Tipps für Ausbau Keller zu Schlafzimmer?

03.06.2019 marcelfac



Liebe Fachwerk.de-Gemeinschaft,
wir möchten in unserem Haus einen Teil des Kellers als Schlafzimmer nutzen. Zunächst zu den Gegebenheiten:

a) ca. 100 Jahre altes, gewöhnliches Reihenmittelhaus
b) aus Ziegeln gebaut, doppelte Außenmauer mit Hohlraum
c) Haus vollunterkellert; Kellerfläche ca. 35 qm, unterteilt in 3 Abschnitte, von denen einer das Schlafzimmer werden soll; ca. 5 x 3 Meter
d) Keller absolut trocken, nicht muffig o.ä. (übrigens im ganzen Haus keinerlei Feuchteprobleme)
e) Decke zwischen Keller und EG Beton, darauf im EG Kiesschüttung und Holzdielen; Kellerdecke bisher nicht gedämmt
f) derzeit entferne ich erst eine (natürlich nicht tragende) Zwischenwand, wo früher die Kohlenecke war
g) durch den Keller - auch durch den küftigen Bereich des Schlafzimmers - verläuft eine Gasleitung
h) Wasserablaufschacht vorhanden (in anderem Kellerbereich)
i) Kellerfenster im Bereich des Schlafzimmers vorhanden
j) der SZ-Bereich grenzt an eine Zwischenwand, auf deren anderer Seite unser Haus-Schaltschrank hängt
k) Raumhöhe 2,1 m

Meine bisherigen Pläne:
l) Wände und Decke mit Kalkputz (Hessler)
m) den etwas unebenen Fußboden mit möglichst dünnem Estrich ausgleichen, darauf dann Trittschall (Hanf oder Holzweichfaser) und Holzdielen (ich würde eigentlich lieber Trockenschüttung statt Estrich verwenden, z. B. Mehabit; Aber die Raumhöhe ist mit 2,1 m schon recht gering und Trockenschüttung + Fermacell würde mind. 4 cm beanspruchen)
n) Gasrohr verkleiden, 2 oder 3 unterschiedliche Gasmelder verbauen; Zugang zu Gashähnen mit großen Wartungsklappen sicherstellen
o) neues Kellerfenster mit automatischem Ventilator
p) Wand, an der der Schaltschrank hängt, elektromagnetisch abschirmen

Meine Fragen:
q) Hat jemand Ideen/Erfahrungen/Einwände wegen einem der oben genannten Punkte?
r) Habe ich etwas vergessen, zu bedenken?
s) Auf den nakten Kellerboden/Estrich außer Trittschall zusätzliche Schichten empfohlen?

Liebe Grüße
Marcel



...nun ja?



Ob es jedermanns Geschmack ist, sich wie in einem "Bunker"zu verweilen, trotz sicherlich sehr moderner Baumöglichkeiten ruhend und erholend damit zurückzuziehen, läßt sich streiten.
Architekte würden sicherlich allumfassend davon abraten!
Souterrainbewohnen war um die Jahrhundertwende 1900 bis, ein Thema, Neubauten damit trockenwohnen zu lassen von Obdachlosen und auch arbeitslosen Familien.
Schlafzimmer sollten lichtdurchflutet sein, aber natürlich auch eine schöne angenehme Kühle ermöglichen.
Was ist der Beweggrund für ihre Lösungsgedanken?

Bleibt es bei dieser Idee, sind natürlich viele Ausbauvarianten der Putze etc. denkbar.
Auch WH und Lehmputz ein sehr beliebtes Thema mittlerweile.
Bodenaufbau könnte man auch mit Cemwood schwimmend ausführen bzw. justierten Lagerhölzern.
Gaszähler und Gasrohre in einem Schlafzimmer?
Ist das baurechlich überhaupt zulässig?

FG Udo



viele Gründe



Hallo Udo,

lieben Dank für deine Antwort.

Meine Gründe für die Idee, das SZ in den Keller zu verlegen:
- SZ bisher in der 2. Etage (DG); das ewige Trepensteigen ist manchmal lästig
- Der Keller ist im Winter von sich aus selten kälter als 17 Grad und im Sommer selten wärmer als 22 Grad.
- Zugewinn von Wohnfläche
- Zum Schlafen brauchen wir kein Tageslicht. Für uns ist das SZ kein Aufenthaltsraum.
- Entspannung der Situation, dass die beiden Zimmer im OG Durchgangszimmmer sind, weil das Haus leider kein rchtiges Treppenhaus hat.

Klingt das schlüssig? Wie gesagt, trocken ist der Keller schon. Kein bisschen muffig.

