Dampfbremse...??

23.03.2004



Halloechen,

bin dabei, mein Haus hier im Süden Frankreichs mit einem
schönen Dächlein zu versehen. Isolierung (Hanf/Kalk) kommt
in "Kästen" von aussen drauf, zwischen beplankung und Dachziegeln. Zuunterst soll eigentlich eine Proclima DA
Dampfbremse gelegt werden, die mir für gutes (teures) Geld
verkauft worden ist. Habe mittlerweile mitbekommen, dass diese
folien auch PE-Einlagen haben. Ist so eine Folie nun ok, oder
ist sie das nicht? Hardcorer meinen ja, man solle nur dickes
Packpapier nehmen, aber die Investition ist ja nun mal getätigt worden...

bitte eure Meinungen und Erfahrungen
gruss und dank

Torsten



Erfahrungen



Hallo,
bei der Renovierung in meinem Haus habe ich hinter einer dampfdichten Verkleidung mehrere von Feuchtigkeit geschädigte Hölzer gefunden, die teilweise ausgetauscht werden mußten.
Daraufhin habe ich alles herausgerissen, was nach Dampfpperre aussieht und habe noch einige weiter Problemstellen gefunden.
Ich werde in das haus keine Dampfbremsen mehr einbauen.

Gruß,
Volker



Fachinfo



High Torsten,
rufe doch mal den Thomas im Büro an, da ich jetzt gerade nicht in der Firma bin, über die genau Bezeichnung dieser Unterdeckbahn, weil wir gerade gestern ein derartiges selbiges Thema hatten.
Wir mußten auch umplanen, da wir zuerst eben auch ein anders Material wählten, aber eine Rücksprache mit pro clima uns genaueren Aufschluß gab.
Fon 035936-45398
Grüße.



Dampfbremse



Hallo Torsten,

hab gerade den Beitrag von Udo gelesen. Da wir momentan das gleiche Problem haben und ein BV umplanen mussten. Haben uns mit pro clima verständigt und die meinten bei allen was außen angewendet wird sind die normalen Baupapiere nicht geeignet. Natürlich ist ein gewisser Kunststoffanteil darin (über den ich auch nicht glücklich bin), aber da liegt natürlich der Hase begraben. Entweder es ist feuchtigkeitsresistent oder es löst sich auf. Da die Bahnen ja auch mech. Belastung erfahrten beim Verlegen und du das Dach sicherlich nicht gleich dicht kriegst, ist es sicherlich überlegenswert den Kompromiss einzugehen.

Viel Spaß weiterhin wünscht Dir Thomas

Habe die Bilder vom Lehmofen nicht vergessen.



Dampfbremse?



Im Denkmal oder Altbestand prinzipiell nie! Warum?: Alles, was Kunststoff ist oder auch nur so aussieht gehört nicht an den Bau und nicht in den Bereich der Sanierung. Es soll ein Diffussionswiderstand erzeugt werden, bei welchem erreicht wird, daß historisch verbaute Baustoffe und Baumaterialien "eigepackt" werden- also nicht mehr "atmen" können. Grundsätzlich abzulehnen. Richtig ist- erfahrungsgemäß- für den Bodenausbau natürlich produzierte Stoffe zu verarbeiten. Kurze Thomas hat schon recht: Was willst Du denn noch so alles dämmen? Ein 3- Liter- Haus soll's und kann's ja wohl nicht werden, nicht? Also, Torsten-am besten ist für Dich, normalen Rieselschutz einzubauen (Packpapier z.B.). Wenn Du schon das teure Zeug dahast, dann bitte auf folgendes achten: Auf die Sparreninnenseiten auftackern, Stöße nicht abkleben (!), Tackerstellen sorgfältig abkleben (Rost). Dann weitermachen. Da hast Du Ruhe. Versprochen!

Ernstel aus Zittau



@Ernstel



Hi Ernstel, danke für deine "Anteilnahme".
Wieso sagst du, man soll die Stösse nicht abkleben?
Wieso soll Kunsstoff schlecht sein? Goretex lässt doch
auch perfekt atmen. Ich verstehe das alles nicht.
Kunsstoffaversion als Lebensphilosopie - vielleicht kann
ich ja selbst das noch teilen...
Packpapier hat doch massenhaft nachteile. Eine kleine Regen-
schütte und alles fault dir unter den Füssen weg. Rissfestigkeit null, atmungsaktivität nicht gemessen, verkleistert mit irgendwelchen Klebern (keine Ahnung welchen),
Holzreste woher? Behandelt??

nachdenklich sitze ich nun hier..

alles beste
torsten





Oha, da beginnt mal wieder die Philosophie. Ich gehe davon aus, dass heutige Baumaterialien (ähnlich wie die Nahrungsmittel) so gut und gründlich untersucht sind wie nie zuvor - deswegen werden die Menschen ja heute auch 80, statt mit 40 den Löffel abzugeben wie zu der Zeit, als unsere schönen Fachwerkhäuser gebaut wurden. Das Problem bei der unübersehbaren Schwemme von Stoffen ist wohl, das Richtige für das Haus X zu finden. Und da wird's echt schwierig: Ich Kauf ja einen Pullover auch nicht nach der U-Wert-Tabelle. Ich würde jedenfalls teuer gekauftes Baumaterial nicht wegschmeißen, wenn es ins Grundkozept passt, mit einigen Ausnahmen: Styroporplatten und Bauschaum halte ich für Sondermüll, vieles andere aber nicht - auch die Fachwerkhausbauer vor 200 Jahren waren keine Puristen, sondern haben genommen, was sie gekriegt haben - Pferdemist und Kuhfladen im Lehmputz sind zwar Natur pur, aber naja ...
gf



