Trittschall und Masse in neu aufzubauender Balkendecke

21.01.2021 Stefan Singer

Trittschall und Masse in neu aufzubauender Balkendecke

Hallo Forum,

seit vielen Jahren lese ich bereits hier und informiere mich über Eure Sanier-/Restaurationserfahrungen. Hier lernte ich auch den leider mittlerweile verstorbenen Herrn Böttcher kennen, von dem uns damals vor der Sanierung ein Gutachten erstellt wurde. Leider können wir ihn nun nicht mehr fragen :-(

Letztendlich stehe ich aktuell vor dem Problem die Deckenbalken im OG um mind. 15cm von rechts (höchster Punkt nach links) zu nivellieren und vor allem hier wieder ein Maß an Trittschall zu erreichen und schwinghemmende Masse in die Decke wieder einzubringen.

Zur Kurzerklärung.

Das zukünftige Wohnzimmer mit Arbeitszimmer (Trenner der Unterzug auf den Bildern) war in seiner Höhe arg beschränkt. Ich bin 1,96m groß und meine Frau auch nicht viel kleiner. Es verblieben noch 5 cm zur Decke für mich. Den Fußboden tiefer zu legen, erfolgte schon bis Höhe Scheitel des über dem Wohnzimmer liegenden Gewölbekellers, d. h. auch hier war das Maximum erreicht.

Da ein Deckenbalken an den Auflagern etwas reparabel war, besorgten wir uns einen Zimmermann, mit dem Ergebnis diesen Balken durch Anschuhen aus statischen Sicherheitsgründen zu stützen. Alle anderen Balken sind laut Zimmermann, TOP. Zum Anschuhen habe ich vorbereitend die vorhandenen Lehmstaken, und die eingebrachten "Massemacher" entfernt. Beim Entfernen stieß ich dann auf einen recht erheblichen Höhenunterschied Alt-Decke Wohnzimmer / Oberkante Balken, was uns denn dazu veranlasste die ca. 4 Tonnen Lehmstaken, Sand, Erde und Füllmaterial + die alte klassische Gipsputz, Schilfrohrmattendecke zum zuk. WZ hin zu entfernen und die Balken komplett freizulegen. Wir sind uns bewusst, dass die enthaltene Füllmasse für Trittschall und zur Schwingungsdämpfung der Balken der wichtig war, aber der erhebliche Höhenunterschied und die wirklich schönen Balken, welche z. T. in der Decke des zuk. WZ sichtbar sein sollen, ließen Wohlfühlatmosphäre über Vernunft siegen.

So nun zu meiner eigentlichen Fragestellung:

Die Deckenbalken im WZ/AZ sollen 1/3 von unten zu sehen sein. Dafür habe ich mir überlegt, Knauf Federleisten an den Balken anzubringen und darauf dann Gipskartonplatten in den freien Balkenfeldern von unten zu verschrauben.

Von oben, also als OG Fußboden (ich muss einen Höhenunterschied der Balkenlage von mind. 15cm ausgleichen) werden seitlich Leisten/Bretter in Nivellierebene am Deckenbalken angeschraubt. Darauf soll dann als "Rohfußboden" 2x OSB3 á 15mm in Ausführung eines "Plattenbalkens".

Wie gehe ich mit dem Zwischenraum Decke > OSB3 Platte am besten in Hinsicht Trittschall und Schwingfreiheit um. 4 Tonnen Lehmstaken wieder einzulegen, kommt natürlich nicht in Frage...

Ich danke Euch für jeden Tipp ;-)

VG,
Stefan



Sichtbare Balken


Sichtbare Balken

Hallo Stefan,

wir haben hier das gleiche hinter uns. Mein Aufbau ist folgender: Solide Stahlwinkel (30x30x3mm) seitlich an den Balken angeflanscht. In die Winkel hinein wurden die Einschübe eingelegt und diese von unten direkt mit Fermacell Gipsfaserplatten verkleidet. Zwischen Einschub und Gipsfaserplatte habe ich noch 5mm starke Holzleisten als Abstandshalter gesetzt. Auf diese Weise ist ein stabiler Deckenaufbau möglich, um eine entsprechende Schüttung aufzunehmen.

Viele Grüße
Tilman



Aha interessanter anderer Ansatz ...



Hallo Tilman,

und Danke für Deine Antwort!

Was habt Ihr als Einschub auf die Winkel von oben gebracht...OSB? Und was habt Ihr dann als Masse zwischen die Balkenfelder "gepackt"? Wie siehts denn bei Euch mit dem Trittschall aus...bzw. was habt Ihr für Zimmer drüber? Bei uns werden es zwei Kinderzimmer werden...da könnte es laut werden...

VG,
Stefan



Deckenaufbau



Hallo Stefan,

ich habe 18mm OSB verwendet, doch das war mit Sicherheit nicht die beste Wahl. Wir haben bis zu 80 cm Spannweite zwischen den Balken und die OSB-Platten neigen nach ein paar Monaten zu leichtem Durchhängen. Ich habe das damit korrigiert, indem ich oben nochmal Querbalken (40x40) verschraubt habe, doch wenn Du von Anfang an etwas solideres wählst, wirst Du Dir das sicher sparen können.