Potentielles Manko ist aber eben die Sache mit der Erdgasleitung. 100 % unbedenklich ist das für mich als Laie nicht. Auch deshalb erwähne ich es hier. Aber die einzig logische Konsequenz ist wohl, das SZ in einem anderen Bereich des Kellers einzurichten (ebenfalls mit Fenster).

Was sind denn deine Erfahrungen, die gegen ein Bewohnen des Kellers sprechen? (außer wenig Licht und Muffigkeit; Ersteres in unserem Fall nicht relevant und Zweiteres nicht zutreffend)

Der Tipp mit Cemwood ist sehr interessant. Habe ich mir notiert und schaue es zu gegebener Zeit intensiv an.



Radon



Haben Sie einmal die Radonbelastung in ihrer Region überprüft? Gerade das ist doch eine recht hohe Gefahr, der Sie sich gegebenenfalls aussetzen könnten.

Des Weiteren müssen Sie für eine gute Belüftung sorgen. Die Wände sind nicht gedämmt und der Taupunkt wird schnell überschritten.

Gerade bei einem so alten Haus wurden keinerlei Vorkehrungen im Keller gegen Feuchtigkeit getroffen. Auch eine Isolation wird bei Ihnen nicht vorhanden sein.



Re: Radon



Allerbesten Dank für den Tipp bzgl. Radon! Ich werde mich darüber informieren. Würden Sie besondere Quellen empfehlen? Sie sprechen von einer Angabe für meine Region. Eine Messung im konkreten Keller wäre demnach nicht angezeigt?

Bezüglich Feuchtigkeit: Eine gute Belüftung habe ich auf dem Schirm. Und mit dem Kalkputz gedenke ich, gute Vorsorge zu treffen mit Blick auf Feuchtigkeitsausgleich und Schimmelgefahr. Nachdem ich den alten Putz abgeschlagen habe, werde ich den Kalkputz insgesamt sicherlich 2-3 cm dick auftragen, allein schon wegen gewisser Unebenheiten.

Eine besondere Dämmung sehe ich bisher nicht vor, da die Temperatur jetzt schon optimal ist und es mit Feuchtigkeit keine Probleme gibt. Ich verstehe aber, dass die zusätzliche Luftfeuchtigkeit, die durch das Schlafen im Keller entstehen würde, irgendwohin müsste. Statt eines normalen Unterputzes vielleicht einen Dämmputz wie diesen verwenden?: https://www.hessler-kalkwerk.de/hks-produkte/items/0c-hp-9sl-kalk-daemmputz.html



Moin,



da es sich eh um ein genehmigungspflichtiges Vorhaben handelt, würde ich die Planung erst einmal dem Architekten überlassen.



mal nach UK schauen



Hallo, wohne in UK, hier ist es völlig normal komplette Wohnungen im Keller zu haben, findest du in jeder Stadt in gefühlt jedem 2ten alten Haus. Eingang von der Straße per Außentreppe erreichbar. Das Thema kam hier im Forum häufiger auf und immer kommen entsprechend negative Kommentare (diesmal noch zurückhaltend) - wenn Ich rat suchen würde, beschreib doch mal in einem UK Forum dein Vorhaben, da kannst du dir sicherlich erstmal einen Überblick verschaffen, was alles Realität ist (oder vl eine Reise in eine beliebige Stadt in UK oder Irland), dann siehst du, mehr ist möglich, als die Erfahrungen, auf die dt Bautradition zurückblicken kann. Nach dieser Recherche würde ich dann ausloten, was/wie in deinem konkreten Fall zu tein sein könnte. 2.1m ist ja sehr niedrig..



Keller als Schlafzimmer umbauen



Den Boden würde ich ggf vorsorglich mit einer Feuchtigkeitssperre mit Alufolieneinlage abdichten, die gleichzeitig auch vor Radon schützt- zumindest was die Bodenfläche betrifft.
Darauf tragfähige 20-40 mm dicke Holzfaserplatten und geöltes Fertigparkett legen wenns auf geringe Aufbauhöhe ankommt.

Die Wände allenfalls von dichter Farbe befreien, ggf Elektrokabel einschlitzen und verlegen, bei geringer Raumhöhe Wand- statt Deckenlampen verwenden.

Mit Kleber auf Kalkbasis zB Multiporplatten zur Innnendämmung vollflächig ansetzen und mit Kalkmörtel verputzen-
mit Kalk- oder Silikatfarbe streichen.

Eine dezentrale, kleine Lüftungsanlage reduziert ggf bestehende Radonbelastungen sowie die Luftfeuchtigkeit und sorgt für geringe Lärmbelastung von außen und erzeugt bei geringer Drehzahl keine störenden Geräusche.



Es gab (RIP) und gibt



sogar Leute, die ihr Büro im Keller haben.