Wasser- kein Transport-keine Verdunstung- keine Kristallisaition.
Flüssiges Wasser von außen abstellen- kein Salztransport- keine Salzanreicherung.
Wenn eine Wand entweder dauernd feucht oder dauernd trocken ist spielt es keine Rolle was und wieviel Salz drin ist. Nur ständige Auffeuchtung und anschließende Austrocknung transportieren Salze die auskristallisieren.
Zum Fußboden:
Diese "bauernschlaue Variante" habe ich bewußt vorgeschlagen. Sie ist billig, einfach und funktioniert. nicht weil ich nichts anderes kenne und seit 20 Jahren nie wieder eine weiterbildung besucht oder ein Fachbuch gelesen habe sondern weil ich aus der Praxis und Erfahrung von ein paar hundert feuchten Kellern heraus handle. Ob sie altmodisch ist- was solls. Nasser- richtigerweise feuchter- Beton ist für den Beton selber gut- Hauptsache oberhalb ist es trocken. Dafür reichen ein paar mm PVC. Dann wieder das alte Märchen das sich darunter Feuchte quasi aufstaut und in die Wände zieht- ein Märchen wie das viele Eisen im Spinat oder Auguste Monier war der Erfinder des Stahlbetons.
Zementfreier Putz...
Kalkputz PI hat Festigkeiten um 1,5 N/mm².
"Die Putznorm DIN 18550 Teil 1 lässt bei Luftkalkmörteln ausdrücklich die Zugabe eines geringen Zementanteils zu. Reine Luftkalkmörtel, die mit den heute verfügbaren Kalkhydraten hergestellt werden, sind in stärker bewitterten Fassadenbereichen zumindest so lange erhöht frostgefärdet, bis sie durchcarbonatisiert sind.
An einem Versuchshaus auf dem Gelände des Instituts für Bauphysik Holzkirchen wurden an allen Seiten im September jeweils 5 verschiedene Kalkputze aufgebracht. An drei Seiten blieben alle Putze schadensfrei, während an der Westseite bereits nach einer Winterperionde mit einer Ausnahme alle Putze mehr oder minder starke Frostschäden aufwiesen. Bei dem einzigen schadensfrei gebliebenen Putz handelte es sich um einen Luftkalkmörtel mit geringer Zementzugabe sowie Zusatzmitteln zur Reduzierung der kapillaren Wasseraufnahme und zur Erhöhung des Luftporenanteils."... Meier, H.L. internationale Zeitschrift für Bauinstandsetzen 2004
Ich kann gerne noch aus einem Dutzend Fachbücher zum Thema ziteren. In keinem steht nehmt Kalkputz im erdberührten Bereich als senkrechte Abdichtung oder Träger einer Abdichtung. Ich weiß nicht was diese Panik soll wenn man einen PII oder PIII im erdberührten Bereich verbaut.
"Reiner" Kalkputz im erdberührten Bereich ist gaga. Er ist ungeeignet. Hydraulische Putze sind besser geeignet da sie schneller und auch im angefüllten Bereich abbinden. Bei einer Freilegung bietet es sich an eine senkrechte Abdichtung einzubauen- darunter bindet ein reiner Luftkalkputz überhaupt nicht ab es sei denn ich lasse die Baugrube einen Monat oder länger offen stehen ehe ich weiterarbeite. Das ist albern, wenn es einfacher geht.
Bitte jetztt keine Ausrede es war ja NHL oder Romankalk gemeint- das sind auch hydraulische Bindemittel. Wieso denn keinen Zement an der Kellerwand?
Das wußte man schon seit ein paar tausend Jahren, solche Aufgaben wurden immer mit hydraulischen Bindemitteln gelöst.
Cointeraux nennt das z.B. den "ewigen Kütt".
Noch eins zum Schluß für Verfechter der Lehre vom reinen Kalk in der Denkmalpflege:

http://www.institut-erfurth.de/pdf/kalk02.pdf

Ton (oder hier Lehm)ist eine bindige Bodenart deren Verdichtung (es geht mir nicht um Baugrubensicherung) Kenntnisse aus dem Tief- bzw. Verkehrsbau bedarf um sie zu verdichten. Ohne eine optimale Verdichtung funktioniert keine mineralische Dichtschürze.
Stichworte: Proctordichte, Wassergehalt nach Proctor, Bildsamkeitsbereich, Konsistenzzahl.

Zu meinen Kenntnissen über Kalkmörtel, die alten Römer und Muschelkalk (Das Wort Muschelkalk habe ich nie erwähnt) hier von mir etwas zum Erweitern der Kenntnisse als Lektüre:

http://ingenieurbüro-böttcher-asl.de/mediapool/88/885822/data/Kalk_oder_Zement_oder_beides_1_.pdf

http://ingenieurbüro-böttcher-asl.de/mediapool/88/885822/data/Beton.pdf



Trockenlegen bei Feldsteinfundament



Vielen Dank Herr Böttcher. Also ich werde jetzt im nichtunterkellerten Bereich wieder zuschütten. Die letzten 30 cm unter der Erdoberfläche einen Sockelputz aufbringen.Auch den Putz 30 cm über Erde den alten Putz abschlagen und den Sockel bis dahinn ziehen. Das ist soweit richtig oder? Weitere Maßnahmen wie Noppenbahn, Drainage etc. sind nach ihren Ausführungen nicht notwendig. Bitte korrigieren sie mich, falls ich falsch liege.



Abdichtung



Damit liegen Sie richtig.
Eine Noppenbahn ist ein nicht besonders gut geeigneter Anfüllschutz, mehr nicht. Eine Dränung ist bei gut durchlässigem Bodenarten wie Kies und Sand nicht erforderlich. Vor dem Sockel sollten Sie einen spritzwasserbrechenden Kiesstreifen anordnen.
Warten Sie danach etwas ab und schauen wie sich die Feuchtebelastung im Keller ändert. Hellere Stellen im Putz, mehr Salzränder und Salzausblühungen sind ein sicheres Zeichen dafür das die Wand jetzt trockener wird da sich der Feuchtenachschub außen verringert. Wenn sich die Kellerwände in die neue Gleichgewichtsfeuchte eingepegelt haben dann den Putz reparieren, mit Weißkalkschlämpe streichen. Das sollte für einen normalen Keller reichen.
Im nicht unterkellerten Bereich auch erst mal abwarten und trocknen lassen. Dann bei Bedarf den Innenputz reparieren und über eine Innendämmung als Möglichkeit nachdenken. Damit kann man die Wärmebrücken an den Gebäudeecken in den Griff kriegen. Ob und wie- das ist eine andere Sache.



Kiesstriefen



So meine wirklich allerletzte Frage. Den Kiesstreifen sicher auch 30 cm unter Edrde anfangen lassen?



Kiesstreifen



Nein, das braucht er nicht. 5-10 cm reichen. Es geht nur darum das Regen gebrochen wird. Auf z.B. einer Betonfläche würden die fallenden Regentropfen Spritzer an der Wand auslösen. Vorher einen Rasenbordstein parallel zum Haus setzen.



Trockenlegen bei Feldsteinfundament



Ich bedanke mich für die hilfreichen Antworten!