@Günther



..da bin ich 120% bei dir! Und genau deswegen werde ich wohl
diese Folie auch verwenden. Proclima DA hat einen genau kalibrierten Sd Wert von 2.3, ich wüsste nicht, warum die
beschaffenheit aus Kunsstoff auf einmal dramatische Folgen
haben sollte für meinen Bau. Natürlich bin ich nicht so ganz
glücklich, aber nun hab ich sie einmal da.

torsten





Hallo Torsten, noch einmal nachgehakt: Schlimmer finde ich, wenn einem etwas teuer als Natur verkauft wird und sich hinterher doch als faules Ei entpuppt: Etliche Hanfdämmstoffe beispielsweise enthalten PE-Fasern (was an sich nicht schlimm sein muss, aber naturrein ist anders), und in etlichen gängigen Lehmputzen (Lehm ist in!) ist auch Gips und sonstiges, weil's ja leicht verarbeitbar sein soll. Und der Vegetarier isst Käse, dessen Oberflächen mit Antibiotika behandelt sind ... Da schlimmste Übel dieser tage ist die Heuchelei, da werde ich dann echt sauer.
gf



@Günther



nun, gegen Gips hab ich ja nichts. Gegen moderne Welt auch
nicht; geheuchelter hi-tech ist natürlich auch bullshit.
dampfbremsen stehe ich immer ein wenig nachdenklich gegenüber;
wenn ich einen Käufer hätte, würd ich die Folie wohl verticken....

gruss
torsten





Da sind wir uns ja einig. Wo soll man aufhören mit der modernen Welt? Ein Plumpsklo im Garten und vier Monate lang nur Kartoffeln und Kraut aus dem Keller? Eisblumen an den Fenstern und Rauch in der Küche ... Wie gesagt, da wird's dann Philosophisch. Ich mag mein altes Haus - gerade auch deshalb und vielleicht noch ein bisschen mehr, weil da jetzt ein vollautomatische Heizung läuft und weil ich - der Tag wird kommen - mir in 200 Jahre alten Mauern eine heiße Dusche gönnen kann, während im E-Herd die Lasagne bruzelt. Hat schon was, die auch so schlimme neue Zeit.
gf



Hallo, Torsten! Hallo Günther!



Zur Richtigstellung: Kunststoff hin- Kunststoff her. Fakt ist, daß man es verbauen muß, wenn's gekauft wurde. Stöße deswegen nicht verkleben, weil ohnehin mit mindestens 10 cm Überlappung verlegt und damit eine Hinterlüftung (!) des Dachgespärres ermöglicht wird. Ansonsten packt man das Holz in Kunststoff. Packpapier vergesse mal. Wie's schon oft falsch gemacht wurde, beweisen diverse Fertigbauten, Gerichtsfälle und viele, viele Bauschadensgutachten zum Thema "Dampfbremse" und Dachstuhlausbau.
M.f.G.! Ernstel



@Ernst



Hi Ernst. Dank erst einmal für deinen Beitrag. Mit dem Verkleben der Stösse scheint das ja so eine Sache zu sein.
Mein Dachaufbau ist folgendermassen (von innen nach aussen):

- tragende Balken (Eiche)
- Querbalken (im Gefälle, 10*12cm, alle 45cm, Eiche)
- Beplankung (3cm, Eiche)
- Dampfbremse
- nochmals Querbalken, sozusagen "doppelnd", auch 10*12cm
- in die entstandenen Hohlräume kommt Hanf/Kalkgemisch, leicht komprimiert
- Gutex Multiplex Top Platten, 22mm
- Längslatten, 3*4cm, zur Hinterlüftung
- Querlatten, 3*4cm
- Mönch- und Nonnenziegel, gemauerte Firste

Ich frage mich, ob in diesem Fall die Dampfbremse nicht
am Besten verklebt wird....


gruss
torsten





Man lernt ja nie aus - ich habe mir sagen lassen, dass ein Dachaufbau von innen nach außen diffusionsoffener werden soll (oder ist es umgekehrt oder wie, Verwirrung allenthalben???). Das Problem ist ja die Luftfeuchtigkeit im Haus, die mit der warmen Luft unters Dach steigt (Menschenschweiß, Kochdäpfe, Waschmaschine ... ne Menge Wasser). Wenn ich das Dach richtig dicht mache, muss die irgendwie raus - kontrollierte Lüftung. Da man ein alktes Dach nie dicht bekommt, nutzt man das Goretex-Prinzip: Der Wind bleibt draußen, Wasserdampf geht durch. Ich denke, nicht verklebte Stöße sind ein Punkt, wo der Wind dann doch wieder rein kann - nicht im Sinne des Erfinders. Es ist erstaunlich, welche Orkane bei einem weitgehend winddichten Dach an den wenigen windigen Stellen entstehen können ... Alklerdings ist der Dachaufbau von Torsten nicht eben gerade von der Stange. Dennoch würde ich Stöße gefühlsmäßig verkleben (Naturkautschuk oder ähnliches beruhigt alleine durch den Preis das Gewissen ...)
gf (Der-auf-dem-Dach-noch-viel-lernen-muss)