Trittschallschutz bei direktem Verlegen von Bodendielen

11.07.2021 solocan


Hallo,

der Vorvorbesitzer unseres Hauses hat im OG im Flur und in einem Zimmer Naßestrich gegossen und befliest. Nun wollen wir diese Sünde rückgängig machen und wieder Dielenboden verlegen.

Die anderen Räume haben erhaltenswerte Dielenboden, die damals 1909 ohne jegliche Trittschallschutzgedanken direkt auf Deckenbalken genagelt sind. Da wir auch die Bodenhöhe gleich halten wollen, wollen wir die neuen Dielen auch direkt auf die Balken verlegen.

-Macht es Sinn, zumindest auf Balken Trittschalldämmung zu verlegen?
-Macht es Sinn, Trittschalldämmung auch unter die alten Dielen zu verlegen?
-Ist es verrückt, die Dielen gar nicht auf die Balken zu schrauben und schwimmend zu verlegen? Haben sie eine statische Funktion?

Natürlich klar, dass bei dem Aufbau kein hundertprozentiger Trittschallschutz erreicht werden kann. Es geht darum, ihn so gut es geht zu minimieren.

Danke für Meinungen



Re: Trittschallschutz bei direktem Verlegen von Bodendielen



Wenn Dielen auf die Deckenbalken geschraubt werden, macht eine Trittschaldämmmatte keinen Sinn, da der Schall über die Schrauben auf die Balken übertragen wird. Für einen besseren Trittschallschutz muss der Dielenboden schwimmend verlegt werden.
Schau mal ob das hier eine Option ist: https://www.steico.com/de/loesungen/fussboden-aufbauten/verlegesystem-fuer-dielenboeden



Leider nicht



Danke für die Antwort.

Das Produkt von Steico ist in erster Linie eine Wärmedämmplatte, die auch Trittschallschutz leisten soll. Darunter muss noch eine tragfähige Beplankung sein. Damit hätten wir +6cm. Das würde Stufen zwischen anderen Räumen bedeuten. Abgesehen davon, bestehen keine Wärmedämmansprüche.

Vielleicht habe ich falsche Wörter gewählt. Es geht nicht darum, den "Trittschall" komplett zu dämmen, wenn man auf Dielen springt, sondern in erster Linie Klackern und Knarzen zwischen Balken und Dielen zu verhindern...ob ich zu dem Zweck beim Verlegen bestimmte Matten verwenden soll. Mehr als 1-2cm steht mir hier nicht zur Verfügung.



also knarzen und knacken und kein trittschall?



das kommt meist aus bewegung zwischen den hölzern.
kurzzeitig kann es helfen die nägel nachzuschlagen.
die ziehen sich aber wieder raus.
nachschrauben mit vollgewindeschrauben könnte langfristig besserung bringen.
teilgewindeschrauben ziehen sich auch mit der zeit ins Holz und lassen wieder bewegung zu.

schau dir mal die heco unix top dielenschrauben an.
sehr kleiner kopf und zwei gewindesteigungen. die ziehen selbsttätig an.

das könnte man mal an unauffälliger stelle testen.

bei neuverlegung kann man schwimmend verlegen und auf die balken kokos oder hanfstreifen legen/tackern.
dann brauch man aber zwischen den balken eine hilfslatte zum verbinden der dielen.
dabei könnte man auch direkt die Schüttung ergänzen um ohne Hohlraum aufbauen zu können.

wegen statik: die scheibenwirkung der auf balken genagelter Dielung ist bei manchen gebäuden nötig. kann ich nicht beurteilen.



Statik



Hallo,
schau mal auf folgender Seite https://www.bauingenieur24.de/fachbeitraege/holzbau/aussteifende-holzbalkendecken-im-mauerwerksbau-teil-2-4/234.htm
unter dem Punkt "2.1 Holzbalkendecken herkömmlicher Bauart (ohne nachgewiesene Scheibenwirkung)".

Unser Haus wurde 1912 anscheinend genau nach diesen Vorgaben gebaut. Selbst die Kopfanker im Mauerwerk stimmen bei uns von den Abständen. Es kann also sein, das die Dielung eine statische Funktion hat. Heute würde das ein Statiker so wahrscheinlich nicht mehr rechnen, da für eine Scheibenwirkung nur Plattenwerkstoffe von Bedeutung sind.
Wichtig nach oben verlinktem Artikel sind die Abstände der Nägel/Schrauben, Brettbreite und Versatzmaß. Auch die aussteifende Wirkung der Innenwände ist von Bedeutung.

Vielleicht passt das ja bei Euch auch.


Gruß
Sebastian
Gruß
Sebastian