KAPPENDECKE




Hallo aus Österreich.

Bin kurz davor ein ehemaliges Wirtschaftgebäude (teilweise Stallungen) zu übernehmen und hätte gerne noch ein paar Meinungen.
(Statiker kommt erst in 2 Wochen)

Es handelt sich um eine sehr flach ausgeführte etwa 110 Jahre alte Kappendecke (oder bei uns PLatzlgewölbe).

Spannweite 9m
Öffnungsweite 150cm
Träger 200/100
Stichmaß 3-8cm

Die Decke bzw. die Träger hängen auf die 9m Spannweite sicher 10-12cm durch.
Äußerlich rostig, teilweise hat sich der Putz und das Gitter gelöst, die Träger scheinenen ok, keine Risse, keine Durchrostungen. Auch im Auflagebereich oder außen alles ganz gut.

Die Decke existiert nur so, keine Schüttung darauf, nur etwas Stroh liegt noch herum.
Lediglich die Trägeroberseite wurde eingeputzt / zementiert, diese Bereiche haben einen Längsriss im Zement.

Ist die Durchbiegung für so ein altes Gemäuer noch im grünen Bereich?

Bei einem Türeinbau des Vorbesitzers hat sich ein Träger (oder wurde ein Träger) um etwa 13cm herabgesetzt, die Decke weist daneben Risse auf - siehe Bilder. Auch sind (wohl damals) die Ziegel der Decke um etwa 2-3cm aus dem Träger gerutscht, die ganze Decke hängt dort etwas - Stichmaß fast schon auf 1-2cm.

Danke für alle Kommentare..



noch ein Bild



Situation über 3 Fenstern.



Kappendecke



Die Bemessung und Konstruktion dieser Decke liegt hart man Rande dessen was das Material abkann; wenn hier überhaupt einer einen Tragfähigkeitsnachweis geführt hat.
Das zulässige Maß der Durchbiegung liegt bei l/300, das vorhandene Maß übersteigt es somit um ein Mehrfaches. Vermutlich sind die Feldträger bis kurz vor der Fließgrenze belastet. Die hohen Punktlasten an den Auflagern führen dort natürlich zu Verformungen, der Feldträger über dem Türsturz verschob durch seine Auflast ein Widerlager und senkte sich. Das Risse durch Durchbiegungen und Horizontalschub auftreten ist natürlich logisch. Ihr Statiker wird wohl ein Kribbeln in den Haarspitzen spüren wenn er in den Stall kommt.
Aber noch ist Polen nicht verloren:
Mit einem Unterzug und ein paar Nachbesserungen lässt sich die Decke sicher stabilisieren. Die Kappengewölbe in den Feldern sind stabil; die Durchbiegung der Träger lässt sich hoffentlich etwas verringern. Die Frage ist ob sich Ihr Statiker überzeugen lässt das zu rechnen und anschließend den Tragfähigkeitsnachweis zu führen.

Ich hatte gerade so einen ähnlichen Fall wo mit Abbruchmaterial nachgebessert wurde.



Kappengewölbe reparieren



Am einfachsten wird es sein quer unter die Träger mittig einen Träger zu setzen. Je nach Spannweite notfalls unter diesen eine Stütze.

Wenn ein Träger die Deckenhöhe zu sehr reduziert kann dieser ggf als Überlager, auf der Decke, montiert werden.

Wo in Österreich befindet sich das Gebäude?

Andreas Teich



Vielen Dank



für alle Kommentare.
Die Statiker waren eher vom Gebäude fasziniert als sich um die Risse zu sorgen.
Spannweite wurde als "damals so üblich" eingestuft.
Tragfähigkeitsnachweis wollte natürlich keiner übernehmen.
Das Gebäude wurde leider an jemand anderen verkauft - insofern muss ich mir keine Gedanken mehr machen.
Alles Liebe,
G