Wir haben bei der Schüttung keinen besonderen Wert auf Trittschall gelegt, sondern eher auf das Raumklima, da wir das Haus nur zu zweit bewohnen. Meine Wahl fiel daher auf Blähton. Im OG befinden sich zudem Schlafzimmer, unsere beiden Arbeitszimmer und ein Ankleidezimmer. Da ist von viel Gepolter eh nicht auszugehen. Zwischen OG und Dachboden ist die Schüttung zwecks Dämmung allerdings über 20cm stark, weshalb hier einiges an Gewicht eingebracht wurde.

Was den Trittschall betrifft, wollten wir ursprünglich eigentlich die Dielen schwimmend verlegen. Nach dem ersten Zimmer (Dielen auf 10mm Filzstreifen gelagert und parallel neben den Balken mit Kanthälzern verschraubt) haben wir aber festgestellt, dass der Unterschied zu marginal ist, um den Aufwand weiter zu betreiben. Eine nennenswerte Dämpfung des Trittschalls ist nur bei harten Straßenschuhen festzustellen, nicht jedoch bei weichen Hausschuhen oder Socken. Da im OG eh Straßenschuhverbot herrscht, hat das einfach keinen Sinn gemacht.

Viele Grüße
Tilman



Zum Ausgleichen


Zum Ausgleichen

der Höhenunterschiede und zur Stabilisierung der alten Balken, habe ich Dielen an die Balken geschraubt. Daran Dachlatten und da drauf die alten Dielen als Zwischenboden rein gelegt. Danach Rieselschutz und Lehm-Hanfschüttung (LLS200). Auf die Dielen dann Hanfstreifen und 2 Lagen (über Kreuz) OSB (19mm) drauf.



Danke...



für Eure Schilderungen wie Ihr es gelöst habt @Tilman @Holger ;-)

@Tilman
Wie ist das Schwingungsverhalten der Balken bei Belastung, ich meine hast Du z.B. Risse im GK der Decke oder nix durch die Einlagerung des Blähtons?

@Holger
Das sieht ja fast aus wie bei uns (zukünftig) ich habe auch vor, 2x Schichten (allerdings in 15mm Stärke) kreuzweise OSB aufzubringen und seitlich anlaschend das Niveau für die OSB3-Platten herzustellen , aber wie verhält es sich bei Euch mit Trittschall? Tilman und Du habt ja auch Filzhanf-Dämmstreifen genutzt, wo habt Ihr die her...echt schwierig welche zu finden...und die Lehmausgleichsschüttung?

P.S. Meine alte Dielung war von Würmern zu 60 Prozent vertilgt, daher nur noch Brennholz...



Hanfschüttung uä



habe ich hier her:
https://www.hanffaser.de/uckermark/index.php/produkte/schuett-hanf-daemmwolle



Deckenaufbau



Hallo Stefan,

nein, soweit kam es nicht. Bei den weiten Balkenabständen von 80cm haben sich die OSB-Platten nach einem halben Jahr um 5-6mm durchgebogen. Da ich bei den OSB-Platten nicht abschätzen konnte, wie der Prozess weiter verläuft, habe ich sie lieber stabilisiert. Da ich zu diesem Zeitpunkt die Dielen im Stockwerk darüber noch nicht verlegt hatte, war das keine große Sache. Ich habe von oben 40x40mm Vierkanthölzer im Abstand von etwa 1 Meter quer über die OSB-Platten geschraubt. Die Verstärkung ist somit nicht sichtbar in der Schüttung. Auf die Weise wurden die Deckenbahnen wieder gerade gezogen und sind es seither auch geblieben.

Viele Grüße
Tilman



...aha



@Holger
Danke Dir...macht Appetit mit der Handwolle und wie ist es mit dem Trittschall..? Oder seid Ihr auch noch nicht fertig...?

@Tilman
Aha... hast also eine Versteifung eingebracht...ich will ja, ähnlich wie Holger 15mm dicke OSB3-Platten kreuzweise als Rohrfußboden auf den ausgeglichenen Balken aufbringen...stimmt mich aber gütlich, dass Ihr scheinbar beide keine sonstigen Probleme aus Erfahrung damit habt ;-)

VG,
Stefan



Deckenaufbau



Stefan, das hier ist der letzte Beitrag zu dem Thema in unserem Baublog. Du findest aber noch einige Beiträge mehr dazu. Einfach mal rechts bei den Themen Decken oder auch Böden anhaken.

https://www.hausen8.de/artikel/der-letzte-dreck

Viele Grüße
Tilman



..Tilman



...ist ja interessant Euer eigener Baublog...schau ich mal rein...

Mir ist gestern noch eingefallen, dass ich ggf. mit "gebundener Schüttung" von Fermacell die Masse wieder einbringen könnte, 2ter und 3ter Vorteil, Dämmung und Trittschall, wobei Dämmung bei uns nicht so wichtig wäre...



Hallo Stefan


Hallo Stefan

der Trittschall hat sich super entwickelt und war deutlich schlechter vorher.
Ich habe zu der Schaltung auch eine der alten Lehm brocken mit eingebracht (Masse). Unter der Zwischendecke habe ich (hast du sicher gesehen) eine zusätzliche Dämmung mit Steinwolle gemacht (darunter ist eine ungeheizter Raum).



Dank Euch ...



Beiden für Eure Ratschläge und Tipps...nächste Woche gehts dann los, Balken ein nivellieren und dann der Neuaufbau... ;-)

Viele Grüße,
Stefan