Tragkraft T-Träger (IPE)




Hallo zusammen, ich habe da mal ne Frage bezüglich der T-Träger meiner Kappendecken (Haus von 1914):
Hierbei handelt es sich höchst wahrscheinlich um IPE 180 und IPE 220 welche wie üblich mit Ziegelsteinen ausgemauert wurden. Wie viel Last pro m² auf die Ziegel wirken kann ist mir bekannt! Ich frage mich nur was die Träger vertragen? Die Spannweiten liegen bei allen Trägern bei 3,70m im Bruchsteinsockel. Mich interessiert das, weil kein leichter Holzboden mehr vorhanden ist, sondern Dämmung + ca. 7cm Betonestrich, kurz gesagt... Die Zimmer oberhalb bzw. Kappendraufsicht sind ca. 4 x 4m.
Danke schon für eure Antworten!



Tragfähigkeit Decke



Solche Kappendecken wurden früher nach Tabellen und vereinfachten Formeln bemessen. Die Tragfähigkeit hängt ab von der Verkehrslast, der Druckfestigkeit/Art der Ziegel, dem Gewölbestich, der Spannweite und dem Achsabstand der Träger ab. Als Eigenlast der Kappenfelder (Kappe, Auffüllung, Fußboden) wurde im Normalfall mit 4,0 kN/m² gerechnet, Verkehrslast 2,0 kN/m².

Die Träger wurden gesondert gerechnet.
IP- Träger gab es damals nicht. Seit 1881 gab es bereits Träger die geometrisch dem TT- Normalprofil (NP) nach DIN 1025/1 entsprachen, aber auch andere Abmessungen.
Hergestellt wurden die NP in der Differdinger und der Burbacher Hütte. Die zulässigen Spannungen differierten je nach Material (Schweißeisen oder Flußstahl) und den Vorgaben der Baubehörden.
In Berlin galt z.B. ab 1910 eine zulässige Biegezugspannung von 120 MN/m² bei Schweißeisen und bei Flußstahl von 140.
Die Zugfestigkeit von Schweißeisen wurde 1914 mit 350- 400 MN/m², die von Flußstahl mit 400- 420 MN/m² angegeben.



Vielen Dank!



Muss ich mir gedanken machen?
Welche Abmessungen hatten die Träger damals wenn es noch keine IPE´s gab?? Vom Flansch her (82mm) müssten es IPE 180 sein.
Die Träger liegen ca 0,85m auseinander und sind ca. 3,70 m lang. Der höchste Punkt der Kappengewölble von unten gemessen liegt bei ca 7,5 cm. Die äußeren Kappen liegen auf den Aussenwänden auf.
DANKE!!



Kappendecke



82 mm Flanschbreite entspricht dem TT Normalprofil 180, das gibt es heute noch.
Das sind viertelsteinige scheitrechte Kappen zwischen Trägern. Die tragen, im Gegensatz zu den halbsteinigen mit Stich gewölbten Kappen, selber nichts; das heißt sie sollten nicht belastet werden. Die Steine sind nur Raumabschluß, also Brand- Schall- und Wärmeschutz zum Keller. Üblich waren darauf Dielenböden die auf Lagerhölzern kamen die wiederum auf den Trägern lagen.In den Feldern befand sich Schüttung, z.B. "Coacsasche". Die Dielen übertragen die Verkehrslasten direkt auf die Träger.
Es gab "Steineisendecken" die so ähnlich aussehen aber tragende Felder haben da zwischen den Steinen Zugbewehrung angeordnet wurde. Typische Vertreter waren/sind die Viktoriadecke, die Schürmanndecke und die Kleinesche Decke.
Vor dem 1.WK waren diese Decken selten.
Sie sollten also sicherheitshalber keine Verkehrslasten in die Deckenfelder eintragen.



Okay aber...



Also seit Okt. 2011 haben wir folgenden Istzustand:
Kappendecken wie bereits beschieben.
Dann Auffüllung der oberen Kappenwölbung aus einer Mischung EPS Kugeln/Zement (siehe Foto) bis mündig Trägeroberkante.
Dann kam eine blaue dicke Folgie mit einer dünnen Schaumstoffschicht. Anschl. 2 cm Alukaschierte Hartschaumplatte + 3,5 cm EPS Dämmung für die Fußbodenheizung. Dann Fußbodenheizung und ca. 7 cm Estrich.

So gesehen werden die Ziegelfelder nicht direkt belastet, sie werden sozusagen ja in die ges. Bodenfläche integriert da die Last scheibenförmig verteilt wird.
Von der ges. Last müsste es doch aber noch Ihren Angaben her passen? Die Fläche hat doch noch Reserve- oder?
Vielen Dank nochmal Herr Böttcher!!



Tragfähigkeit Decke



Soll ich jetzt raten oder etwas zu Ihrer Beruhigung sagen?
Ich bin Ingenieur und kein Psychologe.
Als Ingenieur hätte ich einen anderen Aufbau gewählt, z.B.
statt und ab alukaschierter Hartschaumplatte:
22 mm OSB
Holzfaserdämmung
Wellpappe
Gußasphalt- Heizestrich.
Geht schneller (ist in einem Tag eingebaut und am nächsten Tag benutzbar)und belastet die Felder nicht.
Wenn Sie wissen wollen ob die Träger das aushalten:
Einen Tragfähigkeitsnachweis bei einem Träger auf zwei Stützen und einer Linienlast zu führen ist sehr einfach, dazu braucht man nur zwei Formeln. Mit der einen kann man das maximale Biegemoment bestimmen: max. M = q l²/8. Q ist die Linienlast die auf einen laufenden Meter Träger liegt, auszurechnen aus der Eigenlast und der Verkehrslast.
Mit dem ermittelten Biegemoment kann man dann die vorhandene Zugspannung Sigma ermitteln:
vorh. Sigma = max.M/W.
W ist das Widerstandsmoment, ein geometrischer Wert der für den TT 180 161 cm³ beträgt.
Die ermittelte vorhandene Spannung wird jetzt mit der zulässigen Spannung verglichen:
Es gilt vorhanden Sigma kleiner/gleich zulässig Sigma.
Wie groß ist zul. Sigma?
Die Frage müssen Sie einem Statiker stellen. Der wird dann wohl hilfsweise den niedrigeren Wert nehmen den ich in meinem ersten Beitrag angegeben habe.
Warum einen Statiker: Der kriegt dafür Geld und trägt die Verantwortung. Ich nicht.



okay



vielen Dank nochmal für die Antworten!
Ich denke Sie haben mir schon sehr viel weiter geholfen!