Tischplatte Eiche Schreiner

04.04.2008 PFlam



Hallo
heute geht es mal nur indirekt ums haus.
ich möchte mir für meinen Esstisch eine Eichenplatte bauen.
Das Holz das ich zur Verfügung habe sind sechs 1A 14x5x210 lange Balken.
meine Frage ist nun ob ich diese direkt verleimen kann.
Oder muss ich das Holz aufschneiden damit es sich nicht verzieht.
Was ist die höchste Breite die noch funktioniert?
Ich finde je breiter die Bretter sind desto schöner sieht es aus.

schönes Wochenende

Philipp



Altholz



Hi,Phillip
Das Eichenholz(210x14x5 cm LxBxH )ist neu gekauft vom Händler oder Altholz(~100-350 jahre alt)?
Tisch soll es modern design werden(heutige zeit)-dann verleimt man üblicherweise
soll es vergangene Zeiten symbolisieren ?
je älter, desto weniger wurde verleimt ,sondern mit Gratleisten und Holzdübeln zusammengehalten
20-25 cm breite Bretter waren früher üblich (13-17 jhd.)
zeig mal Querschnitt der "balken" und ein entwurf deines gewünschten Tisches.
nach heutigem design müßte wohl abgerichtet , aufgetrennt,dickengehobelt werden.
soll Altholz sichtbar bleiben ,ist nur abrichten(für gratleisten und innere Längskanten) und auftrennen notwendig.
Gruß Marc
PS: 14 cm breite bretter sind heut auch modern.



Holz ist ein schöner Werkstoff, aber...



...insbesondere durch seine Anisotropie auch kompliziert zu verarbeiten. Gerade bei massiven Tischplatten ist die richtige Anordnung der Jahrringe und die Konstruktion entscheident für ein gutes Stehvermögen der Platte... Selber machen ist problemlos möglich, aber vielleicht investierst du in eine Stunde Beratung bei einem guten Tischler, der sich das Holz ansieht und dir dann ein paar Tipps zur Konstruktion und Vorgaben bezüglich der Ausrichtung der Jahrringe macht...

Oder du liest dich ein, z.B. "Ravensburger Holzwerkstatt Band 1, Hoadley, Holz als Werkstoff". Fachwissen mit netten Geschichten, leider nicht mehr neu zu bekommen, aber vielleicht in deiner Unibücherei.

Gruß Frank



@ Marc



Woher Du auch immer Deine Vermutungen haben magst, der Nachweis dürfte Dir schwerfallen. Tischplatten wurden auch vor Jahrhunderten aus Brettern verleimt. Gratleisten halten die Bretter nicht zusammen, sondern hindern die Platte am Verwerfen und lassen sie trotzdem "arbeiten", d.h. sie sie behindern das Quellen und Schwinden des Holzes nicht. "Übliche" Breiten gab es in vergangenen Jahrhunderten nicht. Das Holz wurde optimal ausgenutzt. Für Tischplatten wurden oft Mittelbretter gewählt, weil sie weniger arbeiten. Diese wurden meist mittig aufgetrennt. Die Bretter wurden selbstredend abgerichtet.

Literatur: z.B.
Adam, Tische aus 4 Jahrhunderten
Himmelheber, Die Kunst des deutschen Möbels

@ Phillip
bei den geringen Breiten Deiner Bretter muß nicht aufgetrennt werden. Zur Stabilisierung der Platte würde ich Gratleisten empfehlen. Damit ist der Selberbauer aber üblicherweise überfordert, manch Tischler kriegt das auch nicht mehr hin. Such Dir am besten einen erfahrenen Vollholztischler in der Nähe und laß Dir die Platte bauen. Das saubere Abrichten der Bretter vor dem Verleimen ist übrigends keine leichte Sache für den, der keine Abrichte hat.

Grüße

Thomas



was ist so schlimm an vermutungen?



Hallo,Thomas
bin leider kein Restaurator(aber Tischler) und kann bei fremden eigentum(freilichtmuseen) die tische nicht auseinandernehmen. ..augenzwinkernd..
Bild:dieser Tisch ist definitiv nicht verleimt(Haus ist von 1367)
wahrscheinlich ist die Zeitraumangabe("13-17 Jhd.") doch ein wenig zu gewagt.
trotzdem danke für den literaturhinweis.
Gruß Marc



Der Tisch...



...ist ein Kastentisch, wohl 17./18.Jh.

Mit ziemlicher Sicherheit war die Platte ursprünglich verleimt. Aus verschiedenen Gründen können sich Leimverbindungen öffnen, Leim altert, versprödet, Feuchtigkeitseinwirkungen etc.

Die quer im Hirnholz angebrachte Feder, eiserne Klammer o.ä. (ist nicht genau zu erkennen) wird wohl eher nachträglich angebracht worden sein.

Grüße

Thomas



Schragentisch?



