Haus von 1913: Treppe aufarbeiten / wiederherstellen WIE?

11.05.2007



Hallo zusammen,
wir haben mit der Sanierung der Holztreppe unseres Altbaus Probleme."Fachleute" haben uns jeweils völlig unterschiedliche Anworten gegeben.(der Maler sagte der Tischler sei zuständig, der Tischler wies uns an den Parkettleger..)
Zustand der Treppe: lasierte Holzstufen, weiss lackierte Pfosten, mit Schellack behandelter Handlauf. Auf der Treppe befand sich ein Teppich den wir entfertnt haben, geringe Kleberreste sind noch vorhanden. Die Stufen haben stellenweise leichte bis mittlere Beschädigungen (Vertiefungen, Einkerbungen, Kratzer max.5mm tief). Wir hätten gerne die Beschädiungen repariert und den Holzcharakter der Stufen und des Handlaufs erhalten. Deshalb nun die Frage: Wie und in welcher Schrittfolge muß die Treppe behandelt werden, so dass sie in neuem Glanz erstrahlt?



Hallo,



ist bekannt, womit lasiert wurde? Welches Holz wurde verwendet?

Wenn keiner der Herren 'ran wollte an den Speck, haben sie es wohl für weniger lukrativ erachtet. Könnt Ihr Fotos einstellen (dazu hier im Forum registrieren: kost nix, geht schnell).

Grüße

Thomas





Guten Tag,
Treppen werden immer noch vom Tischler gebaut, warum hier nun ein Parkettleger aktiv werden soll, erschliesst sich mir nicht ganz. Konstruktive Schäden sollte der Tischler beheben, die Oberflächenbehandlung kann anschließend ein Maler übernehmen.
M.f.G.
Bernd Kibies



Treppe aufarbeiten



Sind die Stufen wirklich lasiert ? Oder doch eher farblos lackiert,versiegelt ?



Schleifen und ölen!



Ich bin selbst gerade dabei, eine alte Holztreppe aus den 50-er-Jahren von scheusslichem braunen Lack zu befreien und kann folgende Tipps geben:
1. Sich eine Woche oder mindestens 2 Wochenenden Zeit nehmen. Es ist eine mühsame Schweinearbeit!
2. Treppenhaus mit Folie abhängen bzw. Türen Abdichten (falls das Haus bewohnt ist)
3. Alte Klebstoffreste abspachteln. Treppenstufen, Handlauf etc. mit guter Schleifmaschine, am besten einem 125er Exzenterschleifer mit Absaugung, abschleifen, Ecken mit Dreieckschleifer, evtl. auch Stechbeitel nacharbeiten und von Hand nachschleifen. Und zwar in mehreren Schleifgängen von grober zu feiner Körnung (24/60/120). Notfalls geht es auch mit einem elektronisch geregelten Winkelschleifer auf niedriger Drehzahl - das Ergebnis wird dann mit Sicherheit aber deutlich "rustikaler", sprich: unebener. Ausserdem ist es dann wirklich eine ziemliche Drecksarbeit, man steht in einer permanenten Staubwolke!
Schutzbrille, Gehörschutz und Staubmaske wären in jedem Fall empfehlenswert.
4. Mit den Pfosten kann man ebenso verfahren, oder nur anschleifen und neu lackieren.
5.Nach dem letzten Feinschliff die Treppe staubfrei machen und mit einem guten Naturöl ölen. Ich nehme dafür "Natural" Möbel-Hartöl, es geht bestimmt auch das Parkett- und Fussbodenöl desselben oder eines anderen Herstellers. Die Setzstufen werde ich mit einer Holzlasur farblich gestalten. Man könnte Sie in Ihrem Fall zB wie die Pfosten auch weiss lackieren.
Das Ergebnis wird Sie mit Sicherheit erfreuen! Also: Mut zum Selbermachen!
Beste Grüsse,
franz



Nachtrag: Bilder von der Treppe



Erstmal vielen Dank für die Antworten. Anbei ein paar Abbildungen der Treppe. Ich wäre dankbar für eine detaillierte Gebrauchsanweisung zur Restauration: Schritte, Werkzeuge, Produkte. Freue mich auf Eure Antworten.



2. Bild Handlauf





Werkzeuge ...



Hallo Corinna,

der Exzenterschleifer ist sicherlich schon gut. Wenn die Farbe allerdings in mehreren Schichten draufsitzt, würde ich doch die Staubmaske zur Hand nehmen und mit sogenannten Fächerscheiben (am effektivsten auf einer kleinen Flex) oder/und mit Reinigungsscheiben (hören auch auf Negerkeks bei Ebay) den Grobabtrag machen und dann den Exenterschleifer für die feinen Schichten.

Für die Ecken habe ich auch keine geniale Lösung parat. Mein Schwiegervater hat mir aber gerade von einem "Zugeisen" erzählt, mit dem er sein Holzboot von Farbe befreit hat. Dem werde ich noch mal nachgehen und es gegebenenfalls ergänzen.

