Trockenbau und Gibsputz im Fachwerkhaus... diffusionsoffen ist anders..




Bei der Sarnierung/ Renovierung unseres "neuen" Fachwerkhauses haben sich noch mal Fragen ergeben.

Beim abreißen der Tapeten musste ich feststellen, das hier und da die Lehmwände mit Gibsputz übergeputzt wurden. Großflächig ist dies im Flur der Fall.
Mein Plan wäre es, wo es möglich ist den Gibs runter zu kratzen und dann mit Lehmputz eine neue Schicht darüber.
Im Flur wird das aber nicht so einfach möglich sein, da sind zum Teil 2-3cm Gibsputz oben darauf. Da würde ich den Gibs lassen wollen und drüber Tapezieren oder kann das langfristig zu Schäden führen?

Dann ist noch hier und da mit Trockenbau (z.B. Rigipsdecken) gearbeitet worden. Wie sieht es damit aus? Kann das bleiben? Passt nicht so richtig in das Konzept diffusionsoffenes Fachwerkhaus?!



Diffusion



Was meinen Sie mit "diffusionsoffen ist anders"?



Diffusion



Habe hier gelesen das Gips zwar Feuchtigkeit aufnimmt, sie aber sehr schlecht wieder abgibt. Habe daraus geschlossen das Gipsputz nicht, bzw. nicht ideal diffusionsoffen ist.
Deswegen am Ende auch die Frage: "Passt nicht so richtig in das Konzept diffusionsoffenes Fachwerkhaus?!"
Lasse mich aber auch gerne vom Gegenteil überzeugen...



Fachwerkhaus



Ob Gips in ein Fachwerkhaus passt oder nicht hängt immer vom konkreten Fall ab und nicht vom Material allein.
Solche Verallgemeinerungen helfen also nicht.
Was die Diffusionsfähigkeit als physikalische Materialeigenschaft betrifft:
Gemessen wird sie als Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl im Labor mit einem genormten Messverfahren. So kann man verschiedene Materialien hinsichtlich ihrer Diffusionsfähigkeit vergleichen. Je niedriger die Zahl, je diffusionsfähiger.
Beispiele: Der Richtwert für Kalk- und hydraulische Kalkputze liegt zwischen 15 und 35.
Gipskartonplatten zwischen 4 und 10.
Lehmbaustoffe zwischen 5 und 10.
Der für Gips- und Gipskalkputze bei 10.
Die Zahlen stammen aus der DIN V 4108-4, Tabelle 1.



Sie machen es einmal



Hallo,
ich möchte mich Herrn Böttcher anschließen, rein rechnerisch. Putze sind keine Tapeten, Sie müssen sich entscheiden, was sie neben dem Kauf eines Fachwerkhauses haben wollen. Mit Arbeit ist alles verbunden. Neben der Diffusion gibt es aber noch einen zweiten Aspekt, der meistens unerwähnt bleibt, Kondensation. Gerade in alten Gebäuden, wo wir heute übliche Wärmeisolationen nicht hin bekommen gibt es nicht selten und Flure sind so ein Fall, wo sich auf Grund des Temperaturgefälles zur Wand Kondenswasser sich bildet. Auf Grund der Tatsache das Gips in der Lage ist Wasser molekular zu binden, wenn ich mich noch recht erinnere, gibt es einmal aufgenommenes Wasser, nicht zu verwechseln mit Wasserdampf bei der Diffusion, schlechter oder langsamer wieder ab als andere Putze. Was die Arbeit betrifft, wenn Sie erst einmal ein Anfang haben, dann bekommen Sie den Gipsputz als Schale recht gut von der Wand. Aber da bin ich auch wieder am Anfang, wenn es bis jetzt hin gehauen hat, also alles trocken ist, können Sie in Ruhe entscheiden.



Kapillarität



Wenn ich mich recht erinnere nennt man das "Erhärten", Wasser wird kristallin gebunden, es entsteht Calciumsulfathydrat- eben Gips. Die Erhärtung ist spätestens nach ein paar Stunden abgeschlossen, danach wird kein weiteres Wasser mehr kristallin gebunden.
Das wäre übrigens schön wenn es so wäre. Ein Baustoff der Wasser das auf seine Oberfläche trifft kristallin einlagert... Der Baustoff bleibt trocken, das Wasser ist als Flüssigkeit gebunden.
Funktioniert leider nicht, jedenfalls nicht bei Gips.
Wenn Lehm Wasser kapillar einlagert wird er ab einer bestimmten Konzentration weich, auch nicht gut.
DESHALB habe ich oben geschrieben das es auf den konkreten Einzelfall ankommt ob Gips im Fachwerkhaus einsetzbar ist oder nicht.
Gips gehört nicht in feuchtebelastete Räume, das ist eine Binsenweisheit.
Ob im Flur Kondensat ausfällt ist eine Frage wie ich die Fragen zur Heizung und Lüftung konstruktiv löse. Kondensatausfall sollte man immer vermeiden, egal ob Gips oder nicht.



chemische Prozesse



Ich weiß, und deshalb schrieb ich aus Unsicherheit, ich glaube, aber chemische Prozesse, wie alles auf der Welt, laufen nie in unseren vorgestellten Zeiträumen zu 100% ab, deswegen habe ich das nicht aus geschlossen und meine Beobachtung das Gips länger Wasser hält, man sieht es deutlich an Schrauben in alten Gipsdübeln, und sie weisen ja auch darauf hin, das Gipsputze nicht für feuchtigkeisbelastete Räume sind, also warum streiten. Im Grunde meinen wir doch den gleichen Effekt.



Schrauben



Bitte nicht Hygroskopie mit einem angeblich unendlich dauernden Abbindeprozess verwechseln. Schrauben rosten im Gips, DAS ist ein chemischer Prozess. Jeder kennt das der mal vergessen hat nach dem Spachteln seine Kelle nicht gründlich zu säubern.
Nachhärtung gibt es wirklich, aber nicht bei Gips sondern bei hydraulischen Bindemitteln wie Zement oder Trass.
Reversible Abbindeprozesse gibt es auch aber nicht bei Gips sondern bei Luftkalk. Der kann unter bestimmten Bedingungen gelöst und wieder rekristallisiert werden.