Hi,Thomas
im letzten Halbjahr war ich öfters in Bücherhalle(HH),unter anderem fiel mir ein ein Buch zu (weibl.Autor?)
da wird ein ziemlich gleichaussehender Tisch(als Schragentisch bezeichnet)beschrieben von 1500-1510 aus Zürich -Tisch des Abtes Heinrich VIII. Kloster Rheinau

würde ich schon komisch finden ,in einem Haus aud dem 13.jhd. ein Tisch aus dem 17-18-Jhd. hinzustellen.
sicherlich blieben vom Lande wenig erhaltene Möbel übrig.
ab wann wurden denn breitenverleimte Brettertische produziert? mein Buch zu Leim u.seiner geschichte find ich nicht mehr.

Bild: fränkisches freilandmuseum-gruppe Mittelalter-Haus aus Höfstetten 1367
würde Hernn Konrad Bedal(Direktor des Museums) als sehr gewissenhaften Menschen beurteilen.
Gruß Marc



Besseres Foto



Jetzt sieht mann's natürlich - kein Kastentisch. Wo kein Kasten ist...

Da wurde ich bei einer Vermutung ertappt!

Die Bezeichnung "Schragentisch" ist mit verschiedenen Inhalten belegt. Schragen (schräge Brettfüße) hat auch der fotografierte Bocktisch. Als Schragentische im eigentlichen Sinne werden aber meist Tische bezeichnet, wo die beiden Schragen in der Mitte kreuzförmig überblattet sind, somit nur ein Steg erforderlich ist. Ich habs auch schon für einen Tisch gelesen, wo sich alle 4 Brettfüße mittig getroffen und in halber Höhe überkreuzt haben, eine recht komplizierte Konstruktion.

Das Haus mag aus dem 14. (nicht 13.) Jh. sein, der Tisch ist es nicht, die Formensprache ist die späterer Jahrhunderte. Vielleicht stammt er auch aus dem 16.Jh.? Im ländlichen Raum wurden Formen über lange Zeit beibehalten. Ohne dendrochronologische Untersuchungen ist ein letztes Wort da manchmal nicht zu sprechen. Daß der Museumsdirektor da zusammenstellt, was er halt hat, ist nicht ungewöhnlich. Es passt ja zueinander, auch die sicher erneuerten Bänke. Mit Sicherheit könnte kein Museum des Landes eine komplette Wohnungseinrichtung von der Mitte des 14. Jh. zeigen.

Und verleimt ist das Gestell mit absoluter Sicherheit, wenn auch vermutlich zusätzlich mit Holznägeln gehalten. Warum also nicht auch die Platte? Gerade bei der Platte wurde ja eine fugenlose Fläche angestrebt. Leim gab es im übrigen schon in Ägypten und Griechenland, als hierzulande an Mobiliar noch lange nicht zu denken war. So elegante Konstruktionen wie ein griechischer Stuhl, der Klismos, sind ohne Leim nicht denkbar.

Grüße

Thomas





das heißt also 14cm breite Bretter verwerfen sich nicht?
unser Meister in der Uni sagte mir ich muss die Bretter auftrennen.
Das breiteste was ich bis jetzt an einer Tischplatte gesehen habe waren 12cm.
Das Abrichten ist kein Problem, wir haben eine Top Werkstadt in der Uni.
Vom Tischler kann ich ihn mir sie nicht bauen lassen.
Das Holz hat mein Stundentische-Buget schon fast überschritten.
Mit der Gratleiste sieht es also nicht so gut aus.
Was währe also die Perfekte breite?

Gruß
Philipp



Gratleiste



Hi,Philipp
14 cm werfen sich mit sicherheit ohne Gratleisten
Leimholz(im Handeln u.ohne Gratleisten incl.) hat selten mehr als 80mm breite Lamellen .
mit liegenden Jahresringen mehr,mit stehenden jahres- ringen weniger,Holzfeuchte spielt auch ne rolle.
Gratleiste kannste doch aus dem "Balken" rausschneiden sollte ebenfalls stehende Jahresringe haben und vernünftigen Querschnitt.
wünsches gutes Gelingen trotz knappe Budget.
Gruß



Geht auch mit 24cm breiten Brettern...



Die Lammelierung ist eine Verarbeitungsmethode der holzverarbeitenden Industrie. Da hier bei der anfallenden Produktionsmenge aus ökomomischen Gründen nicht auf die Lage der Jahrringe geachtet werden kann, schneidet man das Ausgangsmaterial einfach möglichst klein, so daß die vielzahl der unterschiedlichen Anordnungen der Jahrringe evtl. auftretende einseitige Formänderungen weitestgehend vermeidet.
Als qualifizierter Handwerker sollte man schon einen anderen Anspruch an die Ausführung seiner Arbeit haben, zumal es sich bei der anstehenden Arbeit nicht um einen "Auftrag" handelt, der vom Kunden bezahlt werden muß. Es gibt genug traditionelle und auch moderne Methoden, "breite Bretter" zu einer ebenen Tischplatte zu verarbeiten...

Das breiteste "Brett" unseres Tisches ist 24cm breit, er wird durch massive Hirnleisten in Form gehalten und hat sich seit Jahren bewährt. Und natürlich sind die einzelnen "Bretter" miteinander verleimt.


Schönen Gruß