Aber mit den Flächen habt ihr reichlich zu tun ...

Viel Erfolg.



Treppe



Mit Zugeisen könnte eine Parkettziehklinge gemeint sein !
Die eignen sich gerade für solche Arbeiten hervorragend !
Dazu noch ein Farbkratzer mit so einer dreieckigen Klinge vorn dran, und man kann loslegen !



Zieklinge



ist sehr gut geeignet. Wenn geschliffen werden soll, bitte nicht mit "Negerkeksen" oder Flex-ähnlichen Teilen. Abgesehen von der Schweinerei, die dabei entsteht, werden die Flächen ruiniert und müssen später wieder aufwendig gerade geschliffen werden.

Letzte Lackreste (nach der Ziehklinge) könnten ggf. mit verd. Salmiak abgewaschen werden (stinkt!). Dann brauchts nur einen Feinschliff.

Und danach besser Öl als Lack.

Sollte der Hamdlauf tatsächlich mit Schellack gestrichen sein, kann der Lack problemlos mit Alkohol abgewaschen werden.

Grüße

Thomas



Womit schleifen?



Zitat Thomas:

Wenn geschliffen werden soll, bitte nicht mit "Negerkeksen" oder Flex-ähnlichen Teilen. Abgesehen von der Schweinerei, die dabei entsteht, werden die Flächen ruiniert und müssen später wieder aufwendig gerade geschliffen werden.

@ Thomas: ich habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Wohlgemerkt für die erste Farbschicht. Bei mir war Ochsenblut drauf. Teilweise mehrere Millimeter dick. Das habe ich dann mit Negerkeks bzw. Fächerscheibe abgeschliffen, bis noch ein letzter Farbrest übrig ist. Dann ist noch nichts beschädigt ... ich finde es nach wie vor eine akzeptable Lösung. Einen Dielenboden mit ochsenblut schleifst du doch auch ab ...

Wenn die Farbe nicht zu dick ist, kommt man vielleicht auch mit der Ziehklinge aus. Aber da habe ich noch keine Erfahrung. Wieviel trägt die denn so ab?



@ Henning



Ich traue mir nicht zu, mit der Flex Farbe von den Stufen zu holen, ohne daß diese tiefere Riefen bekommen, die dann wieder geschliffen werden müssen. Und absaugen kann man das Teil nicht. Ich würde niemandem raten, sich die Lunge derart massiv mit bedenklichen Stäuben zu füllen.

Dünne Farben auf dem Boden schleife ich (selbstverständlich mit Absaugung), dickere brenne ich vor dem Schleifen ab.

Grüße

Thomas





Durch das Abbrennen entstehen aber auch bedenkliche Gase.
Dabei ist die Verwendung einer ordentlichen Atemschutzmaske mit geeignetem Filter anzuraten. Die groben Schichten bekommt man damit aber schon einmal gut gelöst.
Ein Bauherr hatte sich mal Flexscheiben mit Kunststofffasern besorgt, damit ging die Farbbeschichtung mühelos ab. Ich konnte den Gebrauch selber testen, ähnlich gute Ergebnis konnte ich mit anderen Vorgehensweisen nicht erzielen. Die Scheiben waren aber nicht ganz billig, der Verbrauch auch nicht unerheblich.
Den Produktnamen habe ich mir aber nicht merken können.
Was sind eigentlich "Negerkekse"? Ich dachte, diese postkolonialen Sprachformulierungen wären mittlerweile nicht mehr gesellschaftsfähig.
Grüße
Bernd Kibies



Reinigungsscheiben ...



nennen sich die eigentlich. Aber leider findet man die richtigen meist nur unter "Negerkeks". (z.B. bei Ebay - zum angucken @Herr Kiebis)

Also gerade mit diesen Reinigungschseiben habe ich überhaupt keine Riefen. Die schleifen eine sehr feine Oberfläche trotz der groben Struktur. Und wenn man die für die Flex nimmt (es gibt sie auch für Bohrmaschinenaufsätze) kann man sie auch ziemlich flächig "auflegen" beim Schleifen.
Ein Atemschutz ist bei Abheizen und bei der Flex erfolderlich.

Mit den Reinigungscheiben oder auch mit Fächerscheiben (die allerdings tatsächlich Riefen hinterlassen können) geht es einfach wesentlich schneller! Wir haben drei Stockwerke plus Dachbodentreppe ... da überlegt man sich das schon.

Nachschleifen muss man bei beiden Varianten.

Also nochmal: für die Flächen habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht mit den Reinigungsscheiben! Keine Riefen, die weggeschliffen werden müssen und ein schneller und kontrollierbarer Farbabtrag. Würde ich immer wieder so machen. - Aber es gibt auch andere gute Lösungen mit weniger Staubentwicklung ...! Zum Beispiel heizen und dann mit Absaugung nachschleifen. Dauert halt etwas länger.

Aber was schafft das Zugeisen? Wieviel Millimeter Ochsenblut kann man damit abtragen? Oder funktioniert das nur mit relativ dünnen Farbschichten?